Dämmen mit Strohlehm

01.09.2012 Herbert40



Hallo Leute,
ich suche immer noch nach eine kostengünstige Möglichkeit, die Außenwände meines Fachwerkhauses zu Dämmen.
Nun bin ich auf Strohlehm gestoßen. Laut http://www.baufachinformation.de/denkmalpflege.jsp?md=1988017185284 ist ein Lehmanteil von 10% Lehm ein stabiler Baustoff.
Das würde bedeuten, wenn ich das richtig verstehe, wenn ich 90% Zuschlagstoffe verwende sprich Stroh würde sich auch die Wärmeleitzahl verringern und damit eine bessere Isolierung bieten.
Meine Idee ist nun, 10cm Außenwand Fachwerk mit Lehmsteine ist vorhanden.
Innen eine Schalung 15cm und diese mit eine Strohlehmgemisch ca: 80% Stroh zu 20% Lehm ausfüllen. Das ganze mit einem Lehm bzw. Kalkputz verputzen.
Bei einem Leichtlehm von 400Kg pro Kubikmeter habe ich nur noch eine Wärmeleitzahl von 0,12.
Die Frage ist nun ob sich dieses so verwirklichen lässt und da es hier um Volumenanteile geht, kann ich das auch nach gewicht irgendwie berechnen?
Wie sieht es überhaupt mit der Idee aus?
Muss das Stroh unbedingt in stücke geschnitten sein? Gibt ein langer Halm nicht viel mehr Bindung in sich?
Gruß Herbert



Hallo Herbert



ähnliche Gedanken zum Thema Dämmung haben wir uns auch schon gemacht. Wir kamen dabei zu dem Ergebnis, daß die Art der Erwärmung des Hauses und somit seiner Bewohner einen großen Einfluss hat auf die effektiv erforderliche Dämmung - weit weg von jeglichen EnEV-Vorschriften und Normen.

Unsere Versuche mit selbst hergestellten "Sauerkrautmatten", das sind mit Lehmbrei verklebte Strohhalme in eine Form gepresst, verliefen nicht sonderlich erfolgreich. Die Matte an sich war schon recht stabil. Aber das Anbringen an die Wand hat nicht funktioniert. Beim Anschliessenden Verputzen hat sich die Matte wieder aufgelöst und kam von der Wand. Wir haben aber auch nur einen Versuch gemacht und uns dann folgendes überlegt:

EnEV Vorschriften auf der einen Seite hin, und kaum bis nicht vorhandene Normen zu Lehmbaustoffen auf der anderen Seite her. Die Art der Wärmeeinbringung in ein ursprünglich erbautes Fachwerkhaus hat einen großen Einfluss auf das "Ich fühle mich behaglich"-Gefühl der Bewohner.

Am besten lässt sich der Effekt über das Sitzen am Lagerfeuer verdeutlichen: Da herschen ruhig Lufttemperaturen von meinetwegen -5 Grad, und man fühlt sich aber warm und behaglich, da die gesamte Wärme über Strahlung auf den Menschen übertragen wird - übrigens derselbe Effekt wenn man sich in strahlendem Sonnenschein befindet an einem ansonsten kühlen Herbsttag. Unsere Haut ist für die Aufnahme von Wärme über Strahlung offensichtlich sehr empfänglich von Natur aus.

Hält man sich nun in einem sagen wir mal über einen Grundofen aus Ziegelsteinen beheizten Raum auf, fühlt man sich auch schon bei Lufttemperaturen behaglich, bei welchen man ohne die vorhandene Strahlungswärme bestimmt frieren würde. Und wenn jemand die Haustür oder das Fenster aufmacht, geht diese Strahlungswärme auch nicht einfach so verloren wie die in der Raumluft gespeicherte Wärme - wodurch sich der ganze Dämmaufwand überhaupt erst bedingt. Ich denke, es wird klar, worauf ich hinaus möchte.

Bevor man sich Gedanken über eine zusätzliche Innen- oder Außendämmung der vorhandenen Fachwerkwände macht, sollte man sich auf jeden Fall vorher über die Art der Wärmeinbringung in die Räume Gedanken gemacht haben.

Die Erbauer alter Fachwerkhäuser haben diese sicher nicht zum frieren seiner damaligen Bewohner gebaut, sondern so daß man sich mit ursprünglicher Heiztechnik, und das sind nunmal zumeist große Grundöfen für mehrere Räume gewesen, auch wohlfühlt.

Eventuell gibt es hierzu aber auch genug andere Themen im Forum und deshalb möchte ich noch etwas zur Lehmdämmung sagen.

Stabilität einbringen in aufgebrachte Lehmdämmung kann man bestimmt mit Kaninchendraht oder gebundenen Strohmatten. In dieser Richtung habe ich auch schon mal was gefunden beim googlen. Schleußner aus Tangermünde z.B. experimentierte vor ca. einem Jahr mit der Herstellung von professionell erstellten Sauerkrautmatten. Wie weit er mittlerweile ist, und ob es geklappt hat, weiß ich aber nicht.

Gute Tipps zum Umgang und zur Verarbeitung von Lehmbaurohstoffen finden sich auch in den teils recht lustigen Beschreibungen in den "Einfälle statt Abfälle" Heftchen im Selbstverlag von Christian Kuhtz.

http://www.einfaelle-statt-abfaelle.de

Gerade die Reihe um und zum Ofenbau ist äußerst informativ und lesenswert.

Es empfiehlt sich aber auf jeden Fall, wie bei jeder anderen Art der Informationsbeschaffung, beim Lesen der Lektüre seinen eigenen Verstand zu benutzen.

Viele Grüße und Spaß am alten Haus wünscht

Torsten Kühnel



Dämmen mit Strohlehm



Hallo Torsten,

du magst ja im Bezug auf Behaglichkeit recht haben. Nichts geht über einen schönen Ofen mit Bratapfel in der Röhre ?.
Das ganze kenn ich noch aus meiner Kindheit wo Zeit, Stress und Hektik noch nicht zu der Zivilisation gehörte. Heute möchte ich aber nicht wirklich mehr im Winter wach werden und die Wohnung ist total ausgekühlt. Das empfinde ich dann nicht mehr als Behaglich ?.
Ich denke dass man irgendwie das alte und den heutigen Wohlfühlstandard unter einem Hut bekommen muss.
Nach meinen Rechergen sollte das mit dem Halt an der Wand kein Problem geben da ich keine Platten verwenden will sondern die Dämmfüllung direkt mit der Wand verbinden möchte. Sprich Fachwerkwand zusätzliche Schalung darauf ein Rohrgeflecht. Per Gleitschalung das ganze hinterfüttern. Anschließend verputzen.
Ich hoffe jedenfalls das es so geht.
Gruß Herbert



Ich kann vor zu gut gemeinter Innendämmung ...



... nur warnen.

Ohne den beschriebenen Aufbau gerechnet zu haben, habe ich aus der Erfahrung heraus den Verdacht, dass bei "herkömmlicher" Beheizung mehr Tauwasser ausfällt, als der Konstruktion gut tut (vermutlich mehr als 0,5 kg/m²). Zwar wird das Tauwasser irgendwie wieder verdunsten können, aber das Risiko, dass sich früher oder später Bauschäden einstellen, halte ich für erheblich und kaum kalkulierbar.
Sofern dann noch das falsche Stroh verwendet wird, sind Schimmel und Fäulnis geradezu vorprogrammiert.

Ich kann nur immer wieder appellieren, auf eine Innendämmung zu verzichten, lediglich für eine einwandfreie Luftdichtigkeit, z. B. mit einem etwas stärkeren Strohlehm-Innenputz, zu sorgen und ansonsten auf Strahlungsbeheizung zu setzen.
Dabei präferiere ich im Fachwerkbau nach wie vor die Heizleisten im sogenannten "Kreissystem", auch unter dem Begriff "Einrohrheizung" bekannt, da diese vom Aufbau her einfach, d. h. sogar zur Selbstmontage geeignet sind, mit Ausnahme von Wand- und Deckendurchdringungen keine Eingriffe in die vorhandene Bausubstanz erfordern, sowie im Falle von Undichtigkeiten diese sofort erkennen lassen und problemlos zu reparieren sind. - Kein "Gedöhns" wie bei Wandheizungen!
Deswegen kann ich es mir auch an dieser Stelle nicht verkneifen, auf drei Bauberatungsbeiträge auf unserer Website zu verweisen.

Zum Thema "Heizleisten":
http://www.meisinger-ingenieurleistungen.de/index.php/bauberatung/47-hd

Zum Thema "Energieeinsparung im Altbau - Möglichkeiten und Grenzen":
http://www.meisinger-ingenieurleistungen.de/index.php/bauberatung/49-hd2

Zum Thema "Lehmputz im Innenbereich":
http://www.meisinger-ingenieurleistungen.de/index.php/bauberatung/64-lehmputz-im-innenbereich



Ganz schlechte Art der Innendämmung!!!



Da bei Ihrem angestrebten Verhältnis 1.die Masse unter 700kg/m³ liegt und damit nicht mehr genug Lehmteilchen vorhanden sind die, die Feuchtesorption und die Kappilarleitung in der Bauteilschicht übernehmen.2.die Dämmung an der Innenseite der Wand in erster Linie die Warme Innenluft bremst und nicht die Kalte Außenluft(Darstellung für Laien), dadurch die so genannte Taupunktverschiebung nach innen geschieht(Weil die Kälte von draußen nicht gebremst wird). 3.für Innendämmungen mineralische Zuschlagstoffe besser sind(Blähton,Blähglas,Blähschiefer), da organische Stoffe wie Holz,Stroh, Rohr, feuchteanfälliger sind und dadurch Pilzen Nährboden bieten. 4.eine Wandtemperierung durch Sockelleisten- oder Wandheizung(wie bei Frau Meisinger schon beschrieben) hilft bei Tauwasserausfall die Wand schneller rückzutrocknen und in ersterlinie den Taupunkt wieder raus schiebt.

Gruß Ronny



Strohlehm...



ich hatte einmal die Gelegenheit, eine Woche an einer Strohlehm-Dämmung mitzuwirken. Dabei wurde das Gefach entfernt. Stroh wurde mit Hilfe einer einfachen Hebelpresse gepresst, mit Gepäckbändern verschnürt, und dann in die Gefache eingebracht, so dass die Enden des Strohs nach außen und innen gezeigt haben. Außen stand das Fachwerk 2cm über, innen stand das Stroh 10-15cm über. Dann wurden von innen im Bereich der Fachwerksbalken mit Strohbündeln egalisiert, dann die Verschnürung gelöst. Das Stroh dehnt sich aus und klemmt sich fest. Überstehendes Stroh wurde mit dem Aligator (einer Art Säge) abgeschnitten. Von außen kam ein wetterfester Putz (Kalk/Lehm/Kuhdung) drauf, von innen Lehmputz.

Ich halte diese Ausführung für sehr gut.
- Das Stroh kommt nur an den Enden mit Wasser in Berührung. Die Gefahr der Verrottung ist gering. Das ganze kann schnell trocknen.
- Der Putzgrund ist sehr griffig. Da kann nichts abfallen.
- Die erzielte Dämmung ist maximal.
- Durch die Pressung ist eine gewisse Festigkeit in der Wand vorhanden.

Eine Schalung ist problematisch wegen der verzögerten Trocknung. Lieber eine Gleitschalung.



Sanierung Keller Wände Dachisolierung



Hallo Wolfgang und Ronny,

Vielen Dank für eure Ratschläge und Auskünfte. Ich fürchte, ich muss da noch mal einiges gehörig überdenken.
So langsam kommt bei mir die Depression auf. Alle Ideen werden zu nichte gemacht. Wenn auch mit Recht aber es lässt einen langsam verzweifeln und drüber nachdenken ob ein Abriss und Neubau nicht wesendlich Kostengünstiger wird.
Ich werde mir wohl erst einmal einen Fachmann vor ort kommen lassen und dann weiter über eine eventuelle Sanierung nachdenken.
Gruß Herbert