Zement und Klinker - Probleme vorprogrammiert?

08.11.2010



Hallo,

ich habe ein Problem, das mir seit einigen Tagen schlaflose Nächte bereitet und hoffe nun hier (fachkundige) Ratschläge zu erhalten. Ich habe mir vor einiger Zeit ein altes Fachwerkhaus gekauft. Da ich von Sanierung und Bau keine Ahnung habe, habe ich Fachfirmen beauftragt. Nun wurde teilweise (zum größten Teil) das Fachwerk erneuert und die Gefache der Außenwand neu ausgemauert. Nun geht es um die Innendämmung. Ich habe mir dazu Fachliteratur besorgt und mußte nun lesen, dass Zement ganz schlecht für Fachwerk ist. Der Maurer hat zum Ausfachen Klinker und Zementmörtel benutzt. Ich habe jetzt gelesen, dass diese Kombination sehr ungünstigt (weil nicht diffusionsoffen) ist und schnell zu Schäden am Holz führt. Was kann ich jetzt machen, um mit einer Dämmung nicht alles noch schlimmer zu machen? Ich hatte eigentlich an folgende Innendämmung gedacht: Lehmputz - Holzweichfaserplatten - Lehmputz. Von innen muss ich bei den Außenwandgefachen auch noch die Fugen ausbessern, um eine glatte Oberfläche zu bekommen. Lohnt es sich hier dann wenigstens Kalkmörtel zu nehmen oder bringt das auch nichts mehr oder ist das vielleicht noch ungünstiger? Ich hoffe jemand kann mir mit guten Ratschlägen und Ideen weiterhelfen. Ich habe echt Angst mit der (teuren) Sanierung nur noch mehr Schäden anzurichten und ist die Dämmung erst mal dran, sieht man ja leider nicht ob Tauwasser tatsächlich im Inneren der Wand nicht gut abgeleitet wird und mir die schönen neuen Balken kaputt faulen. Die Gefache neu zu machen ist übrigens nicht möglich (das erste Mal war schon teuer, jetzt ist der Geldtopf leer...) Es muss auch irgendwie so gehen, hab aber keine Ideen wie am besten. Und den Maurer wollte ich nicht fragen...

Viele Grüße,
Sabine





Mit ihren beiden letzten Sätzen beschreiben Sie das eigentliche Problem. Sie haben offenbar beschlossen, ohne Planung drauflos zu arbeiten. Die vorhandene Bausubstanz und der Ablauf der Sanierung sollten vor dem Beginn der Arbeiten bis ins Detail bekannt und festgelegt sein. Erst dann sucht man sich die Unternehmer aus!
Ich kann Ihnen nur empfehlen, sofort einen erfahrenen Altbauarchitekten zu engagieren. Besser spät als nie!



Eigentlich...



... wollte ich nicht planlos drauflos arbeiten. Deswegen habe ich ja Firmen beauftragt und bin davon ausgegangen, dass diese ihr Handwerk verstehen. Es war ja nicht zu übersehen, dass es sich um ein Fachwerkhaus (und damit um gewisse bauliche Anforderungen) handelt. Da meine Finanzen nicht für alle Arbeiten ausreichen, wollte ich die Dämmung und Innenausbau in Eigenleistung erbringen und dachte hier vielleicht konstruktive Tipps zu Materialien zu finden.

Viele Grüße,
Sabine





Hallo Sabine,

zunächst ist das der falsche Stein und der falsche Mörtel. Eine Rissbildung erscheint vorprogrammiert. Jetzt eine Innendämmung dranzukleben kann ebenso fatal enden, wenn sich Kondensat zwischen Dämmlage und Außenwand sammelt.
So eine Wand gehört durchgerechnet und geplant. Handelt es sich um Sichtfachwerk oder ist das Haus außen verputzt? Wo steht das gute Stück, vielleicht ist ja jemand hier im Forum aus Deiner Nähe und kann sich das ganze einmal ansehen. Bilder wären gut.

Gruß aus Wiesbaden,
Christoph Kornmayer



Dass Kondensat zwischen Außenwand...



... und Dämmung zum Problem werden könnte, hatte ich befürchtet. Ich verstehe auch nicht, warum ein Maurer (der nicht zum ersten Mal Fachwerk ausmauert) offensichtlich ungünstige Materialien verwendet. Damit hatte ich nicht gerechnet. Das Haus ist übrigens außen nicht verputzt und es soll auch Sichtfachwerk bleiben. Das gute Stück steht in MeckPomm bei Rostock.

Viele Grüße,
Sabine





Hallo Sabine,

schön ist das ja alles nicht, ich hoffe er hat wenigstens Dreikantleisten eingesetzt. Es gibt jetzt verschiedene Möglichkeiten:

1. Du macht gar nichts und wartest bis ein Schaden eintritt ...
2. Du bittest den Maurer um Nachbesserung ....
3. ... Du pfeifst auf das Sichtfachwerk und verschalst das ganz Haus um wenigstens den Schlagregen fern zuhalten. Hierbei könnte auch mit einer Holzweichfaserplatte energetisch etwas getan werden statt auf die Innendämmung zu setzen. Auf Dauer werden die Fugen reißen und es kann mehr Wasser über die Risse in das Mauerwerk gelangen als es wieder nach außen abgeführt werden kann. Auch so etwas muss aber vernünftig bemessen werden.

Gruß aus Wiesbaden,
Christoph Kornmayer



Und nu?



Hallo Sabine,
ich habe gerade beschlossen dir ein wenig ruhe zu vermitteln;-)

Als Fachbetrieb mit sehr viel Erfahrung im Fachwerkbereich und Innendämmung will ich versuchen dir weiter zu helfen.
Zuerst einmal kläre bitte die Frage,ob Dreikantleisten mit Edelstahlnägeln in den gefachen eingebracht wurden. Weil:Die Gefache erhalten somit Stabilität im Fachwerk da Holz weiterhin arbeitet. Wenn er keine Edelstahlnägel genommen hat, werden mit den Jahren die Nägel durchrosten und der Effekt der Dreikantleistze ist dahin.Der Klinker außen soll mit Sicherheit sichtbar bleiben.Ich sage dir aus erfahrung: Zement ist nicht der Brüller fürs Holz doch die Konstruktion fällt nicht um deswegen. Wichtig ist mir hier: Deine Innendämmung muss absolut dicht an der Außenwand angebracht sein, d.h. keine Lufteinschlüsse hinter der Holzfaserplatte.Dann geht der Spektakel erst richtig los.
Ich bin auf die Innendämmung mit Renocell umgestiegen(www.isocell.at),da hier eine Diffusion gewährleiset ist, keine Luftnester entstehen, und Feuchtigkeit transportiert werden kann.Deine Variante mit dem lehmputz hat eine Tücke: Lehm fällt beim trocknen ein. Laut Hersteller soll die Platte in den weichen Putz gedrückt und befestigt werden.Da hab ich Bauchschmerzen, wenn er anschließend trocknet.
kannst mich ruhig nochmals anmailen oder anrufen ,wenn du weitere Fragen hast.
Gruß
Markus





Was hat denn der liebe Maurer genau für Mörtel und Steine verarbeitet?

Kein Maurer nimmt freiwillig Zementmörtel, der verarbeitet sich nämlich richtig schei….


Grüße aus Schönebeck



Erstmal vielen Dank...



... für die vielen Antworten, Tipps und Anregungen. Bei den Steinen handelt es sich zwar um Klinker, aber wohl keine hartgebrannten. Ist also nicht so schlimm wie gedacht. Der Mörtel soll für diese Steine geeignet sein. (VOR-Mauermörtel mit Trass) Ich hatte nur auf der Packung gelesen, dass Zement enthalten ist und dann gleich an die Warnungen vor Zement gedacht, die ich überall gelesen hab. Von innen muss ich die Wand noch verfugen/ausbessern, da ist es nicht so schön eben und glatt wie von aussen. Sollte ich da am besten den gleichen Mörtel nehmen oder besser doch auf (reinen) Kalkmörtel umsteigen? Hab da folgende Mischung gefunden: 4 Teile Sand : 1 Teil Weißkalkhydrat (Calciumhydroxid) . Wäre die Mischung so in Ordnung?

Viele Grüße,
Sabine





Es ist nicht die beste Lösung mit dem Vormauermörtel aber es gibt schlimmeres.
Wenn bei der Erneuerung der Holzteile trockenes Holz genommen wurde werden sich auch keine großartigen Spalten zwischen Ausmauerung und Holz einstellen.
Wenn das Holz noch feucht war werden Sie die Anschlüsse nach dem schwinden des Holzes halt noch einmal Abdichten müssen (kein Silikon o.ä..)
Von innen mit einem Reinkalkputz Verputzen und gut.

Grüße aus Schönebeck