Dämmung aus französischer Sicht

15.11.2007



Hallo, wir haben gerade ein 1936er kleines Häuschen gekauft, Ziegelbau, Biberschwanz auf dem Kaltdach, intakte alte Zwischensparrendämmung des Dachspitzbodens - irgendein mit einer Schlämme versetztes Faserzeugs - lasse ich auf jeden Fall drin. Ein Gutachter der Bank bemängelte nun, daß die Außenwände nicht von außen gedämmt wären. Das sollte ich machen. Und jetzt dazu meine Frage:

In Frankreich werden auch neue Häuser außen nur geputzt und von innen mit 15 cm Styropor gedämmt, dann Gipskarton drauf. Argument:

Laut Physik gleichen sich Energieunterschiede (Wärme-Kälte) so aus, daß Energie vom höheren Niveau zum niedrigeren fließt. Also von warm zu kalt, also innen dämmen, um maximale Wirkung zu erzielen.

In Deutschland wird dagegen eher so argumentiert, als könne Kälte unphysikalisch, aber anschaulich, von außen "hereinkriechen", daher Aussendämmung. (Die wichtigen Aspekte der Feuchtigkeit/Dampfes/Taupunkt lasse ich hier zunächst mal außer Betracht.)

Physikalisch scheint mir die französische Betrachtung in Ordnung zu sein, bei der man innen isoliert, das Mauerwerk nicht sinnlos mitaufheizt und es lieber nach außen frei "atmen" läßt. Die Feuchtigkeit im Inneren des Hauses entsorgt man dann in Frankreichs EFH-Neubauten, die ich kenne (nur ein Dutzend) durch deutliche Stoßlüftungen, was mir auch sinnvoller erscheint, als darauf zu warten, daß diese von der außengedämmten Wand aufgenommen und (evt. mit Bautstoffemissionen versetzt) wieder freigegeben wird.

Wie verhält es sich denn nun im Grundsatz mit der Bauphysik des Wärmetransports? Lassen sich hier klare Aussagen treffen? Immerhin sind die französischen Ingenieure, das weiß ich ganz gut aus anderen Bereichen, nie blöd, sondern eher schon ziemlich clever gewesen.

Ja, ich weiß, daß auch ich innen dämmen kann, aber das Haus ist eh schon winzig mit 7x7m Grundfläche. Ich will hier nur wissen, welche Ansicht die bessere ist, damit ich mich dann zwischen innen und außen aufgrund einer klaren Überlegung entscheiden kann.

So, habe fertig.

Grüße Dieter



Physik oder Physik



Hallo
Sie schreiben:
"Ich will hier nur wissen, welche Ansicht die bessere ist"
Sie betrachten die französische und die deutsche Sichtweise von Bauphysikern und beide "haben" recht, beide sind Wissenschaftler.
anscheinend gibt es unterschiedliche "Pysiken".
Wieder ein Grund mehr, der mich (evtl. auch andere) bestärkt diesen Magikern nicht zu glauben.
Und wenn ein Banker sagt: es soll gedämmt werden, dann ist das wie wenn TH. Gottschalk dem Herrn Lafer sagt wie er kochen soll!
Investieren Sie leiber in eine gute strahlungsmaximierte Heizung - dann brauchen Sie die Dämmerei gar nicht.
Kosten gespart; nachhaltig für die Bausubstanz gesorgt!
Also entscheiden Sie zwischen den zwei Polen sich für den dritten!

FK



Dämmung



Die Argumentation,
Kälte könnte von außen "hineinkriechen" verwenden nur Laien und keine Bauphysiker, auch in Deutschland nicht.
Natürlich kann man in Deutschland auch von innen gedämmte Gebäude finden, jedes Fertighaus in Holztafelbauweise ist so gebaut. Zwischen warmer Innenluft und Dämmung liegen neben der Dampfsperre nur 1 - 2 lagen Platten aus Gips und/oder Spanplatten.
Ich persönlich bevorzuge übrigens als Wandbaustoffe im Bau von EFH homogene einschichtige Materialien, wie Gassilikatbeton und haufwerksporigen Leichtbeton aus Liapor ohne zusätzliche Dämmung.
Aber wenn eine massive Wand nachträglich gedämmt werden soll, ist das von außen besser zu bewerkstelligen, da ich die äußere Hülle besser "einpacken" kann als einzelne Bauteile.
Beispiel: Eine Außenwand kann man von innen bis zur Decke dämmen. Was ist mit der Decke? Im ungünstigsten Fall haben Sie eine monolithische Betondecke, deren Stirnseite an der kalten Seite liegt und die Wärme aus dem Innenraum wie eine riesige Kühlrippe nach außen ableitet.
Wenn dann noch ein thermisch nicht getrennter Balkon dran hängt, ist das nicht so gut.
Ein weitere Vorteil der Außendämmung ist die Nutzung einer massiven, sorptionsfähigen Innenwand als Wärmespeicher und Feuchtepuffer, mit dem man Feuchtespitzen besser abpuffern und die Heizung im optimalen Wirkungsgrad laufen kann.
So kann das Haus bestimmte Nutzungsfehler, wie falsches Lüftungsverhalten der Bewohner, zumindest zum Teil abfangen.
Z.B. bei einem Einzelofen wird in der Brennphase überschüssige Energie in den Wänden gespeichert; wenn der Ofen heruntergebrannt ist, bleibt die Raumtemperatur länger konstant, da diese Wärme dann wieder an die Raumluft abgegeben wird.

Bei einer Innendämmung müssen die Funktionen von Lüftung, Heizung und Luftfeuchteregulierung durch dynamische Regelung erfolgen. Hier kommen Sie mit einer Konvektionsheizung besser als mit einer Strahlungsheizung weg, also z.B. einer Hypokaustheizung.
Deshalb mag ich solche übertriebenen Innendämmungen mit dampfdichter Innenfläche nicht. Entweder man kann nur zwischen überheizt und zu kalt bzw. miefig/feucht und trocken wählen oder man überläßt die Klimatisierung einem Rechner.
Ich möchte mich nicht in meinem Haus einer Maschine ausliefern, die für mich das Klima macht. Das mag in einem Bunker, einem Hochhaus oder einem U-Boot nützlich sein, wäre mir das als Preis für ein paar eingesparte KWh zu hoch.
Und was die Behaglichkeit angeht, das SBS (sick- building- syndrom) ist in solchen Räumen schon seit langem bekannt.





Sie schrieben:

"Investieren Sie lieber in eine gute strahlungsmaximierte Heizung - dann brauchen Sie die Dämmerei gar nicht.
Kosten gespart; nachhaltig für die Bausubstanz gesorgt!"

Gut, das verstehe ich, denn damit treffen Sie meine Ansicht, daß es vermutlich am sinnvollsten ist, sich bei einem alten Haus auch auf ganz alte Wahrheiten zu besinnen:

Erstens, im Winter sitze man nicht im offenen Leibchen im Haus, wie im Sommer, sondern ziehe sich entsprechend von Kopf bis Fuß an. Das erscheint mir mindestens so energiesparend in der Gesamtbetrachtung der eingesetzten Energie wie eine Dämmung zur Thermoskanne - vor allem, wenn nachträglich.

Zweitens, Feuer, heiße Steine, heiße Eisenwände o.ä. geben (das weiß seit 150 Jahren) eine langwellige Strahlung ab, die nicht die Luft (Konvektion), sondern in erster Linie Körper erhitzt, also auch mich und die Wände. Und ich kann mir durch den gewählten Abstand zur Strahlungsquelle noch die Temperatur aussuchen, die ich gerade mag.

Eine Raumtemperaturabsenkung im Raum dürfte dann um 3 Grad möglich sein. Das hat uns Technikstudenten vor 30 Jahren mal im Nebenkurs ein Architektenprof. erzählt. Heute, dank ihrer Antwort erinnere ich mich wieder daran.

Problem: So wie es aussieht, wird man von Regierungsseite aber lobbymitbestimmt garantiert nicht auf solche alten Einsichten setzen, sondern Steuern eintreiben von dem, der sein Haus eben nicht wie vorgeschrieben gedämmt, sondern auf Strahler gesetzt und zudem die Raumtemperatur abgesenkt und den Pulli im Winter angezogen hat.

Frage: Welche Strahlungsquellen meinen Sie. Offener Kamin ist da (unwirtschaftlich, nur affektiv schön), aber wenn ich da eine Kassette des heutigen Verkaufstrends reinsetze, senge ich ziemlich heiß die Luft an. Und einen richtigen Kachelofen mit wärmeübergangsgeminderten Steinen, damit man sich nicht verbrennt, kann ich mir wohl nicht leisten in der Stube. Zudem wird Holz bald sehr teuer.

Also womit strahlen? Gasanschluß ist vorhanden, Gastherme Baujahr 2005, wohl nicht Brennwert, versorgt ältere Rippen-Heizkörper.

Grüße Dieter M. Schulz-Hoos





Danke für die Antwort, Herr Böttcher, sie kam zwischendrin. Auch die habe ich verstanden, bei einer Holzdecke wird das Kühlrippenproblem nicht entstehen, denke ich als Laie in diesen Dingen. Und ich bin mir wirklich nicht sicher, ob ich je von innen noch eine Lage Schaumsteine davorklebe oder von außen alles nochmal einpacke. Das funktioniert an den Stürzen und Fenstern doch nie 100%ig, denke ich als Laie. Folglich mache ich da aus einem thermisch nivellierten, weil einheitlich gemauerten Haus ein unnivelliertes. Und das kann doch weder bei innen- noch bei aussen nachgedämmter "Hilfe zur Energieeinsparung" nicht Sinn der Sache sein, denn das muß Probleme geben, meine ich.

Dieter M. Schulz-Hoos,



Wärmeenergieverbrauch!



Hallo
Kamin ist ja die ursprüngliche Strahlungsquelle - muss nicht die schlechteste sein,
Strahlungsheizung entweder als Wandheizung oder als Heizleiste erreichen.
Lesen Sie doch mal bei www.sancal.de nach.
Evtl. sehen Sie dann ein bisschen tiefer in die Materie. Schaden tut's nicht!

Dann zu Ihren befürchteten Steuern und Strafen wenn man nicht dämmt:
Viellciht wachen dann die Deutschen endlich auf und durschauen den eklatanten Schwachsinn und Schwindel, der da global vollzogen wird. Hahnebüchen, unverschämt und eine Abzocke sonder gleichen.

Alleine schon die reduktion des E-Verbrauches auf die m2 Flächen:
Wenn Sie mal diesen Wert nähmen und durch die Anzahl der Bewohner teilen würden, schauts für Singels ganz schlecht aus - allerdings wäre das realer.
Aber was hilfts: ob der Irrsinn "real" ist oder "irreal" ändert nichts an dem Irrsinn!

Bei den Rippenheizkörpern wäre interessant zu wissen: alte schwere oder neuere leichte??

FK





Hallo FK,
ich bin noch nicht im Haus, erst ab Weihnachten, aber es handelt sich um die typischen alten Heizkörper aus Guss.
Danke für den link, werde ich sicher lesen!

Gruß Dieter M. Schulz-Hoos



Altes ist nicht schlecht!



Hallo
Denken Sie daran: Die Masse machts!
Schwer und gross sollte funktionieren.

Gibt es denn ausser dem "Dämmproblem" das m.E. keines ist sondern nur eine Mammonmorgana ist irgend welche Probleme bei der Hütte, dem Haus.
Im "Prinzip" ist nämlich Bauen und Wohnen ganz einfach - aber dagegen wehren sich die Marketingstrategen der Industrie - damit ist kein Geld verdient.
Wie gesagt: "Im Prinzip!" - Das ist ähnlich den 10 Minuten, die man zum Lesen von 6 Seiten braucht.
(interessante Seite - werde mir mal das Buch anschaffen - gefällt mir: Sie sind kein "Nachbeter")
Es geht auch kurz und knapp - kann aber auch alles ausbreiten.
Wenn dann noch geschwindelt und gelogen wird: "Greenhouse-Effekt" dann wird es unübersichtlich.

weiter so!

FK



Alles gut, soweit...



Hallo FK, der link zu www.sancal.de sollte verpflichtend sein. Bin noch nicht fertig mit den 100 FAQ, aber habe bei 30 schon mehr gelernt als nur erwartbar... Sogar die neue Holzofenproblematik ist vorweggenommen, prima.

Mit dem Haus ist sonst meines Erachtens alles ok, nichts feucht, alles so belassen wie es war sei 70 Jahren, nur die Heizung erneuert und Kellerdecke gedämmt (zu dünn) und oben sinnlos noch ein paar Styroporplatten auf den Boden des Dachspitzes verstreut. Das hais ist wie "kindergezeichnetes" Haus gebaut: Unten ein Kubus, Dach drauf, das ist dann ausgebaut und oben bleibt ein Dachspitz übrig. Dämmen muß ich wohl die Dachschrägen im Ausbau, denn da habe ich nur die grauen Platten - Holzfaser mit Zement - ais meiner Jugend hinter der Holzverblendung entdecken können. Na ja, das ist kein Akt, aber auch da werde ich moch klug machen, ob man ein niedrig geheiztes großes Schlafzimmer, und nur das befindet sich dort oben, wirklich mit Folie und PiPaPo dämmen muß. Der Januar nach der Übergabe wird es mir/uns zeigen.

Also: Danke für die Antworten an alle. Wenn ich noch Fragen habe, komme ich gerne wieder, falls nicht noch jemandem was einfällt, was es zu einem solchen Minihaus mit 70 qm Wohnfläche zu sagen gäbe.

Ach ja: Wie kommen Sie auf meine Seite, FK? das finde ich zwar gut, sehr gut sogar :-), aber ich habe keine Adresse angegeben. Wenn Sie ein Buch wollen, sagen Sie es mir, ich habe noch einige "Rezensionsexemplare" und kann gerne eines als Dankeschön schicken.



Sancal



Sehr geehrter Herr Schulz-Hoos,
Die Sancal-Info, dass sollte auch an dieser Stelle wieder nicht verschwiegen werden, wird hier äußerst kontrovers diskutiert. Die Info unkritisch hinzunehmen wäre sicher ein schwerer Fehler.

Geben Sie es mal in die Suche ein und machen sie sich selbst ein Bild...



Der Faux pas!



Aber Hallo!

Herr Göb: da haben Sie völlig Recht!
Darauf plädiere ich auch andauernd:
Die Info unkritisch hinzunehmen wäre sicher ein schwerer Fehler.
Machen Sie denn das?
Nehmen Sie denn die U-Wertberechnung kritisch unter die Lupe?
Woher kommt der Klimawandel denn wirklich?
Ersteres aus der DIN und zweites aus der Zeitung?

Aber vielleicht ist der Herr so erwachsen, sich selbst ein Bild zu verschaffen!

Nehme ich mal stark an - bei Ihnen nehm ich das doch auch an!

nen schönen Abend!

FK



Habe mich vielleicht falsch ausgedrückt



Hallo,

meine Freude über den Sancal-link betraf nicht direkt das Produkt, sondern die FAQ-Seiten, bei denen ich in kurzer Zeit sehr viel über die Problematik insgesamt gelernt habe. Dass jeder Hersteller sein Produkt und manchmal auch seine dazu notwendige Sichtweise der Dinge, seine Ideologie, über den Klee lobt, das beachte ich dabei.

Doch so ganz langsam, nach nur einem Tag heftiger Lektüre, komme ich zu dem Schluß, daß ein Haus, das seit 75 Jahren ohne Probleme steht, in dem bis dato keiner seltsam erkrankt ist, so schlecht nicht sein kann, wie ich es bei der Lektüre der modernen Dämmung und deren Hersteller nach der Mahnung des Gutachters gelesen habe. Die Argumente schienen zunächst alle so plausibel.

Jetzt aber formt sich mir der Verdacht, daß hier die Frage nach Klima und Öl(beide im Umfang ungeklärt bis dato) benutzt werden, um über politisch initiierte Normierung Kasse zu machen. Auch wenn man wie in der Medizin wissen könnte, daß manche Krankheiten gar keine sind, sondern zu den typischen Variationsbreiten des gesunden menschlichen Körpers gehören.

Vielleicht ist ja ein bißchen Schwitzwasser an einer Glasscheibe sogar besser, weil örtlich ungefährlich konzentriert, als das gleiche Wasser diffus verbreitet und hinter dem Schrank?

Na ja, ich werd halt noch viel von beiden Seiten lesen und dann eine hoffentlich differenziertere Meinung als im Moment haben. Einstweilen danke an alle Antworter.

Dieter M. Schulz-Hoos



Ich hatte mal den Versuch einer Umfage gemacht.



Siehe

---Forenreferenz-----------
kWh/m²a berechnet und tatsächlich! -
Ich möchte hier bitte kein Streit Pro/Kontra Dämmung vom Zaun brechen!!! Habe aber in einem anderen Forum(ich werde mich dafür noch selbst geißeln) eine Frage nach den Erfahrungen zum Unterschied berechneten und tatsächlich benötigten Wärmebedarf gelesen. Da aber dieses Form ich sage mal zählebig ist gab es darauf keine Antworten.
Der Fragesteller sagte sinngemäß, dass bei Altbauten meist weniger als berechnet benötigt wird und je neuer der Bau ist umso mehr scheint es wohl umgekehrt zu sein.
Nun würden mich doch ein paar Zahlen dazu interessieren! Kennt jemand dazu Untersuchungen? Oder eigene Erfahrungen im eignen Haus oder Wohnung. Wäre auch ganz interessant! Da könnte man dann der Theorie mit der Satistik der Praxis etwas auf die Sprünge helfen!

Ich hoffe auf viele Werte!

Gruß Marko mehr ...
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Es kam dabei m.E. heraus, dass pro und contra recht haben. Die U-Wert-Berechnung liegt bei alten Häusern meist stark daneben. Die alten Häuser sind im allg. besser als die Theorie sagt. Ist bei meinem Haus übrigens auch so! Bei neuen Häusern gibt die Theorie häufig einen zu guten Wert an, der in der Praxis nicht ganz erreicht wird. Deshalb hat contra Dämmung nicht ganz unrecht, wenn er die fehlerhaften Berechnungen bemängelt. Aber es zeigt sich auch, dass ein stark gedämmtes Haus, selbst wenn es 20% schlechter ist als berechnet, immernoch weniger Heizenergie benötigt als ein ungedämmtes altes mit recht dünnen Wänden. Selbst wenn dieses 50% besser ist als es theoretisch sein sollte.
Deshalb kam ich zu der Erkenntnis: Dämmung bringt was, aber nicht soviel wie der U-Wert vorgauckelt. Warum dies so ist? Keine Ahnung, sollte die Wissenschaft klären. Scheint aber den praktischen Erfahrungen zu entsprechen und sollte bei der wirschaftlichen Betrachtung von Dämmungen beachtet werden.
Eine Dämmung muss m.E.:
1. bauphysikalisch i.O.
2. wirschaftlich sinnvoll
und auch
3. optisch ansprechend sein.
Und dies auch in der Reihenfolge. Wenn dies alles erfüllt ist, dann immer los.
Zur Abklärung der Punkte brauchst du:
für 1. einen Bauprofi vor Ort
für 2. einen Energieberater vor Ort
und für
3. deine Frau, deine Schwiegermutter und die Nachbarinnen. Aber nun mal im Ernst. Was da manchmal aus schönen alten Häusern für eine DIN-ISO Einheitsware gemacht wird, um nach 10-15 Jahren vielleicht 500 Euro gespart zu haben! Nee, sowas will ich nicht. Ein Haus ist auch immer ein bischen ein Spiegel seiner Besitzer. Da ich mich nicht zu Einheitsware erklären lassen werde, behält mein Haus seine besondere Fassade und damit auch seine "Seele".

Ach und mit Holzbalkendecken und Innendämmung wäre ich gaaaanz vorsichtig. Sowas muss gut geplant sein! Sonst hat man ganz schnell Feuchtigkeit an den Balkenauflagern. Dies fördert die Zerstörung der Balkenköpfe. Damit wäre dann die Heizkostenersparnis für die nächsten 20 Jahre zum Teufel!

Gruß Marko



Theorie daneben, oder vielleicht liegts an was anderem?



"Die U-Wert-Berechnung liegt bei alten Häusern meist stark daneben. Die alten Häuser sind im allg. besser als die Theorie sagt."

Wenn die gerechneten Bedarfswerte(!) vom Verbrauch stark abweichen, kann das schlicht und einfach daran liegen dass sich z.B. die Temperaturen im Innern nicht normgerecht "verhalten" und aus Vernunftgründen die Heizung dort abgedreht wird, wo sie keiner braucht?

Wenn die "Theorie" daneben läge, dann wäre sie falsch, so einfach ist das. Ich erwarte dann allerdings auch Gegenvorschläge, dagegen macht man es sich oft zu einfach und fischt im drüben weiter...



Fertig - vielleicht auch nicht!



So, jetzt habe ich etwa 15 Stunden intensives Lesen zum Thema Heizen und Dämmen aus Anlass unseres neuen, alten Häuschens Bj. 1936 hinter mir, das von der Bausubstanz (und auch sonst) ok ist. Dass mir selbst die Quantenphysik dabei wieder begegnet (aus Anlass der Wärmestrahlung), hätte ich nicht gedacht. Und wie solche Begegnungen ausfallen, wenn Beamte mit ihr zusammentreffen, möchte ich mir eher nicht ausmalen.

Mein Fazit: Die Kellerdecke wird stärker gedämmt, der Boden vom Kaltdach wird zusätzlich noch etwas gedämmt. Da dort die alten, massereichen "Dämmkissen" zwischen den Sparren liegen, wellig, bleibt wohl nur eine Schüttung von "weiß noch nicht" und darauf dann eine Teildeckung mit Holz, sodaß darunter nichts faulen kann, aber der Schornsteinfeger noch zur Luke kommt. Das war es.

Und dann werde ich mich weiter umschauen, welche Techniken zur Strahlungsheizung bereits angeboten und vielleicht noch entwickelt werden. Darauf kann ich ja dann sparen.

Und natürlich eine Ausbildung als Hausbiotiker anstreben, denn das wird ja in 15 Jahren die nächste große Geldquelle:

Alle Häuser, die nach 2008 zusätzlich gedämmt wurden oder sehr hohe Dämmwerte erreichen, müssen auf typische Keim- und Pilzbildungen untersucht werden, die die Volksgesundheit gefährden. Man bekommt dann einen Biotik-Pass. Und ich das Geld, weil ich ihn ausstellen darf :-)



@Herr Schulz-Hoos - Gegenfrage



Sie sind also davon abgekommen die Außenwände nicht zu dämmen.
Können Sie mir noch mal beschreiben, was sie zu diesem Schluss veranlasst hat?





Hallo Herr Göb (der mit den Kaminaufsätzen?),

Sie schrieben: "Sie sind also davon abgekommen die Außenwände nicht zu dämmen. Können Sie mir noch mal beschreiben, was sie zu diesem Schluss veranlasst hat?"

Huch, ich bin davon abgekommen, die Außenwände zu dämmen! Zuerst wollte ich das ja, dämmen, weil es der Begutachter der Bank ansprach - und weil es überall in bunten Broschüren gezeigt und empfohlen wird. Geben Sie mal dämmen bei Google ein und dazu die Bildersuche.

Jetzt werde ich erst einmal messen, wie hoch denn mein Energieverbrauch für dieses winzige Haus mit einer neuen Gastherme und den alten Radiatoren tatsächlich ist, wenn ich hübsch kontinuierlich heize, das Schlafzimmer als einziges Zimmer des ausgebauten Dachs ein wenig weniger. Da ich viel von zuhause aus arbeite, will ich es ja unten kontinuierlich warm haben. Davon abziehen werde ich einen pauschalierten Verbrauch an Warmwasserbereitung, der die gleiche Therme betrifft.

Das werde ich dann als tatsächlich ermittelten Heizverbrauch auf den umbauten Raum beziehen und mir dann eine Rechnung aufmachen, was ich bei einer Ziegelwand durch Dämmung noch einsparen kann und wie hoch der gegenzurechnende Nachteil ist, weil meine gedämmten Wände, die von Osten, Süden und Westen auch von flacher Sonne erreicht werden, dann ja weniger Wärme nach innen durchlassen in der Übergangszeit. Dazu wird man hoffentlich eine irgendwie quantifizierbare Aussage machen können - und wenn nicht ich, dann eben ein Fachmann.

Na ja, und zum Schluß möchte ich dann den bereinigten Einspareffekt durch Dämmung gegen die Kosten und deren Amortisation antreten lassen. Dann sollten Zahlen herauskommen, die mir schwarz auf weiß sagen, was zu tun ist.

Das Problem: Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, wie man eine einheitliche gemauerte Hülle, die offensichtlich keine Wärmebrücken mit Schmimmel oder Nässe produziert, weil sie thermisch betrachtet gleichförmig ist, nachträglich so dämmen kann, daß es nicht zu Wärmebrücken kommt, an denen dann Probleme entstehen.

Aber wie gesagt: Ich bin in diese Dingen Laie, gerade mal 15 Stunden intensiv belesen, und denke mir nur, daß ich mit Zahlen, die den Januar bis April umfassen sollen, ein klares Bild erhalte. Und um im Bilde zu bleiben:

Mir kommt der Dämmansatz, der jetzt verordnet wird, so vor, als würde man allen Benzinpkw erst eine "Dieselierung" zur nachträglichen Pflicht machen, um dann festzustellen, daß die Feinstaubbelastung gestiegen ist, weil die Rußfilter nicht das hielten, was man gedacht hatte.

Und ich habe halt neu erinnert wieder die Stimme eines Architektenprof. aus Köln während des Studiums im Ohr, der meinte, mit einer Strahlungshezung würden sich viele Probleme erst gar nicht stellen. Und das war vor mehr als 30 Jahren! Heute finde ich das in Beiträgen im Internet bestätigt, wobei ich mich aber nicht notwendig auf Sancal beziehe, da mir deren Argumentation auch nicht immer gefällt.

Grüße Dieter M. Schulz-Hoos



@Schulz-Hoos



(nein, nicht der mit den Kaminaufsätzen...)

Was Sie vorhaben, finde ich alles sehr vernünftig, vor allen Dingen auch Ihr das "Qualitätsicherungssystem". Es wird leider auch viel Pseudowissen zum Thema verbreitet, das macht mir Sorgen, und deshalb meine Gegenfrage.

Wärmebrücken lassen sich einer Nachrüstung meist nie so ganz ermeiden. Wenn eine Dämmung von außen erfolgt, wird der Baukörper (im Winter) aber trotzdem im Schnitt immer wärmer als vorher, was von Vorteil ist.

Das die Sonnewärme durch die Dämmung nicht mehr nach innen kommt, ist übrigens auch so eines der oben angesprochenen Märchen. Im Sommer wird man froh darüber sein, wenns drinnen kühl bleibt, und in der Heizsaison schwächelt die Sonne eh ein wenig. Dass, was sie von innen Nachheizen müssen, ist ungleich mehr, sehr schön illustiert hier:

Vom Dämmen & Speichern...


Zum Energiemonitoring: Messen Sie den Verbrauch über jeweils einen Monat. Die Werte lassen sich dann so verwenden, wie hier beschrieben:

Heizlast bestimmen...


Aus diesem Verfahren lässt sich der Nutzen einer Energiesparmaßnahme sehr schön grafisch ablesen, je niedriger die Heizlast desto niedriger der Jahresverbrauch.



Herr Göb - Ich bin erstaunt



... was wir denn für gleiche Menschen sind:
Sie schreiben: Es wird leider auch viel Pseudowissen zum Thema verbreitet, das macht mir Sorgen
Das ist auch meine grosse Sorge.

Und ich freue mich, dass Sie jetzt auch auf meiner Seite sind und sich meine Sorgen teilen; denn geteiltes Leid ist doch halbes Leid!
Meine Intentionen gehen doch auch so weit, dass ich vermeiden will, dass sich die armen Bauherren, die sich in der Wüste der Informationen verirren wieder auf den rechten Weg kommen und ihre Vernunft benutzen.

Da wird mir's warm ums Herz!

FK



Danke



Danke für die Tipps, Links und den Blick auf einen kleinen Kachelofen. Kann mir noch jemand sagen, was man auf den Dachboden eines solchen Hauses als Schütte einbringen kann, die weder wegfliegt noch gleich dutzende Nager anzieht oder auf die Dauer feucht wird? Bisher liegen da über den uralten Zwischensparrendämmungen ein paar lose Styroportafeln verstreut, das kann es wohl nicht sein.

Gruß Dieter



@Markus Göb



Denn Einwand, mit der nicht normgerechten Beheizung als Grund für die Abweichung der alten Häuser von der Theorie, kann ich bei mir nicht so ganz sehen.
Ich habe in den Räumen vormittags min. 20°C nachmittags und und abends 22-24°. Unbenutzte Räume werden auf ca. 15°C gehalzen. Dafür habe ich ihre Fläche bei der Berechnung der kWh/m² aus dem tatsächlichen Verbrauch nur zur Hälfte berücksichtigt. Absenkung fahre ich von 21-4 Uhr auf 18°C. Bringt nur nicht viel, weil die Bude jetzt(ca. 0°C) bis ca. 3 Uhr braucht um sich auf 18° abzukühlen. Ab ca. 5°C Außentemperatur erreicht sie 18°C überhaupt nicht. Weiterhin besitze ich einen Kaminofen der nur abends benutzt wird. Dieser saugt mit seiner Scheibenspülung, auch wenn er nicht befeuert ist, warme Luft durch den Schornstein ab. Also ich denke mal, dass ich eher ungewöhnlich viel Wärme im Haus habe? Weiß aber nicht wovon die DIN ausgeht.
Was mein Haus aber von den "ENEV-Häusern" unterscheiden könnte, ist die vermutlich recht niedrige relative Feuchtigkeit, habe z.Zt. trotz ordentlich Grünzeug 25% (in der Küche).

Ach und zum Thema "Heizlast bestimmen" sollte man noch ergänzen, dass das einfache Messen des aktuellen Bedarfs m.E. nur sinnvoll ist, wenn auch wirklich alle heizbaren Räume auch wirklich beheizt werden. Sonst wird's Unsinn. Dann könnte es mit den jetzt noch leeren, unbeheizten Kinderzimmern, bei deren Benutzung, etwas eng werden mit der Heizleistung!
Wenn ich meine Heizleistung auf die max. m² umrechne komme ich auf 144W/m². War bei mir noch nie zu wenig. Ist wahrscheinlich auch zu viel für mein Haus. Da ich Lastspitzen mit dem Ofen ausgleichen kann, werde ich, wenn ich die Therme(war beim Kauf schon drin) mal tauschen muss, auf ca. 100 W/m² runtergehen.

Gruß Marko



@Hr Lindner



@Heizlast: wohin die Heizlastberechung führt sieht man daran, dass fast alle Heizungsanlagen Faktor 2 zu groß ausgelegt werden, deshalb lohnt sich die statistische Betrachtung für bestehende Anlagen in jedem Fall.

@U-Wert: Wenn Sie hier forsch behaupten, dass die ganze U-Wert-Theorie "nicht so ganz stimmt" und dann Ihren Einzelfall präsentieren, dann ist das als Theoriekiller unglaubhaft.
Ihre niedrige rF deutet eher auf einen hohen Luftaustausch hin.

Passivhäuser, bei denen wirklich alles stimmem muss(!), damit sie bei -12 Grad auch mit 10W/qm beheizt werden können, sind darauf angewiesen, dass die Theorie mehr als Pi mal Daumen stimmt, und davon sind mehrere tausend trotz falscher U-Wert-Theorie erfolgreich gebaut worden.



@ Markus



Heizlastauslegung ist doch voll i.O.! Aber bitte mit allen Zimmern.

Als Theoriekiller wollte ich mich nun nicht betätigen. Es sollte lediglich gezeigt werden, dass die üblichen Vorher- Nachherberechnungen in der Praxis bei alten Häusern mit Vorsicht zu genießen sind! Da die Theorie ja bei mir, trotz der von ihnen bescheinigten hohen Luftwechselrate, 50% zuviel aussagte. In meinem Beruf würde ich eine Abweichung von 50% der Berechnung zum Ist eher als Schätzung bezeichnen. Aber auf grund der vielen unklaren Ausgangsbedingungen gerade im Altbau ist dies wohl akzeptabel. Aber scheinbar ist eine klare Tendenz zu erkennen, das Altbauten doch besser sind als gedacht. Das sie aber nie und nimmer so gut dämmen wie Passivhäuser ist aber auch klar.

Aber wenn ich deine 10W/m², lese fehlt mir da etwas der Glaube ob dies die ganze Wahrheit ist. Ich benötige ca. 36 kWh Strom/m² im Jahr. Also 18 in der Heizperiode. Wenn ich mal annehme, dass das Passivhaus 30kWh/m²??? Heizenergie benötigt, bringt der Strom also schon über die Hälfte. Oder verringert sich der Stromverbrauch im Passivhaus merklich, trotz ggf. KWL? Also bringt er dann im Schnitt ca.5W/m². Also sind es doch eher 15W/m². Aber trotzdem ein klasse Wert.

Gruß Marko



Theorie und Praxis



Man nehme:

einen Verwaltungsbau aus den 60er Jahren.
Berechnet nach ENEV die Detail, Wände, Decken, Böden und heraus kommt ein Wert: xy
Dann nimmt man die 40 Jahre währende tatsächliche Liste in die Hand in der die Kosten stehen und die realen Verbräuche!
Was kommt dabei heraus?
Wie gross ist die Differenz?
Wie gross schätzen Sie den Unterschied zwischen Soll- und Istwert.
3,5 %
10 %
20 %
30 %
Und in welche Richtung geht die Differenz?
Ist der Verbrauch höher als der Rechenwert oder umgekehrt?

FK



re:



@Heizlast: Die Auslegung nach DIN EN 12831 ist offensichtlich nicht i.O. und wurde ja gerade mal wieder nachgebessert, weil den schon zu hohen Werten der alten DIN lagen, und da die Heizungsbauer auch noch gerne Reserven einplanen ist hier ein gesundes(!) Misstrauen immer angebracht - man sollte auch ganz klar sagen: die Heizlastberechung, wie die EnEV, liefern einen theoretischen "Bedarf", siehe auch unten...

Die Berechnungsgrundlagen ("U-Wert") deshalb in Zweifel ziehen zu wollen, ist allerdings völlig unangebracht.

@Herr Lindner - nochmal: Wenn die 10 Watt (bzw. 15kWh/Wohnfläche(!)m2/a) nicht stimmen, funktioniert die ganze Hütte nicht. Dazu gibt es vieles im www, das Passivhaus ist eines der bestens dokumentierten Baustandards überhaupt, weil die Anforderungen umfassend definiert sind.

@FK:
+/-50% Bedarf/Verbrauch ist völlig normal, und Ausreißer die darüber oder darunterliegen auch. Es sind halt immer noch die Menschen die sich nicht DIN gemäß verhalten wollen, z.B. Heizung runterdrehen oder die Fenster dauernd aufreißen ohne die Heizung abzudrehen.

IFEU-Studie: Vergleich Verbrauch/Bedarf (S.17) ...



Grundüberlegungen



Als Unkundiger, der diesen Thread hier losgetreten hat, möchte ich noch einmal auf Grundgedanken zurückkommen - und einen Vergleich. Grundgedanke:

In der Natur bis herunter zur Zelle finde ich energetische Systeme, Zelle, Mensch, Welt vor, die alle eines gemeinsam haben: Sie interagieren mit dem Umfeld dadurch, daß sie sich anpassen, also etwa Wärme aufnehmen, Wasser abgeben, Wärme abgeben, Wasser freisetzen oder in anderem Zusammenhang, daß Konzentrationen ausgeglichen werden etc.

Behindere ich zum Beispiel eine Zelle in ihrer Interaktion mit dem Umweltmilieu dadurch, daß ich ihre semipermeable Membran zugunsten des inneren Niveaus undurchlässig mache, stirbt sie sehr schnell ab.

Auch ein Haus mit einem Menschen darin ein System, und es fragt sich, was passiert, wenn ich den Menschen statt in Mauerwerk in einer gutgedämmten Plastikfolie leben lasse, denn genau das ist es ja wohl, was Dämmung und Dampfsperre letztlich bewirken - wenn man den Rest nur als Möglichkeit sieht, Folie und Dämmwerk Hausform zu geben. Resultat:

Die Interkation, das Atmen der Zelle Haus wird unterbrochen. Eine Zelle mit uns als Zellkern, deren Wände wir gelernt haben mit empirisch erworbenem Wissen aus Baumstämmen oder Steinen oder Lehm exakt so auzulegen, daß eine uns günstige Permeabilität entsteht. Eine die uns überleben läßt.

So gesehen kann es einfach nicht gut sein, solche, in gewollter Evolution herausgearbeiteten Zellwände (Häuser)
mit ihrer Permeabilität und Massenspeicherfähigkeit gegen gutgedämmte Plastikfolien einzutauschen. Oder bestehende Häuser mit gutgedämmten Plastikfolien so zu ergänzen, daß ihre Permeabilität und Massenspeicherfähigkeit nicht mehr zum Zuge kommen kann. Nur um das innere thermische Niveau zu halten. Soch einseitige Regulierungsversuche können kaum gutgehen.

Bei einer lebenden Zelle ist uns klar, daß wir nicht in die Funktionalität der evolutionär entstandenen Hülle eingreifen dürfen, ohne ihr schnelles Ableben zu provozieren. Warum ist uns das nicht bei der Zelle Haus, die uns als Zellkern schützt klar, wenn dessen Hülle doch ebenfalls evolutionär, durch trial und error, durch Überleben oder drin Sterben entwickelt wurde?

Oder etwas extremer: Was wird wohl passieren, wenn ein kluger Politiker (ein Paradoxon) erkennt, daß man gar keine Häuser dämmen muß, sondern den Menschen. 3 - 4 mm Neopren, alukaschiert außen, dampfdurchlässig, müssten rechnerisch ausreichen, um den Menschen vor Kälte und Hitze gut zu schützen. Also läßt man die Menschen beschichten und erledigt so seine thermischen Hausaufgaben. Wirklich?

Toupeträger, die sich die obere Kopfhälfte mit einem Kunsthaaraufsatz dämmen, berichten, daß die Kofhaut erst mit Exzemen, dann mit Schmierenbildung und dann mit Befall von Pilzen und Schimmel reagiert. Und stinkt.

Könnte es sein, daß das bei anderen Systemen, etwa bei einem Haus auch so ist?

Ok, das war extrem gesprochen und nicht jede Dämmung ist Unsinn, aber eigentlich müßte man jetzt mit Fraunhofer auf einem Grundstück ein Passivhaus bauen und daneben eines mir normaler Bauweise der 50er. Mit Ziegeln etc, Kaltdach, Kachelofen. Und dann muß man 10 Jahre Menschen die Häuser bewohnen lassen.

Kostet 500.000 Euro - und dann weiß man, woran man ist und ist auch auf meine Polemik von oben :-) nicht angewiesen. Aber auch nicht auf Berechnungen aus dem Labor, die die Sache zu einseitig sehen und vielleicht nicht lebenstauglich sind.

Gruß Dieter



@Schulz-Hoos



Das interessiert sie in diesem Zusammenhang bestimmt:

Passivhaus auf Island 17.-18. Jahrhundert


Wie ein Passivhaus am Ende realisiert wird, als Strohballenhaus oder Plastiktüte, ist völlig unerheblich ;).



Ja wenn das so ist!



Hallo Herr Göb!

Ihr Statement:
+/-50% Bedarf/Verbrauch ist völlig normal
überrascht mich gar nicht!
So - und nicht anders - ist die ganze Sache zu betrachten:
+/-50% heisst in Worten: Entoder Weder! bzw. gar nichts.
Und nur der Mensch, der böse Abweichler heizt entweder zum Fenster raus oder stirbt wegen Unterkühlung nur um nicht auf die DIN hören zu müssen!

FK





Hallo Herr Göb,
schöner link, kannte ich als Anfänger natürlich nicht, danke dafür.

Doch dort wird (seitwärts der Bilder, nicht in den Berichten, hoffe ich) eigentlich nur beschrieben, wie man Wärme trotz Fenster "insuliert" und DIN-Atemluft sicherstellt.

Ist das wirklich das Problem? Dann kann ich doch in einen verputzten Styropor-Iglu mit einem Zentralfenster oben ziehen, den ich geregelt nach DIN be- und entgase sowie entfeuchte, damit ich als Mensch darin dann überleben kann.

Ich dachte, das Problem wäre, das gleiche Klima und die gleichen Mechanismen der Regulation von Wärme und Feuchte wie in einem Blockhaus oder Steinhaus zu erzeugen, dabei aber weniger Energie einzusetzen. Stattdessen wird weniger Energie eingesetzt und die bewährten Mechanismen von Masse und Feuchtigkeitstransport werden einer Be- und Entgasung überlassen. Ist das die geforderte Intelligenzleistung?

Liest sich für mich wenigstens ein bißchen so. Vermutlich, weil mich das Thema erst seit kurzem beschäftgigt.

Ist es denn nicht möglich, den Ansatz der Strahlenheizer weiter zu verbessern, die meinen, eine strahlende Wand braucht keine Dämmung, sondern nur Masse und natürliche Feuchtigkeitsaufnahme und Abgabe. Warum nimmt man etwa bei Sancal Konvektionstechnik -genannt Prozesswärme- um die Wand zum Strahler zu machen. Warum nimmt man keine schwarze rauhe Leitung in einem Parabollängsspiegel - also wie ein "schwarzer Schlauch in einer Regenrinne" - setzt das unten an die Sockel und strahlt dann direkt auf die Wand. Von einfachen Problemem wie Verbrennungen, Versengungen, Reinigung etc. mal abgesehen, das sind Sekundärprobleme

Gut, die Temperatur muß wohl höher sein als bei Konvektion oder "Konvektion zu Strahlungszwecken", aber hat man tatsächlich bei Fraunhofer und anderen Instituten solche Lösungsansätze, deren viele und unterschiedliche, voll ausgeforscht, bevor man sich der gedämmten Plastiktüte zuwandte und sie morgen als Norm verschreiben will.

Gibt es darüber Literatur? Zur Unmöglichkeit des Strahlers im Vergleich mit Dämmung und Konvektion in physikalisch/biologischer Betrachtung und betriebswirtschaftlicher Auswertung?

Vielleicht gibt es da ja links, die ich gerne lesen werde.

Gruß Dieter M. Schulz-Hoos



Schöner Link Markus



hat nur m.E. erheblich inhaltliche Mängel. Wie kann man nur gerade bei Niedrigenergiehäusern den Wärmebedarf mit dem Verbrauch an "Heizenergie" vergleichen? Der Wärmebedarf soll doch berechnen wie viel Energie ein Haus bedarf um alle Räume nach Norm zu beheizen! Deshalb muss man auch sämtliche Energiezufuhr berücksichtigen und nicht nur die Heizenergie. Dazu zählt auch der Strom und genau genommen auch der Mensch selbst. Ich sitze hier z.B. in einem kleinen Zimmer 60W Licht + 200W PC auf 10m² sind schon 26W/m². Heizenergie 0W da Heizung aus.
Nun nehmen wir mal ein Beispiel aus deinem Link.
Niedrigenergie-Reihenhäuser Heizbedarf ca. 65 kWh/m². Ermittelter Heizenergieverbrauch ca. 63 kWh/m². Verbrauch -3% zum Bedarf. Ist gute Theorie-IST-Differenz. Nun ziehen wir mal meine oben ermittelten beispielhaften 18kWh/m² Strom hinzu. Dann sind wir bei 81kWh/m². Dann kommen wir auf Verbrauch +25% zum Bedarf! Dies bedeutet m.E. das der U-Wert hier zu günstige Werte ermittelt. Oder hat die Studie den Strombedarf schon berücksichtigt? Habe ich leider nicht gelesen. Wäre dies der Fall ziehe ich meinem Einwand zurück.

Auch zeigt z.B. die Regressionsgerade(halte ich bei einer derartigen Punktewolke für sehr gewagt) aus Abb.7 dass die Tendenz des Verhältnisses Verbrauch/Bedarf nicht wirklich mit der 0%-Geraden zusammenpasst. Sie zeigt, dass bei hohen Bedarfswerten tendenziell verhältnismäßig weniger verbraucht wird. Bei Bedarfswerten unterhalb von ca.190 kWh/m² aber tendenziell verhältnismäßig mehr. Dies bedeutet, dass die Berechnung praktisch bei niedrigen Bedarfswerten zu gute Ergebnisse ergibt und bei hohen Bedarftwerten zu schlechte. Äh, das sage ich doch schon die ganze Zeit! Du sagtes doch das wäre nicht so, aber deine eigener Links zeigen doch das dies statistisch so ist. Ich will die U-Wertberechnung hier nicht verteufeln. Es ist die beste Möglichkeit eine Aussage über verschiedene Gebäude zu bekommen. Sie ist aber nicht unfehlbar und bildet die Praxis nur näherungsweise ab. Hat dein Link selbst statistisch bewiesen.

Ich muss vielleicht nochmal sagen, ich habe nichts gegen Dämmung. Meine 3 Punkte die erfüllt sein müssen habe ich ja geschrieben. Wogegen ich etwas habe, ist Schönrechnerei von Rentabilitäten bei Dämmmaßnahmen. Beim Neubau gibt es da m.E. kaum Sorgen wenn ordentlich gebaut wurde. Aber im Altbau ist die Sache schon problematischer.

Aber noch was nicht bau-fachliches zu der Studie: Die sollten sich mal über ihre Diagramme Gedanken machen. So was kann man sich ja nicht anschauen. Das kann man auch einfacher lösen z.B. unter 5. da wäre eine Normierung Verbrauch/Bedarf und Gruppierung sinnvoll. Dann kann man das noch mit einer Häufigkeitsverteilung darstellen. Schon könnte jeder beispielsweis erkennen, dass meinetwegen 0% bis -10% Verbrauch in 8% der Fälle festgestellt wurde.

@ Dieter

Dir kann ich nur recht geben. Bei der Energiesparerei sollte man die Bedürfnisse des Menschen nicht vergessen.
Wenn ein Haus ein gutes Wohnklima aufweist, kann meinetwegen aber auch 50cm dick gedämmt sein. Kann aber natürlich auch sein, dass die Fälle in denen Superdämmung bei gesunden Raumklima über viele Jahre sehr gut funktionieren keine Nachricht wert sind. Deshalb hört man leider meistens von den anderen, wo es nicht ging.



Markus,



Hut ab vor deiner Geduld. Lassen wir mal Dieters Ausflüge in die Biologie kommentarlos stehen, was ich viel interessanter finde, das fk (fk, kf, gibt es einen wirklichen Unterschied?) auf Passivhäuser nicht eingeht. Da gibt es ja schon genug davon und sie scheinen zu funktionieren. U-Wert hin oder her (das zweifeln diese "Ziegelphysiker" ja immer an, mit teils lustigen Verwurschtelungen der Physik), die Praxis zeigt es ja offenbar. Wenn eine junge Familie in den etlichen Passivhäusern wegen der Dämmung "verreckt" (ich gebrauche hier mal das Niveau von kf, so ähnlich schreibt er auf seiner Heimseite) wäre, hätte man das sicher doch in der von mir sehr "geliebten" BILD-Zeitung gesehen, oder? Gilt auch für "erfroren".
Bezeichnend ist, daß in einem anderen Beitrag, wenn ich nicht irre, direkt die Frage an fk gestellt wurde, wie er sich erklärt, daß ein Passivhaus funktioniert, obwohl Dämmung ja nix bringt, und ab da keine Antwort mehr kam.
Zuweilen wird noch der Hinweis gebracht, daß Grönland immer mal wieder grün ist (meistens, wenn "Dämmung bringt nix" grad nicht zieht), wobei ich dann immer den Hinweis vermisse, wie man als normal Sterblicher sich zukünftig leisten kann, eine puristische Bude ohne Dämmung zu beheizen.
fk hat "langlebig-nachhaltig-haltbar" als Motto. Lustig ist bloß, daß durch all den Luftikuskalk zwar die Buden vielleicht ewig halten würden, wenn sich Menschen derer erbarmen, sie mit Unsummen zu beheizen und zu bewohnen. sie aber spätesten dann verfallen werden, wenn sie wirtschaftlich nicht mehr tragbar werden. Mords Nachhaltigkeit...harhar...

Gruß Patrick.



Ausflug reloaded



Komischerweise kommt die Wissenschaft im Rahmen von Bionics mehr und öfter darauf, daß sich die Fragen des Alltags des Menschen in der Biologie als pure Fragen des Überlebens stellten und evolutionär gelöst worden sind. Auch die Frage nach der Interaktion in thermodynamischen und sonstigen Systemen.

Insofern ist es kein Ausflug, sondern nur konsequent, wenn ich den Vergleich Zellkern und Hülle für haus Mensch wähle, im übrigen in dieser Reihenfolge evolutionsbiologisch wohl entstanden. Ich hätte ja auch noch Mitochondrien statt Thermen erwähnen können, um den Vergleich zu vervollständigen.

Daß Menschen in Passivhäusern überleben, ist doch keine Frage, die Frage ist nur, ob eine Unterbinden von natürlichen interaktiven Prozessen durch eine Folie, die irgendwo bei der Dämmung immer rein muß, physiologisch, bezogen auf den Menschen, positiv zu werten ist.

Den heftig geführten Streit, der in diesem Forum zuweilen zu herrschen scheint, möchte ich nicht unterstützen. Ich möchte einfach nur fragen, ob die Antwort "sie leben ja noch" nicht durch die Frage "ist das ein sinnvoller Weg" ergänzt werden könnte. Alternativen scheinen ja nicht gerade "in" zu sein.

Nur dafür möchte ich in Anspruch genommen werden, auch bei meinem Ausflügen :-)

Beste Grüße

Dieter



Kommt das noch jemand bekannt vor?



(jeder mag sich hier erkennen oder nicht! Bionik ist ja immerhin auch ein Lehrfach an manchen Unversitäten - damit das nicht den Falschen trifft ;) )
Pseudowissenschaften sind Lehrgebäude, in denen Thesen dogmatisiert und gegen Kritik immunisiert werden. Im Gegensatz dazu zeichnet sich die moderne Wissenschaft durch die Bildung von intersubjektiv überprüfbaren Theorien mit Hilfe einer korrekturbasierten Methode aus. Während Ergebnisse in der Wissenschaft kritikoffen vertreten werden, da stets neue Erkenntnisse denkbar sind, gehen Pseudowissenschaften von feststehenden Ergebnissen aus. Diese werden mit nachträglich ausgewählten Fakten unterlegt, um sie in einem neutralen und objektiven Licht erscheinen zu lassen. Während die Wissenschaft neue Erkenntnisse anstrebt, steht für Pseudowissenschaften das Ergebnis von vornherein fest. Das wesentliche Merkmal von Pseudowissenschaften ist also, dass sie in sich geschlossen sind.[Geklaut bei Wikipedia, die Hervorhebungen sind willkürlich von mir in Bildzeitungsmanier vorgenommen]

Da wir gerade beim Verifizieren von Theorien sind: Das geht mir oft so: wenn's ernst wird, packen die meisten ihre Klamotten und schlagen sich in die Büsche. Andere beliebte Methoden der Verteidiung sind in den "Kunstgriffen der Eristik" nachzulesen. Leider aber weniger raffiniert vorgetragen, sonst wär es ja wenigstens amüsant...
Ähnlichkeiten zu Vorgängen und Personen auch in diesem Forum sind rein zufälliger Natur. Ich wollte da mal ein wundersames Schloss nachrechnen, aber so behält alles noch etwas zauberhaftes...

@Marko Lindner alias "Theorienkiller" zu erhebliche inhaltliche Mängel: Warum soll denn schon wieder der arme "U-Wert" an allem Schuld sein? Es gibt Ablesefehler, Rechenfehler, Messfehler, Anwenderfehler, Denkfehler, Schreibfehler, ...
Für den Begriff (Jahres-)"Heizwärmebedarf" Qh gibt's doch bestimmt irgendwo eine brauchbares Förmelchen...

@Schulz-Hoos: Die Folie haben die Isländer wohl damals vergessen ;). Mit dem Luftkalk, den der Herr Kurz als Universalbaustoff als Estrich, als Mauermörtel von Tonnengewölben und zum Verputzen verwendet: den als Innenputz verwendet und Sie können die Folie weglassen...



Gut Markus lassen wir den U-Wert in Ruhe!



Die Abweichungen im U-Wert (falls vorhanden) sind, gegenüber den Unschärfen bei der zukünftigen Energiekostenentwicklung, bei Rentabilitätsrechnungen wahrscheinlich vernachlässigbar.

Frieden!

Marko