nachträgliche Steildachdämmung

19.04.2006



Ich habe ein altes Steildach, daß mit Braas-Doppel-S Dachpfannen gedeckt ist, jedoch unter den Dachlatten keine feuchtigkeitssperrende Folie hat. Letztendlich kann man von innen die Dachpfannen sehen.

Da das Dach soweit dicht ist, wollte ich es mom. nicht neu decken lassen, jedoch eine Wärme-Dämmung einbringen. Nun hörte ich, daß zwischen Dachpfannen und Wärmedämmung ja eigentlich eine feuchtigkeitssperrende Folie gespannt werden müßte, was aber nur von Außen durch aufwendiges entfernen der Pfannen möglich ist. Die aktuell auf dem Markt erhältlichen Folien sind wohl sogar in eine Richtung atmungsaktiv, so daß in der Dämmung entstehendes Schwitzwasser darüber nach Außen abgeleitet werden kann. So wird das Dämm-Material trocken gehalten, so daß die volle Dämmfunktion gewährleistet wird.

Da ich diese Sperrfolie nun nachträglich nur mit sehr großem Aufwand einziehen kann, hab' ich natürlich nach Alternativen gesucht. Eine wäre da statt Rockwool wasserabweisendes Styropor als Dämmung zu verweden. Die Andere wäre statt der Sperrfolie eine Hartfaserplatte von Innen zwischen die Dachsparren zu schrauben. Nun frage ich mich, welche die bessere Alternative ist oder ob es noch eine idealisiertere Lösung dafür gibt. Eine weitere Frage stellt sich natürlich, wie bei diesen Lösungen Schwitzwasser abgeleitet wird.





Soll unter dem Dach Wohnraum entstehen?



Antwort auf Frage



Ja es soll Wohnraum mit Dachausbau entstehen. Es besteht auch bereits ein Dachausbau, der jedoch aus Pressholzplatten abgerissen und durch Rigips ersetzt werden soll - muß er eh, um die Dämmung einzubringen.Vielleicht kann man die Latten ja noch weiter verwenden?!





Informieren Sie sich bitte im Forum, auf den Internetseiten von ProClima und Isofloc.
Verwenden Sie kein Styropor, wenn Sie Schäden vermeiden wollen. Holzfaserplatten oder Zellulose sind die weitaus sinnvollere alternative.

Grüße

Jochen Engelhardt



Vorschlag:



von innen nach außen:
- Innenbekleidung
- Konterlattung
- Dampfbremse und luftdichte Ebene z.B ProClima DB+
- Zellulosedämmung zwischen den Sparren bzw. Aufdickungen der Sparren nach Innen, Dämmstoffstärke nach EnEv Nachweis (bei Nutzungsänderung so wie so erforderlich)
- Latexvergütete Weichfaserplatte (z.B. Pavatex Isolair l)
- Unterlüftung
- Lattung
- Betondachsteine



Ihre Frage nach dem Schwitzwasser ist nur zu berechtigt!



Bei genug Fällen bin ich auf durchnässte Dämmpakete und unterseitig ankondensierte Folien gestoßen, selbst bei unterseitiger Dampfbremse. Die Risiken von Leckagen liegen auf der Hand - wie soll denn auch ein quasi dauerhaft luftdichtes System bei all den komplexen Anschlüssen in einer im Jahresablauf sehr bewegungsfreudigen Konstruktion, wie ein Dach es nun mal ist, bitteschön enstehen?

Wer will hier eine 20-Jahres-Garantie übernehmen? Bitte vortreten.

Zur Frage, ob Ihnen Dämmstoff bei hohen Kosten überhaupt was bringt, oder Sie nicht in traditioneller Manier besser bauen, können Sie sich mal mit den Ergebnissen unseres "Lichtenfelser Experiments" (Grafik) auseinandersetzen.

Da könnte Ihre nur allzusehr berechtigte Skepsis vielleicht noch wachsen.

Viel Glück!

Konrad Fischer



Antworten



An den Vorschlag mit der Holzschalung zwischen den Sparen hatte ich auch gedacht. Nur wie sieht es mit dem Kondensat aus? Wie wird man das los? Gibt es da Empfehlungen? Was ist mit "in traditioneller Manier bauen" gemeint?



In traditioneller Manier



kann man einen Dachgeschossausbau gar nicht ausführen, da Dachräume in vergangenen Zeiten gar nicht als Wohnraum mit unseren Ansprüchen genutzt wurden. Bedienstetenkammern und Lagerräume sind mit heutigen Ansprüchen an Wohnräume bei gleichzeitigem niedrigen Energieverbrauch nicht vergleichbar.
Aber vielleicht täusche ich mich hier und jemand macht uns einmal einen Vorschlag, wie so eine Dachfläche traditionsgemäß ausgeführt werden könnte.



traditioneller Dachausbau



Eine für heutige Ansprüche guter Konstruktionsaufbau ist in der Tat schwierig.

Ich erinnere mich an eine heftige Diskussion zu diesem Thema mit Herrn Huth, der vehement gegen eine nachträgliche Unterspannbahn stritt, mit der Begründung, Feuchtigkeit werde damit nur eingeschlossen. (Für den Laien: Unterspannbahn ist die diffusionsoffene Folie zwischen Dämmung und Dachdeckung, Dampfbremse/sperre ist die je nach dem diffusionsdichte Folie zwischen Innenraum und Dämmung)
Ich würde das bei einer recht dichten Dachdeckung (wie die angegebenen Braas) durchaus ausprobieren, wenn eine gute Be- und Entlüftung des Raumes zwischen Dämmung und Deckung gewährleistet ist.

Traditionell kenne ich Dachausbauten so: Sparschalung unter die Sparren, Schilfmatten und dicken Kalk- oder Lehmputz. Eine sehr bewährte Konstruktion mit rel. viel Masse. Die erreicht aber nicht nach ENEV geforderte Dämmwerte. Wenn die Statik ausreicht könnte man dies vielleicht kombinieren mit einer zusätzlichen Dämmung aus sehr leichtem Strohlehm (habe ich auch schon gesehen, könnte parallel zur Sparschalung eingebracht werden, abhängig von der Dachneigung) oder mir einer Dämmplatte mit Zellstruktur (Hanf ö.ä.). in diesem Falle würde ich auch auf eine Dampfbremse verzichten, denn ein guter dichter Innenputz wirkt als solche.
Das wäre aus meiner Sicht eine Weiterentwicklung traditioneller Bauweise.

Ich habe zur Zeit ein Projekt, wo wir die gesamten Dachraum auf die beschriebene traditionelle Weise ausbauen, in Kombination mit Wolldämmung. Wie sich das bewährt wird die Zeit zeigen. Ich werde es beobachten.
Das Foto zeigt die 1.Putzlage auf den Dachschrägen, die Schilfstruktur ist noch leicht zu erkennen.

beste Grüße,
jh



In meiner Baupraxis habe ich immer wieder traditionelle Dachausbauten



vorgefunden, die alle auf dem gleichen Prinzip beruhten:

1. Abführung der Raumluftfeuchte mittels ausreichender Fugendurchlässigkeit und Sollkondensation der Fenster.

2. Keine Konvektionsheizung, sondern - wenn überhaupt - Strahlungsheizung.

3. Massiver Ausbau, angepaßt an örtliche Konstruktionserfordernisse.

4. Keinerlei kondensatsperrende Dampfbrems- oder Sperrfolien.

5. Keine kondensatabsaufenden Schäume und Gespinste in der Dachebene.

Und das hat funktioniert, egal ob in winterlich von Jagdgesellschaften bevölkerten Mansarden in Lustschlössern, in bewohnten Dachgeschossen des "historischen" Siedlungs- oder des Geschoßwohnungsbaus, oder auch in Bauern- und Bürgerhäusern.

Dabei sollte klar sein, daß durchs liedschäftige Dachkammerl erkrankte Bedienstete, Knechte und Mägde ein arges und ggf. existenzielles Problem gewesen wären, man wollte das bestimmt nicht durch falsche Bautechnik erzwingen. Das Sick-Building-Syndrom ist was durchaus Modernes!

Besten Gruß

Konrad Fischer



Aufdachdämmung



Hallo,
haben Sie schon mal über eine Aufdachdämmung nachgedacht???
Wir wollen dieses Jahr unser Haus energetisch grundsanieren.
Hier besteht das Problem, das die Dachwohnung vermietet ist
und die durch Nut-und Federverkleidete Schrägen nicht
in größeren Flächen ausgetauscht werden soll. Klar, bei den
Dachflächenfenster werden div. Nacharbeiten nötig sein.

Um aber nochmals auf Ihr Problem zu kommen, die PU-Aufdachdämmung hat mich absolut überzeugt! Einfach und in unserem Fall auch günstiger als jegliche andere Massnahme.
Die Dämmmaterialien müssen bis zu einem Sparrenabstand von
0,8m nicht einmal Unterschalt werden (Holzschalung entfällt).
Für Lärm- und- Hitzegeschädigte gibt es auch eine Sandwitschplatte mit MDF bzw. anderen Baustoffmaterialien um Masse aufzubauen.

Hoffe etwas konstruktive Ideen vermittelt zu haben.

Gruss

Herregsell


MfG

Herrgesell



Dämmung des ausgebauten Dachraums statt des Steildachs???



Über eine Aufdachdämmung habe ich schon nachgedacht, wollte das Dach aber nicht neu decken und daher wird diese Variante unattraktiv.

Aber wenn ich mir so die Bedenken hinsichtlich Kondensat in den Dachsparren anhöre, dann fällt mir eine andere Lösungsmöglichkeit ein. Und zwar könnte man den ausgebauten Dachraum ja statt das Steildach dämmen. Der Ausbau soll eh neu gemacht werden, so daß dann die Kondensat-Probleme ja lediglich dort wären, was ja nicht so schlimm ist, wie in den Dachsparren. Außerdem müßte man sich so keine Gedanken über die Statik hinsichtlich des zusätzlichen Gewichts für Dämmung machen. Die Frage wäre bloß, ob man hinter die Dachpfannen zwischen die Sparren noch Holzplatten schraubt, da ja derzeit keine Folie da ist?!



Folie von innen um die Dachsparren schlagen???



Eine andere Alternative scheint mir eine Folie von innen um die Sparen zu schlagen und dann die Dämmwolle zwischen die Sparren an die Folie zu klemmen . Dann sind die Sparren ja quasi außen und gut belüftet. Oder gibt es dann trotzdem Schwitzwasser in den Sparen??



Bedenklich!



Denn Holz hat eine rel. hohe Materialfeuchte (im Dach so zwischen 12 und manchmal über 20 %). Die wird nun im Jahreswechsel ebenfalls wechseln. Und wo kann sie dann in der Plastikhaut hinlüften? Nur als Kondensat an der Innenseite niederschlagen und dort für gräßlich überhöhte Feuchten sorgen. Vorzugsweise in der wärmeren Jahreszeit. Da freut sich der ubiquente Hausschwamm.

Genau deswegen sind übrigens alle folienverpackten Vollsparrendämmsysteme zur Selbstvernichtung verurteilt. Es kommt nämlich keineswegs nur auf das Behindern einwandernder Warmluftkondensation an - die Materialfeuchte - denken Sie nur mal an schlagfrisches Bauholz mit weit über 25%, das böse Zimmerer gleichwohl verbauen - muß mit auf die Rechnung. Und genau daran hapert es bei monokausalen Denkschema.

Was Ihnen weder DIN noch Hersteller verrät - nur die Praxis und die paar Leutchen, die ein bißchen mehr wissen, als was in der Werbung steht.



Kondensat an den Dachsparren



wenn man die Folie von innen um die Dachsparen legt, dann wären die Sparen ja noch zu den Ziegeln hin nach außen offen. Reicht das nicht, um das Kondensat los zu werden?



Da vermute ich,



daß das Kondensat an der ersten erreichbaren kalten Fläche in nächster Nähe entsteht. Und das wird dann die Folienfläche sein. Dort wird es dann tropfenförmig abrinnen und den unteren Bereich aufnässen.

Aber grau ist alle Theorie. Wenn Sie den Eigenversuch wagen sollen, ist das Ihr Ding. Ich täts nicht, denn ich muß immer für die Ergebnisse meiner Planung haften. Und deswegen bevorzuge ich lieber bewährte Konstruktionsmethoden. Nach über 400 Sanierungsprojekten habe ich davon zumindest eine gewisse Vorstellung bekommen ...