Dachterrasse :-(

06.05.2009



Gott neee....jetzt habe ich mich schon wieder für Stunden an den Beiträgen festgelesen...dabei wollte ich doch nur etwas fragen.

Ist aber auch faszinierend! ;-)

Hallo zusammen,
meine unbändige Abenteuerlust hat mir ein schmuckes Fachwerkhäuschen ins Portefeuille gespült. Einhaus(?) Scheune, Saustall und Wohnbereich unter einem Dach; solider Bruchstein bis zur 1.Etage, krachtrocken. Ab da: Fachwerk; Süd- und Westseite, holzverschindelt; Ostseite, komplett Backstein, verputzt; Nordseite, sichtbares Fachwerk.

Glückwunsch?...Danke! :D

Leider haben böse Menschen, dem Gebäude insgesamt wenig stilsicher zugesetzt und u.a. an der Nordseite ein weiteres Gebäude angefrickelt;
Souterrain-Doppelgarage; darüber 2 Wohnräume je ca. 25m² und dann natürlich die beliebte Dachterrasse. :-(

Und die ist natürlich- man ahnt es schon- undicht!

Die ca. 9x6m messende Terrasse ist, dreiseitig, von einem ca.15cm hohen "Mäuerchen" umgeben, an der Längsseite mittig von einem Einlauf unterbrochen. Dieser war sicher an dieser Stelle niemals sinnvoll und kam, außer mit verirrten Regentropfen, mit keinerlei Wasser in Berührung. Mag aber auch an einer Gebäudesenkung liegen, die ziemlich in der Mitte der Fläche für stehendes Gewässer sorgt. Nachbarn berichten von heimisch gewordenen Wasservogelkolonien- aber derartigem Unsinn schenke ich natürlich keinen Glauben.
Gefälle gibts, außer dem vermutlich nachträglich entstandenen, keines.
Die nördliche Außen- und die Trennwand der darunterliegenden Räume ist im Bereich des Gullys intensiv durchfeuchtet. Bestialischer Modergeruch durchzieht das ganze Haus- nach halbstündiger Besichtigung stank ich wie "Das Ding aus dem Sumpf".

Kurzum: Abhilfe muss her!

Der Plan: Sämtliches Gerümpel (Dachpappe, Terazzokunststein, Mörtelpampe, Mäuerchen, Geländerbefestigung), ab OK Rohdecke, fliegt in eine Mulde.
Danach wird ein Gefälleestrich aufgebracht- Entwässerung über die Längsseite in eine vorgehängte Rinne.

Und nun endlich die brennenden Fragen hierzu:

Insgesamt eine gute Idee?
Welchen Estrich verwenden? (Gewicht)
Vergüten?
Fläche aufteilen, wg. der Größe?
Schwimmend, oder direkt auf die Rohdecke?
Welche Bitumenbahnen?
Überleben die unbedeckt einen Sommer?
Welche provisorische Auflast? (punktuell möglich?)

Hintergrund: Ich suche, da noch eine Menge anderer Dinge zu sanieren sind, eine möglichst "schnelle" Lösung, die aber eine ausbaufähige Basis darstellt (Umkehrdach). Über eine spätere Dämmung denke ich nach, halte sie aber nicht unbedingt für zwingend erforderlich, da die genannten Räume vermutlich nur 4 mal im Monat, und dann für jeweils 3-4 Stunden genutzt werden sollen. Außerdem steht einem höheren Aufbau sowohl die Terrassentür, als auch eine Teilüberdachung im Wege. Als endgültiger Belag, egal ob mit, oder ohne Dämmung, sind aufgestelzte Platten vorgesehen.

Das Wichtigste ist jetzt erst mal eine trockene Bude- allabendlich die Arbeitsklamotten verbuddeln zu müssen, kostet Zeit und wird auf Dauer recht teuer. ;-)

Danke für die Aufmerksamkeit..

LG
Micha





Insgesamt eine gute Idee?
Ja, bin auch kein Freund von Abläufen, setzen sich zu und bilden fehlerquellen für Undichtigkeiten. Wann immer ohne dann ohne.

Welchen Estrich verwenden? (Gewicht)
Ich würde die Betonplatte nach dem Entfernen des Aufbaues mit Betonspachtel, vorher Grundieren, rausspachteln und dabei 2% Gefälle anlegen.

Vergüten?
PCC-Mörtel verwenden

Fläche aufteilen, wg. der Größe?
Entfällt, vorrausgesetzt in der Betonplatte ist keine Fuge angeordnet. Eine Trennung zu den Wänden ist bei einer Nachfolgenden Abklebung mit Bitumenschweißbahn nicht nötig.

Welche Bitumenbahnen?
Bitumenschweißbahn G200S4 vollflächig verklebt.
Polymerbitumenschweißbahn PYE-PV 200S5.

Überleben die unbedeckt einen Sommer?
Bautenschutzmatte darüber.
Brauchst du später sowieso beim Aufbau mit Stelzlager.

Welche provisorische Auflast? (punktuell möglich?)
Alle gewöhnlichen Verkehrslasten du mußt nur ein durchstanzen der Bitumenbahnen verhindern.

Gruß



Dachterrasse



So!...Defibrillator wieder abgeschaltet! :-)


Hallo Jens,
vielen Dank für die flotte Antwort.

"Rausspachteln" hört sich sehr apart, weil vermutlich mühelos an.
Ein Blick auf meinen Taschenrechner signalisiert mir aber eine notwendige Estrich-/Mörtelmenge von ca. 3,2m³.
Da muss der Gipsbecher dem Betonmischer- die Spachtel der Kartätsche weichen.
In PCC kostet das übrigens so ungefähr € 9000,00.
Eine neue Decke MIT Gefälle, wäre wahrscheinlich billiger.

Da muss eine erheblich günstigere Lösung...oder eben der Abbruchhammer her! ;-)

LG
Micha





Ups, recht haste.
Bei 6m gibt das eine Aufbauhöhe von 12cm im Randbereich.
Das reicht alle mal für einen Verbundestrich.

Son Taschenrechner is ne dolle Sache:-)



Jens



da ist Wohnraum darunter oder hab ich mich verlesen?Eine Gefälledämmung würde ich schon nehmen , sonst geht das in die Hose.
Fläche ausgleichen ,
Bitum voranstrich,Randbohlen,G200AL,Dämmung,Trennlage G200 SKB, und dann die PYE.Um es mal grob zu beschreiben.
Am besten noch ein System von einem Herrsteller.
@ Micha und ruhig mal einen örtlichen Dachdecker fragen.
Flachdächer sind ein Thema für sich.

Flache Grüße





Hallo,

folgen Sie dem Rat von Boris Skupke und nehmen Sie sich für die Detailplanung noch einen Ingenieur, den Sie verhaften können, wenn es nicht funktioniert hat. Auf den Bitu-Voranstrich gehört aber noch eine G60 mit Alueinlage, an den Rändern überlappend verschweißt. Und die Dämmung sollte das leisten, was Sie dem estrich zugedacht haben: Gefälle haben, also eine Gefälledämmung nehmen. Die muß detailliert geplant werden, mit verlegezeichnung, sonst passen die Stücke nicht.

Grüße vom Niederrhein



...immer noch nicht dicht! :-)



Mhmmm....ich liiiebe Foren! :-)
Ich schätze den Austausch verschiedenster Meinungen und Lösungsvorschläge.
Auch wenn gelegentlich mit schwerster Artillerie auf Wasserspatzen geschossen wird. ;-)

@Jens
Gell?! Taschenrechner sind Helden! In meinem Fall kann ich mich, selbst wenn ich mich arg verrechnet hätte, immer noch in der Gewißheit baden, etwas sinnvolles für die Umwelt getan zu haben, da der Rechner mit Solarzellen bestückt ist. :-))

Dein Lösungsvorschlag kommt meinem ursprünglichen Ansatz am nächsten.
"Verbundestrich" hört sich schon sehr viel hemdsärmeliger an als PCC und lässt auch erhebliche Kosteneinsparungen vermuten.
Krieg ich den problemlos auf 120mm aufgestapelt?...braucht es Estrichmatten?
Hoppala!...Der verlangt nach einer Minimalüberdeckung von 25mm! Ich hätte nun gerne an der Traufe gegen 0 gearbeitet- ansonsten wird der ja auch "hinten" entsprechend höher. Oder bei 25mm Arbeit einstellen und den Rest mit PCC beispachteln?

@ Boris

Hm ja, Wohnraum. Wenn man eine Räumlichkeit die temporär von Menschen genutzt wird als solchen bezeichnen möchte- was ich meinem 1.Beitrag ja getan hatte. Mea culpa!
Tatsächlich wird es sich eventuell(!) später um einen Schulungsraum handeln. Mit einer wahrscheinlichen Nutzungsdauer von ca.16 Std. pro Monat.

Die Wärmedämmung sehe ich also eher als Option, falls irgendwann eine andere Nutzung in Frage käme.
Die Platte kragt an 3 Seiten zudem um 20-30cm über- eine Dämmung erscheint also nur dann sinnvoll, wenn man auch über eine Fassadendämmung nachdenkt. Das wäre aber des Guten definitiv zu viel.

Natürlich könnte ich einen örtlichen Dachdecker hinzuziehen, beauftragen- oder ihn wenigstens befragen. Von logistischen Problemen einmal abgesehen- ich wohne ca. 200km entfernt- fände ich es einfach unfair, da mit Sicherheit keine Auftragsvergabe erfolgt.
Das ganze Projekt basiert mehr auf einer "One-Man-Show", da jeder hineinfließende Euro den Marktwert des Gebäudes um keine Kopeke erhöht.
Das Anwesen liegt nämlich in einer äußerst strukturschwachen Region.
Es ist sogar stark zu vermuten, dass ich eines Tages der einzige Bewohner des Örtchens sein werde, da sonstige Einwohner bereits weggezogen, oder schlicht verstorben sind. ;-)
Vielleicht bin ich auch blauäugig- ich sehe eine Betonplatte, die frei von Durchdringungen und Aufkantungen ist, nicht als "Dach" an. :-)

Eine dann schiefe Ebene, die "niederschlagswasserdicht" werden soll.


@ D.Beckmann

Eine "Detailplanung" die akademischer Vorbildung bedürfte, sehe ich irgendwie nicht. Die größte technische Herausforderung- Dämmung hatte ich ja mittlerweile für obsolet erklärt- dürfte der lege artis ausgeführte Anschluss an das Fachwerkgebäude darstellen. Bei meiner Inaugenscheinnahme lungerten in diesem Bereich allerdings schäferhundgroße Wollmäuse herum, die gewiss die letzten Jahrzehnte nie mit Wasser in Berührung gekommen waren.
Die Terrasse ist über die gesamte Länge, ca.2,5m tief überdacht. Da müsste also schon arger, von Norden kommender Schlagregen her, um hier für unbill zu sorgen.
Allerdings gestehe ich ein, dass mir die überschlagenen 6t zusätzliche Auflast schon zu denken geben und hier von kundiger Hand ein wenig gerechnet werden sollte.
Weiterhin gestehe ich allerdings ein, dass ich ein ziemlich gespaltenes Verhältnis zu Fachkräften aller Gewerke habe, sobald pekuniäre Interessen von Belang sind.
Ich möchte nun nicht den Thread mit unschönen Erfahrungen zumüllen- deshalb nur beispielhaft:
Vorhaben: Verstärkung einer Mittelpfette.
Kostenvoranschlag Statiker A: DM 10.000,00
Kostenvoranschlag Statiker B: DM 120,00

Die Hütte erfreut sich heute noch, nach 20 Jahren, bester Gesundheit! :D

Vielen Dank!

LG
Micha





"Die Hütte erfreut sich heute noch, nach 20 Jahren, bester Gesundheit! :D"
Ich hoffe mal Statiker B auch :-O)

Ansonsten, frohes Schaffen.
Achja, bei 20mm unterbrechen und den Rest mit PCC ist ein gute Kompromiss.



Das



ist in der Tat sehr abgelegen.
Sieh erst mal zu das du eine Notabdichtung aufbringst.
Alles bis auf den Beton runter,vorstreichen und die Lage G200Al aufgeschweißt.So bleibt das Wasser erst mal draussen.
Und stell doch mal ein paar Bilder von dem Kunstwerk ein.
Ja und schwere Artillerie ....sehe ich nicht so.
Ich arbeite 90% auf,in,und um Altbauten und versuche hier Tips zu geben und mit den Bildern zu zeigen wie ich mit meinen Leuten arbeite und was wir gerade bearbeiten.

Also ran ans Werk