Holzweichfaserplatten für Außendämmung

30.05.2011 Michael F.



Hallo,
wir führen in kürze eine Außendämmung (Bereichsweise) unter einer Boden Deckel Schalung aus.
Eigentlich wollte ich dafür 60mm Pavaflex einsetzen, mein Zimmermann hat mir nun eine HWF von www.schneider-holz.com empfohlen/Angeboten.
Ich muss mich leider nun zügig entscheiden, daher meine Frage:
Im Datenblatt ist ein Wasserdampfdiffussionswiderstand von µ=1/2 angegeben, siehe Foto.
Pavatex gibt für die Pavaflex eine Diffusionswiderstandszahl µ=5 an.
Sind die beiden werte irgendwie vergleichbar/umrechenbar? Wenn ja wie?
Ist das eine schlechter/besser als das andere?

Ansonsten ist die Schneider Platte soweit ich das beurteilen kann vergleichbar mit der Pavatex.

Danke für Eure Hilfe!

Gruß
Michael





Hallo Michael,

hört sich doch ganz gut an. Mich würde der Preis für die Holzfaserplatten interessieren im Vergleich zu den Pavatex. Kannst Du dazu was sagen?

MfG, Dominik



Hallo Michael,



wir nehmen für diese Dämmung immer steico-flex, mit den gleichen Werten wie Schneider.
Der Preis liegt bei ca. 6,00 Euro/m2 bei 60 mm Dämmung.

Viele Grüße,
Gerhard





Wenn eine flexible HWF eingebaut wird und darüber eine Holzschalung, kommt dann noch eine Platte dazwischen als 2.Wasserführende Ebene oder Winddichtungsebene um zu verhindern dass die Dämmung durchströmt wird? Oder kommt da eine Folie zum Einsatz?
Wenn 60mm Dämmung eingebaut wird - braucht Ihr dann den nach EnEv geforderten U-Wert von 024 im Außenwandbereich nicht erreichen? Oder ISt der Rest der Wand schon so gut?



Das..



..Haus ist denkmalgeschützt und die Dämmstärke für die geforderten 0,24 nicht möglich.
Auf die Dämmung soll eine Wandschalungsbahn (solitex WA) als Winddichtung, darüber Hinterlüftung und Boden-Deckel Schalung.
Die ürsprüngliche Empfehlung war eine zusätzliche Unterdeckplatte, die ist aber eben ungleich teurer als eine Wanschalungsbahn.
Haltet Ihr den Aufbau mit einer Wandschalungsbahn für kritisch?

PS:
Zum Thema Dämmung:
Wir haben auch vorher schon in dem Haus gewohnt, mit einfachverglasten Fenstern ohne jede Dämmung und ohne Zentralheizung. Nur mit Holzöfen.
Dämmung kostet auch Geld, Zeit und ggfs. Charme.
Ist aber meine pers. Meinung und muss nicht weiter vertieft werden :-)





Verstehe. So kann man es machen.





Wenn Du mich fragst, dann sind die Platten von Schneider-Holz sogar vorzuziehen, da sie im Nassverfahren hergestellt wurden. Das heißt es wurden keine Leime oder Harze verwendet, um die Holzfaser zu binden und damit hat man ein wirklich 100% ökologisches Produkt. Beim Trockenverfahren werden Kunstharze oder Leime verwendet, welche mittlerweile durchaus strittig in der Verwendung sind, da sie zwar im unbearbeiteten Zustand keine nennenswerte Emmissionen freisetzen, aber bei Bearbeitung gefährliche Dämpfe und im Brandfall sogar Blausäure in erheblichem Umfang erzeugen. Da stirbt man schneller an der Blausäure als an einer Rauchvergiftung. :-(

Also meine Empfehlung ganz klar Nassverfahren, egal welchen Herstellers!

Grüße!



Holzdämmplatten mit Polyamid....



Hallo Dominik,

die Platten von Schneider-Holz sind doch nach den Angaben von Michael mit dem Trockenverfahren hergestellt worden und sind mit Polyamid gebunden. Die Platten haben entsprechen genau den Nachteilen, die Du formulierst.

Holzfaserplatten im Naßverfahren haben immer ein höheres Gewicht. Bei geringen Gewichten braucht es ein künstliches Polymer, damit die Holzfasern zusammen halten. Hier ist es Polyamid - bei GUTEX wird Polyethylen eingesetzt.

Grüße aus Frangn

Frank von Natural-Farben.de





Laut der Homepage von Schneider Holz werden die Platten ausschließlich im Nassverfahren ohne zusätzliche Zusatzstoffe hergestellt. Wenn dem so ist, wären diese Platten für mich eindeutig der Vorzug zu geben.

Hast Du einen Link der belegt, dass diese Platten im Trockenverfahren produziert werden?

Beste Grüße





Wenn Ihr da mal nicht irrt.

Die meisten HWF Platten werden mit Leimen, wie Parafin, Latex oder sonste was behandelt, es klebt halt so besser,… und sie sind somit Hydrophob.

Das “Nassverfahren” schließt diese Zusätze lange nicht aus.

Ein Riesen Vorteil dieser Zusätze, so sagen die Hersteller, die Platten sind dadurch bis 8 Wochen frei bewitterbar.
“Schönes” Vermarktungsargument, die Bauphase ist in trockenen Tüchern.
Eigentlich wollten wir aber hydrophile Platten haben die den Feuchtetransport gewährleisten und Öko sollte es ja auch sein.

Grüße
Oliver Struve

@Michael
Der Sd-Wert spielt hier eine völlig untergeordnete Rolle.



Die



Flex 50 wird im Trockenverfahren hergetsellt und beinhaltet laut DB Polyamid als Bindefaser.
Dass im Brandfall Blausäure freigesetzt wird, war mir so nicht bewusst. Wenn ich das allerdings berücksichtige, bleibt als möglicher Dämmstoff wohl nur noch der Stopfhanf übrig.
Primär geht es mir darum, einen Dämmstoff zu verwenden, der dem Fachwerk nicht schadet. Um ganz ehrlich zu sein (es sei mir verziehen) spielt der ÖKO-Faktor für mich eine untergeornete Rolle.

"...Eigentlich wollten wir aber hydrophile Platten haben die den Feuchtetransport gewährleisten ...
Der Sd-Wert spielt hier eine völlig untergeordnete Rolle..."

Die Flex 50 ist m.E. nicht hydrophobiert (folglich auch nicht "frei bewitterbar", im Gegensatz zur Unterdeckplatte
wird kein Latex/Paraffin eingesetzt. Der Feuchtetransport sollte somit doch gewährleistet sein und der Dämmstof somit für diese Anwendung geeignet??
Als oberen Abschluss zur Hinterlüsftungsebene kämen Unterdeckplatten "Top 180" oder "ISOLAIR L" oder als kostengünstige Alternative eine Wandschalungsbahn z.B. SolitexWA in Frage.
-->Welchem Produkt (Unterdeckplatte VS Wandschalungsbahn) ist den hinsichtlich der Bauphysik hier der Vorzug zu geben?
Ist die hydrophobierung der Unterdeckplatten hier Nachteilig?

Gruß
Michael



Holzfaserplatte der Schalungsbahn vorziehen....



Ich würde eine Holzdämmplatte, z.B. Multiplex-top, bzw. Multiherm von GUTEX den Vorzug geben.

Grüße aus Frangn

Frank von Natural-Farben.de



Und wie...



..wirkt sich die hydrophobierung der Unterdeckplatte im Bezug auf den Feuchtetransport aus?
Der Wandaufbau ist durchweg diffusionsoffen und der Feuchtetransport erfolgt doch prinzipiell gasförmig. Dann dürfte sich die hydrophobierung (siehe Kommentar von O. Struve) hier doch nicht auswirken?!

Fragende Grüße
Michael





Das der Feuchtetransport prinzipiell gasförmig erfolgt ist der Trugschluss.
Durch Diffusion gelangt zwar Wasserdampf in- und durch Baustoffe, wenn dieser Dampf aber Kondensiert, also zu Wasser ausfällt, erfolgt der Wassertransport nur noch auf dem kapillarem Weg zur Bauteiloberfläche.
Wenn die Rücktrocknung allein über die Diffusion von Wasserdampf erfolgen würde gäbe es auch keine Probleme bei der Trocknung von z.B. Mineralwolle die mit einem sd-Wert von 1 genau so diffusionsoffen wie Luft ist.
Das die Trocknung hier nicht einhergeht liegt an der fehlenden kapillaren Leitfähigkeit.

Genauen Aufschluss über die kapillare Leitfähigkeit von Dämmstoffen erhält man, wenn überhaupt, meist nur durch gezielte Nachfrage beim Hersteller.

Grüße
Oliver Struve



Der..



..Wandaufbau sollte (SOLLTE) hinsichtlich Tauwasser keine Probleme machen. Aber grau ist alle Theorie...

Mit den Unterdeckplatten statt der Wandschalungsbahn sieht der Wandaufbau wie im beigefügten Bild aus.
Der Feuchtetransport in flüssiger Form wäre aber wohl auch bei einer Wandschalungsbahn nicht oder gar noch weniger gegeben als bei der (hydrophibierten) Unterdeckplatte?

Was wäre denn ein geeigneter Werkstoff um
-die Dämmebene abzuschließen
-die winddichtheit herzustellen
-kapilaren Feuchtetransport zu gewährleisten
?

Da bin ich ratlos..

Grüße
Michael





Mir scheint Sie wollen auf biegen und brechen die EnEV einhalten.

Ich würde auf jeden Fall die Innenseitige Leichtlehmschüttung weglassen, damit berauben Sie sich nur der Speichermasse der Wände.
Die Winddichtheit kann man mit diesen Platten sehr schön herstellen, für den Schlagregenschutz sorgt die Boden Deckelschalung.

Wenn kein Kondensat anfällt, das sollte bei Außendämmungen so sein, spielt die kapillare Leitfähigkeit natürlich eine untergeordneter Rolle.
WDVS aus Mineralwolle funktionieren, solange sie nicht nass werden, schließlich auch.

Grüße
Oliver Struve





"Mir scheint Sie wollen auf biegen und brechen die EnEV einhalten..."

Nö, nicht.
Die Außendämmung + Boden Deckel Schalung wird nur bereichsweise ausgeführt (Giebeldreiecke + Wetterseite).
Der Rest bleibt Sichtfachwerk.
Die Schüttung (man könnte es Innendämmung nennen) will ich aber an diesen Wänden nicht aussparen sondern weiterlaufen lassen um einen homogenen Wandfaufbau zu bekommen.
Zudem sind die Übergangsbereiche zwischen Innen- und Außendämmung so weniger kritisch.

Dass sich durch die Kombination beider Massnahmen eine vergleichsweise gut gedämmte Wand ergibt würde ich als netten Nebeneffekt bezeichnen.

Daher rührte denn auch meine eigentliche Frage, denn ich möchte ebene nicht dämmen um jeden Preis!

Gruß
Michael