Aussenwanddämmung (innen) bei Umnutzung Fachwerkscheune

11.09.2006



Hallo zusammen,
wir möchten in eine 1930 erbaute Fachwerkscheune ein "Wohnhaus einbauen. Um das Fachwerk (Fichte, 140mm), und die Ausfachungen (Bims, Kalk-Zementputz innen u. aussen) zu erhalten, soll das Gebäude eine komplette Innendämmung erhalten. Derzeit sind wir mit den Grundsatzüberlegungen der Bauweise beschäftigt, und bekanntlich bieten sich viele Ausführungsvarianten an.
Frägt man die Handwerker der verschiedenen Bauweisen, ist man hinterher so schlau wie davor, Maurer empfiehlt 2te Schale mit Zwischendämmung, Zimmerer Holzskeletteinbau mit Mineralwolle , Zellulose, etc...
U.a. in diesem Forum bin ich nun auf die Taupunktproblematik aufmerksam geworden, muss aber zugeben, dass ich noch nicht restlos "durchsteige".. nicht zuletzt da auch hier im Forum die Meinungen stark auseinander gehen.

Meine Theorien (möglicherweise typisch für den Anfänger):

1. Bisher (Scheune) hatte das Gebäude eine kalte Wand. Wenn nun eine möglichst starke Dämmung mit Dampfsperre und ggf. Hinterlüftung innen eingebaut wird, bleibt die Aussenwand auch zukünftig kalt und trocken, unabhängig der Materialien und des Schichtaufbaus.

2. Möglich wäre auch eine neue Innenschale in 30er oder 36,5 er Porenbeton. Dann wäre ein relativ homogener Wandaufbau gegeben und eine Diffusion in beide Richtungen möglich.

Oder seh ich das falsch? Über eure Meinungen zu diesem speziellen Fall wäre ich sehr dankbar...



ein homogener Außenwandaufbau ist realisierbar



mit einer Leichtlehm-Vorsatzschale,direkt,ohne Luftschicht vor die vhd.Fachwerkaußenwand.
Beispiel 1) 8DF LehmLeichtbaublockwand d=11,5cm mit Zwischenfüllung ca 6-8cm schwundsicherem Hanfleichtlehm.
Beispiel 2) Vorsatzschale mit 20cm Hanfleichtlehm in Leichtlehm-Stampftechnik,Schilfputzträgergewebe.



Taupunkt



Hallo Herr Stehle,

das haben Sie richtig erkannt. Das Problem bei der Innendämmung ist der Taupunkt. Die Feuchtigkeit (Dampf) der im Haus durch die Personen oder im Bad und Küche entsteht sollten nicht in die Dämmung kommen da sie dort kondensieren kann und die Dämmung nass wird. Nasse Dämmung ist bekanntlich keine Dämmung und somit auch Nährboden für Schimmel. Also somit sollten Sie versuchen die Feuchtigkeit von der Dämmung fern zu halten. Dies kann durch viele Lösungen geschehen. 1. Dämmung mit Dampfsperre oder Dampfbremse. 2. Dämmung mit Materialien die die Feutigkeit aufnehmen z.B. Stampflehmwand. 3. Feuchtigkeit abführen mit ausreichendem Luftwechsel z.B. Lüftungsanlage.
Das Thema wurde hier schon oft besprochen und es gibt viele Lösungen und viele Meinungen. Jedoch kann Keiner sagen er hätte die absolute Patentlösung. Ich für meinen Fall habe mich für eine Innendämmung mit einer Dampfbremse entschieden. Zusätzlich habe ich in unser Fachwerkhaus eine Lüftungsanlage eingebaut. Jeder sollte jedoch nach eingenem Ermessen entscheiden was er für gut befindet und was der Geldbeutel hergibt.

Gruß Tobias Bucher



Umbau Scheune



Guten Tag Herr Stehle,

unter der Voraussetzung, daß Ihr Vorhaben genehmigungsfähig ist:
1. Beiden Vorschreibern kann ich zustimmen.

Es muß aber einiges richtiggestellt werden:
Der empfindlichste Punkt beim Fachwerk sind die Knoten und die waagerechten Hölzer. Hier kann sich Wasser, auch Regenwasser von außen, stauen und das Holz faulen lassen. Das Wasser kann bei gedämmtem Mauerwerk nur durch kapillaraktives Material von hier weggesaugt werden. Ungeeeignet sind also z.B. Mineralwolle und Co., Gasbeton,
Bims. Geeignet sind Lehm, Kalk, Schilf, Holzweichfaserplatten.
Da Diffusion ein langsamer, kapillarer Transport aber ein schneller Vorgang ist, braucht man keine Dampfbremse. Diese wäre wegen des unterbundenen kapillaren Feuchtetransports nach innen sogar eher schädlich.
Und nun zur Lüftung: Mit steigenden Energiepreisen wird eine Lüftung mit Wärmerückgewinnung immer sinnvoller. Außerdem hält sie die Feuchtigkeit im physiologisch behaglichen Bereich, also z.B. 60% bei 19 Grad.

Grüße vom Niederrhein



Ich könnte mir



gut vorstellen, dass man eine Holzrahmenkonstruktion mit ausreichendem Abstand dahinter errichtet (Haus im Haus). Ich würde mal sagen min. 6-10 cm Luftschicht zum alten Fachwerk und gut be- und entlüften. Die alten Gefache müssen aber alle vorher in Ordnung gebracht werden. Die Hölzer des alten Fachwerks sollten nicht vorstehen. Vielleicht sogar komplett überputzen.



in den künstlich erzeugten Luftschichten kann sich jederzeit



Feuchtigkeit ansammeln,die unangenehme Bauschäden erzeugt.
Fachwerk ist nun mal ein inhomogener Wandaufbau,bei dem durch die Schwachstelle Gefachübergang zum Holz jederzeit Wasser eindringen kann.Außerdem kommt man zwecks späterer Reparaturen von innen nicht mehr ans Fachwerk dran.



Aus diesem



Grund ist eine gut funktionierende Hinterlüftung wichtig.



wie soll z.B. nach einem Sturm eingedrungenes Regenwasser,



das sich in der Lüftungsebene gesammelt hat,gefahrlos ablaufen können? Wie soll das bei einem mehrstöckigen Fachwerkhaus funktionieren?



Das ist die



Frage einer detaillierten Planung. Es geht.



doch Lehmbauweise?



Vielen Dank für die Tipps.

Herr Schillberg, zur Lehmbauweise hätt ich jetzt noch ein paar Fragen:
Sollte im Wandaufbau nicht die Diffusionsfähigkeit nach aussen ansteigen um eine Verdunstung nach aussen zu gewährleisten?
Lässt sich mit der beschriebenen Bauweise auch eine tragfähige Basis für eine Geschossdecke realisieren, oder ist das eher als innere "Wandverkleidung" zu sehen?
Können sie über den Daumen ca. kalkulieren auf welchen qm-Preis die Lehmbauweise kommt (nur Materialkosten)?
Welche Iso-Werte (ca.) sind so zu erreichen?

Grüße
R. Stehle



bei homogener Vorsatzschale mit z.B. 20-24cm Hanfleichtlehm



gibt es keine Tauwasserprobleme. K-Wert bei 24cm Hanfleichtlehm + 15mm LehmWärmedämmputz auf Schilfgewebematten= ca 0,36 W/qm x K
Materialkosten bei v.G. Wandaufbau = ca 42,- Euro/qm netto-Preise ab Werk zzgl. Fracht und Mwst.