Dämmmaterialien: Wärmedämmung - Wärmespeicherung - Schallschutz

09.03.2006



Hallo alle miteinander,

mal eine grundsätzliche und eine spezielle Fragestellung zum Thema Dachdämmung:
1. Sucht man als Häuslebauer nach einer optimalen Dachdämmung, so sollte die neue Dämmung unter dem „Aspektdreieck“ Wärmedämmung (v. a.. im Winter von Bedeutung), Wärmespeicherung-/-aufnahme (v. a. im Sommer) und Schallschutz (v. a. in Gebieten mit erhöhter Lärmbelastung) eine gute Figur machen, soweit ich verstanden habe. Nun hat jedes Material seine Stärken und Schwächen: Bspw. Ist Thermohanf mit seinen 040 nicht Spitze bei der Dämmung, aber er fängt im Sommer wohl viel Wärmeenergie ab. Gibt es da aber nun einen guten „Allrounder“ (mehrheitlich für Wärmedämmung und –speicherung) , der dazu auch über die Jahre seine guten Eigenschaften weitgehend behält?
2. Wir besitzen seit kurzem einen Altbau mit Faserasbestplatten gedeckt, die müssen ja eh weg. Gehen wir danach mal davon aus, das wir zukünftig mittels Konterlattung alles hinterlüften können. Wir haben uns zunächst mal einen KVA für Außensparrendämmung mit 16/18cm Schaum geholt, weil wir das für die energetisch beste Variante halten, auch um innen keinen Platz zu verschenken. Allerdings war das Angebot weit oberhalb unserer Erwartungen. Unter der Außenlattung liegt eine (relativ) intakte Schicht aus Holzbrettern (= Unterspannbahn?), dann die Sparren mit 10 cm Tiefe. Was empfiehlt sich hier außer der Außensparrendämmung: eine Zwischensparrendämmung, kombiniert mit einer Untersparrendämmung, und wenn ja, wie dimensioniert, damit der Taupunkt keine Sorgen macht? Was ist mit Isofloc? Der Innenraum drunter soll übrigens als Wohnraum genutzt werden, deshalb wäre uns natürlich an einem geringen Raumverlust gelegen..

Vielen Dank für die Hilfe(n)

el knuto



Zu



1. Warum ist ein Dämmwert von 040 nicht in Ordnung? der Unterschied zwischen einer 040 er Dämmung 035 er Dämmung macht gerade mal knapp 2 cm bei einer Zwischensparrendämmung aus. Und dann kommt's ja cuh noch drauf an, was man wirklich braucht.
2. wie wäre es mit einer Kombination von Zwischensparren- und Aufdachdämmung:
- Bekleidung nach Wahl
- Dampfbremse ProClima DB+
- Zellulose 100 mm
- Schalung
- Holzweichfaser 50 mm (z.B. Pavatex Isolair l)
- Konterlattung = Unterlüftung
- Lattung
U-Wert ca. 0,28 W/m²K



Antwort an Fred Heim



Hallo,

vielen Dank für Deine schnellen Anworten.
Verglichen mit einer WLZ von 035b ist 040 natürlich nicht so schlimm, aber unser erster Dachdecker hat uns PU-Schaum mit 025 angeboten, und das macht dann schon einen sichtbaren Unterschied in der Aufbaudicke. Nach Durchsicht des Forums ist die Fangemeinde für PU-Schaum allerdings nicht allzu groß - warum?
Mit der Aussage "... dann kommt´s auch noch drauf an, was man wirklich braucht" hilft mir Laie nicht wirklich weiter: Soweit ich die EnEv verstanden habe, kommt es bei einzelnen Bauteilen nicht auf einen bestimmten zu erreichenden Dämmwert an, sondern darauf, dass die Komponenten gut ineinander greifen. Für meine Außenwände gibt es - noch - kein Wärmeverbundsystem (hatte noch keine Zeit, darüber einen Kopf zu machen), Fenster haben einen k-Wert von 1,1. Mit einer Aufsparrendämmung mit o.g. PU-Schaum ergeben sich bspw. U Werte von 0,18 W/qm/K, das liegt schon deutlich unter dem von Dir empfohlenen Aufbau. Macht sich das auch bemerkbar?

Bei dem empfohlenen Aufbau meinsts Du mit Zellulose eingeblasenes Isofloc oder Platten? Die Holzweichfaserplatten kann ich so direkt auf die Schalung spaxen?



Hallo el knuto



025 PU-Schaum ist natürlich schon ein Unterschied. Aber sicher auch teuer. Es gibt verschiedene Gründe warum dieses Material nicht so beliebt ist. Die Hauptgründe sind sicherlich schlechter sommerlicher Wärmeschutz, schlechter Schallschutz und Diffusionsdichtheit sowie Probleme an den Anschlussstellen.
Und nun zur EnEV. Wenn ein Nachweis über das gesamt Bauwerk durchgeführt wird, kommt es (fast) nicht mehr auf das einzelne Bauteil an, aber das Gesamtgebäude muss bestimmte Bedingungen erfüllen. Welches Rechenverfahren für euch das richtige ist, kann ich natürlich nicht wissen, da ich die näheren Umstände nicht kenne. Was du aber nichtr machen kannst ist, die U-Werte fder Fenster und der Dachkonstruktion durcheinanderwürfeln und einen gemeinsamen U-Wert festlegen und dann sagen:" Das hört sich doch gut an". Dafür gibt es dann tatsächlich keine Vergleichswerte mehr. Du kannst entweder einzelne Bauteile festlegen (also Wand, Dach, Fenster, Sohle,...) oder für das Gesamtgebäude, oder einen Teil des Gebäudes (z.B. Anbau oder Dachgeschossausbau) eine Berechnung erstellen, bei der du einen max. Transmissionswärmeverlust und einen max. Primärenergieverbrauch einhalten musst. Glaub mir, die Berechnung ist so aufgebaut, dass wir uns das Geld, das wir hierfür bekommen wirklich verdienen müssen.

Ein U-Wert der Fenster von 1,1 ist natürlich schon sehr gut, aber ich würde mal nachlesen, ob der wirklich stimmt. Ich vermute, das Glas hat den Wert 1,1 (das ist Standard), dann hat das Fenster vermutlich einen Wert von 1,3.

Und ein U-wert von 0,18 fürs Dach ist auch sehr gut. Die Nachteile habe ich oben schon aufgezählt. Das hat aber nichts mit dem Dämmwert zu tun. Diesen kann ich auch mikt Zellulose erreichen. Ich bekomme nur einen anderen, wesendlich dickeren Aufbau.

Ob das Isofloc eingeblasen wird oder als Plattenware z.B. Homatherm eingebaut wird ist lediglich eine Frage des Preises. Wichtig ist der Dämmwert 040. Einfach die Weichfaserplatten auf die Schalung spaxen ist natürlich nicht! Das geht auch bei PU-Platten nicht. Da darüber noch die Dacheindeckung verlegt wird, ist hier die Statik zu beachten, damit nachher die ganzen Dachpfannen nicht ein paar Etagen tiefer liegen.



In die EnEV



würde ich mal genauer sehen: In den §§ 16, 17 sind die Ausnahmen, die immer (!) zutreffen. Auch bei Ihnen. Im Lichtenfelser Experiment kam heraus, daß künstliche Dämmschäume und -gespinste die Wärmestrahlung - und darauf kommt es maßgeblich an - einfach durchflutschen lassen. DAs trifft im Winter von innen anch außen und im Sommer von außen nach innen gleichermaßen zu. Fazit: Nur Massivdämmstoffe nach alter Väter Sitte bringt was - auch wenn es der EnEV rechnerisch nicht gelingt, deren Vorteile korrekt darzustellen. Und damit sparen Sie sich mindestens die unwirksamen Leichtbaudämmstoffe. Holz, GK, Ziegel - das bringts.

Viel Bauglück!

Konrad Fischer