Innendämmung-Aufbau: Fachwerk - Lehm - Schilfrohr - Kalkputz, geht das?

24.02.2008


Hallo Fachwerk-Experten,

Wir wollen unser 200-Jahre altes Fachwerk-Haus im OG von innen dämmen (EG Sandstein). Die Fachwerkwände sind ca. 15 cm dick und größtenteils mit Felssteinen ausgefacht. Balkenanteil relativ hoch. Ein Lehmbauer hat uns die Ausführung mit Schilfrohrmatten in Lehm angeboten, was wir wegen der vielen positiven Kommentare auch gerne machen würden. Da unsere Innenwände mit Kalkputz verputzt sind bzw. noch werden, frage ich mich, ob man die in Lehm gebetteten Schilfrohrmatten einfach mit Kalkputz Verputzen könnte, oder mache ich mir da die Vorzüge von Lehm wieder kaputt. Ich möchte gerne sicherstellen, dass alle Wände später eine gleiche Optik haben und daher ungern an Lehmbauer und Gipser vergeben. Wie dick dürfen denn die Schilfrohrmatten für eine maximale Dämmung sein, ohne, dass ich den Taupunkt in die Dämmung hole und Probleme bekomme? Macht eine Berechnung hier Sinn? Was meint Ihr dazu?

Bin dankbar für eure Kommentare,

Carsten





Bei Verwendung von Bruchstein wird der Taupunkt, entsprechende
Randbedingungen vorausgesetzt, immer in der Dämmung liegen. Das muß aber nicht in jedem Fall schädlich sein, wenn sichergestellt wird, daß Tauwasser von der Innenschale auch wieder abtransportiert wird, z.B. durch das kapillaraktive Material und/oder unterstützende Heizung.
Aufgabe der Innendämmung kann nur
- Tauwasserfreiheit der Wandoberfläche
- Erzielung komfortabler Oberflächentemperaturen
- Reduzierung des Energieverbrauchs
sein.
Insofern gehen 5 cm Schilfrohrmatte schon an die Grenze, darunter macht es aber auch wenig Sinn.

Beim Material würde ich im System bleiben, weil man durch den Anstrich immer noch egalisieren kann. Aber das ist eine persönliche Ansicht.

Gutes Gelingen !





Hallo Dietmar Beckmann,

danke für die Antwort. Wird denn der Lehm wieder weich, wenn der Taupunkt in der Dämmung sitzt? Könnte man – falls sich rausstellt, dass der Energieverbrauch deutlich zu hoch liegt – später noch über eine Außendämmung nachdenken? Dann würde ich mich im Moment für 5cm Schilfrohr innen entscheiden und dort auch meine Heizungsleitungen und Elektro-Installation verlegen, oder spricht etwas dagegen?
Da das Haus mittelfristig vermietet werden soll, wäre mir der Kalkputz sympatischer, da er mir widerstandsfähiger erscheint. Täusche ich mich da?

Gruß und Danke, Carsten



Putz und Dämmung



Ich halte Kalkputz nicht unbedingt für widerstandsfähiger gegen Mietereingriffe.
Sie könnten z.B. auf die Idee kommen, mit Dispersionsfarbe zu streichen, weil "man das ja so kennt".

Eine Außendämmung würde ich nur in Betracht ziehen, wenn die Optik des Hauses dadurch nicht beeinträchtigt wird.
Mit Erweichen des Lehms ist nur im Katastrophenfall zu rechnen, dann aber auch reparabel.

Gutes Gelingen



Innendämmung



Schilfrohrmatten sind gut, aber sollten in Verbindung mit Lehm gut verarbeitet werden. Wenn der Wandaufbau die guten Lehmeigenschaften plus Dämmung erhalten soll muss eine durchgängige Lehmverbindung vorhanden sein. Mit den Felssteinen in den Gefachen hätte ich Bedenken, aber bevor alles neu ausgefacht werden sollte (z.B. mit Leichtlehm), würde ich folgendes bevorzugen: Kalkputz von den Steinen abschlagen, mit Lehmputz 2-5 cm die Wand glätten, die 5 cm starken Schilfrohrmatten mit einer Lehmschlämme beidseitig satt einweichen und auf dem Lehmputz bzw. den Balken befestigen (alternativ dazu gibt es Lehmschilfmatten, allerdings mit schlechteren Dämmeigenschaften), alles mit Leichtlehm verputzen und zum Schluß Kalkputz auftragen. Als zusätzliche Dämmung kann zwischen Schilfmatten und Gefachen ein Hohlraum mit einer Holzunterkonstruktion geschaffen und mit z.B. Holzleichtlehm ausgefüllt werden - doch das ist viel Arbeit, aber eine prima Dämmung!
Solch ein Wandaufbau erleichert die Feuchtigkeitsregulierung, egal, wo der Taupunkt ist. Der Lehm machts!!
Einen ähnlichen Wandaufbau haben wir in unserem Fachwerkhaus. Bei Interesse einfach melden.

Gruß R. Lehner



Schilfrohdämmung



die schilfrohrmatten müßen ganzflächig in lehm gesetzt werden.das ist schon recht wichtig damit der tauwasser-
ausfall aufgenommen werden kann.
um einen einigermaßenen u-wert zubekommen sollten sie 5 cm
schilfrohrplatten nehmen.besser sind holzfaserplatten z.b.
das conluto dämmsystem.vielleicht mal im netz unter www.conluto nachschauen,schauen kostet nichts.
ach auf die platten muß dann noch ein 2 lagiger lehmputz
mit gewebe einlage
viel spaß
thomas