Außendämmung und -verputz von Ziegelwänden

30.06.2006



Hallo zusammen,
unser altes Bauernhaus hat Wände aus alten Ziegelsteinen, die unten ca. 30 cm dick sind und oben nur noch ca. 12 cm. Wir wollen eine Außendämmung aufbringen und bis zur Decke des 1. Stockes verputzen, am 2. Stock soll eine Holzverschalung sein. Meine Frage nun:
Was eignet sich zur Dämmung unter dem Putz (soll atmungsaktiv sein) und welchen Putz nimmt man. Innen haben wir einen Kalkputz genommen.
Würde mich über Infos sehr freuen.
Herzliche Grüße
Barbara



Die Atmungsaktivität,



recte Dampfdiffusionsfähigkeit von Baustoffen ist egal, da Feuchte in Baustoffen 1000:1 flüssig gegenüber dampfförmig vorliegt und ebenso bei Trocknungsvorgängen bis an die Außenluft transportiert werden muß.

Grund: Die Wasserstoffbrückenbindung der H2O-Moleküle (Dipole!).

Insofern kommt alles darauf an, daß die Kapillarentfeuchtung funktioniert, die ihrerseits von diesbezüglich funktionierenden Porensystemen abhängt. Leichtbaudämmstoffe haben deswegen alle die Gefahr des Auffeuchtens, mangels Speicherfähigkeit kühlen sie nächtens sehr aus, Kondensat rutscht rein (da "atmungsaktiv" die Feuchtluft "eingeatmet" wird) und bringt das System zum Gammeln. Da etwa 99% der Wärmetransporte in Baustoffen via Wärmestrahlung erfolgen, kommt es nur darauf an, wie Baustoffe diese verkraften. Siehe hierzu Grafik.

Außerdem teilen Sie nicht mit, wie hoch Ihr bisheriger Ölverbrauch/Gasverbrauch je qm im Jahr ist. Damit ergibt sich eine Grenze der Wirtschaftlichkeit, die etwa 12 x Jahresersparnis beträgt.

Tip: Entweder alles lassen, wie es seit altersher bewährt ist, oder in bewährter Manier behandeln: Luftkalkputz/Massivholz. Eine Dämmung verschattet übrigens die gegebene Massivwand gegenüber der kostenlosen Solareinspeicherung, sie wird kälter, dagegen muß angeheizt werden! entscheidend ist nur, daß die Speichermenge ausreicht, um die tagsüber auch an Nordseiten (!) eingestrahlte Solarenergie soweit durch die Nacht zu retten, daß die Wandtemperatur immer über der Lufttemperatur bleibt und damit kondensatfrei. Das ist objektabhängig zu betrachten, bei Ihnen könnte es genügen und jeglichen (massiven!) Dämmaufwand entbehrlich machen.

Fazit: Kalkputz drauf, wenn's nun unbedingt sein muß, Strahlungsheizung ohne Nachtabsenkung, sonst nix. Das spart Geld und Energie.

Viel Glück!





Hallo Konrad,
danke für die Antwort. Wir haben eine Kachelofenzentralheizung neu eingebaut und wissen noch nicht, wie hoch der Holzverbrauch sein wird. Unten könnte ich mir ja vorstellen, dass es geht, aber oben, wo die Wand nur noch 12 cm ist, denke ich doch, dass wir es dort gar nicht warm bekommen. Früher waren die Leute ja was den Wärmebedarf angeht wohl doch etwas bescheidener als wir es heute sind. Unter dem Lärcheschirm sollte doch wohl gedämmt werden. Außerdem brauchen wir dann ja auch unten einen Wandaufbau, damit das eine Ebene gibt. Der Putzbetrieb hat uns eine Petridämmung angeboten (was immer das ist), aber ich hatte die Befürchtung, dass das nicht dem entspricht was wir wollen, nämlich die positiven Eigenschaften der Ziegelwand für innen erhalten. Deshalb meine Frage nach dem Dämmmaterial.
Liebe Grüße
Barbara



In Grindelwald



haben die Holzblockhäuser im Durchschnitt 9 cm (habe ich gemessen), im Lungau ca. 12 - auf 1000 m ü. Meeresspiegel, seit ca. 300 Jahren nachweisbar. Unsere Fachwerkhäuser in Franken haben ebenfalls oft unter 15 cm Wandstärke.

Tip: Einen Winter heiztechnisch ausprobieren, dann Investentscheidung für außen. Jemand muß doch wissen, was die Hütte früher verbraucht hat, davon kann man erst mal rechnerisch ausgehen. Ansonsten: Vielleicht Massivbohle+Schieferbehang?

(Petridämmung/Petrischale/Perimeterdämmung/Petri Heil? - Dolles Rätsel für Fischer!)



Klimasan Perlit



Hallo,
jetzt bin ich gerade auf Perlit gestossen. Das wär doch vielleicht was für uns. Hat jemand Erfahrung damit?
Grüße
Barbara



Außenputz



Von Perlit gibt es Außendämmputze (wasserabweisend), die recht gute Dämmeigenschaften haben; aber unter 6 cm nützt das auch nichts. Also: dickschichtig und mindestens zweilagig putzen, kann mir vorstellen, daß das gut aussieht.
Holzverbrauch alter Häuser: 1 Bauernhaus in Dormettingen = 15 m³ Holz pro Saison (muß man alles hacken, stapeln und trocknen)

Grüße vom warmen Niederrhein