Holzfaserplatten als Innendämmung besser im Kalk- anstatt Lehmputz einbetten

14.10.2010



Hallo
Die meisten Anbieter vom Holzfaserplatten für eine Innendämmung beschreiben bei den Verarbeitungshinweisen ein einkleben mit Lehmputz.
Nun habe ich weiter recherchiert und bei meinem Baustoffhändler einen Hersteller angeboten bekommen, der auch eine Verarbeitung mit Kalkputz als gleichwertiges Bettungsmaterial empfiehlt.

Ich sehe im Kalkputz (mal abgeshen von fast doppelt höheren Anschaffungskosten) eher Vortreile, da hier bei kalten Wintertagen/Nächten der Transport der Feuchtigkeit an die Außenfläche an der bewitterten Nordost-Seite eher langsamer vor sich geht und ggf. doch im Bettungsputz längere Feuchte ansteht, womit doch der Lehm eher Probleme haben sollte. Vom alkalischen verhalten mal ganz abgesehen.

Wie sieht denn das Trocknungsverhalten des Bettungsputzes im frischen Einbau nach Befestigung der Dämmplatten aus. Wie lange kann es denn dauern, bis der Lehmputz ausgetrocknet ist?
Kalk erhärtet ja auch ohne größere Luftanreicherung und durch die stattfindende Hydratation schneller im Zwischenbereich alt/neu...
Vielleicht habe ich auch nur zu große Bedenken, aber Fragen kostet hier ja nix =) Habt Ihr da Erfahrungswerte?

Ich habe mir folgenden Wandaufbau an der Innenseite der ca. 50,0cm dicken Bruchsteinmauerwerkswand ausgesucht:
in den frischen Bettungsputz (Lehm- oder Kalkputz)
60mm Holzfaserdämmplatten eindrücken.
darauf 20mm Schilfrohplatten als Putzträger mit durchgehenden Dämmdübeln im Mauerwerk befestigen.
Dann in ausgesuchten Bereichen Wandheizungsrohre verlegen, bzw. an den Schilfrohrplatten befestigen.
dreilagig Lehmputz auftragen.

Noch ne Frage:
Wann kann ich am besten die Dämmdübel in die Wand einbohren?
Ein Freund empfiehlt einen Tag nach eindrücken der Platten die Dübel einzubohren, ein anderer macht das gleich am selben Tag.

Bin gespannt auf Eure Meinungen.
Viele Grüße



Fassadenfarbe für entfeuchtung von



innen hinderlich?
Vor lauter Bäumen hätte ich beinah den Wald übersehen...
Die Außenfassade ist vor 8 Jahren vom Vorbesitzer mit Farbe gestrichen worden.
Ich gehe mal davon aus, dass es ne gewöhnliche Schutzfarbe ist und somit Diffusionsdicht da ja feuchtesperrend.
Dann sollte ich jedoch Probleme mit dem anfallenden Feuchteankommen von innen im Mauerwerk bekommen?
Oder denke ich da auch zu sensibel, da sich das in den 50cm schon auslagert, da solch eine Fassadenfarbe nicht soo dicht schließend ist wie ich mir das grad vorstelle.



Innendämmung



Ehe Sie eine Innendämmung einbauen,
sollten Sie sich erst einmal mit deren Funktion vertraut machen. Dann ließen sich viele Fehler vermeiden, die Sie jetzt begehen würden.

Dazu von mir einige Anregungen, sich mit der Materie besser vertraut zu machen:
1. Lehm- oder Kalkputz gleichzeitig als Klebemörtel einzusetzen ist falsch.
Der Putz soll die Wand egalisieren und nicht als Kleber dienen.
Nach dem Trocknen/Erhärten des Putzes wird die Dämmung im Buttering-Floating- Verfahren aufgeklebt. So entsteht eine dünne, gleichmäßige Kleberschicht, die schnell durchtrocknet.
Ansonsten sollte man bei der Verarbeitung unbedingt die Hinweise in den Verarbeitungsrichtlinien der Hersteller beachten.

2. Die Kleberschicht hat noch eine zweite Funktion.
Sie dient als Diffusionsbremse zum Wandmaterial.
Eindringende Diffusionsfeuchte soll auf der inneren Oberfläche des Klebers ausfallen und nicht auf der äußeren bzw. auf der Wandfläche. Dieses auf der kälteren Innenfläche des Klebers ausfallende Tauwasser wird dann kapillar nach innen transportiert und soll hier verdunsten, also nicht weiter in die Wand gelangen.
Kalkmörtel ist dafür als Kleber ungeeignet. Wie er sich bei Natursteinmauerwerk verhält, bleibt abzuwarten. Ich würde es auf ein Experiment nicht ankommen lassen.

3."Kalkmörtel erhärtet ohne größere Luftanreicherung durch die stattfindende Hydratation..."
So funktioniert Kalkmörtel nicht. Um zu erhärten braucht Kalk Luft, genauer gesagt Kohlensäure. Beim Erhärten produziert Kalk Wasser, das abgeführt werden muß. Das Erhärten von Kalkmörtel unter einer dicken Dämmlage wird also eine ganze Weile dauern.
Zementmörtel erhärtet durch Hydratation.

4.Auf die anderen Probleme wie Bauteilanschlüsse, Feuchteanfall durch Nutzung bzw. der rechnerische Nachweis der Funktionsfähigkeit, Vermeidung von Wärmebrücken, Verträglichkeit mit anderen bzw. zukünftigen Modernisierungen usw. gehe ich jetzt nicht ein.

Viele Grüße





ok. Soweit so gut.
Die Wände sind soweit schon egalisiert durch den vorh. Kalkputz. Das mit dem buttering-floating-Verfahren beim aufkleben ist soweit auch ok und ich meinte dies auch, nur habe ich nicht diesen schönen Wortlaut benutzt =)
Die Aushärtung des Kalkmörtels durch Kohlensäure und abzuführende Feuchte ist selbstverständlich richtig . Habe da was in der Eile mit Zement verwechselt.
Das ist doch aber beim Lehm ähnlich und sollte sich dann was die Erhärtung hinter der Dämmplatte betrifft gleichstellen?

Mit der diffusionsbremsenden Kleberschicht bin ich aber noch etwas irritiert, da ich mir bei durchlesen div. Beiträge notiert habe, dass gerade diese Schicht diffusionsoffen sein soll und der Lehm oder Kalk da seine Vorteile ausspielen kann. Der Dampfdruck ist im Winter doch innen höher als außen und so sollte die Feuchtigkeit (ab gegebenen Ausfallpunkt hinter der Dämmung) nach außen wandern, drücken, schleichen? ja wie nennt man das denn?

Danke für die Hinweise und Anmerkungen.



Innendämmung



Das genau meinte ich mit "der Funktion vertraut machen".
Die Kleberschicht sollte diffusionsdichter als das Wandmaterial sein, die Tauwasserbildung soll nicht in der Außenwand ablaufen, sondern in der Kontaktstelle Kleber- Dämmung. Sonst wundern Sie sich nach ein paar Jahren über die "aufsteigende Feuchte" außen am Mauerwerk. Der Innendämmung und dem Kleber wird so etwas auch nicht gut tun.

Das bei feuchteempfindlichem Lehm so etwas heikel werden kann ist klar. Es hängt aber von weiteren Faktoren ab, wie z.B. der (nutzungsbedingten) Tauwassermenge oder dem Einbau einer Wandheizung.
Deshalb auch mein Hinweis, solche Dämmungen sorgfältig zu planen und zu bemessen.
Mit dem Glaser- Verfahren stößt man da sehr schnell an Grenzen.

Viele Grüße



Kleberschicht und Egalisierungsschicht



Nach dem ich mich nochmal mit meiner Anfrage näher beschäftigt habe, ist mir noch anhand dem Hinweis, dass die Klebeschicht diffusionsdichter sein soll, noch eine Frage offen geblieben.
Es kam von einem Anbieter für mein Vorhaben folgender Vorschlag, dass ich doch meine unebene Sand(bruch)steinmauer innen mit einem leichten CS2 Mauer-& Putzmörtel egalisieren (Dicke bis zu 2,0cm im Fugenbereich) soll und dann die Holzfaserplatten mit Lehmputz verkleben soll. Dies würde aber der zuvor angesprochenen diffusionsbremsenden Klebeschichtfunktion ja widersprechen?
Das Argument des Bieters war, dass ich auch bei meinen teilweise vorhandenen (geraden)Kalk-zementputzflächen die Holzfaserplatten direkt mit Lehmputzauftrag verkleben kann.

Wenn dem nicht so sei, dann sollte eigentlich, der Kalk-zementputz abgeschlagen und durch einen diffusionsoffeneren Lehmputz ersetzt werden und die Klebeschicht als Kalk-zementputz ausgeführt werden?

Habe hierzu bei einem Hersteller der Holzfaserplatten die Anfrage gestellt und wurde auf beide Möglichkeiten verwiesen, wobei aber bei einem weiteren Lehmputzauftrag auf die Platten auch mit materialidentichen Lehmklebeschichtauftrag hingewiesen wurde. Worauf die Klebeschicht aufgetragen wird sei, außer Gipsputz, prinzipiell (Qualität der Oberfläche aussen vor) egal. So wurde dann auch die Aussage des Verarbeiters bekräftigt.
Was meint Ihr dazu?

Bin mir hier noch etwas unsicher.



Habe mich für Lehmunterputz



als Klebeschicht auf allen Putzuntergründen entschieden.
Bei den neuen Lehmputz auf Bruchstein ist das soweit wohl kein Problem und habe hier schonmal zwei Reihen hergestellt.
Auf die Holzfaserplatten habe ich dünnflüssigeren Lehmputz mit Zahntraufel aufgetragen und in den feuchten Lehmunterputz, den ich als Egalisierungsschicht auf das Bruchsteinmauerwerk aufgetragen und glattgezogen habe sozusagen eingedrückt und gleich verankert. Musste zwar bei jedem zweiten Bohrloch ein neues setzen, da ich sehr oft Fugen oder irgendwelche Hohlstellen getroffen habe, aber bis jetzt siehts alles ganz grade aus.
Den Kalkputz habe ich aufgrund von vielen Hohlstellen vollständig abgeschlagen und werde hier einen gleichen Vorgang wie eben beschrieben vornehmen. Die Fehlstellen (Faustgröße und mehr) im Bruchsteinmauerwerk habe ich noch mit Mörtel und Steinen ausgebessert.Hoffe das sich das Wetter baldigst in die Plusgrade bewegt, dass es zügig weiter gehen kann.
Habe mich hierzu nochmal gemeldet, da das Thema noch offen steht. wenn fertig, kann ich ja nochmal berichten, dauert aber...
Gruß
Mathias