Wiedermal Wärmedämmung

24.10.2005 Hermann



Ich habe mir mit meiner Frau ein Fachwerkhaus gekauft, welches wir von Grund auf renovieren müssen. (KP 55000 €)
Wir haben uns von einem befreundeten Architekten beraten lassen.
Da meine Frau noch studiert, wollen wir das Haus Stück für Stück renovieren.
Nun wurde uns geraten, das Haus mir Steinwolle, Dampffolie und Riegipsplatten zu Isolieren und die Wände zu begradigen.
Wir haben für unser Haus (12x9 meter Außen) bereits alle Materialien liegen. In den ersten Räumen haben wir bereits mit der Verlattung begonnen.
Jetzt lese ich im Forum das unser Wärmedämmungsvorhaben völliger MIst ist!!!!????!!!!
Soll ich jetzt alle Materialien wegschmeißen?
Kann man nicht, wenn man genügend platz zwischen Wand und Steinwolle lässt, trotzdem isolieren?
Oder ist es schlimm NUR die Riegipsplatten anzubringen?
Ist es schlimm (dazu habe ich noch keinen Forenbeitrag gelesen) die innenwände mit Platten zu begradigen?

Wichtig ist wahrscheinlich die Tatsache, dass wir es uns schlichtweg nicht leisten können, alle MAterialien in den Müll zu werfen und uns teueres Dämmmaterial zu kaufen!

Oh Mann!!!! *heul*



man kann doch auch alles positiv sehen ...



Sein Sie doch froh, dass Sie noch nicht eingebaut haben ...
verkaufen Sies halt wieder, verklagen Sie Ihren Berater auf Schadensersatz ...
bis jetzt hat die Wolle ja noch keinen unmittelbaren Schaden am Haus angerichtet - und das Haus ist doch das nachhaltige Kapital.
... und das mit den "geraden Wänden" ist halt so ein Argument, dass immer "zieht" ... das ist wie mit dem "nie mehr Streichen müssen" bei Kunststofffenstern und "das hält super" bei allen Zement haltigen Baustoffen ... was das für bauliche Konsequenzen hat wird tunlichst verschwiegen oder "nicht gewusst" "da gibt es keine wissenschaftlichen Beweise" ... die brauche ich auch nicht ... ich habe das täglich auf den Baustellen zu sehen ...

Lassen Sie es und haltne Sie sich an die altbewährten Sachen, die nachweislich 200 und mehr Jahre den bauphysikalischen Fakten entsprechen

Aus baubiologischen Sichtweisen würde ich das auch nicht nehmen ....
auch innen nicht

Was Sie sich "schlichtweg nicht leisten können wird sich dann im Laufe der Zeit herausstellen, wenn es zu Schäden kommen sollte ... Was das dann kostet ...

das ist mir das auf lange Sicht, die es denn sich bewähren soll, zu heikel ... aber da wird ja dann sofort das preisliche Argument als "Trumpf-Ass" gezogen - ... wenn sich aber dann in 15 - 20 Jahren herausstellt dass da mit gezinkten Karten gespielt wurde ...
dann kann die Substanz geschädigt sein, und das Zeug muss wieder raus und was "neues" rein. Ist das wirtschaftlich???

an sonsten auf Masse gehen und die Werbungszauberei ignorieren ... wenn da nicht die Zuschüsse wären .. ja! dann daran denken warum Kaffefahrten (oder auch Butterfahrten) immer so "billig" angeboten werden .. das Zeug muss unter die Leute gebracht werden ...


Stück für Stück ist doch in Ordnung - aber die Lösung sollte doch langfristig nachhaltig sein und zu keinen Schäden führen ...

(Fachliteratur: Gerner - Schäden an Fachwerkfassaden ISBN 3--8167-4690-x

FK



So einen ...



... "befreundeten Architekten" hatte ich auch mal. Jetzt darf er zwar noch ins Haus, aber nicht mehr ans Haus ;-)

Ich hatte neulich in einem Vortrag die These aufgestellt, daß sich nur 5 % der Architekten mit Fachwerkhäusern auskennen. Ein Behördenvertreter widersprach: er setzte auf 3 %.

Hoffentlich können Sie nun einschätzen, in welche Kategorie Sie Ihren Berater einstufen sollten.

Grüße aus der Nachbarschaft

Bernd



Rückgabe der Baumaterialien?



Hi Björn,
ich kann mich meinen beiden Vorrednern nur anschließen. Der Schaden, der in sehr kurzer Zeit durch falsche Baumaterialien entstehen kann ist imens. (Siehe Bild Sicht auf das Schwellholz. Das Gefach wurde mit Porenbetonsteinen ausgemauert und auf der Innenseite mit einer 5mm Syropurtapete isoliert)
Versuche doch die gelieferten Baumaterialiene bei deinem Baustoffhändler gegen geeignete einzutauschen. Der Händler, bei dem ich einkaufe hat inzwischen ein gutes Sortiment an Lehmbaustoffen. Aus meiner Erfahrung = gearade Wände aus Rigips dahinter brodelts meistens.

Gruß Frank



Wiedermal Wärmedämmung



Hallo Herr Bamberg,
wir bauen seit 1991 erfolgreich und ohne jede Reklamation in solchen Fällen die Klimaplatte ein. Habe mein eigenes Fachwerkhaus damit in der Zeit von 1992 - 1996 von innen gedämmt. Die epasit Klimaplatte (www.epasit.de)wird bei uns viel gekauft, weil sie feuchtigkeitsregulierend, wärmedämmend, bioresistent, druckfest, nichtbrennbar Klasse A1, schallhemmend, umweltfreundlich und bauaufsichtlich zugelassen ist.
Sie können sich gerne bei uns weitere Informationen einholen unter 038422 25353 oder hbs-trzeczak-gmbh@t-online.de



FW-Dämmung



hallo,
Die Baustoffe an sich sind nicht das Problem, sondern deren Kombination, und dann noch umgekehrt eingebaut! Dämmung gehört draußen und Speicherung drinnen. Ich würde daher innen auf mehr Speicherung gehen, z.B. Weichfaserplatten + Lehmputz, Binsenmatten + Lehmputz, oder besser Leichtlehmsteine mit Lehmputz. Sie erhalten dadurch nicht die ENEV-Vorschriften, dafür ein super Raumklima.
Jede Begradigung eines Fachwerks, kann Hohlräume zwischen Fachwerk und Innendämmung verursachen. Dort treffen sich kalte Außenluft mit warme und Feuchte Innenluft. Sie bauen sich damit Ihre private Tropfsteinhöhle. Das Eine Bild meines Vorredners (Frank)zeigt wo das führen kann.
In dieses Forum sind schon zahlreiche Beiträge auf diesem Gebiet diskutiert worden.
Mit der Begradigung einer Fachwerkwand mit GK-Platten zerstören Sie das wunderbare Innengefüge solche alte Konstruktionen. Hundertwasser nennt das "die Diktatur der gerade Linie". Ein schöner Satz den ich gerne Zitiere.
Das fürs Erste.
M.f.G.
J.E.Hamesse



Innendämmung und die Subtanzzerstörung (Steinwolle - Dampfbremse- Rigips)



Hallo Björn Bamberg, da ich auf diese Frage schon mal ausführlich im Forum geschrieben habe sollten sie sich folgende Beträge ansehen, Eine Frage an die Profis, Nr.

---Forenreferenz-----------
Anwort auf Ihre fragen Teil 1 -
Hallo Herr Schöne,

Bezüglich ihrer fragen,1;und wieso verbauen so viele Architekten Mineralwolle? 2; Ignorieren die etwa die Bauphysik?

Anbei kopie von Text und Zeichnungen aus meinen Studium zum Gepruften Restaurator im Handwerk, Referent Frau Dr.Kaiser.

Denkmalpflegerischer Diskussionspunkt: Innendämmung bei Fachwerkgebäuden.

Abb. 4: Schematische Darstellung der Feuchteverteilung in einer Fachwerkwand mit Innendämmung nach einem Niederschlagsereignis. Das weit in die Fuge vorgedrungene Wasser sollte, wie in der rechten Zeichnung angedeutet, auch zur Raumseite hin austrocknen können. mehr ...
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---Forenreferenz-----------
Anwort auf Ihre fragen Teil 2 -
Abb. 5: Relation zwischen Wärmedurchlaßwiderstand und Dampfdiffüsions-widerstand einer Innendämmung für Fachwerkwände. Um einen ausreichenden winterlichen Tauwasserschutz zu gewährleisten und die Trocknungsmöglichkeit von Niederschlagsfeuchte nach innen nicht zu unterbinden, sollte der s^-Wert der Innendämmung im gekennzeichneten Bereich liegen.
( Quelle: Künzel: WTA - Seminar : Fachwerk. 1998 )


Denkmalpflegerischer Diskussionspunkt: Innendämmung bei Fachwerkgebäuden
Wegen der besonderen Gefahrdung der Konstruktionsholzer in den Außenbauteilen sind bei Fachwerkgebäuden bezüglich der nachträglichen Innendämmung besondere Regein zu beachten.
Auf der Aachener Bausachverständigentagung 1996 wurden folgende Regein diskutiert und den Fachleuten empfohlen:
1. Der Wärmedurchlasswiderstand der Ausfachung : 1/^=1,0 qmk/W
2. Der Wärmedurchlaßwiderstand der Zusatzdämmung : 1/^ =1,0 qmk/W
3.Raumseitige dampfbremse: sd=0,5-0,8m
4.Diffusionswiderstande von Ausfachungsmaterial und Dammstoffen:µ.< 10
Die Wissenschaftlich - Technische Arbeitsgemeinschaft für Bauwerkserhaltung und Denkmalpflege fordert in ihrem bauphysikalischen Merkblatt für Fachwerkfassaden folgende Kenngroßen:
1. Bei Fachwerkwänden ist die zulässige Tauwassermenge abweichend von den Bestimmungen der DIN 4108 auf500g/qm jährlich zu beschranken.
2. Der Wärmedurchlasswiderstand der Zusatzdämmung : I/A = 0,8 qmk/W

3. Raumseitige Dampfbremse: sd = 0,5 - 2,0 m Vorsicht:
Eine Mineralfaserdämmung mit innenliegender Luftschicht zum Fachwerk, Dampfbremsfolie und Gipskartonplattenverkleidung ist nach diesen Vorgaben ohne weiteres möglich.

Der Standpunkt der Denkmalpfleger:
" Theoretisch kann der Tauwasserausfall durch Verminderung der Diffusionsstromdichte verhindert werden, indem man dan der Innenseite solcher Wände eine Dampfbremse anordnet.

In der Praxis haben sich solche Dampfbremsen jedoch nicht bewahrt, weil sie an den Boden-, Decken und Zwischenwandanschlüssen regelmassig Fehlstellen aufweisen, die ein Eindringen der warmen Innenraumluft in die Außenwände und damit auch Kondensation ermöglichen.

Die Rückbewegung des ausgefallenen Wassers in die Räume ist durch die Dampfbremsen jedoch erheblich erschwert, so daß die Durchfeuchtung langfristig zu großen Schäden führen kann."
"Eine bautechnisch ausgewogene Behandlung eines Fachwerkgefuges darf aber nicht nur von der Feuchtebelastung von innen ausgehen, sondern hat zu benicksichtigen, dass Fachwerkaußenwände zu allen Jahreszeiten ja auch von außen durchfeuchtet werden. Diese Durchfeuchtung konzentriert sich bei Regenfallen besonders im Bereich der Fugen. " (Schulze: DAB 91) mehr ...
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---Forenreferenz-----------
Anwort Ihrer fragen Teil 3 -
Denkmalpflegerischer Disskussionspunkt:
Die feuchteadaptive Dampfbremsfolie.


Bei der feuchteadaptiven Dampfbremsfolie handelt es sich um eine speziell strukturierte 0,5mm starke Polyamidfolie. In ihre Struktur lagern sich Wassermoleküle ein, so daß die Folie ihre Struktur öffnet und der Diffüsionswiderstand geringer wird. Laut Herstellerangaben besitzt die Folie Werte der dampfdiffüsionsäquivalenten Luftschichtdicke von 0,2 < sd <.5m.

Die Funktionsfähigkeit des neu entwickelten Produktes wurde im Freilandversuch getestet. Darüberhinaus wurde die Dampfbremse rechnerisch auf Basis des PC - Programmes WUFI mittels Berechnung von Temperatur- und Feuchteverhältnisse unter natürlichen Klima- und Nutzungsbedingungen getestet.

Es gibt keine Langzeiterfahrung in Fachwerkobjekten. Hinsichtlich möglicher Konvektionsprozesse oder kapillarer Feuchtigkeitstransporte im Wandaulbau werden keine Angaben im technischen Merkblatt gemacht.

Rahmenbedingungen der Anwendung laut Herstellerangaben:
- luftdichte Verlegung (wie bei üblichen Dampfbremsfolien)
- keine dampfsperrenden Innenschichten vor der Dampfbremse anordnen
"Im Zusammenhang mit Faserdämmstoffen ist es günstig, eine feuchteadaptive Dampfbremse einzusetzen, die aufgrund ihrer besonderen Eigenschaften im Winter einen zehnmal höheren Diffusionwiderstand aufweist als im Sommer. "

Abb. 6: Funktionsweise einer Innendämmung aus Faserdämmstoff mit feuchteadaptiver Dampfbremse. Durch die geringere relative Feuchte in der Umgebung der Dampfbremse im Winter ist ihr Dampfdiffu-sionssperrwert zehnmal größer als unter durchschnittlichen Bedingungen im Sommer [5].
( Quelle: Künzel, WTA- Schriftenreihe) mehr ...
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---Forenreferenz-----------
Anwort auf Ihre fragen Teil 4 - Ende. -
Mehrschichtige Leichtbauteile und die Gefahr der Tauwasserbildung im Bauteilquerschnitt
Wann kann im Bauteilquerschnitt Tauwasser ausfallen?
- wenn es innerhalb des Querschnitts zu starkem Temperaturabfall kommt
Das kann insbesondere beim Einsatz moderner hochwärmedämmender Baustoffe in Leichtbaukonstruktionen passieren.
- wenn die Baustoffe im Querschnitt innen vor der kalten Seite des Aufbaus sehr dampfdurchlässig sind
Insbesondere Faserdämmstoffe haben einen geringen Diffusionssperrwert sd.
Für vollgedämmte Gefachquerschnitte der üblichen Dachkonstruktionen und für leichte Holzbaukonstruktionen bestehen besondere Gefahren hinsichtlich der Tauwasserbildung im Querschnitt. Bei historischen Fachwerkgebäuden birgt insbesondere die nachtägliche Innendämmung große Tauwassergefahren. ( Quellen: Energieagentur: Praktische Bauphysik; Nebel: Sanieren von Fachwerkbauten )
So Herr Schöne ich hoffe ihre fragen sind jetzt hinreichend beantwortet, oder geben Anregung zu neuen Diskussionen. Jetzt kann jeder selber entscheiden was er tun möchte.

Die Toplösung mit Gewährleistung das es dauerhaft mit einer Folie geht ist leider zur Zeit noch nicht gegeben. Ergebnisse von Langzeitversuchen liegen noch nicht vor.
Wie sie lesen konnten geht es mir nicht um verkaufen, ich möchte nur nicht zu meinen Kunden gehen nach 5,5 Jahren ( Gewährleitung abgelaufen) dumm gelaufen aber es muss wieder alles raus.
Fazit : Das Risiko es mit Mineralwolle und einer Folie zu versuchen und 5 Jahre Gewährleistung zu gegen , ist mir persönlich zu groß, ein daraus entstehender Folgeschäden kann das Ende meiner Firma bedeuten.

Ich hoffe sie verstehen jetzt die Antwort auf ihre frage. Warum soll ich meinen Kunden was verkaufen wo ich selbst nicht von überzeugt bin. Es gibt also kein Geheimtip den die Profis nicht verraten wollen oder können!

Mit freundlichem Gruß
Franz- Josef peltzer mehr ...
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da werden sie vielleicht ein Ratschlag auf ihre Frage finden. Bei Rückfragen einfach Mailen. mfg Franz - Josef Peltzer



Schonmal vielen Dank



Danke für alle Einträge!

Ich habe das bißchen Steinwolle, welches ich schon eingebaut hatte, wieder rausgenommen. Die Gipsplatten an den Innenwänden habe ich noch gelassen. Ich vermute das diese nicht das Holz angreifen oder Feuchtigkeit sammeln.



Ansonnsten werden wir gar nicht mehr von Innen dämmen!
Die sehr stark mittgenommene Wetterseite muss sowieso von außen verkleidet werden! Da werden wir uns dann mal beraten lassen, waas man da von außen machen kann.

Zu allem Übefluss habe ich an mehreren Balken schon einen starken Holzwurmbefall entdeckt. Die haben sich in den feuchten und falsch angestrichenen Balken sehr wohl gefühlt.

Ansonsten: Harren wir der Dinge die da kommen mögen :-)

Danke und liebe Grüße



Eile mit Weile ...



Sie schreiben: Harren wir der Dinge die da kommen mögen!
dann "harren" Sie bitte nicht zu lange und reagieren auf Änderungen sehr schnell!
Wenn schon Balken aufgrund von Feuchtigkeit Schaden genommen haben ... und die Gipsplatten innen dran bleiben sollen ... das ergibt einen Luftpuffer - ergo eine Art von Innendämmung, die nur verzögert schädlich sein wird - auch eine immer wieder propagierte "Hinterlüftung" ist keine Gewährleistung zur Langlebigkeit und haut auch meistens nicht hin.

bleiben Sie wachsam und denken Sie an Ihr Gebäude

mfG
FK



Salzdahlum OT Wolfenbüttel



Hallo Herr Bamberg,

auch ich saniere ein Fachwerkhaus und zwar in Salzdahlum. Auch ich habe Mineralwolle als Innendämmung angefangen zu verbauen; obwohl ich von Beruf Architekt bin. Da habe ich mich intensiver mit Fachwerkhäusern beschäftigt und mußte eingestehen, dass ich einen Fehler gemacht habe. Danach habe ich die Mineralwolle wieder ausgebaut und mit Schilfrohrmatten innenseits gedämmt. Gerade noch rechtzeitig....