Innendämmung auf Sandstein..sinnvoll?

06.10.2010



Hallo!

..bitte verzeiht, wenn ich dieses Thema erneut aufrolle, aber ich habe mittlerweile so ziemlich alles zum Thema Innendämmung im Sanierungsbereich gelesen. Die z.T. kontroversen Meinungen verunsichern mich als Anfänger jedoch zunehmend. Daher möchte ich hier mein Problem exakt darstellen und hoffe auf gute Tipps von erfahrenen Sanierern/-innen.

..noch kurz etwas zu mir:
Ich habe vor einiger Zeit mein Studium der Architektur abgeschlossen (B.A. Ing.) und durch einen glücklichen Zufall die Möglichkeit erhalten, mich um die Sanierung eines alten (ca.1700) Schulhauses, ehem. Gesindehaus eines Schlosses, zu kümmern. Früher als erwartet bin ich allerdings an meine Grenzen gestoßen.. (soviel zur Ausbildung im Studium - ausschließlich Neubauten auf der grünen Wiese).

Zum Objekt:

Aussenwandaufbau momentan (aussen --> innen):

- Sandstein 50cm (mit Gurtgesims und massiven Fenstergewendern) teilweise verputzt
- Luftschicht ca. 4cm
- Vorsatzschale aus "sehr weichen" Vollziegeln, längsseits aufgemauert ca. 6cm
- Innenputz

..die Vorsatzschale soll entfernt werden und aufgrund der optisch unbedingt gebäudezugehörigen Gesimse und Gewendern soll die Sandsteinwand innen gedämmt werden. Meine Überlegung dazu ist:

-auf den unebenen Sandstein eine Ausgleichsputzschicht (min. 4cm) aufbringen um ein späteres vollflächiges verkleben der Calziumsilikatplatten (~ 6 cm) zu gewährleisten. Diese wiederum sollen anschließend mit einem Kalkputz Verputz werden.

soweit, meine Planung..
Eine Dampfbremse/sperre scheint eher ungünstig. Die Calziumsilikatplatten könnten auch durch Mineralschaumplatten ersetzt werden (lt. Internetforen).

Was meint Ihr dazu?
Ich bin für jeden Tipp dankbar.. und hoffe bei diesem Projekt viel dazu lernen zu können.



Dämmputz



Wenn Du sowieso ausgleichen musst, kannst Du auch gleich über einen Dämmputz nachdenken, z.B. von Klimasan oder auch anderen lokalen Anbietern.
Preislich dürfte das günstiger landen wie Ausgleichsputz und Ca-Silikatplatten, dämmtechnisch ergibt es ein vergleichbares Ergebnis.



Re: Dämmputz



Vielen Dank für Ihre Antwort, Herr Leyh!

Manchmal sieht man den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr..
In welcher Stärke, meinen Sie, müsste der Dämmputz aufgebracht werden? Müssen besondere Vorkehrungen/Vorarbeiten am Sandstein erfolgen?



ps. ..Verzeihung, ich meinte selbstverständlich "Sandsteingewänder"!





Calzium-Silikatplatten sind schon das beste, was man an Materialien für Innendämmung bekommen kann. Dazu muss aber, wie du zuvor auch schon geschrieben hast, vorher Ausgelichsputz drauf. Ich würde Multipor nehmen, guck mal auf der Internetseite nach Informationen. Da brauchst Du dann auch nur einen super dünnen Putz drüber machen.

Alternativ (auch preislich günstiger) könnte man auch Holzweichfaserplatten auf Lehmputz verlegen. Diese danach dann wieder mit Lehmputz verputzen.

Holzweichfaserplatten nehmen auch sehr gut die Feuchtigkeit auf und geben diese ab. Sind aber für Räume wie Badezimmer nicht so gut wie Calzium-Silikat.



Putzstärke



Normalerweise kommen Putzstärken von max. 6-8 cm zur Anwendung. An manchen Stellen werden es wohl zum Ausgleichen etwas mehr werden.
Ganz hilfreich sind dazu die WTA-Merkblätter bzw. auch die Fachberatung der Hersteller vor Ort. Der Wandaufbau mit Dämmputz sollte bauphysikalisch nachgerechnet werden bei größeren Putzstärken und man sollte es mit der Dämmstärke nicht übertreiben, um die Wärmebrückenwirkung der Deckenbalkenköpfe nicht zu stark zu verstärken.
Schöne Grüsse.





Wie Emil richtig schreibt:
“Calzium-Silikatplatten sind schon das beste, was man an Materialien für Innendämmung bekommen kann.”

Warum er dann allerdings Multipor empfiehlt verstehe ich nicht so ganz.

Das A und O einer Innendämmung ist die kapillare Leitfähigkeit des Dämmsystems.
Multipor ist Hydrophob, also definitiv nicht kapillar aktiv, das heißt denkbar ungeeignet als Innendämmung.

Die kapillaren Eigenschaften sind natürlich auch bei Dämmputzen wichtig, meist sind auch diese hydrophob eingestellt weil sie im Außenbereich eingesetzt werden.

Da muss man dem Hersteller mitunter schon ganzschön auf den Nerv gehen um hier Daten zu erhalten.

Grüße aus Schönebeck



Nix



Hallo 0911er

Nachdem die Vorsatzschale weg ist - ist sie sehr feucht in den unteren Bereichen? - erst mal trocknen lassen.

Wenn sie feucht war sollte man die Balken und andere Holzteile überprüfen.

Dann würde ich nur mit Luftkalkmörtel draufgehen.

Schauen Sie mal bei www.solubel.de rein. Könnte ganz interessant sein.

CS-Platten sind gerechnete Teuerplatten mit zweifelhafter Wirkung.
Das ist das Selbe wie andere Innendämmsysteme.
Vor Jahren noch war es "kein Problem" 10 cm Schilf oder Holzfaserplatten Innendämmungs mässig zu machen - momentan werden die Platten plötzlich dünner und man ist bei 4 cm???
Warum?
Bekommen plötzlich einige "kalte oder nasse Füsse"?

Na ja - so überholt sich jeder Trend - das Blöde dabei ist, dass der Bauherr zahlen muss, (und es letztendlich "ausbaden" muss), der Arch und der Handwerker in der Haftung steht und letztendlich alles mehr kostet als das bisschen "Energiesparen" vermeintlich bringt oder bringen sollte.

Informieren Sie sich über sinnvollere Heizvarianten das bringt mehr als die Dämmerei.

Gutes Gelingen!

FK





@Florian Kurz

Die Erfahrungen mit CaSi-Platten als Innendämmung sind ziemlich gut. Langzeittests hat u.a. auch das Fraunhofer Institut für Bauphysik sowie die TU Dresden sogar auch an Fachwerkhäusern durchgeführt. Die Ergebnisse findet man auch im Internet veröffentlicht.



Noch ein Hinweis



Hallo,
aus meiner Sicht sind bei Innendämmung immer die Anschlusspunkte von Innenwänden und Decken, aber
auch der Anschluss Fensterlaibung, die Punkte die
letztendlich die Entscheidung für ein Material geben,
da hier die gängigen Wärmebrücken liegen.
Ich würde diese Details mir genauer anschauen und
versuchen über entsprechende Software das hygrothermische
Verhalten der Anschlusspunkte zu berechnen.
Grüße





Das ist halt Florian sein Beitrag zur CO² Reduzierung, erst den Sand, am besten quer durch Europa karren, und dann die fertige Zaubermischung “Solubel” wieder quer durch Europa zum Verbraucher.

Da Kauf ich lieber meinen Kalk beim Baustoffhändler um die Ecke und den Sand beziehe ich aus der nahegelegenen Kiesgrube.

Über die Preisunterschiede reden wir mal erst gar nicht.


Grüße aus Schönebeck



und



wie Recht Oli hat .....



Hallo,



ich halte Klimasan oder den HP 9 SL vom Hessler für die geeigneten Materialie.
Nach dem Dämmputz würde ich, wenn möglich, eine Wandheizung montieren und das ganze dann mit Lehm verputzen.
Kältebrücken muss man nicht berechnen, man weiß das sie da sind. Es entstehen auch Wärmeverluste, aber über Schimmel braucht man sich bei den Materialen Kalk und Lehm absolut keine sorgen Machen.

HG



Schimmel nicht unbedingt,



aber Kondensatausfall an z.B. Deckenbalkenköpfen mit Risiko von Pilzbefall an verdeckten Stellen kann ein gravierendes Problem werden.



..?!



Vielen Dank für die zahlreichen Antworten bis hierher..

Ich hatte schon fast befürchtet, dass es so ausgeht.
lt. einem gewissen Konrad Fischer ist eine Dämmung sowieso ganzlich überflüssig.. ja sogar, nachteilig!
Alles in Allem wird dadurch für mich nicht einfacher..
Erfahrungswerte oder gebaute Beispiele, die funktionieren wären hilfreich.

..Allen ein herzliches Dankeschön für die Antworten zu meiner Frage!



Nur nicht aufgeben.



Hallo

1. Lehm, Lehm, Lehm … und keine Probleme mit Schimmel "möglich" - absolut KEINE Sorgen machen?
Sehe ich anders - Falsch machen kann man alles - zur Genüge schon gesehen - Dann sollte alles wieder runter!

2. "Erfahrungswerte oder gebaute Beispiele, die funktionieren wären hilfreich."
Als Verfechter der Methode: altes Bauen oder slow-house sage ich: schauen Sie die alten Hütten an - hat da eine einzige eine Innendämmung oder Aussendämmung und wie lange stehen die schon???
Die Baugeschichte gibt tausende Antworten auf Ihre Frage.
Die Verfechter des Dämmoismus glauben nur an Wert die sie aus selbst gefälschten Tabellen herauslesen wollen.

Sie haben die Möglichkeit aus einem alten Juwel ein neues Wrack zu machen oder dafür zu sorgen, dass es noch mal so alt wird wie es ist.

Also Vorsicht vor modernen Versprechen oder Versprechern.

FK





@ Oliver Struve

Muss dich leider korrigieren: Multipor ist nicht hydrophob. Multipor ist diffusionsoffen und kapilaraktiv.

Aber natürlich kann man auch andere Produkte wie bspw. von redstone nehmen.



@ Emil



Dann versuch mal die Daten zur kapillaren Wasseraufnahme der Platten zu bekommen.
Das wird schwer.


Grüße aus Schönebeck





@ Oliver Struve

Findet man auf der Herstellerseite bei den Downloads:
http://www.ytong-silka.de/de/content/1538.php

Dort dann das Produktdatenblatt Mineraldämmplatte.


Wasseraufnahme bei kurzfristigem Eintauchen nach DIN EN 1609 WP = 2,0 kg/m2
bei langfristigem Eintauchen nach DIN EN 12087 WLP = 3,0 kg/m2

Wasserdampfdiffusionswiderstandszahl µ = 3





Hallo Marius,

problematisch ist bei allen raumseitigen Dämmmaßnahmen, dass die zukünftige Temperatur der bestehenden Außenwand herabgesetzt wird und der Taupunkt somit rechnerisch nach innen wandert. Es besteht dann die erhöhte Gefahr des Tauwasserausfalls im Bereich der ehemaligen Wandinnenseite. Eine Berechnung ist hier unerlässlich und gerade als Planer wäre ein Verzicht fahrlässig, da hier wenn es schief geht, klar ein Planungsfehler vorliegt.

Leider werden die CS-Platten immer häufiger als Universallösung verbaut, unbedacht, unberechnet und manchmal auch unsinnig. Innendämmung ist immer eine Einzelfallbetrachtung, falsche Deckenanschlüsse können zu schweren Schäden führen.

Bei den allgemein als Innendämmung bezeichneten Dämmvarianten ist von der Sache her zwischen einer Dämmung mit Klimaplatten und einer tatsächlichen Innendämmung zu unterscheiden. Den Unterschied macht hier die Funktionsweise und nicht zuletzt der Zweck: Während bei der raumseitigen Dämmung aus Klimaplatten, Lehm etc. temporäre Feuchtepufferungen möglich sind, spielen diese bei raumseitigen Dämmungen aus Mineralwollen, EPS, etc. keine Rolle – der Eintritt der Feuchtigkeit allerdings schon.

Gruß aus Wiesbaden,
Christoph Kornmayer





@Emil

Beim eintauchen wird Wasser durch Druck in die Poren gezwungen.

Die Angaben geben Null Aufschluss über die Kapillareigenschaft des Baustoff.

Alles Augenwischerei, und was ist kurz- und was langfristig.

Auf meine Tacho im Auto steht mehr als langsam oder schnell.

Grüße aus Schönebeck

PS.
pinkele mal auf solche Platte drauf und dann auf eine CS-Platte, da wirst Du Dich wunder.



Lehm, Lehm...



...und kein Schimmel?
Das Foto zeigt einen neu aufgebrachten Lehmputz im Bereich eines Schornsteines!
Sieht nicht so gut aus, wenns neu sein soll!

Kalkputz und die richtige Strahlungsheizungsform könnte die bessere Lösung sein!



Multipor



wir haben mit multipor gute erfahrugen gemacht. vom hersteller erhält man eine feuchtesimulation, wenn man mehr als einen qm verbaut ;). casi ist einfach zu teuer.
ich bin immer wieder erstaunt, das fachleute ihre bedenken anmelden, obwohl sie eben gerade nicht damit arbeiten. Ich lass mir den blinddarm lieber von jemand entfernen der das täglich macht, und nicht irgendwo mal etwas schlimmes darüber gehört hat.
sandstein ist nicht ganz unproblematisch, da leider guter wärmeleiter. um jeglicher feuchteproblematik die spitze abzuschneiden, würde ich überlegen eine kontrollierte wohnungslüftung bei niedriger luftwechselrate (<=0.5) einzusetzen. keine aufwändigen rohrführungen, das ist absolut überflüssig. Dies steigert den wohnkompfort ganz nebenbei, das (ja auch sonst!) notwendige Lüften fällt in der kernheitzeit flach. Mit kwl würde ich 8cm multipor nehmen. auf sorgfältiges anarbeiten der wärmebrücken achten.



Was ist aufwendiger und gesünder?



Eine Innendämmung mit kontrollierter Lüftung oder einen Kalkputz mit der viel gesünderen Strahlungsheizung?



Ja, ja lieber Sanierer…



vom Hersteller erhält man so einiges, nur die genauen Daten eben nicht.

Und meinen Blinddarm würde ich auch nicht von jemandem der es ständig macht rausnehmen lassen, der iss nämlich noch ok.

Dein erstaunen verwundert mich etwas, ich arbeite auch mit Multipor, nur eben nicht als Innendämmung und wenn nur beim Abriss der selben.

Deine KWL ist auch ne “super” Idee, wenn die zumindest richtig geplant, installiert, und Programmiert ist, zudem noch störungsfrei läuft, dann kannste auch Styropor oder Miwo an die Wände klatschen.
Da wird die Innendämmung noch billiger.

Und ne KWL kost ja nix.


Grüße aus Schönebeck