Hat schon mal jemand eine 'absaufende Wärmedämmung' gesehen?




Hallo zusammen,

ich habe ein kleines altes Haus auf dem Lande erworben. Es ist zwar kein Fachwerkhaus aber immerhin ein altes Bruchsteinhaus, vermutlich aus dem vorletzten Jahrhundert.
Nun würde ich die Rückseite, die praktisch nie von der Sonne beschienen ist und daher etwas feucht ist, gerne mit Wärmedämmung versehen. Aber man ließt immer wieder mal von 'absaufender Wärmedämmung'. Ich habe mich mit dem Thema Baufeuchte schon theoretisch auseinandergesetzt und frage jetzt einfach mal in die Runde: Wer hat schon mal völlig durchfeuchtete Wärmedämmverbundsystem selbst live gesehen?
Also nicht nur indirekte Hinweise, wie vielleicht Algen oder Eispanzer auf dem Putz, sondern wirklich die Dämmung dahinter gesehen?

Danke und viele Grüße
Karli



vielleicht sowas?



Ist ein Beispiel bei dem die Feuchtigkeit ausschließlich aus dem Erdreich kommt.
Den Streifen Styropor-Dämmung hier (ein etwas älteres Modell mit nur 4cm Stärke) habe ich heute entfernt.
Bis in 1,5m Höhe ist die Wand stark durchfeuchtet (Sperren sind nicht vorhanden). Die nicht gedämmten Stellen sind nicht bzw. nicht so stark betroffen.
Dieses Ergebnis erhält man reproduzierbar recht einfach folgendermaßen:
1) Man nehme eine Mauer mit Kalkmörtel, keine Horizontalsperre
2) Die Mauer lässt man unten offen in der feuchten Erde (am besten noch Staunässe dazu)
3) Außen und innen wird die Oberfläche möglichst diffusionssperrend versiegelt
4) Einige Jahre warten, ggf. im Winter immer großzügig Streusalz verwenden
Es ist ziemlich erstaunlich wie weit man das Wasser dadurch in die Höhe treiben kann (statt Styropordämmung kann man auch eine dicke Schicht Zementmörtel nehmen). Durch die Feuchte Mauer ist die Wärmedämmung dann eher schlechter als vorher.

Was ich damit sagen will: Wenn die Mauer nicht trocken ist, würde ich von dampfdichten Dämmungen abraten. Wenn aber durch Vertikalsperre (vielleicht sogar das ganze Abdichtprogramm) das meiste Wasser erst einmal draußen bleibt und sich die Versalzung in Grenzen hält, dann kann das durchaus funktionieren.

Grüße,

Oliver





Das sieht schon mal gut aus. Schönes Foto. Schön nass hinter der Dämmung. Du hast nicht zufällig Fotos vom Dämmmaterial gemacht oder es gewogen, um es danach zu trocknen und anhand des Gewichtsunterschiedes so vielleicht den Wassergehalt festzustellen?

Nebenbei:
Sieht tatsächlich so aus, als käme die Feuchte von unten, obwohl ich gerade ein Buch lese, indem behauptet wird, dass normale Mauer und Putzmaterialien gar nicht in der Lage sind, Wasser nennenswert gegen die Schwerkraft zu transportieren. Hier das Buch, leider in Englisch aber das wird durch den Inhalt mehr als kompensiert:

http://www.amazon.de/gp/product/0953455726

Bin selbst auch gerade dabei, ein paar Versuche mit aufsteigender Feuchte zu machen.

Hier ein schönes Video dazu:
http://www.youtube.com/watch?v=9E63vIgV9Oo





Sorry wegen Doppelpost. Habe es wieder versucht zu löschen.



die Dämmung



besteht bei mir nur aus Styropor-Platten - die sind sehr sehr wasserdicht und bleiben im Gegensatz zu Mauer trocken.
Das mit der aufsteigenden Feuchte ist so eine Sache. Eine echte kapillare Leitung über die richtig viel transportiert wird scheint es selbst mit Kalkmörtelfugen wohl nur über eine Höhe von vielleicht 30 cm zu geben.
Wenn man aber auf beiden Seiten dampfdicht absperrt scheint über Jahre hinweg die Nässe beliebig hoch steigen zu können.
Bei unserer Gartenmauer (auch alte Ziegel mit Kalkmörtel) hat der Vorbesitzer das gleiche geschafft indem er auf beiden Seiten dick mit Zement verputzt hat. Nachdem ich das ganze zumindest auf meiner Seite abgeschlagen und neu mit Kalkmörtel verputzt hatte, war die Feuchtigkeit weg.
Für mich selbst kommt keine Styropor-Dämmung mehr in Frage. Eine Alternative, die ich hier im Forum einmal gefunden habe, ist ein Kalk-Perlite-Putz (Klimasan) - Enev-Werte erreicht man damit aber nur schwer.

Grüße,
Oliver





Danke für deine Antwort Oliver!

>> besteht bei mir nur aus Styropor-Platten
>> - die sind sehr sehr wasserdicht und bleiben
>> im Gegensatz zu Mauer trocken.

Das wundert mich. Ich dachte, der Taupunkt wäre bei Außendämmung immer innerhalb der Dämmung. Damit müsste bei diffusionsoffenen Stoffen (und Styropor ist doch glaub ich diffusionoffen oder?) auch im Styropor Wasser auskondensieren, was dort nur schwer heraus kommt. Das ist aber nur Theorie und wenn die Praxis das Gegenteil zeigt, dann muss ich meine Theorie wohl noch mal überdenken.



>>Eine echte kapillare Leitung über die richtig viel
>>transportiert wird scheint es selbst mit Kalkmörtelfugen
>>wohl nur über eine Höhe von vielleicht 30 cm zu geben.

Ja genau das geht auch aus dem Buch "Rising Damp Myth" hervor. Bei meinen eigenen Versuchen habe ich bisher aber nur die Steine in Wasser gestellt und mich gewundert, wie extrem wenig Wasser gezogen wird. (Abgesehen von Yton, der in der ersten Woche fast 20cm saugt. Aber jetzt tut sich da auch nicht mehr viel.

>>Wenn man aber auf beiden Seiten dampfdicht absperrt
>>scheint über Jahre hinweg die Nässe beliebig hoch
>>steigen zu können.

Das ist ein starkes Argument, das im oben genannten Buch nicht getestet wurde. Dort waren alle Pfeiler unverputzt.

>>Bei unserer Gartenmauer (auch alte
>>Ziegel mit Kalkmörtel) hat der Vorbesitzer das gleiche
>>geschafft indem er auf beiden Seiten dick mit Zement
>>verputzt hat. Nachdem ich das ganze zumindest auf meiner
>>Seite abgeschlagen und neu mit Kalkmörtel verputzt
>>hatte, war die Feuchtigkeit weg.

Interessant!

>>Für mich selbst kommt keine Styropor-Dämmung mehr in
>>Frage. Eine Alternative, die ich hier im Forum einmal
>>gefunden habe, ist ein Kalk-Perlite-Putz (Klimasan) -
>>Enev-Werte erreicht man damit aber nur schwer.

Es gibt ja auch noch Mineralfasern. Aber bei denen habe ich wiederum starke Vorurteile, weil ich schon öfter völlig durchnässte Minneralfaser-Innendämmung gesehen habe.

Falls noch jemand Erfahrungen aus erster Hand hat mit absaufender (durchfeuchteter oder nasser) Außendämmung hat, würde ich mich sehr freuen.

Viele Grüße
Karli



auf die Frage:



Hat schon mal jemand eine 'absaufende Wärmedämmung' gesehen?

Innendämmung: JA - einige!

Aussendämmung: JA - einige!

Meist mit Schäden vor allem an Holzteilen (Fachwerk) - davon die Hälfte ca von Fachfirmen ausgeführt.

Es gibt auch die "sich auflösenden" Styro-Dämmungen - Hitze - Weichmacher - Brösel etc.

Na aber hallo!

FK