Fachwerk - Innendämmung mit Isofloc

14.12.2004



Ist folgender Wandaufbau bei einer Fachwerkhaussanierung zu empfehlen (von außen nach innen):

- Fachwerkneuausfachung mit Lehmziegeln (ca. 17 cm)
- 4-6 cm Lehmputz
- 12-15 cm (oder ggf. mehr) Isofloc-Dämmung
- OSB-Platte
- Installationsebene (ggf. gedämmt)
- OSB-Platte
- Gipskarton

Ist ein solcher Wandaufbau im Vergleich zu einer Lehmdämmung mit Dämmplatten günstiger (Fläche ca. 210 m²)?

Danke im voraus.



Erst Ziel benennen!



Welches Ziel hat die Aktion? Welche anderen Maßnahmen sollen durchgeführt werden?

Nach DIN 4108 funktioniert die Konstruktion. Ich kann aber nur empfehlen, die Einzelheiten mit Isofloc abzusprechen. Wie immer liegt der Hund auch hier im Detail begraben. Dies sind Fensterleibungen, abgehende Wände, Deckenauflager, Fusspunkt ... . Die in den Unterlagen von Isofloc angegebenen Details beziehen sich auf geringere Dämmstoffstärken.
Zur Erfüllung der EnEv reichen geringere Dämmstoffstärken.

Eine Lehmdämmung gibt es nicht. Es ist natürlic möglich z.B. mit Holzweichfaserplatten zu dämmen und dann mit Lehm zu verputzen. Auch dies bitte nicht ohne Detailabsprache mit dem Hersteller. (siehe www.pavatex.de bzw. www.gutex.de oder...)



Hier die Ziele:



es handelt sich um eine komplette Sanierung eines Fachwerkhauses mit Backsteinanbau. Der Backsteinteil bleibt stehen, das Fachwerk ist zum Teil marode und wird ausgetauscht bzw. teilweise ergänzt. Die Ausfachungen werden komplett erneuert ebenso das Dach inkl. Dachstuhl sowie alles weitere (Fenster, Heizung, Sanitär etc.).

In das Haus mit seinen Fachwerk-/Backsteinwänden soll im Prinzip ein "Extra"-Haus in Form der Vorsatzschale gestellt werden.

Die gesamte Sanierung soll u.a. über KFW-Mittel (u.a. CO2-Sanierung) gefördert werden und sollte aus energetischer Sicht Niedrigenergiehausstandard (oder besser) erreichen.

Bei dem Begriff "Lehmdämmung" habe ich mich leider etwas ungenau ausgedrückt. Natürlich ist in erster Linie die Dämmung mit Unger-Diffutherm oder ähnlichem gemeint. Aber gibt es nicht auch eine Dämmmöglichkeit mit z.B. Holzleichtlehm (Claytec)?



Holzleichtlehm



hat bei einer Rohdichte von 400 kg/m³ einen lambda-R-Wert von 0,12 W/mK. Eine Holzweichfaserplatte (Unger-Diffutherm) 0,045 W/mK. Daran kann man schon gut erkennen, dass die Dämmwerte nicht vergleichbar sind.
Um nun KfW-Mittel zu erhalten sind diverse Nachweise durch einen Energieberater, einen saSV für Wärmeschutz, oder ... zu führen (in diese Nachweise geht auch ganz stark die geplante Gebäudetechnik ein). Dieser muss das Konzept erarbeiten und auch dafür gerade stehen. Wenn sie noch niemanden beauftragt haben, suchen sie sich jemanden, der seine Priortäten in der Baubiologie hat. Dann hat er nämlich keine Probleme mit den von ihnen bevorzugten natürlichen Baustoffen.
Suchen sie sich einen Baubiologen in ihrer Nähe. Der kennt die richtigen Fachleute (www.baubiologie.de), suchen sie zuerst einmal hier im Marktplatz, oder wenn sie möchten setzen sie sich mit mir in Verbindung.



Danke für die ersten Infos!



Ich werde mir die Adressen mal raussuchen und mich weiter informieren.



Re



Hallo,
Holzleichtlehm hat eine Dicht von 600-700 kg/m³. Günstiger mag Ihr bevorzugter Aufbau sein als klassische "Lehmvarianten" siehe auch http://www.claytec.de/download/arbeitsblaetter/3_3_innenschalen_aus_daemmpl.pdf. Grundsätzlich muss gesagt werden, das eine Fachwerkhaus in Niedrigenergiehausstandard zu planen und auch zu realisieren mit zu den anspruchvollsten Aufgaben gehören. Ich würde en Aufbau mit Dämmplatten immer eine Zellulosedämmung im Wandbereich vorziehen. Viele Grüße Gerd Meurer



Kosten für Wandaufbau mit Holzfaserdämmplatten und Eignung



Was kostest denn der Wandaufbau bei einer Innendämmung mit den Holzfaserdämmplatten durchschnittlich? Ich habe mir mal die Preis von Pavatex, Gutex und Steico angesehen, wobei lt. Liste ordentliche Preisdifferenzen bestehen. Auf die Innendämmung von Fachwerk geht etwas ausführlicher auch nur Pavatex ein. Soll das heißen, daß die Platten der anderen Hersteller nicht so gut geeignet sind bzw. welche Platten sind von den anderen Herstellern (z.B. Gutex) mit den Diffutherm vergleichbar?

Unter www.claytec.de wird angegeben, daß man bei Verwendung der 100 mm Diffutherm-Platten einen U-Wer von 0,35 erreichen kann. Das ist doch schon richtig gut. Oder sind das eher Phantasiewerte?



0,35 W/m²K



ist der max-Wert nach EnEV bei der Beurteilung einzelner Bauteile und mit 100 mm Ungerplatte sicher nur knapp erreichbar. Ich errechne Werte von knapp 0,40 bis 0,36 bei verschiedenen Varianten.
Das große Problem bei Innendämmungen ist aber die mögliche Kondensatbildungen in der Konstruktion. Daher empfehle ich jede einzelne Konstruktion mit dem jeweiligen Hersteller abzuklären. Das gleiche gilt für die Detaillösungen zur Vermeidung von Kältebrücken.



Wandheizung gegen Kondensatbildung



Eigentlich hatten wir vor, bei der Sanierung normale Heizkörper einzubauen. Wenn wir jetzt auf eine Wandheizung umsteigen, kann man doch einiges gegen die Kondensatbildung tun, oder?

Noch einmal zu meiner letzten Frage: Kann man die Diffutherm gegen Platten von Gutex oder Steico austauschen (aus Kostengründen)?

Übrigens: Vielen Dank für die immer schnellen Antworten!



@Jens



zu 1. Wandheizung hilft mit Sicherheit. Mir persönlich ist es aber lieber, wenn ich weiß, dass ein Bauteil auch ohne Technik funktioniert.
zu 2. Kann man austauschen, aber wie oben schon beschrieben, nur mit einer entsprechenden Stellungnahme des Herstellers.





... denkt vielleicht zur Abwechslung auch mal über die kapillare Leitfähigkeit der verschiedenen Materialien nach, anstatt immer nur auf den U-Werten rumzureiten.

Wem der Holzhäcksel-Leichtlehm nicht ausreicht kann sich vielleicht mal mit dem Wärmedämmlehm von Cellco auseinandersetzen - dann klappt's auch mit der kapillaren Leitfähigkeit!! ... und damit mit der schnellstmöglichen Austrocknung der Kondensfeuchte in beide Richtungen.



Das tun wir doch ständig



Daher reden wir doch von Holzweichfaserplatten Hanf und Zellulose und nicht von Styropor und Mineralwolle.
Das sehe ich genauso: Lehm ist ein toller Baustoff
Das sehe ich nicht so: Lehm ist und bleibt kein Dämmstoff (!!) und diesen Punkt kann ich leider nicht außer acht lassen. Sobald der Lehm als Dämmung interessant wird besteht er nur noch zu einem geringen Teil aus Lehm. Leichtlehm liegt im besten Falle bei ca. 400 kg/m³ und hat dann einen rechnerischen Dämmwert von 0,12 W/mK.



U-Werte bei Fachwerkhaussanierung



Die U-Werte sind doch in erster Linie für die Förderungen interessant (KFW). Natürlich sind uns als Bauherren bzw. Sanierer die kapillare Leitfähigkeit und die möglichst optimale baubiologische Sanierung im Endeffekt wichtiger, obwohl wir natürlich auch nicht ohne Ende heizen wollen. Deshalb bin ich ja z.Zt. auf der Suche nach einer Möglichkeit, die möglichst alle Vorgaben vereint. Auf jeden Fall werde ich mich auch mal über die Cellco-Produkte informieren. Danke für den Hinweis.



Cellco kenne ich auch noch nicht,



habe mir die Internetseiten aber schon angesehen. Es gibt hier aber noch eine Unklarheit zwischen dem Lambda-rechenwert und der einzubauenden Rohdichte und wie diese einzuhalten ist. Ich habe die Firma angeschrieben und bin gespannt auf die Antwort.
Außerdem würde mich mal interessieren, ob es schon Berechnungen für die KfW-Wittel gibt und welcher erforderliche U-Wert bei der Außenwand anzunehmen ist. Vielleicht erzählst du uns einmal wie es hier weiter geht.



KFW-Berechnungen und weiteres



Berechnungen gibt es noch nicht. Bisher sind alles theoretische Überlegungen. In die Thematik Fachwerkhaus und die Sanierung müssen wir uns erst noch weiter einarbeiten. Irgendwie bekomme ich zwar noch nicht alles zusammen (KFW, Modr, EnEV, DIN 4108, WTA etc.), aber das wird hoffentlich noch. Ich informiere gerne weiter.

Noch eine Frage von mir als (Noch-)Fachwerklaie: Was hat es mit den Lehmprodukten der Fa. www.lehmbau-biocell.de auf sich?



Dämmung beim Fachwerk



Hallo...
wir haben unser Fachwerkhaus in den lezten 10 Jahren vollständig renoviert. Schichtaufbau von außen: Fachwerk / Luftschicht (belüftet - ist ernsthaft besser für das Ständerwerk - weil Fachwerkwände selten wirklich dauerhaft dicht sind)Gutex 22mm /Holzständerwerk mit Cellulosedämmung / OSB Platte / Dampfbremse/Gipskarton. Im Bereich der Gefache haben wir so einen Wärmedurchgangswiederstand 1/k von 3,17 m2 K/W erreicht.
Detail findet man unter : http://www.derselbermacher.de/renovieren/fachwerk/waermedaemmung02.php3
Gruß
derSelbermacher.de



Sorry ...



... aber ich würde die Abteilung "Fachwerkrenovierung" von "derselbermacher" nicht unbedingt als Handlungsanweisung empfehlen.

Einiges ist sicher brauchbar, Anderes ist nur bedingt auf andere Objekte übertragbar, Manches bautechnisch falsch (wie z.B. die Darstellung der Anlängung eines Fachwerkstieles oder die PE-Folie als Horizontalsperre direkt unter dem Stiel). Die steinerne Schwelle macht zunächst stutzig, aber es gibt diese Ausführung als bauzeitliche Konstruktionsvariante - allerdings als räumlich begrenztes, regionales Phänomen. Empfehlen würde ich diese Variante aber auch nur bei entsprechendem Befund.



war auch nicht so gemeint



die Beschreibung unsrer Fachwerkrenovierung ist auch nicht als Handlungsanweisung gemeint - darauf wird auch bei derSelbermacher.de hingewiesen. Ist lediglich eine Beschreibung wie wir es gemacht haben, und wir hatten nun mal eine Schwelle aus Stein... hier ging es ja um die Dämmung, und aufgrund der von uns gewählten Konstruktion hat man mehrere entscheidende Vorteile. 1. kontruktiver Holzschutz durch Belüftung des Ständerwerkes und 2. guten Dämmwert (1200 m³ Gas / 150m² Wohnfläche incl. Warmwasser /Jahr.
m.f.G.
derSelbermacher