Dämmung oberste Geschossdecke unseres Altbauhauses

27.11.2009



Hallo,

Wir sind gerade damit fertig den Speicherraum auszuräumen und den Dielenboden zu öffnen.

Ich hatte vor, die oberste Geschossdecke bzw. den Speicher-Boden mit Isoflock im Verbund mit abschließend Holzweichfaserplatten (anstatt Windsperrbahn)zu sanieren, da bislang bei den geöffneten "Test-Stellen" noch Keinerlei Dämmung zu sehen war (Man kann direkt an den Deckenputz der obersten Geschossdecke zwischen den Balken gucken).

Nun so weit so gut. Ich habe den hinteren Bereich des Bodens geöffnet und finde eine "schöne" Strohlehmdämmung vor. Im ersten Moment erscheint mir diese Dämmung als recht interessant, da "nicht luftdurchlässig" gute wasseraufnahme under Verdunsteigenschaften" biologisch wertvoll... "oft schon auf Fotos von Altbauhäusern gesehen".

Leider nur ein kleiner Teil ist gedämmt.

Unser Dachboden ist offen. Wind pfeift durch. Bei Sturm auch etwas Sprühwasser, der im Dachstuhl landet.


Was soll ich tun? Die Idee mit dem Strohlehm für den kompletten Speicherboden umsetzen oder das bisschen, was irgendjemand damals mal angefangen hat, entfernen und mit isoflock oder Holzweichfaser dämmen.

isoflock und/oder holzweichfaser dämmt vermutlich besser. Das kann man aber nur im Verbund von variabler Dampfbremse machen, damit die Dämmung nicht durchlüftet wird.

Strohlehm ist Pilz und schimmelanfällig, lässt aber dafür keinen wind durch und benötigt daher keine dampfbremse...

was ist, wenn ich einfach die Holzbalken mit Kalk streiche und holzweichfaser zwischen die Sparren auf eine Dampfbremse lege? Wäre das nicht auch eine gute Sache?




Das Haus kühlt durch den nicht gedämmten Dachstuhl bzw. ungedämmte Decke des obergeschosses schnell aus...
Daher tendiere ich eher zu einer Dämmung mit hohem wirkungsgrad.


Vielleicht können Sie mir ja die schwierige Entscheidung zwischen den ganzen Möglichkeiten erleichtern.


Danke

Robert



...ergänzend



den Kalkanstrich der Balken, als doppelte Sicherheit bzw. Holzschutz....

Dampfbremsfolie würde ich die diffusionsflexible delta sd flexx oder die günstigere von Isover Vario KM Klimamembran nehmen. Über die Balken legen und Isoflock, oder wie gesagt holzweichfaser.. oder ähnliches rein. Abschließend Holzweichfaserplatten und darauf Holzbretter zum begehen.


Was spricht dagegen, was spricht dafür... gibt es schüttungen, die vorzuziehen sind was den Dämmwert/Preis und langlebigkeit betrifft?
Im vordergrund steht natürlich, dass die Balken erhalten bleiben und nicht durch eine falsche dämmung faulen.


Danke



Dämmung oberste Geschossecke Altbau



Hallo,

kein Blattgold aufs Dach ! Also keine klimavariablen Dampfbremsfolien. Einfache Dampfsperre aus PE genügt.
Dieselbe von oben einlegen und - falls nötig - an den Balken mit Leisten fixieren, ansonsten einfach eindrücken.
Dämmung entweder als Schüttware oder als Bahnenware zwischen die Balken einbringen, Rauhspund aufnageln, fertig.

Am günstigsten sind Zwischensparren-Dämmungen in angepaßter Stärke entweder aus Steinwolle (Rockwool)oder als Glasfaser (Ursa).

Grüße vom Niederrhein



Blattgold...



... würde ich auch nicht nehmen, da es nicht diffusionsoffen ist :)

Für Unser Dach mit den variablen Dampfbremsfolien läge ich inkl. Dämmmaterial unter 500EUR. Das ist total in Ordnung für eine komplette Decken-Dämmung.
Ich möchte mit Glas- und Steinwolle nicht arbeiten wegen Juckreiz und nicht gerade gesundheitsfördernd für die Atemwege... das ist aber auch eher Einstellungssache als Kostenfrage. Ich könnte jeden Fall nicht damit arbeiten/leben und zahle lieber 100EUR mehr für eine Holzfaser- oder Isoflock Dämmung als 1EUR-xxx für Medikamente in 20-30 Jahren. Ist natürlich übertrieben ausgedrückt aber wer weiß schon wieviele durch synthetische Bauprodukte in Ihrem Haus krank geworden sind...

Ich mag an die Naturdämmungen :)


Trotzdem schließe ich nicht aus, dass Ihr Vorschlag funktionieren könnte. Besonders das "einfach" hat mich etwas aufgemuntert, da es wirklich unheimlich viele Lösungen und Diskussionen mit verschiedenen Qualitäten für eine Deckendämmung des Obergeschosses gibt.

... habe jedoch noch nicht viel über die strohlehmdämmung gehört/gelesen. Daher meine Frage/Zweifel ob ich die entfernen soll oder diese übernehmen und alles mit strohlehm dämmen. Der Wirkungsgrad ist vermutlich nur sehr viel geringer und ich kann mir vorstellen, dass Strohlehm auf dem Dach auch ein paar Nachteile mit sich bringen könnte bzw. die (richtig ausgeführte) Dämmung mit Isoflock oder Bahnenware besser für die Balken und punktuell selten gegebene Feuchte wäre...

Mir fehlt die Erfahrung.
Vielleicht schreibt jemand, der auch ähnliche Strohlehmdämmung hat/hatte und davon abrät/zurät...
Was ist besser/schlechter fürs Dach.

soll ich also die Strohlehmdämmung entfernen und wie besprochen dämmen? oder alles mit Strohlehmdämmung ergänzen?


so einfach, kann ich es mir leider so oder so nicht machen. Und wenn ich schon dran bin, dann richtig und mit ges. unbedänklichen Baustoffen.



in Ihrem (eigenen) Haus. (nicht in Ihrem Haus)



kleine Satzkorrektur um Missverständnis auszuschließen... ;)



Vielleicht hilft's was:



Aktuelle Forumsbeiträge Dachdämmerei



einschubdecke älterer Art



Ich konnte nun herausfinden, dass es sich bei unserer Decke um eine nicht fertig gestellte Einschubdecke älterer Art handelt. Die Technik ist aus dem 17. Jahrhundert und wie folgt aufgebaut:

an die Dachsparren-Balken wurden
ganz unten (aufliegend auf den Deckenputz) Dachleisten genagelt, die eine zweite Ebene und einen kleinen Hohlraum von 4-5cm bilden. Über die Dachlatten wurden Hölzer gelegt, die mit Stroh/Lehm bis 2cm vor Sparrenoberkante besetzt sind.

Keine Folien etc... braucht man ja auch nicht bei dem diffusionsoffenen und gleichzeitig windsperrenden Lehm.

Die Dämmung gefällt mir und ich habe mich entschlossen die Decke ähnlich fertig zu stellen. Ich habe mal die Hand durch die obere Stroh/Lehmschicht geporkelt und im Hohlraum fühlt es sich warm an. Die Sarren-Balken sind voll in Ordnung in dem Bereich.

Ich verstehe nur nicht den Hohlraum dieser Technik, der durch die Dachlatten geschaffen wird. Ich kann mir vostellen, dass der zur Belüftung der Sparren-Balken da ist und Schimmelbildung zwischen deckenputz und Strohlehmdämmung vorbeugt? Oder einfach nur, damit kein Gewicht auf der dünnen Decke aufliegt...?



hier ein Bild vom alten Deckenaufbau mit Stroh/Lehm



http://www.holzfragen.de/bilder/einschubdecke.jpg

Leider wurder der nicht fertig gestellt und ist vor knapp 100Jahren nur in einem Drittel des Speicherbodens ausgeführt worden.



eine Frage hätte ich noch...



Der Hohlraum unter der Strohlehmschicht zur dünnen Deckenschicht des Unterraums ist ca. 5cm hoch. Kann man das mit Zellulose Schüttung füllen oder sollte man wegen fehlender Dampfbremse vermeiden dort eine Füllung anzulegen?
Ich möchte die Balken noch gute 100 Jahre erhalten und habe mich dazu entschlossen die Stroh/Lehm Arbeit zu kopieren und für den Rest des Bodens umzusetzen. Darauf kann man dann immernoch eine Isolierende Schicht aus Lehm/Holzspan-Schüttung oder Zellulose planen. Zuerst möchte ich die Geschossdecke bzw. die Sparren so gut wie möglich mit dieser alten Lehm-Methode "konservieren".
Würde eine Schüttung im 5cm Hohlraum also eher schlecht sein oder wäre das ok, da der Ton ja auch noch diffusionsoffen ist und mögliches Dunstwasser der 5cm Dämmung entziehen und verdunsten kann?

Guten Rat wäre ich sehr danbar.

Grüße
Robert



Einschubdecken



Hallo Robert,
macht es Dich nicht misstrauisch, das es bei diesem Deckentyp, der seit mehr als hundert Jahren in etwa dieser Form gebaut wird, diesen Hohlraum ohne Füllung gibt?

Übrigens empfehle ich Dir, nicht mt Lehmwickeln zu arbeiten sondern mit einem Schwarteneinschub, so wie in der Zeichnung dargestellt.
Darauf dann ein Rieselschutz (früher wurde dafür ein Lehmverstrich genommen)und dann die Füllung. Zum Aufbau der Füllung gibt es hier im Forum eine Unmenge von Hinweisen und Varianten.

Viele Grüße



Schwarteneinschub



Danke Georg,

was ist genau ein Schwarteneinschub?
So wie in der Zeichnung sieht es bei mir aus. Also schmale zwischenleisten und Bretter liegen auf zwei an den Sparren befestigten Dachlatten/Schienen... Darauf dann etwas Stroh benetzt mir Lehm. Relativ Dünn, scheint aber seine Wirkung zu haben... :)

Sie haben vollkommen Recht. Der Hohlraum hat mich schon ganz schön ins Grübeln gebracht. Auch wenn ich nicht 100% weiß wofür er da war. ich habe da ein Bauchgefühl dass es nicht gut wäre da eine schüttung einzubringen...
also keine Schüttung in den Bereich rein. OK.


Die Dachlatten habe ich eben gekauft für den Rest des Raumes. Werde diese morgen an den Sparren befestigen und mit schmalen Brettchen belegen.

Nun, ich könnte wie Sie sagen einen Vlies dann drüber legen mit einer Massedämmfüllung wie HolzLehmschüttung oder wie früher einfach etwas Strohhäxel mit Lehm und ein bisschen Kalk dazu. Finde ich auch irgendwie interessant. Besonders mal mit Lehm rumzumatschen :) Die Schüttungen sind halt wegen der Folie oder Vlies etwas aufwändiger bzw. vermutlich gleich aufwändig, da ich bei der alten Variante 3-4 Strohballen noch besorgen und kleinhäxeln müsste.

Strohwickel möchte ich wegen dem großen Aufwand nicht machen. Lediglich Strohhäxel mit Lehm und etwas Kalk.

Darauf dann später wieder die nut/feder-FREIE Bedielung und zukünftig vielleicht noch eine dicke Schüttung auf die Dielen.

Da zu Zeit der Großteil jedoch weder mit Einschubdecke noch mit Dämmung frei liegt würde das ausbauen der alten Einschubdecke glaube ich merkbar dämmung in unseren sehr kalten Flur bringen (genau überm Flur fehlt die jeglich Dämmung, etc.).

Ich weiß nich ob ich das schon gesagt habe. Der Dachboden ist ungedämmt und super kalt. Das scheint nach langer Recherche auch gut so zu sein bzw. eine Altertümliche Bauform, die sich scheinbar durchgesetzt hat.


Grüße
Robert



schwarten...



ja, da bin ich auf dem richtigen Weg. Schwartenbretter (der Begriff war mir noch nicht bekannt) benötige ich für den Aufbau :)



Lehmverstrich



... Wäre ein Lehmverstrich auch ok? Dann würde ich mich eventuell doch für eine anschließende Holzspahn/Lehm Schüttung entscheiden. Der Lehmverstrich ist/war vermutlich auch zum Schutz des Holzes geeignet...



Viele Grüße
Robert