Innendämmung Details




Hallo,
in absehbarer Zeit soll unser Haus (Teils Fachwerk, Teils Bruchstein) renoviert werden. Es wurde vor 15 Jahren von außen mit Lehm renoviert, dh Fachwerk und Bruchstein freigelegt.
Wir überlegen eine relativ dünne Innendämmung aus Holzfaserplatten oder Leichtlehmputz (4-6cm) einzubringen. Jetzt mache ich mir gedanken um die Decken bzw Boden und Wandanschlüsse. Hier entstehen wärmebrücken!? Sind diese eine Gefahr für die Bausubstanz?
Würde mich sehr über Anregungen freuen die das Problem behandeln.
Vielen Dank
Silas





Ich würde ihnen da zu einer vorhergehenden Bauphysikalische Untersuchung raten. Firma www.haacke-cellco.de in Celle bietet so etwas an. Von flächigen Dämmstoffen wie Platten würde ich grade bei Fachwerk abraten da es zu Problemen im Wandbereich kommen kann.
An sonsten einen Fachkundigen Architekten hinzu ziehen der die Detaillösungen ausarbeitet. Die Mehrkosten spart man später durch bessere Preise bei der Ausschreibung wieder ein.



Unter anderem deswegen...



...die moderate Dämmstärke von 4 bis 6 cm. Dann ist der Unterschied zwischen den gedämmten und ungedämmten Bereichen moderat. Besser wäre natürlich das "Durchziehen" der Dämmung durch die Geschoßdecken, aber frag mal bei Udo Mühle oder Mathias Josef hier im Forum nach, die beiden sind die Profis für diese Angelegenheit.

Gruß Patrick.



Boden- und Deckenbereiche...



...sollten stets in die Dämmmaßnahmen mit einbezogen werden.
Sie haben da ja bereits selbst erkannt, dass es da zu problematischen Bauwerksverhalten kommen wird.
Und dies ist auch richtig.
Wenn Sie sich die gesamte Wand einmal im Schnitt betrachten würden und die Decken- und Bodenbereiche ansehen, dann erkennen Sie ganz einfach, daß dort die Wanddämmung fehlt.
Also ist damit definiert, daß es in diesen bereichen zu einer Tauwasserbildung kommen kann.

@ P.N.

Danke für die fachlichen "Blumen".


Handwerklicher Gruß

Udo Mühle





wie Udo schon richtig beschrieben hat, müssen die Anschlüsse zum Fußboden, zur Decke, zum Dach etc. richtig gut betrachtet werden. Gut durchdacht sollte die Dämmung von Bruchsteinwänden werden. Es gibt hier nicht nur den Winter sondern auch den Sommer. Und die eingebaute Dämmung muss zu beiden Jahreszeiten mit den anfallenden Wasser umgehen können. Bitte stellen sie ein paar Fotos vom Haus hier rein. Wenn Sie eine Innendämmung vorhaben, so ist vor Einbau auf die Wand Lehm aufzuspitzen und in diesen wird dann die Dämmplatte eingedrückt. Mit Wandheizung versehen eine gängige Anwendung. Wie schon gesagt, die Anschlüsse müssen ausgetüftelt werden. Bei Bruchsteinwänden würde ich nur Blähtone mit Lehm oder Lehmsteine direkt vorsetzen. Im EG Bereich sollten fertige Blähtonsteine verwendet werden.

Nach unserer Auffassung ist es auch ganz wichtig diffusionsoffene Fußböden vorzusehen. Hierzu finden Sie einige auf unserer Homepage unter Publikationen/Meißner Amtsblatt.

Viel Spaß beim Lesen und viele Grüße,
Michael Reisinger



Grauzone



Danke für die Anregungen und ein Lob an das Forum insgesammt.
Ich glaube das ich mit dieser Problematik nicht alleine dastehe. Ein Außendämmung ist nicht möglich, eine gut ausgeführte Innendämmung würde bedeuten das Decken und Böden, die noch in gutem Zustand sind, aufgerissen und neu gemacht werden müssen. Das erhöht den baulichen und finaziellen Aufwand sehr.
Deswegen der Gedanke einen Werkstoff mit einem kleinen Diffusionswiderstand zu benutzen. (Wärmedämmlehm [WDL] Diffusionswiderstand µ = 5..20) Dieser entspricht in etwa dem des Gefachs. (µ von Lehm ca. 2...10)
Durch die Diffusionsoffenheit und die Speicher- bzw Puffer- und Saugwirkung des WDL habe ich gedacht das evtl. anfallendes Tauwasser im Sommer wie im Winter aufgenommen und dann nach Außen oder Innen abgegeben werden kann.
Das Holz wird nicht belastet.
Die andere Idee ist die Unterschiede der U-Werte zwischen gedämmtem Bereich und den sich ergebenden Wärmebrücken nicht zu groß werden zu lassen.
Die Wand hat im Schnitt einen U-Wert von ca. 1,8 W/m²*K. Dieser ergibt sich aus den Gefachen ( U-Wert ca. 2 W/m²K) und der Balkenlage (U-Wert ca. 0,7 W/m²K)
Mit einer 4cm dicken WDL - Schicht würde sich ein Durchschnittswert von ca. 0,7 W/m²K ergeben.
Damit würde man nicht die EnEV-Anforderungen für Altbauten (40%Klausel, gef. U-wert für Außenwände:0,63 W/m²K) erfüllen, aber sich dem doch gut nähern.

Über weiter Meinungen, Anregungen freue ich mich,
gruß
Silas

PS: Kann jemand Bücher zu Thema empfehlen die nicht nur allgemein sind und an der Oberfläche kratzen sondern sich eingehend mit dieser Problematik beschäftigen?