Außendämmung kontra Denkmalschutz

09.10.2003



Hallo, ich habe ein denkmalgeschütztes Haus aus dem Jahre 1865. Es ist KEIN Fachwerkhaus und hat KEINE vorstehenden Fassadenelemente, Gewände oder sonstiges. Was da eventuell 'mal war, wurde im Zuge mehrerer Umbauten in den vergangenen 100 Jahren entfernt (zuletzt ca. 1970). Nun habe ich das Problem, dass ich aufgrund verschiedener Mauerweke und -stärken bauphysikalische Probleme bekomme - d.h. ich muss dämmen. Innendämmung ist mir zu problematisch und zu teuer. Notwendig wäre ein 55mm starker Außenaufbau. Da mir das Denkmalschutzamt einen Vollwärmeschutz aber schon gestrichen hat, bin ich mir nicht sicher, was die zu der 55mm - Minimallösung sagen. Welche Konsequenzen muss ich befürchten, wenn ich es ohne zu fragen einfach tue?





Im günstigsten Fall: Bußgeld und Streichung sämtlicher Zuschüsse und Vergünstigungen. Im schlimmsten Fall: Einstellung des Baus, möglicherweise Erlöschen der Baugenehmigung und zwangsweise Herstellung des Urzustandes . Innendämmung wäre in diesem Fall wohl angesagt - warum soll die aufwändiger oder teurer sein als der Vollwärmeschutz außen? Mit was wollen Sie da dämmen?





Das wären Styropor-Platten. Nein, um Vollwärmeschutz geht es nicht, es geht darum, die kritischen Bereiche davor zu schützen, dass sich innen Feuchtigkeit niederschlägt - also in meinem Fall nur die Giebelwände. Von Innendämmung wurde mir dringend abgeraten.





Entschuldigen Sie meine Offenheit: Wenn ich das Denkmalsamt wäre und jemand würde kommen und vorschlagen, Styroporplatten auf den Giebel zu pappen, würde ich auch njet sagen. Auch in Ihrem Sinn: Hinter so einer Dämmung bekommen Sie die Feuchtigkeit nie weg, es sei denn, Sie bauen eine hinterlüftete Schalung. Dann wäre aber jede Innendämmung billiger. Wie sind denn Ihre Wände beschaffen?





Natürlich nicht nur auf den Giebel - wenn, dann die gesamte Giebelwand - und die besteht zum einen aus Ziegel und die andere aus Schlackeguss.
Wenn ich innen dämme bekomme ich aber Probleme mit dem Taupunkt und meinen Holzbalkendecken. Das mit der Feuchtigkeit stimmt so auch nicht. Man muss natürlich diffussionsoffenen Putz aufbringen und die Platten dübeln statt kleben. Wie soll ich denn eine Innendämmung anbringen, ohne dass mir sämtliche Balkenköpfe wegfaulen?





Ein diffusionsoffener Putz auf Styroporplatten bringt so viel wie ein Wollpullover auf der Regenjacke. Syroporplatten sind halt nun mal dicht, da spielt es auch keine Rolle, ob Sie dübeln oder kleben. Eine Innendämmung können Sie genauso wie eine Außendämmung difussionsoffen ausführen durch Verwendung entsprechender Baustoffe von Schilf über Holzfaser bis hin zu massiven Steinen - je nach Bausituation. Da fault nix. Und bitte: Würgen Sie bei derart sensiblen Fragen doch nicht selber am Haus rum und holen Sie sich bruchstückhaftes Wissen aus dem Internet, sondern ziehen Sie einen mit Altbauten erfahrenen Architekten hinzu. Das Geld ist der allemal wert!
Gruß Günter Flegel





Nun, ich habe schon so viele gefragt, die meinen, sie kennen sich damit aus (allesamt Baufachleute bzw. auch Sanierungsfachleute) - alle sagen etwas anderes. Einig sind sie sich allerdings bei der Bevorzugung der Außendämmung - was soll man denn glauben? Als Laie ist man ziemlich aufgeschmissen, zumal der Denkmalschutz auch keine wirklich praktikablen Lösungen hat (Leichtlehmziegel war der letzte Vorschlag).
Aber vielleicht gibt es ja zunächst 'mal für die Giebel tatsächlich eine geeignete Möglichkeit innen zu dämmen. Ist soetwas wie eine hinterlüftete Dämmung als Tockenbau denkbar?





Natürlich ist die Außendämmung immer die beste Lösung, weil Sie keine Wärmebrücken bekommen, kaum in den Bestand eingreifen und bei der Dämmstoffdicke fast nicht an Grenzen stoßen. Sie können auf diese Weise ein haus richtig schön warm einpacken. Aber das geht halt bei Denkmälern selten. Stellen Sie sich mal den Kölner Dom als Thermoskanne vor ...
Eine hinterlüftete Innendämmung ist heikel und muss gut durchgerechnet werden. Sie haben ja dann eine warme Innenwand, eine kalte Außenwand und dazwischen den Luftspalt, der sicher eher kalt als warm ist - hier drohen dann Probleme mit Tauwasser. Ich habe bei meinem Fachwerkhaus auch lange mit vielen Fachleuten geredet und Bücher gewälzt: Außendämmung ging nicht, Innendämmung war schwierig wegen der Stuckdecken u.ä. Letztlich kamen wir zu einer sparsamen Innedämmung mittels Schilfmatten (2 x 2cm, jeweils satt in Kalkputz gelegt), Lehmputz und Wandheizung. Die Kosten liegen in etwa so wie für einen Vollwärmeschutz nach eusten Vorgaben außen, der Effekt ist natürlich lange nicht so gut, aber die höheren Heizkosten nehmen wir in Kauf, weil wir mit Holz sehr günstig heizen. Also: Ein altes Haus braucht einen Maßanzug; suchen Sie sich einen guten Schneider!






Wir haben in unserem Haus von 1679 EG Bruchstein, OG Fachwerk verschiedene Varianten von Innendämmungen eingebaut. Unter andern um die bei Innendämmung auftretenden Wärmebrücken wie z.B. Innenwände und Geschossdecken zu vermeiden, haben wir eine Kombination von Wandheizung und Temperierung eingebaut. Das klappt auch im 4. Winter sehr gut. Häufig ist die Innendämmung auch günstiger einzubauen. Viele Grüße Gerd Meurer



Innendämmung - Kosten



Ich habe zwar nicht die preise für eine Außendämmung, dafür ganz aktuelle und reale für die Innendämmung in Eigenleistung:
90m² Außenwandfläche, hierfür ca. 10m³ Blähglasleichtlehm (ca. 1600€)+Lattung und Schrauben (ca. 250€)+Kalkputz (ca. 300€), keine Lohnkosten, da Eigenleistung, also rund 25€/m². Nur, falls es jemand interessiert...



Nachtrag



Tschuldigung, habe die Arbierung vergessen: +ca. 100€



Außendämmung kontra Denkmalschutz



Wir haben momentan das gleiche Problem mit unserem denkmalgeschützten Haus, Wärmedämmung, KfWGeldern und Genehmigung. Es würde uns stark interessieren, wie es bei Ihnen weitergeht oder weitergegangen ist ?



Außendämmung kontra Denkmalschutz



Hallo Familie Hager,

es ist weitergegangen, und zwar mit einem bautechnischen Kompromiss. Mein eigentliches Problem war unzureichende Beratung, so ist es z.B. keineswegs so, dass nur aufgrund anderer Heizgewohnheiten gleich die Balkenköpfe wegfaulen, oder alle Wände nass werden, wie man mir einreden wollte. Eine ordentliche Beratung hat folgendes ergeben: Die Dämmung der Außenfassade ist ein spätes Glied in einer langen Kette von Maßnahmen. Das erste und wichtigste ist die Dachdämmung, die denkmalrechtlich kein Problem ist. Das zweite sind Türen und Fenster - auch kein Problem. Dann kommen die erdberührten Flächen dran, dann eigentlich erst ein Luftaustauschsystem mit Wärmerückgewinnung und danach erst die Fassadendämmung. Grob kann man sagen, dass 1-2 Stoßlüftung eines warmen Innenraumes am Tag über offene Fenster den Effekt der Fassadendämmung schon mehr als kompensiert, d.h. im Klartext: wer normal lüftet, für den hat eine aufwändige Fassadendämmung keinen großen Effekt. Ferner verhindert die Dämmung eine Aufheizung der Wände durch Sonneneinstrahlung - nach Meinung einiger Experten ein Effekt, der vor allem in der Übergangszeit erheblich nutzen könnte. In summa hat die Bauberatung ergeben, dass der Vollwärmeschutz in seiner Wirkung häufig überbewertet wird.
Bleibt zunächst das Problem KfW - dort habe ich das Förderprogramm gewechselt bzw. das Maßnahmenpaket innerhalb der CO2 - Förderung. Ich kann jetzt nicht genau sagen, welches es ist - aber es gibt eins, in dem Dach, Fenster, erdberührte Flächen und Niedrigtemperaturheizung als Maßnahmenbündel gefördert werden.
Bleibt noch das Problem der unterschiedlichen Mauerwerke mit unterschiedlichen k-Werten. Hier habe ich durch einen mineralischen Dämmputz die ärgsten Unterschiede etwas mildern können. Der Dämmputz bringt bei weitem nicht die Dämmwerte eines Vollwärmeschutzes, aber er hilft und ist Denkmal-kompatibel, soweit es sich nicht um ein Fachwerkaus handelt. Ich glaube insgesamt, der heiztechnische Mehraufwand wird verkraftbar sein, zumal ich mich von vornherein für eine kombinierte Öl- / Holzheizung entschieden hatte.
Nun noch die Giebel - ja, schauen wir 'mal - da immer alles teurer wird und länger dauert, habe ich den Dachausbau um 1 Jahr verschoben - so bleibt mir dieser Winter um erstmal festzustellen, ob das mit den kalten Außenwänden wirklich so dramatisch ist - im Moment ist mein größtes Problem, meinem Heizungsbauer klar zu machen, dass es in einem alten Haus nur wenige rechte Winkel gibt und noch weniger Flächen in Waage, und dass er sich gefälligst einen Kopf machen soll, wie er das hinbekommt. Offensichtlich hat er bisher nur in Lego-Häusern Heizung eingebaut... ;-)