Fachwerkhaus Innendämmung mit Kork

10.10.2005


Hallo,

daß Thema Innendämmung wurde hier zwar schon sehr häufig behandelt, ich habe hierzu dennoch eine Frage:

Ich renoviere gerade mein neu erworbenes Fachwerkhaus und denke über eine Innendämmung nach, da das Fachwerk bzw. die Aussenwände nur 12 cm (!!!) dick sind. Die Fachwerke mußten neu ausgemauert werden, da die Lehmfüllung nicht mehr zu retten war.

Es wurde mir nun im "Ökoladen" geraten die Innendämmung mit 40mm Korkplatten im Lehmmörtelbett vorzunehmen. Über die Dämmung mit Kork bin ich hier noch nicht fündig geworden. In einem anderen "Ökoladen" sagte man mir Kork kenne man nur zur Aussenisolierung schon wegen des Geruchs (?)

Habe auch schon überlegt gar nicht zu Isolieren und die Wände nur mit Lehmputz zu versehen, ich befürchte aber, da werde ich mir im Winter den Allerwertesten abfrieren.

Ich freue mich über freundliche Antworten.

Gruß
Heike Konzack



Innendämmung



Hallo Heike,

wir machen gerade bei uns etwas vergleichbares. Allerdings dämmen wir von Innen mit Holzweichfaserplatten (Pavatex, Gutex etc.) und mauern die Gefache (die, die zerstört sind) mit Leichlehmsteinen aus. Die Holzweichfaserplatten werden innen mit einer Wandheizung belegt und anschließend mit einem Lehmputz verputzt.



Infos zb. hier im Forum oder unter http://www.claytec.de/download/arbeitsblaetter/3_3_innenschalen_aus_daemmpl.pdf

Evt. hilft dir das schon mal ein wenig weiter.

Gruß
Michael



Ich gebe



zu bedenken, dass bei einer solchen Maßnahme die Werte der EnEv eingehalten werden müssen, oder eine Ausnahmegenehmigung beantragt werden muss. Ich empfehle eine Energieberatung.



innendämmung



hallo,
ich tendiere auch für Holzweichfaserplatten oder Leichtlehmziegel oder Binsenmatten mit Lehmputz.
Kork finde ich zu schade, vor allem weil viele Korkeichen in Portugal verbrannt sind. Der Geruch stammt ausschließlich aus Backkork. Nicht vergessen bei der Innendämmung eines Fachwerkhauses: die Bauphysik und der Taupunkt. Durch einen Fachmann berechnen lassen.
M.f.G.
J.E.Hamesse



Innendämmung



Hallo Heike,

eine Innendämmung ist sicherlich sinnvoll. Das wichtigste Kriterium ist die durchgängige Kapillarität der Baustoffe, damit Regen- und Tauwasser nach innen geleitet wird. Kapillaraktive Baustoffe sind von homogenem Aufbau. Die Diffusion ist natürlich wichtig, aber in diesem Fall nur zweitrangig.

Auch wenn sie oft eingesetzt werden, Strohmatten sind nicht kapillaraktiv. Die bereits vorgeschlagenen Dämmplatten von Pavatex oder Gutex sind für Innendämmungen bedingt geeignet. Die Kapillarität ist nicht besonders hoch. Bei Kork habe ich Zweifel. Dies sind tolle nachwachsende Dämmstoffe für den Außenbereich. Übrigens werden die verbrannten Korkeichen dafür verwendet.

Lehm mit Leichtzuschlägen wie Stroh, Kork, Blähton, Hackschnitzel usw. sind am besten geeignet. Diese Dämmungen sollten aber nur im späten Frühjahr bzw. im Sommer eingebaut werden, wegen der extrem langsamen Austrocknung.

Wichtig ist auch, dass ihr eucht nicht verrückt macht, was die EnEv vorgibt. Umso dicker gedämmt wird, desto kälter wird die alte Wandoberfläche auf der Innenseite sein, umso mehr Tauwasser wird ausfallen. Die alte Wand muss noch genügend Wärme von innen erhalten. Ca. 10 cm Dicke reichen bei einer Lehmdämmung aus.

Gutes Gelingen

A. Engbarth



@ Andreas Engbarth



es stimmt mich nachdenklich, wenn ein Sachverständiger die Aussage trifft, dass ein Gesetz nicht so ernst genommen werden muss.
Ich bleibe dabei, dass ich eine Energieberatung für sinnvoll halte, dann können verschiedene Möglichkeiten durchgespielt werden. Ich hatte ja bereits darauf hingewiesen, das Ausnahmen beantragt werden können.



@ Fred Heim



Hallo Herr Heim,

ein Antrag auf Ausnahmegenehmigung setzt voraus, dass das Gebäude ein Baudenkmal ist, oder dass Bauteile besonders erhaltenswert sein müssen. Letzteres ist immer Auslegungssache der Denkmalschutzbehörde. Was wenn beides nicht zutrifft? Müssen dann Bauherren Ihr Haus derartig dämmen, dass die Konstruktion auf Dauer geschädigt wird und sich hygenisch bedenkliche Zustände einstellen?

Noch haben wir keine EnEV-Polizei. Mir ist bisher noch kein Fall bekannt, dass ein privater Bauherr über das Zivilrecht gezwungen wurde, sein Haus entsprechend der EnEV zu dämmen. Vielleicht ist Ihnen ein solcher Fall bekannt.

Ich gebe Ihnen aber Recht mit dem Antrag auf eine Ausnahme. Da es sich bei der EnEV um ein Gesetzt handelt, muss man auch deren Wege streng genommen einhalten.

Gibt es Energieberater die zu einer Lehmdämmung raten?



Warum nicht



ich habe nichts gegen eine "Lehmdämmung", wenn man sie denn so nennen kann. Leider ist diese Form häufig nicht durchführbar, weil zu dick und zu schwer.
Als Ausnahme gibt es neben dem Denkmal natürlich noch den Nachweis der Unwirtschaftlichkeit. Bei einer ausführlichen Berechnung kann man auch die schlechtere Situation an einer Stelle durch eine bessere Situation an einer anderen Stelle ausgleichen. Z.B. gute Dachdämmung, schlechtere Wanddämmung oder gute Technik und schlechtere Dämmung, ... Aus diesem Grunde habe ich auf die Möglichkeit einer Energieberatung hingewiesen.
Eine EnEV-Polizei gibt es natürlich nicht, aber es gibt Sachverständige für den Schall- und Wärmeschutz und es wäre gut wenn diese des öfteren gefragt würden. Wenn ich mich so in den Baugebieten umschaue und sehe, was den Bauleuten überall verkauft wird, ... unglaublich.




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