Feuchteschutz für Balkenköpfe bei Innendämmung

19.03.2005



Unser Haus besteht aus unverputztem Naturstein, nur Decken und Innenwände sind Holz/Fachwerkkonstruktion. Wir müssen innen dämmen, Danpfsperre ist unabdingbar. Um Wärmebrücken an den Übergängen zwischen den Decken und den Außenwänden zu vermeiden, habe ich die Decken rundum 10 cm aufgeschlitzt, die Dämmung kann nun durchgeschoben werden. Meine Frage:
In älterer Fachliteratur wird häufig angegeben, man soll die Balkenköpfe möglichst belüftet einbauen, um Feuchtestau zu vermeiden. In einem jüngeren Merkblatt für Innendämmung las ich, man soll um die Balkenköpfe mit besonders dampfdichten Materialien wie Schaumglas dämmen.
Wie sind die Erfahrungen?



Innendämmung mit Dampfsperre



Hallo Herr Pung,
zuerst eine Frage: warum mit einer Dampfsperre arbeiten??
Ich halte dies für keine gute Lösung,da sie meines erachtens kaum realisierbar ist.
Alternativ wäre da eine Innendämmung mit Unger-Diffutherm Holzfaserplatten (diffusionsoffen)
Hierbei würde um die Balken herum gedämmt und die Fugen mit Flachs verstopft.(ohne Belüftung)
Beim Dämmen müssen auch die Zwischenwände, welche die Außenwand berühren, geöffnet werden damit durchgedämmt werden kann.Ansonsten haben sie kritische Punkte in den Ecken.Alternativ hierzu Dämmung einen halben Meter auf der Innenwand weiterführen,jedoch mit optischen Nachteilen wegen des Versatzes.
Von Ihrem Vorhaben der Innendämmung mit Dampfsperre rate ich Ihnen ab.
Bitte um Antwort warum eine diffusionsoffene Variante,welche ich für realisierbar halte,nicht zum tragen kommt.
Stehe gerne zu einer diffusionsoffenen Variante mit Rat und Tat zur Seite
MfG Markus Bönneken



ohne Dampfsperre?



Hallo Herr Bönneken,
ich habe z.Zt. folgenden Wandaufbau: 60 cm Basaltlava, Innenputz. Das ergibt nach meiner Berechnung bei -10°C Außentemp. und 20° innen eine Wandoberflächentmperatur von 8° - das bedeutet: schon ohne Dämmung Tauwasserbildung.
Ich bin gespannt, wie man das ohne Dampfsperre regeln kann.
Innenwände: geht klar, habe ich bereits alles aufgestemmt.



Re



beheizt man den Raum jetzt noch mit Strahlungswärme durch z.B. Wandheizung steigt die Oberflächentemperatur auf ca. 20°C. Das ist nicht nur bauwerkserhaltend sondern auch sehr behaglich. Bei einer Wandoberflächentemperatur haben Sie mit oder ohne Dampfsperre Probleme, da sich hier aus der rasch abgekühlter Raumluft Feuchtigkeit niederschlägt. Viele Grüße Gerd Meurer



Erwiederung Meurer...



Lieber Herr Meurer,
Wandheizung sehe ich hier als problematisch an - Das Haus hat 25 Fenster bzw. Außentüren, mit einer Laibungstiefe von 40 cm machen die Laibungen einen erheblichen Teil der Fläche aus. Für Wandheizung plus Dämmung fehlt hier die Tiefe.



Innendämmung



Hallo Herr Pung
Also! Sie möchten gerne eine Dampfsperre einbauen, obgleich Ihnen 2 Fachleute davon abraten.
Andererseits wollen Sie die Innendämmung "durchschieben" um die Wärme oder Kältebrücken zu minimieren. Dies ist zwar ein löblicher - aber wohl eher ein theoretischer Ansatz. Dann befürchten Sie um die Balkenköpfe, die nicht luftumspült sind und andererseits wollen Sie diese mit dampfdichtem Dämmmaterial dämmen. (So haben Sie's gelesen)
Mein Tip:
Manchmal kann man auch Fachleuten hier etwas glauben!
-lassen Sie die Dämmung evtl.(welche wollten Sie denn nehmen???)
-lassen Sie die Dampfsperre
-wenn Dämmung - dann wie vorgeschlagen diffusionsoffen!!!!!!!!!!
-und der Tip mit der Wandheizung ist auch nicht zu verachten!!

(Wie hätten denn Sie die Dampfsperre an den Balken (die auch noch di-offen sind) angeschlossen????

Machen Sie's nicht schlechter - Ihr Haus!

"nachdenkliche Grüsse"

Florian Kurz



Dämmung weglassen?



Sehr geehrter Herr Kurz,
wie oben geschildert, besteht das Mauerwerk aus Basaltlava, dieser Naturstein hat ein Lambda-Wert von 3,5 W/mK !, was dazu führt, dass ohne Dämmung das Wasser an den Wänden runterläuft. Bei Abreißen der Tapeten fand ich dann auch überall Schimmel.
Ein Energieberater (studierter Fachmann ;-) hat mir ein Gutachten erstellt und empfohlen: 8 cm Polystyrol-Hartschaum 040. Das geht nach dem Glaser-Diagramm nur mit Dampfsperre.
Bitte sagen Sie mir doch einmal, auf welcher Grundlage die Idee der "diffusionsoffenen Dämmung" fußt. So wie ich das verstehe, soll das so funktionieren, dass die Innendämmung in den Wintermonaten das Kondenswasser speichert und im Sommer wieder abgibt.
zur Wandheizung:
Wie in aller Welt soll ich das Problem der Fensternischen lösen? In den Ecken von Laibung zum Fensterrahmen habe ich nur wenige Zentimeter Basaltlava zwischen Innen- und Außenluft. Hier ist Kondensfeuchte vorprogrammiert. Wandheizung bis in die Laibung legen? ergibt enormen Wärmeverlust, weil kein Platz für die Dämmung bleibt.
Die von Herrn Bönneken vorgeschlagenen "Unger-Diffutherm Holzfaserplatten" müßte ich schon sehr dünn wählen, um Tauwasserbildung auszuschließen.


Mfg, Olaf Pung



Innendämmung



Hallo
Was passiert denn, wenn Sie diese Dämmung an die Wand Kleben (wie das hohlraumfrei gehen soll, frag ich mich)????
Hat Ihnen das Ihr Energieberater auch verraten?????
Dann läuft Ihnen ... ach was schreib ich denn da!!
Alles andere ist glaub ich schon geschrieben!
Ein Tip noch!
Nehmen Sie den Energieberater in die Haftung - falls etwas passiert mit den Balken etc......(könnte doch sein)
Nee wirklich! Alles andere ist schon geschrieben worden!
immer noch nachdenkliche Grüsse
Florian Kurz



aha...



ich resümiere:

Es gibt zwei unvereinbare Fraktionen in der Frage der Innendämmung:
Die einen stehen im Einfluß der EnEv und propagieren, es könne nicht genug gedämmt werden, eben auch mit Dampfsperre, die Probleme der Kondenation seien technisch lösbar.
Die anderen empfehlen lieber weniger zu dämmen, womit sich eine Dampfsperre evtl. erübribt, solange man Materialien mit einer guten Feuchteaufnahme einbaut. Letztere behaupten, eine Dampfsperre lasse sich praktisch kaum lückenlos ausführen, womit sich die Feuchbelastung punktuell konzentriert. Bei der "diffusionsoffenen" Variante verteilt sich das Wasser auf die gesamte Fläche, womit die Feuchtigkeit nicht in den kritischen Bereich steigen sollte. richtig?
Nun möchte ich mich aber mit einer "halbherzigen Dämmung" nicht so recht anfreunden, damit verkürzt sich doch nur der Zeitraum, bis die Energiekosten in eine Höhe steigen, in der man die Wände erneut aufreißt um die Dämmung nachzubessern.



Erwiederung Herr Pung



Hallo Herr Pung,
man kann die Wandheizung zum heizen nutzen als auch zu Bauwerkserhaltung. Auch bei 25 Fenster lässt sich ein temperiertes Rohr an die Wärmebrücken legen. So vermeiden Sie auch bei stärken Innendämmungen die Kondensatbildung. Ich plädiere weder für viel noch für wenig Dämmung. Pauschal lässt sich die Frage fernmündlich nicht beantworten. Ich empfehle Ihnen nur bei einer Innendämmung mit einer Temperierung bzw. mit einer Wandheizung zu arbeiten. Viele Grüße Gerd Meurer





hallo herr pung

besteht die möglichkeit einer leichtlehminnenschale?

hier haben sie dämmung und feuchtetransport in einem
und dadurch auch in den fensterlaibungen weniger probleme

andere möglichkeit um die probleme mit den balkenköpfen zu umgehen wären calciumsilikatplatten

möglich ist auch eine kombination Lehm an wänden, cs-platten in laibung

von hartschaumplatten innen würde ich wegen der sehr wahrscheinlich auftretenden prolematischen tauwasserbildung hinter der dämmung abraten

gruss aus münster



Problem - Hohlräume hinter einer Dämmplatte?



Hallo,
wer erklärt mir mal, worin das Problem bei Hohlräumen zwischen Innendämmung und Mauerwerk besteht?
Rein physikalisch führt eine STEHENDE Luftschicht nicht zu Kondensation - höchstens, wenn der Hohlraum nicht dicht ist und Die Wohnraumluft Zutritt hat.
Die Hersteller von Trockenbauplatten (Rigips/PS-Hartschaum-Kombiplatte, teils mit Alu-Dampfsperre, z.B. Firma Knauf) sehen darin offensichtlich kein Problem, sie empfehlen sogar, bei unebenen Wänden die Platten mit einzelnen Gipsbatzen oder mit hinterlegten Streifen hohl einzubauen.



Es gibt wieder Arbeit



wenn ich hier so die Argumente des Bauherrn lese, wieso um alles in der Welt bringen ihn die Fachleute von der Dampfsperre ab. Dann wächst ja kein Pilz an den Deckenbalken. Und die Wandflächenheizung hätte ich nicht so einfach verraten, dann werden ja die Balkenenden in der Wand trocken..... und bleiben es auch.... besser ein bischen weniger dämmen, dafür aber gesund wohnen!!..... Leute, wo soll das hier noch hinführen.... Wenn er an Energie sparen will, dann lasst ihn doch in dem Glauben!
Wovon soll ich denn leben in Zukunft?

*grins
Joachim Wießner



sehr lustig, aber Frage nicht beantwortet!





Von Amateur zu Amateur :-)



Hallo Olaf
Ich versuche es mal.
Das Problem ist der Taupunkt, welcher durch eine Innendämmung nach innen verlagert wird. Der Taupunkt ist auch je nach Innen- und Außentemperaturdifferenz nicht immer am selben Ort.
Wenn nun der Taupunkt in die Luftschicht wandert dann kondensiert dort die Luftfeuchtigkeit, welche durch die diffusionsoffene Platte kam. Und das auch in der stehenden Luftschicht.
Die Idee mit der Wandheizung find ich persönlich am einleuchtensten. Und wenn man so sieht, wie überall gedämmt wird auf Teufel komm raus dann sag ich nur: Man kann sich auch zu Tode dämmen.
Grüße Lukas



Rechnen hilft schon



aber in die richtige Richtung. Wenn Sie so ein Haus haben, dann ist vielleicht gar keine Dämmung sinnvoll. Sie haben bei 60 cm Außenwand in meinen Augen und nach meinem Programm (Rowasoft) doch noch einen einigermaßen gesunden Aufbau. Die Kosten für die Wärmedämmung, kriegen Sie die denn jemals wieder eingespart? Und wieviel Schäden produzieren Sie?
Machen Sie Ihr Haus warm, z. B. mit Kachelofen, Wärmestrahlung von Innenwänden, Fußleistenheizung, Wandflächenheizung an Außenwänden etc.. Und freuen Sie sich, dass sie keine großen Sanierungskosten haben.
Das, was Sie da vorhaben, ist sicher nach Glaser-Diagramm richtig, aber mit Ihrer Methode züchten Sie Pilze innen.
Ich habe Ihre Frage durchaus beantwortet, nur Sie wollen die Antwort nicht hören......
In Hoffnung
Joachim Wießner



Die Frage heißt:



Wem soll ich glauben?

Denen, die mir abraten zu dämmen - eher eine Wandheizung propagieren?
Die haben sicherlich Aktienpakete der führenden Energieunternehmen im Depot! Die verdienen sich ja dussellig an den "Umsonstinfos und Beratungen"!

Oder denen, die mir versprechen, dass die dampfdichte Folie und die Plasterverklebung und die geraden Wände, die ich damit erziehlen kann eben gut sind.
Die Leute sagen mir ja auch, dass es nichts ausmacht, wenn die Balkenköpfe "wassserdicht" eingepackt sind.
Das sind die "Guten", denn die sagen: so wie's gerechnet ist und in den Prospekten steht - so stimmt es!
Nee! Die wollen nur mein Bestes! …
Nein! nicht meine Frau!
Sondern mein ....!

fröhliche Grüsse aus Nürnberg

Florian Kurz

P.S.
Der Kollege hat Recht:
Lasst sie doch machen!
Womit sollen wir denn in 5 Jahren unser Geld verdienen …?



habe gerechnet...



...aber mein Glaser-Diagramm sagt: Bei draußen -10 /innen +20 °C habe ich eine Oberflächentemperatur von 8°C, das bedeutet: Wasser läuft die Wände runter. Oder wird vom viel gelobten Lehmputz aufgesaugt?



die Rechnung stimmt schon



für normale Wohnräume nach dieser Theorie. Das ist aber ein Denkmodell und hat mit der Praxis u.U. nicht viel zu tun.
Wenn die Wand kalt ist, dann machen Sie die Wand doch warm, z. B. auch mit einer Fußleistenheizung. Und dann gibt es kein Kondensat.
Ich weiß nicht, wo das Gebäude steht, aber wie oft im Jahr haben Sie denn eine solche Konstellation? Glaser geht da von konstanten Werten aus, das ist nicht realistisch. Was passiert denn in der Praxis, wenn die Wand Feuchte aufnimmt? Und wie ist das in dem Programm berücksichtigt? Wer hat das je gemessen, was bei diesen "Rechnungen" an Feuchte in der Wand entstanden ist?
Ich bin kein Verfechter z. B. von Lehm, nur davon, dass beim Bauen und vor allen Dingen beim Sanieren der PC aus bleibt, dafür die Gedanken mehr zu realistischen Dingen wechseln.
Wenn Sie sich überfordert fühlen, nehmen Sie doch einen Architekten für die Sanierung, dann haben Sie jedenfalls jemand, an den Sie sich halten können, wenn er etwas nicht sachgerecht plant.
Liebe Grüße
Joachim Wießner



Hallo Herr Pung,



jetzt stellt man sich vor Sie verbauen 8 cm Polystyrol-Hartschaum Innedämmung mit Dampfsperre. So muss diese Dämmung auch eingebaut werden da hier die Feuchtigkeit nicht transportiert werden kann. Da Ihr Gebäde leider keine Sperre gegen aufsteigende Feuchtigkeit hat zieht die Feuchtigkeit langsam die Wand hoch und steht in der Dämmung. Eine hohe Luftfeuchtigkeit durch Pflanzen oder Atmung kann nicht in den Umschließungsflächen gespeichert werden da diese dicht sind. Um dem Schimmel jetzt zu begegnen müssen Sie morgen und abends 20 min Querlüften. Viel Spaß dabei Gerd Meurer



Hallo Herr Pung,



in Ihrem Profil habe ich gesehen das wir dicht zusammen wohnen. Besuchen Sie mich doch mal und wir diskutieren mal die Wandaufbauten durch. Viele Grüße aus Koblenz Gerd Meurer



nicht nur dass, Herr Meurer,



...wir haben auch gemeinsame Bekannte: Volker Fiebiger ist ein sehr alter Freund von mir.
Da sich mein Haus ebenfalls in Thür befindet, habe ich ja das Beispiel "temperierte Wand" gleich vor Ort. Trotzdem bin ich (trotz ausgiebiger Diskusion) bislang noch nicht überzeugt von Volkers Lösung. Bevor ich sowas mache, müßte ich G A N Z sicher sein, dass es keine andere Lösung gibt. Deswegen bin ich ja hier im Forum.
Aufsteigende Feuchte: Das Problem gibt es, anders als bei Volker, nur an einer von vier Seiten; muss selbstverständlich zuerst geregelt werden, egal welche Dämmung. Das würde ich versuchen konventionell zu lösen: Außen aufgraben und Vertikalsperre. Innen Schüttung über Gewölbekappe raus, belüften. Durchzug im Keller. Einen Sommer abwarten und mal sehn.
Mit freundlichen Grüßen, Olaf Pung