Ein Potpourri von Dämmungen

16.03.2005



Hallo, ich habe vom Architekten, der mein Fachwerkhaus (Bj. 18XX) vor rund 15 Jahren saniert hat (da gehörte es mir aber noch nicht), folgende Angaben zur Innendämmung bekommen:

1. Nordseite: Vor die Innenseite des Lehmfachwerks war damals bereits mit ca. 5 cm Abstand (Hohlraum) eine Ziegelwand gemauert worden. Die Wand ist zusätzlich innen verputzt (vermutlich Kalk-Zement-Putz).

2. Südseite: Ebenfalls Lehmfachwerk, hier jedoch von Innen mit Rigips und Mineralwolle gedämmt und tapeziert. Die Dämmung soll bewußt so dünn aufgebracht worden sein, dass sich die Lehmgefache dahinter noch ausreichend erwärmen, um Feuchtigkeit abgeben zu können.

3. Obergeschosse: Fachwerk wurde hier mit "weichen" Ziegeln ausgemauert und ebenfalls mit Rigips und Mineralwolle gedämmt und tapeziert.

4. Nach außen sind alle Wände offenporig geblieben, drinnen wurden keine Latex- oder ähnliche Farben verwendet.

Was fällt Euch dazu ein? Ist das einigermaßen ok? Oder muss da gleich was passieren? Vielen Dank für schnelle Antworten.



Grusel



Hallo,
für mich hört sich das sehr gruselig an!
Innendämmungen bei Fachwerken sind nicht ohne und aus meiner Erfahrung regelmäßig Auslöser grösserer Reparaturmaßnahmen.
Erst recht wenn das vor 15 Jahren gemacht wurde! Archi hin oder her! Ich würde mal vorsichtig - speziel auf der Wetterseite- an einigen Stellen hinter den Innenausbau lunsen und schauen was da so los ist! Wenn es schon zu Setzungen gekommen ist ( Risse in der Tapete, Putz fällt ab...) würde ich mal einen Fachmenschen einladen!



Fachwerkinnendämmung



Hallo
Wenn Sie Glück haben ist nicht viel passiert!
Wenn Sie Pech haben ist die K..... schon am dampfen!

auf jeden fall sollte das kontrolliert werden und ich würde das schleunigst ändern - da soll es Fälle geben, da hat man da nicht mehr viel Holz gefunden.
Ich würde nicht an der Wetterseite schauen sondern an der kältesten Fassade anfangen zu suchen ....

Grüsse nach Norden

Florian Kurz



Dämmung



Meine beiden Vorredner (oder Schreiber) haben genau so ein mulmiges Gefühl
wie ich.

Luftzwischenräume, Rigips und Mineralwolle bei einer Innedämmung?

Würde mir von unseren Spezies hier nur jede erdenkliche professionelle Hilfe
holen: und zwar schnell.

 

Gruß aus Dortmund

Harald Vidrik



Innendämmung und die Schäden die entstehen können



Sehr geehrte Damen und Herren,

schauen Sie sich doch mal den Beitrag an unter Forumeintrag-Eintrag

---Forenreferenz-----------
Anwort auf Ihre fragen Teil 1 -
Hallo Herr Schöne,

Bezüglich ihrer fragen,1;und wieso verbauen so viele Architekten Mineralwolle? 2; Ignorieren die etwa die Bauphysik?

Anbei kopie von Text und Zeichnungen aus meinen Studium zum Gepruften Restaurator im Handwerk, Referent Frau Dr.Kaiser.

Denkmalpflegerischer Diskussionspunkt: Innendämmung bei Fachwerkgebäuden.

Abb. 4: Schematische Darstellung der Feuchteverteilung in einer Fachwerkwand mit Innendämmung nach einem Niederschlagsereignis. Das weit in die Fuge vorgedrungene Wasser sollte, wie in der rechten Zeichnung angedeutet, auch zur Raumseite hin austrocknen können. mehr ...
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---Forenreferenz-----------
Anwort auf Ihre fragen Teil 2 -
Abb. 5: Relation zwischen Wärmedurchlaßwiderstand und Dampfdiffüsions-widerstand einer Innendämmung für Fachwerkwände. Um einen ausreichenden winterlichen Tauwasserschutz zu gewährleisten und die Trocknungsmöglichkeit von Niederschlagsfeuchte nach innen nicht zu unterbinden, sollte der s^-Wert der Innendämmung im gekennzeichneten Bereich liegen.
( Quelle: Künzel: WTA - Seminar : Fachwerk. 1998 )


Denkmalpflegerischer Diskussionspunkt: Innendämmung bei Fachwerkgebäuden
Wegen der besonderen Gefahrdung der Konstruktionsholzer in den Außenbauteilen sind bei Fachwerkgebäuden bezüglich der nachträglichen Innendämmung besondere Regein zu beachten.
Auf der Aachener Bausachverständigentagung 1996 wurden folgende Regein diskutiert und den Fachleuten empfohlen:
1. Der Wärmedurchlasswiderstand der Ausfachung : 1/^=1,0 qmk/W
2. Der Wärmedurchlaßwiderstand der Zusatzdämmung : 1/^ =1,0 qmk/W
3.Raumseitige dampfbremse: sd=0,5-0,8m
4.Diffusionswiderstande von Ausfachungsmaterial und Dammstoffen:µ.< 10
Die Wissenschaftlich - Technische Arbeitsgemeinschaft für Bauwerkserhaltung und Denkmalpflege fordert in ihrem bauphysikalischen Merkblatt für Fachwerkfassaden folgende Kenngroßen:
1. Bei Fachwerkwänden ist die zulässige Tauwassermenge abweichend von den Bestimmungen der DIN 4108 auf500g/qm jährlich zu beschranken.
2. Der Wärmedurchlasswiderstand der Zusatzdämmung : I/A = 0,8 qmk/W

3. Raumseitige Dampfbremse: sd = 0,5 - 2,0 m Vorsicht:
Eine Mineralfaserdämmung mit innenliegender Luftschicht zum Fachwerk, Dampfbremsfolie und Gipskartonplattenverkleidung ist nach diesen Vorgaben ohne weiteres möglich.

Der Standpunkt der Denkmalpfleger:
" Theoretisch kann der Tauwasserausfall durch Verminderung der Diffusionsstromdichte verhindert werden, indem man dan der Innenseite solcher Wände eine Dampfbremse anordnet.

In der Praxis haben sich solche Dampfbremsen jedoch nicht bewahrt, weil sie an den Boden-, Decken und Zwischenwandanschlüssen regelmassig Fehlstellen aufweisen, die ein Eindringen der warmen Innenraumluft in die Außenwände und damit auch Kondensation ermöglichen.

Die Rückbewegung des ausgefallenen Wassers in die Räume ist durch die Dampfbremsen jedoch erheblich erschwert, so daß die Durchfeuchtung langfristig zu großen Schäden führen kann."
"Eine bautechnisch ausgewogene Behandlung eines Fachwerkgefuges darf aber nicht nur von der Feuchtebelastung von innen ausgehen, sondern hat zu benicksichtigen, dass Fachwerkaußenwände zu allen Jahreszeiten ja auch von außen durchfeuchtet werden. Diese Durchfeuchtung konzentriert sich bei Regenfallen besonders im Bereich der Fugen. " (Schulze: DAB 91) mehr ...
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---Forenreferenz-----------
Anwort Ihrer fragen Teil 3 -
Denkmalpflegerischer Disskussionspunkt:
Die feuchteadaptive Dampfbremsfolie.


Bei der feuchteadaptiven Dampfbremsfolie handelt es sich um eine speziell strukturierte 0,5mm starke Polyamidfolie. In ihre Struktur lagern sich Wassermoleküle ein, so daß die Folie ihre Struktur öffnet und der Diffüsionswiderstand geringer wird. Laut Herstellerangaben besitzt die Folie Werte der dampfdiffüsionsäquivalenten Luftschichtdicke von 0,2 < sd <.5m.

Die Funktionsfähigkeit des neu entwickelten Produktes wurde im Freilandversuch getestet. Darüberhinaus wurde die Dampfbremse rechnerisch auf Basis des PC - Programmes WUFI mittels Berechnung von Temperatur- und Feuchteverhältnisse unter natürlichen Klima- und Nutzungsbedingungen getestet.

Es gibt keine Langzeiterfahrung in Fachwerkobjekten. Hinsichtlich möglicher Konvektionsprozesse oder kapillarer Feuchtigkeitstransporte im Wandaulbau werden keine Angaben im technischen Merkblatt gemacht.

Rahmenbedingungen der Anwendung laut Herstellerangaben:
- luftdichte Verlegung (wie bei üblichen Dampfbremsfolien)
- keine dampfsperrenden Innenschichten vor der Dampfbremse anordnen
"Im Zusammenhang mit Faserdämmstoffen ist es günstig, eine feuchteadaptive Dampfbremse einzusetzen, die aufgrund ihrer besonderen Eigenschaften im Winter einen zehnmal höheren Diffusionwiderstand aufweist als im Sommer. "

Abb. 6: Funktionsweise einer Innendämmung aus Faserdämmstoff mit feuchteadaptiver Dampfbremse. Durch die geringere relative Feuchte in der Umgebung der Dampfbremse im Winter ist ihr Dampfdiffu-sionssperrwert zehnmal größer als unter durchschnittlichen Bedingungen im Sommer [5].
( Quelle: Künzel, WTA- Schriftenreihe) mehr ...
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Anwort auf Ihre fragen Teil 4 - Ende. -
Mehrschichtige Leichtbauteile und die Gefahr der Tauwasserbildung im Bauteilquerschnitt
Wann kann im Bauteilquerschnitt Tauwasser ausfallen?
- wenn es innerhalb des Querschnitts zu starkem Temperaturabfall kommt
Das kann insbesondere beim Einsatz moderner hochwärmedämmender Baustoffe in Leichtbaukonstruktionen passieren.
- wenn die Baustoffe im Querschnitt innen vor der kalten Seite des Aufbaus sehr dampfdurchlässig sind
Insbesondere Faserdämmstoffe haben einen geringen Diffusionssperrwert sd.
Für vollgedämmte Gefachquerschnitte der üblichen Dachkonstruktionen und für leichte Holzbaukonstruktionen bestehen besondere Gefahren hinsichtlich der Tauwasserbildung im Querschnitt. Bei historischen Fachwerkgebäuden birgt insbesondere die nachtägliche Innendämmung große Tauwassergefahren. ( Quellen: Energieagentur: Praktische Bauphysik; Nebel: Sanieren von Fachwerkbauten )
So Herr Schöne ich hoffe ihre fragen sind jetzt hinreichend beantwortet, oder geben Anregung zu neuen Diskussionen. Jetzt kann jeder selber entscheiden was er tun möchte.

Die Toplösung mit Gewährleistung das es dauerhaft mit einer Folie geht ist leider zur Zeit noch nicht gegeben. Ergebnisse von Langzeitversuchen liegen noch nicht vor.
Wie sie lesen konnten geht es mir nicht um verkaufen, ich möchte nur nicht zu meinen Kunden gehen nach 5,5 Jahren ( Gewährleitung abgelaufen) dumm gelaufen aber es muss wieder alles raus.
Fazit : Das Risiko es mit Mineralwolle und einer Folie zu versuchen und 5 Jahre Gewährleistung zu gegen , ist mir persönlich zu groß, ein daraus entstehender Folgeschäden kann das Ende meiner Firma bedeuten.

Ich hoffe sie verstehen jetzt die Antwort auf ihre frage. Warum soll ich meinen Kunden was verkaufen wo ich selbst nicht von überzeugt bin. Es gibt also kein Geheimtip den die Profis nicht verraten wollen oder können!

Mit freundlichem Gruß
Franz- Josef peltzer mehr ...
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vieleicht finden sie da eine Anwort auf ihre Fragen.

MFG Franz - Josse Peltzer