Falsche Innendämmung retten???

03.09.2012



Hallo,

ich bin letzte Woche auf eine Baustelle kommen, um mich mit dem Bauherren über eine mögliche Außendämmung zu unterhalten.

Es handelt sich bei dem Haus um ein Fachwerkhaus 15cm Ständer und Lehmwickelbreite. Links und rechts grenzen nach einem schmalen Zwinger (10-15cm)die Nachbarhäuser an. Oberste Geschossdecke bei ca. 5m.

Während des Gesprächs sagte er mir, er habe die Wände die zu den Nachbarn angrenzen von innen gedämmt.

Nach der Schilderung war klar, dass er so ziemlich alles falsch gemacht hat, was man falsch machen kann.

Außen ----> Innen
10cm Luftraum, 15cm Fachwerk, 2cm Kalkzementputz, 5cm Mineralwolle, 1,25 Gipskarton

Wenn ich ihm nun sage, er soll den gesamten Wandaufbau demontieren und mit Holzfaserdämmplatten oder Calciumsilicat arbeiten, dann bricht eine Welt zusammen.

Meine Idee wäre nun den Zwischenraum mit einer Schüttung aufzufüllen, um so den Taupunkt wieder aus dem Innenraum herauszubekommen.

Wäre dies mit Glasschaumschotter /- granulat möglich?

Vorteil sind Preis, Feuchteresistenz, keine Verrottung, kein Ungeziefer. Perlit würde auch gehen, aber geht bei ca. 7-8 m³ gut ins Geld.

Wer hat Erfahrungen mit einem solchen Problem und kann mit Rat zur Seite stehen.


Gruß Micha



Innendämmung



Von der theoretischen Seite her ist diese Dämmung ohne Dampfsperre falsch, aber wie sieht es in der Praxis aus?
Was ist hinter der Dämmung, an der Wandinnenfläche passiert?
Wie sieht der Gipskarton im Fußpunktbereich aus?
Bevor sie anfangen die Abrissbirne zu schwingen sollten diese Fragen beantwortet sein!

Viele Grüße

p.s. Ein Mangel wie in diesem Fall bedeutet nicht automatisch auch einen Schaden



Noch kein Schaden



Das Haus befindet sich seit zwei Jahren im Umbau.

In diesem Frühjahr ist die Innendämmung verbaut worden. Somit gibt es zum jetzigen Zeitpunkt noch keine Schäden.

Die Maßnahme wäre vorbeugend.

Gruß Michael



Der Aufbau der Innendämmung ...



... ist, wie bereit gesagt wurde, grundhaft falsch.

Nach einer überschlägigen Berechnung mit unterschiedlichen Ansätzen zur Rohmasse der Strohlehmausfachung auf Staken, dürfte der Tauwasserausfall in der Tauperiode zwischen etwa 4,5 und 5 Litern pro m² liegen und in der Verdunstungsperiode nicht vollständig verdunsten können, so dass übers Jahr voraussichtlich rd. 0,4 bis 0,75 Liter pro m² Tauwasser in der Wand verbleiben könnten.

Von daher sehe ich grundsätzlich Handlungsbedarf.

Den Spalt zwischen den Gebäuden mit einer Dämmung zu verfüllen dürfte zielführend sein, sollte aber auf jeden Fall überprüft werden.
In einer ähnlichen baulichen Situation haben wir einen Luftspalt mit besonders leichtem Blähton verfüllt.
Besonders leicht deshalb, um den Druck auf die seitliche Schalung so gering wie möglich halten zu können.

Was mir ansonsten noch durch den Kopf geht:
Muss es unbedingt eine Außendämmung sein? - Der Einbau einer Strahlungsheizung wäre im Hinblick auf die energetische Bilanz des Gebäudes aller Voraussicht nach vermutlich mindestens gleichwertig, kostenmäßig sogar viel günstiger. Auch könnte so das ursprüngliche Erscheinungsbild und damit der Charakter des Gebäudes bewahrt werden.

Nähere Informationen zu den Möglichkeiten und Grenzen der Energieeinsparung im Altbau liefert dieser Beitrag:
http://www.meisinger-ingenieurleistungen.de/index.php/bauberatung/49-hd2

Mehr zu Strahlungsbeheizung mittels Heizleisten ist hier zu erfahren:
http://www.meisinger-ingenieurleistungen.de/index.php/bauberatung/47-hd

Sofern das betreffende Objekt im Großraum Weimar / Rudolstadt / Saalfeld / Jena / Stadtroda liegen sollte, kann ich die Kontaktaufnahme zum Denkmalhof Gernewitz empfehlen, der eine kostenlose Bauberatung anbietet. (http://www.denkmalhofgernewitz.de/).
Eine Kontaktaufnahme wäre auch über uns möglich.



Alternative für Zwischenraumdämmung



.. innen ist die Verkleidung nun mal erfolgt und wird kaum mehr rückgebaut.

.. als Alternative für den Zwischenraum würde ich noch Perlite überlegen.

Thomas Kehle aus diesem Forum hat damit viel Erfahrung.

Grüße aus Frangn

Frank von Natural-Farben.de