Innendämmung, Bad und Wandheizung

30.03.2010



Hallo,

ich habe ein Siedlungshäuschen (20er Jahre), das demnächst renoviert wird. Einen Teil machen die Fachfirmen, einen (kleinen) Teil mache ich selbst. Allerdings habe ich gute Erfahrungen damit gemacht, zumindest einigermaßen Bescheid zu wissen, bevor man einen Auftrag erteilt.

Die Ausgangslage ist folgende: das Haus wird an 3 Seiten außengedämmt, an der 4. Seite ist das wegen Grenzbebauung leider nicht möglich.

Diese 4. Seite ist fensterlos. Eines der Zimmer, mit dieser Seite als Wand, soll das Badezimmer werden. Es liegt im ersten Stock und war bislang Schlafzimmer.

Da ich um eine Innendämmung nicht drumrumkomme, frage ich mich, wie ich das Bad aufbauen soll.

Meine Vorstellung derzeit ist, auf der Innenseite der Innendämmung eine Wandheizung zu installieren, die ich in die Vorwandinstallation für das Waschbecken und Toilette integriere. Damit würde die Wandheizung nicht über die gesamte Wandfläche, sondern nur bis zur Sockelhöhe gehen.

Gibt es Gründe, die dem entgegenstehen? Ich erhoffe mir davon weniger Schimmelgefahr. Die Vorwandinstallation würde natürlich mit Fliesen verkleidet werden.

Alternativ würde ich die ganze Wand mit Wandheizung versehen.

Welche Dämmmaterialien bieten sich hier an? Mit welchen "Schichtstärken" habe ich zu rechnen?

Danke und Gruß,
Micha



Innendämmung



Hallo,

wenn die Grenzbebauung so beschaffen ist, dass auf der anderen Seite der Nachbar angebaut hat, brauchen Sie gar keine Dämmung, weil sich die Häuser nämlich gegenseitig wärmen.
Wenn nichts angebaut ist, dürfen Sie m.W. dämmen, weil einem nicht zugemutet werden kann, darauf zu verzichten. Die Zustimmung des Nachbars ist einklagbar (AG Oberhausen, LG Duisburg, OLG Düsseldorf).
Wenn Sie aber unbedingt innen dämmen wollen, würde ich es mit 5 bis 6 cm Xella-Multipor-Platte versuchen und erst weiter innen die Konstruktion für die Vorwandinstallation anbringen.

Grüße vom Niederrhein





Hallo Herr Beckmann,

danke für die Antwort. Vom Nachbargrundstück gibt es nur eine Garage, die einen Teil der Außenmauer abdeckt. Der überwiegende Teil der Außenmauer ist daher ungedämmt. Eine Dämmung von außen kann ich dennoch nicht anbringen, da das Nachbarrecht in Baden-Württemberg Überbauungen dieser Art verbietet.

Mir wäre es auch lieber, ich könnte zumindest eine dünne Außenisolierung anbringen, aber der Nachbar hat bereits klar gemacht, dass er nicht einverstanden ist.

Wenn das Ganze "nur" eine Aussenwand wäre, dann hätte ich kein Problem mit einer entsprechenden Innendämmung mit Weichholzfaser oder Kalziumsilikat.

Da aber die Vorwandinstallation und die Dusche auch an dieser Wand sind (die Wasserzu- und Abläufe befinden sich dort), bereitet mir das Kopfschmerzen, denn durch die notwendige Abdichtung im Bereich der Dusche und die Verfliesung ist das Ganze zumindest auf Teilen der Wand nicht mehr diffusionsoffen.

Daher die Idee mit der Wandheizung. Ist der Gedankengang prinzipiell richtig?

Danke und Gruß,
Micha





Hallo,

das mit den Teilen der Wand macht nichts. Ihre Abdichtung innen ist unschädlich, eben weil sie innen ist.

Aber ihrem Nachbarn würde ich mal mit einer Entscheidung des BGH vor der Nase wedeln: BGH V ZR 158/07.

Grüße vom Niederrhein





Hallo Herr Beckmann,

danke für die Info. Ich habe auch schon einige Urteile durchgelesen. Mein (zukünftiger) Nachbar wird sich wohl auf dieses hier berufen: http://www.hug-bonn.de/olg_karlsruhe_6_u_12109.html

Was Sie mit dem Teilen der Wand und der unschädlichen Abdichtung innen genau meinen, ist mir leider nicht ganz klar geworden. Bedeutet das, dass die untere Häflte der Wand versiegelt werden kann, solange die obere Hälfte atmet?

Danke und Gruß,
Micha



Innendämmung



Hallo,

ja genau das war die scheinbar widersprüchliche Argumentation unserer Obergerichte. Im einen Fall ging es um die Nachbarwand im anderen um die Grenzwand. Etwas tiefer betrachtet geht es um unterschiedliche Herangehensweisen.

Die untere Hälfte kann versiegelt werden, weil sie eine Art Dampfsperre bildet, Feuchtigkeit kann nicht hinein.
Andererseits wird sie aber warm genug, um nach außen Feuchtigkeit abzugeben.

Grüße





Hallo Herr Beckmann,

abermals danke für die rasche Antwort.

Jetzt muss ich nur noch herausfinden, worin der juristische Unterschied einer Grenz- bzw. Nachbarwand besteht. Z.B. ob man von einer Nachbarwand sprechen kann, weil der Nachbar seine Garage an das Haus dran gebaut hat. Prinzipiell möchte ich keinen Rechtsstreit. Vor allem nicht schon vor dem Einzug. Ich setze auf eine gütliche Einigung, bin aber etwas ratlos, da der zukünftige Nachbar bereits telefonisch "Nein" gesagt hat.

Vielen Dank auch für die Ausführungen zum Badezimmer. Damit habe ich etwas, was ich mit den entsprechenden Fachfirmen diskutieren kann.

Mit Grüßen vom Oberrhein,
Micha





Hallo

die Innendämmung sollte auch an angrenzende Wände in einem angemessenen Abstand herum gezogen werden.
Andererseits werden die Raumecken über die ungedämmten Stirnseiten der Außenwände weiter auskühlen und infolge dessen Kondensatanfällig (grade im Bad)
Was hier in der rechten Ecke (am WC) kein Problem darstellen sollte wird an der Zwischenwand (Bad/ Treppenhaus) und der linken Treppenhauswand wahrscheinlich aus Platzgründen schon schwieriger.
Das gleiche gilt natürlich auch für die Raumböden und Decken, hier muss, so es denn richtig gemacht werden soll die Dämmung durchgezogen werden.

Grüße aus Schönebeck





Hallo Herr Struve,

danke für die Auskunft. Wie sieht so etwas praktisch aus? Habe ich dann kurz nach den Ecken Absätze an der Wand und an den Decken?

Grüße,
Micha





Hallo,

die Decken sollten so möglich in den Bereichen geöffnet, und die Dämmung durch die Geschossdecken gezogen werden.
Bei den Wänden würde sich zwangsläufig ein Absatz ergeben.
Wenn der Platzverlust nicht hzu groß wird kann man den Absatz auch mit günstigeren Baustoffen, z.B. Porenbeton, an dem Rest der Wandfläche ausgleichen.

Grüße aus Schönebeck





Hallo,

danke für die rasche Antwort. Das klingt logisch und ich werde dies mit der Firma diskutieren.

Was mache ich allerdings mit den Balken der Deckenkonstruktion, die leider genau in dieser Wand verankert sind? Drumherum Isolieren lassen?

Ein anderer Architekt, dem ich die geplante Konstruktion mit Innenisolierung, Vorwandinstallation und Wandheizung im Bad geschildert habe, hat mich über Ostern darauf hingewiesen, dass diese Lösung im Sommer bei ausgeschalteter Heizung nicht funktioniert und die Teilverkleidung der Wand mit Fliesen im Bad die ganze Diffusionslösung ohnehin zunichte machen würde. Darüber hinaus könne man Waschbecken und Toilette auch nicht in eine innengedämmt Wand verschrauben, da die Innendämmung das nicht aushält oder aber bei Durchschraubung wieder Kältebrücken entstehen würden.

Das klingt nachvollziehbar, aber irgendeine funktionierende Lösung muss es doch schon geben...?

Grüße,
Micha





Hallo,

das Problem bei Innendämmungen ist weniger die Diffusionsfähigkeit als viel mehr die kapillare Leitfähigkeit der Wand.
Wenn der Dämmstoff einschließlich Wand und deren Verbindung untereinander kapillaraktiv ist kann Feuchtigkeit über die Kapillaren durch das Mauerwerk transportiert werden.
Die Wärmebrücken von zwei Schrauben für das Waschbecken können Sie getrost vernachlässigen.
Das Hauptproblem von Innendämmungen, den Kondensatausfall, verhindern Sie bereits über das anheben der Oberflächentemperatur der Wand durch Dämmung und Heizung.

Grüße aus Schönebeck





Hallo,

danke auch für diese Information. Das bedeutet also, wenn ich das richtig verstanden habe, dass insbesondere auf die Verbindung zwischen Wand und Innendämmung geachtet werden muss. Etwa durch eine flächige Klebung mit einem entsprechenden Kleber, der eine kapillare Leitfähigkeit sicherstellt.

Wie stelle ich den Übergang zwischen Isolierung und Vorwandinstallation am besten her?

Das mit den 2 Schrauben hatte ich mir auch so gedacht, wurde dann aber darauf hingewiesen, dass es im Bereich der Aussendämmung spezielle Elemente (Montageplatten etc.) gibt, die sicherstellen, dass nicht einmal eine dünne Schraube durch die Aussenisolation ins Mauerwerk dringt, da dies unweigerlich zu einer Kältebrücke führen würde. Der Architekt hat mir entsprechende Montage-Produkte von Brillux auf einer Homepage vorgeführt.

Ich lerne mit jeder Antwort wieder etwas dazu - leider kommen dadurch aber auch immer wieder neue Fragen.

Grüße,
Micha





Hallo,

Die Verbindung: Dämmung/ Wand muss kraftschlüssig, also ohne Hohlraum sein.

Wie die Wand hinter der verfliesten Vorwandmontage aussieht ist relativ egal.
Wie oben schon geschrieben wurde ist der Fliesenbelag relativ Diffusionsdicht, Wasserdampf kommt also nur im zu vernachlässigendem Maße hinter diese Konstruktion.

Grüße aus Schönebeck



Installateur durchbohrt Innendämmung



Hallo,

nachdem an der Außenwand eine 8 cm STO Perlite Innendämmung angebracht wurde (Plattenware), sollte darauf die Wandheizung montiert werden. Ich habe die Installationsfirma darauf hingewiesen, dass die Innendämmung nicht durchbohrt werden soll, sondern die für die Wandheizung notwendigen Halter für die Heizschlangen (Wasser) auf die Platten geklebt werden müssen bzw. mit Injektionsdübeln, die nicht sonderlich tief gehen, verankert werden muss.

Nachdem mir nun Nachbarn berichtet haben, dass der Monteur immer wieder auf die Straße gelaufen ist, um zu sehen, ob er die Außenmauer schon durchbohrt hat, schwante mir Übles. In der Tat hat der Mann die Innenisolierung mit einer Anzahl von teilweise 24cm tiefen Löchern durchbohrt, d.h. vom Regen auf der Außenwand trennt nur noch eine 8cm dicke alte Ziegelwand.

Mein Architekt sagt "runterreißen, Bohrlöcher sorgfältig mit Mörtel zufüllen, um Kapillarwirkung zu vermeiden und dann die Innenisolierung neu aufbringen." Der Gipser und logischerweise der Heizungsinstallateur schlagen lediglich das Zuschäumen mit PU vor und ein paar Perlite-Stückchen in die Löcher zu stopfen.

Reicht das wirklich aus? Ich habe Bedenken, dass ich dann doch Wärmebrücken habe und mir zudem das Wasser reinwandert und ich in ein paar Monaten dann Schimmel habe. Dann werden Gipser und Installateur sich gegenseitig die Schuld zuschieben...

Ich bitte um Meinungen...

Danke und Gruß,
Micha





Da hätte vorher nach einer Detaillösung, entweder seitens des Dämmplattenhersteller oder seitens des Heizungshersteller gefragt werden müssen.

Fakt ist:
Innendämmungen dürfen nicht durchbohrt werden, eine Wandheizung muss aber auch fest sein.

Ich sehe hier weniger das Problem der Kapillareinwirkung von außen, als viel mehr die Gefahr der Kondensatbildung an den Wärmebrücken in Form der Schrauben die im kalten Außenbauteil stecken.

Ob das eine nennenswerte Rolle spielen wird oder “nur” einen teilweise sichtbaren Mangel zur Folge hat ist schwer zu sagen.


Grüße aus Schönebeck





Hallo,

nur keine Aufregung um ihrer selbst willen: wie soll sich denn an einer beheizten Wandkonstruktion Kondensat bilden ?
Das geht nicht.
Die paar Dübel, selbst wenn sie sofort gierig Kondensat ansaugen würden, leisten derart wenig an Kältebrücke, dass das Wenige sofort wieder rausdiffundiert / geheizt wird.
Fazit: Man soll keine Löcher bohren, aber zugestopfte Bohrungen mit Dübel drin dürfen sein. Es gibt auch welche aus plastik.

Grüße vom Niederrhein





Hallo,

danke für die Einschätzungen.

Nun ja, die Wandkonstruktion ist nicht immer beheizt und es handelt sich um ein Badezimmer, wo die Feuchtigkeit ohnehin erhöht ist.

Ich möchte einfach nicht in einiger Zeit davor stehen und mich ärgern, dass ich heute nicht das Richtige getan habe, bzw. die Firma dazu angehalten habe, ihren Fehler ordnungsgemäß zu beseitigen.

Grüße,
Micha