Dämmung und Fassadengestaltung eines Altbaus.

03.08.2005



Hallo zusammen,

während der letzten Wochen habe ich dieses Forum sehr intensiv lesend kennengelernt. Derzeit stehen wir mitten in der Planung für die umfassende Renovierung/Sanierung eines Altbaus von 1960, der ganz konventionell mit 26-KS Steinen gemauert wurde. Leider kein Fachwerkhaus, aber ich hoffe ich darf trotzdem die ein oder andere Frage stellen ;-)

In erster Linie geht es derzeit um die Dämmung, wobei ich jetzt keine Grundsatzdiskussion, ob Dämmung oder nicht, aufwerfen möchte, sondern grundsätzlich vonden Vorteilen einer vernünftigen Dämmung überzeugt bin. Man trifft speziell in diesen Gebieten ja auf sehr extreme und konträre Meinungen, die Wahrheit dürfte wie immer irgendwo dazwischenliegen.

Da wir über 4 Jahre in Norwegen gewohnt haben, mag ich das Aussehen der typisch norwegischen Holzhäuser in ihren bunten Farben. Deswegen schwebt mir derzeit vor, eine hinterbelüftete Vorhangfassade anzubringen. Derzeit ist ein alter Rauputz aufgebracht, der seinen letzten Anstrich schon einige Zeit hinter sich hat. Kann die Lattung jetzt direkt auf den Rauhputz geschraubt werden? Welches Holz nimmt man dafür am besten? Derzeit tendiere ich zu ganz normalen kesseldruckimprägnierten Latten, zwischen denen die Dämmung angebracht wird. Bei der Dämmung würde ich aktuell ganz einfache Steinwolle-Kerndämmplatten z.B. von Heralan. Gibt es dort Nachteile, die ich beachten sollte, oder eignen sich andere Dämmstoffe für diesen Zweck besser?

Welche Folie eignet sich am besten als Feuchtigkeitsschutz?

Die Aussenfassade soll wie bereits erwähnt mit Holz verschalt werden. Da ich dieses in rot/weiss oder blau/weiss Streichen will, dürfte auch hier Kiefer/Fichte ausreichend sein, oder ratet ihr mir eher zu etwas anderem? Als Fassadenfarbe tendiere ich derzeit zur Landhausfarbe von Osmo, die ja einen sehr guten Ruf hat, auch wenn sie etwas teurer ist. Gibt es bei dieser Farbe evtl. schon Erfahrungen, in welchen Abständen der Anstrich zu erneuern ist?

Der Keller des Hauses liegt relativ hoch, sprich, oberhalb des Erdbodens kommt noch fast 1 Meter, der zum Keller gehört, erst dann beginnt die Fassade. Dieser Bereich ist derzeit verklinkert, und würde ja jetzt nach der Dämmung etwa 20cm weiter hinten liegen, als der Rest der Fassade. Wie weit sollte man die Dämmung nach unten ziehen, respektive wie kann man diesen unteren Bereich am besten verkleiden und wie schütze ich die Dämmung von unten?

Viele Fragen und es kommen noch mehr *g*

Ich möchte mich schon mal im Voraus für die Bemühungen bedanken und hoffe auf viele hilfreiche Ratschläge.



Gerade zurück



von einem Urlaub in Norwegen hier ein paar Stichworte:
- Die Lattung kann direkt auf dem Putz geschraubt werden, wenn er keine großen Fehlstellen aufweist.
- Als Holz empfehle ich Konstruktionsvollholz. Dieses ist getrocknet und benötigt an dieser Stelle keinen chemischen Holzschutz.
- Als Dämmung empfehle ich Naturdämmstoffe (Hanf, Holzweichfaser, Zellulose,...)
- An Stelle der Folie verwende ich latexvergütete Holzweichfaserplatten 22 mm stark. diese können auf die Dämmstärke angerechnet werden.
- Als Verschalung empfehle ich Lärchenholz
- Für die Lasur Farben von Naturfarbenherstellern (Livos, Auro, Leinos, Biofa,...), vermutlich noch etwas teurer, aber Umweltfreundlich mit Volldeklaration der Inhaltsstoffe.
- Die Schalung sollte einen Abstand vom Boden von ca. 30-35 cm einhalten.
- Aufdicken der Kellerwand? Hier muss ich erst noch einmal nachdenken. Ich könnte mir Perimeterdämmplatten mit Putz vorstellen?
- Unten steht die Dämmung auf einem waagerechten Holz, Die Hinterlüftung wird mit einem Insektenschutzgitter geschlossen.

Bitte beachten, dass bei einer solchen Massnahme die Vorgaben der EnEv eingehalten werden müssen.



Unglaublich



kaum die Frage gestellt und schon eine tolle Antwort erhalten. Das bestätigt doch mein gutes Bild von diesem Forum und seinen Teilnehmern *g*

Also, der Putz zeigt eigentlich keinerlei Fehlstellen, ist nur ziemlich dreckig. Keine Ahnung, wann der das letzte Mal Farbe gesehen hat ;-)

Über Holzfaserplatten, z.B. Pavatex hatte ich auch schon nachgedacht. Wo gibt es denn latexvergütete Platten?

Lärchenholz war auch meine erste Wahl, weil es einen hohen Eigenschutz bietet. Da ich persönlich aber nicht viel von der vergrauten Optik halte, sollte die Fassade auf jeden Fall gestrichen werden. Derzeit schwanke ich noch zwischen einer Lasur in einem dunkleren Holzton, oder halt einen farbigen Anstrich, der dann aber wohl decken ausgeführt würde, da ich farbige Lasuren optisch nicht sehr schön finde. Was mir bei Lärche aber Gedanken macht ist der hohe Harzgehalt. Lässt sich das überhaupt vernünftig streichen, speziell Lasuren müssen ja ins Holz einziehen.

Was die EnEV angeht werden wir die wahrscheinlich sowieso einhalten müssen, denn es muss doch einiges an dem Haus in Ordnung gebracht werden. Alle Fenster müssen neu, Dachstuhl muss teils erneuert werden usw.

Was mich als Laien jetzt aber mal grundsätzlich etwas irritiert ist folgendes. Für die Aussenwanddämmung nehme ich ja nun bevorzugt schlecht wärmeleitendes Material, um die Wärme im Haus zu halten (Bitte nicht schlagen, ich habs gerne einfach *g*). Doch wird ja sowohl die Lattung als auch, zumindest soweit ich das verstanden habe, die Dämmplatten an der Wand verschraubt. Schaffe ich mir hier nicht durch die Schrauben jede Menge kleiner Wärmebrücken?



Zuviel des Lobes, aber es



war ja doch noch das grinsen zu erkennen!
- Die Latexvergüteten Platten gibt's natürlich auch von Pavatex. Diese heißen dann Pavatex Isolair L. Natürlich gibt es auch noch ein paar andere Hersteller, die auch nicht schlechter sind.
- Soweit ich informiert bin lassen sich natürlich auch Lärchenbretter streichen. Wir haben aber auch Anstreicher in diesem Forum. Vielleicht einmal direkt ansprechen.
- Klar einhalten muss die EnEV natürlich jeder, aber es gibt unterschiedliche Verfahrensweisen. Werden einzelne Bauteile berechnet liegen die U-Werte die eingehalten werden müssen verhältnismäßig niedrig. Läßt man für das Gebäude insgesamt einen Nachweis führen, kann z.B. eine gute Heizungstechnik einiges an Dämmung einsparen. Und dann gibt's ja vielleicht noch ein paar Fördereuros.

Quintessens, es ist immer günstiger ein Gesamtkonzept zu erstellen und zu bewerten.

Ja ja, die kleinen Wärmebrücken :-))
Hier kann ich sie beruhigen, diese werden noch nicht einmal in einem Passivhaus berücksichtigt, da diese Problematik sehr gering ist.