Dämmung bei Lehmwänden?

23.02.2006



Hallo liebe Experten,
ich renoviere gerade unser altes Haus (im oberen Stockwerk ist Fachwerk mit Lehmwänden). Nach dem Entfernen der ganzen Tapeten habe ich nun festgestellt, daß die Außenwände ziemlich kalt sind und ich bin auch der Meinung, daß es dort zieht. Ich wollte die Wände mit Holz verkleiden und habe bereits Dachlatten angebracht. Nun zu der großen Frage: Kann ich bei Innen- und Außenwänden eine Dämmung zwischen die Lattung anbringen (Glaswolle?) oder kann dann die Wand nicht mehr "atmen"?
Über Antworten würde ich Mich sehr freuen!



mmpfh.



Hallo Michael,
hier läuft mal so einiges durcheinander.
Wände können nicht "atmen", sonst könnten sie auch husten. Was sie da vermutlich meinen ist eher die Diffusionsfähigkeit, also den möglichen Abtransport von Luftfeuchte durch Baustoffe.
Glaswolle ist nicht der Weisheit letzter Schluß, hier gibt es Dämmstoffe die ökologisch sinnvoller sind und in ihren physikalischen Eigenschaften auch manchmal mehr Punkte machen können. Der höhere Preis kann über die gegebenen Förderprogramme fast wieder wett gemacht werden.
Innendämmungen von Außenwänden sind möglich, aber bauphysikalisch häufig problematisch. Hier müßte man mehr über den Wandaufbau wissen und selbst dann wird eine Antwort vage bleiben. Besser ein Bauphysiker errechnet über den Schichtenaufbau und die letztendlich gewählten Materialien den Nutzwert der Konstruktion nach.
Innendämmung auf Innenwänden bringt wärmetechnisch gar nix, sie nimmt allenfalls den akustischen Trommeleffekt weg.
Wie sieht der Wandaufbau der Außenwand aus? Wie ist der Zustand? Wo zieht es besonders? Vielleicht sind ja irgendwo doch noch Fugen oder Ritzen, auch eine dünne Wand muß nicht ziehen?
Grüße aus Leipzig
Martin Malangeri



Innendämmung



Hallo Michael,
Eine Innendämmung mit Glaswolle in einem Fachwerkhaus ist so zimlich das schlechteste, was du deinem Haus antun kannst. Diese hat eben nicht die besagte Diffusionsfähigkeit geschweige denn kappilare Leitfähigkeit. Ist die Glaswolle einmal feucht (durch Schlagregen und Kondensat)bleibt sie das auch, die Feuchtigkeit staut sich in der Glaswolle, fängt an zu gammeln und greift durch die Feuchte dann die Fachwerkhölzer an... Ebensowenig funktionieren Dampfbremsen im Fachwerkhaus.
Fachwerkverträgliche Innendämmungen sind z.B.:
-Leichtlehmvorsatzschalen
-Vormauerungen mit Leichtlehmsteinen
-Holzweichfaserplatten im Lehmbett
alle drei Homogen mit der Wand verbunden und kappilar Leitfähig.In jedem Fall sollte die Dämmung den Gegebenheiten und der Wetterbelastung vor Ort angepasst sein.
Hier im Forum findest Du sicher noch einige Infos dazu.
Kannst dich auch gerne einmal bei mir melden um das Thema genauer zu erörtern. Kontaktdaten im Profil.
Viele Grüße vom Edersee
Mathias