Dämmung Fußboden in Holzhaus mit Kriechkeller (feuchtes Grundstück)

25.03.2014 lilliko



Hallo, ich entschuldige mich schon mal vorab, dass ich so weit aushole. Da ich nicht so recht weiß, welche Informationen für meine Fragen wichtig sind, erzähle ich lieber etwas ausführlicher. Danke schon mal an alle Erfahrenen und Experten für Eure Hilfe!

Also: Ich habe ein Holzferienhaus gekauft, Blockbohlen 7cm, 60qm Bj. 1974. Unter dem Haus ist ein Kriechkeller ca. 50cm. Das Haus steht auf Punktfundamenten. Der Kriechkeller ist eigentlich nur ein großes Erdloch – keine Steinwände o.ä. – meine Kriechkellerwände sind einfach aus Erde. Seitlich am Haus sind unterhalb der untersten Balken in bestimmten Abständen Lüftungsgitter.

Die Dämmung im Fußboden ist lt. Baubeschreibung in einem Teil des Hauses Glaswolle im anderen Steinwolle – Höhe des Platzes für Dämmung = 7cm. Im Flur gibt es eine Fußbodenlucke, darunter Wasserabsperrhähne. Öffnet man die Lucke kann man einen Blick auf die Fußbodendämmung werfen – da wo sie vorhanden ist, ist sie ziemlich zusammengefallen, teilweise ist aber auch gar keine Dämmung mehr da, ich kann also bei geöffneter Lucke direkt das Erdreich sehen.

Da ich auch noch ein Geruchsproblem im Haus habe (Chloranisole - Raumluftanalyse liegt vor), habe ich nochmal an anderer Stelle die Dielen hoch genommen – dort ist die Dämmwolle weniger zusammen gefallen – müffelt aber erheblich. Habe mich deshalb und wegen der alten/fehlenden Dämmung entschlossen, den Fußboden neu zu machen (Dämmung+Dielen).

Nochwas zum Grundstück – wegen der Feuchtigkeit: Ich habe das Haus jetzt seit Dez 2014 und die Umgebung ist sehr feucht – wurde mir auch von den Nachbarn bestätigt, liegt wohl eine Lehmschicht drunter, meine Wiese ist, nachdem es nun wochenlang nicht geregnet hat, immer noch vollgesogen mit Wasser! Das Ferienhausgebiet liegt in einem leichten Gefälle, oberhalb sind Felder und das Wasser aus den Feldern läuft bei Regen über das Ferienhausgebiet hangabwärts.

Und jetzt meine Fragen:
1.) welcher Dämmstoff ist für den Holzboden geeignet – ich dachte an Schurwolle, weil die bei Feuchtigkeit die Dämmwirkung nicht verliert und außerdem gesagt wird, dass sie in der Lage ist, Gerüche aufzunehmen. Jetzt hat mich jemand verunsichert, der meinte ich soll lieber was mineralisches nehmen, wo sich Mäuse und anderes Getier nicht wohlfühlen. Was meint ihr?

2.) Soll ich versuchen, die Dicke der Dämmung zu erhöhen, also z.B. raumseitig nochmal 3cm Latten drauf und noch eine Lage Dämmwolle quer? Andere Variante wäre, Dämmplatten von unten gegen den Fußboden anbringen – aber welcher arme Mensch sollte das montieren und ich weiß garnicht, ob das so schlau wäre?

3.) Der Kriechkeller: erste Idee war „Auffüllen mit Schaumglasschotter“ – aber ich bin unsicher, ob ich damit die benötigte Luftzirkulation unter der Hütte störe und ein Feuchtigkeitsproblem an den Holzbalken bekomme – hat jemand Erfahrungen damit? Und außerdem habe ich gesehen, dass eines der Punktfundamente schief ist, die Nachbarn haben mir dann bestätigt, dass der Lehmboden sich schon mal „bewegen“ und die Fundamente absacken können – wenn ich nun Schotter auffülle und dieser evtl. absacken würde, ensteht ja wieder eine freie Luftschicht unter dem Holzboden, dann wäre doch eh alles umsonst, oder?

Habe in Fachartikeln zum Thema „Kriechkeller unter Holzboden“ noch die Empfehlung gefunden, zur Verminderung der Feuchtigkeitsabgabe aus der Erde die Erde komplett mit einer Folie (sd>100) abzudecken. In den Beispielen wurde die Folie nur auf den Boden gelegt, da dort die Wände jeweils aus Streifenfundament waren. Da bei mir ja seitlich auch Erde ist: müsste ich dann auch die Wände des Kriechkellers mit Folie abdeckten – sonst bringt das Ganze doch nichts, oder? Ensteht dann nicht so eine Art „Wanne“ und ist das nicht gefährlich, da ja dann unter dem Haus ein Teich entsteht, der ja nicht abfließen kann? Fragen über Fragen…

Bin für jede Hilfe dankbar!
Cordula



PCP



Moin Cordula,

Chloranisole sind z.B. Abbauprodukte von PCP und werden als nicht gesundheitsgefährdent eingestuft. PCP schon. Dieses wird in der Raumluft seltener nachgewiesen aber bei Schadstoffanalysen von Baumaterialien. Die 70er Jahre lassen grüßen. Chloranisol-Sanierungen liegen oft im höreren fünfstelligen Bereich und belaufen sich auf die Reduzierung von Geruchbelästigungen. Gewährleitungen dafür können nicht dauerhaft vergeben werden. PCP-Sanierungen bedeuten bei belasteten Häusern der 70er...das wills du gar nicht mehr wissen.
Also ich persönlich würde in so einer Bude nicht eine Nacht verbringen. Also Lüfte ordenlich durch und Verkauf die Hütte wieder.
Wenn du unbedingt deinen Boden bearbeiten willst, dann beachte das auch die Mineralwollen der 70er als Schadstoffe (krebserregende Stäube) eingestuft werden und von zertifizierten Spezialunternehmen saniert werden sollten.

leicht lächelnder Gruß von
Emzet



PCP und Konsorten



Hallo Emzet,

danke für die Warnungen.

Schadstoffanalyse auf PCP, TeCP, Lindan usw. machen lassen - ergab nur noch geringe Belastung. Wenn man sich die Halbwertzeit und den Zeitraum seit Einbau anschaut, passt das auch. Also: Lüften notwendig, aber Abreißen nicht.

Dass auch die Mineralwolle aus den 70er Jahren als Schadstoffe betrachtet werden, war mir neu. Da werde ich mich mal weiter schlau machen, Danke.

Hoffe, es kann mir noch jemand Tipps zum Fußbodenaufbau geben... ?

Viele Grüße, Cordula



Bodenaufbau



Nun gut ich sehe das du hart im nehmen bist...verkaufs...zum Bodenaufbau:
Scheinbar besteht der Boden aus einer unterlüfteten Holzbalkendecke mit Dämmebene vielleicht zwischen den Balken? Wird hier nicht ganz klar. Wenn ich gezwungen würde so ein Haus zu bewohnen würde ich für den Fußbodenaufbau einen Lehmestrich mit hydrophoben Perlitezuschlag wählen. Der dämmt besser als die zusammgefallene und lückenhafte Mineralwolle aber schlechter als neu eingebrachte Turbodämmung. Vorteil ist, das das Material über lange Zeit Gerüche und Schadstoffe absorbieren kann. Je nach Bodenkonstruktion kann soetwas als Fehlboden zwischen Balken oder obendrauf eingebracht werden.
Die Unterlüftung des Bodens würde ich beibehalten. Gerade bei sehr feuchten Untergrund hat sich das bewährt und im Hinblick auf eine Holzkonstruktion können Feuchtigkeitsproblematiken die aus Veränderungen der baulichen Randbedingungen resultieren üble Bauschäden nach sich ziehen.
Wegen der Gewichtszunahme sollte man aber einen Statiker hinzuziehen.

Gruß Emzet