Hinterlüftungsebene mit Profilholz?

07.01.2011



Hallo zusammen,

Ich lese hier schon seit Jahren mit, und habe jetzt auch mal eine Frage.

In meinem Haus BJ 1930 ist auf einer zölligen Dachschalung leider unter der Konterlattung Dachpappe. Was heißt leider, bis jetzt hat der Aufbau sehr gut funktioniert, der Dachstuhl ist in einem geradezu unglaublich gutem Zustand. Keinerlei Schäden, nichtmal Wasserflecken konnte ich bis jetzt entdecken.

Jetzt will ich das Dachgeschoß dämmen. Preislich und vom Gewicht kommt Zwischensparrendämmung mit Mineralwolle in Betracht, natürlich ohne die Sparren zu riskieren.
Mein angedachter Aufbau wäre: GK,OSB,Lattung,Dampfbremse,180er MiWo, 9,5er Profilholz,60er Hinterlüftung, Schalung, Pappe, Konterlattung, Lattung, Biber.

Die Luft soll durch Öffnungen in der Giebelwand durch den Kniestock in den offenen Spitzboden ziehen.

Ich traue aber den Folien nicht besonders, in den Nachbarschaft gab es schon fürchterliche Marderschäden an Unterspannbahnen.

Meine Frage ist jetzt, funktioniert das, oder ist eine Profilholzfläche zu dicht? Ich habe vor, mir den dünnsten, astigsten, rissigsten und schmälsten Shice zu kaufen, dens für Geld gibt. Eventuell auch 1-2cm Luft zwischen den Brettern zu lassen.
Wenn die Dampfbremse irgendwann den Geist aufgibt, soll die OSB-Ebene sperren, welche deswegen auch ohne Durchbrüche und verklebt ausgeführt wird.

Bitte keine Grundsatzdiskusion MiWo ja/nein, ich hab als Schreiner beim Dachfensteraustausch schon beides gesehen: Völlig vergammelte, und blütenreine, staubtrockene Dämmung. Hängt scheinbar nur vom Einbau ab ...

Viele Grüße:

Andreas



Moin Andreas,



ich habe von innen nur 12mm OSB verleimt direkt auf die Sparren (Zwischensparrendämmung mit Cellulose, aussen 16mm DWD-Platte,Lattung, Konterlattung,Tonziegel)....wozu da noch Folie?

Willst du den Dachboden später noch ausbauen?

Wann sind die Ziegel fällig?

Gruss, Boris





Der Aufbau ist soweit in Ordnung,
wobei es sich über den zusätzlichen Einbau einer Dampfbremse streiten lässt. ME entweder oder.

Da sommerlicher Hitzeschutz immer wichtger wird würde ich die Verwendung einer Lehm-Hobelspan-Dämmung in Betracht ziehen.
Diese bietet eine sehr gute Wärmespeicherfähigkeit und somit entsteht unterm Dach kein Hitzestau im Sommer und im Winter angenehm temperierte Räume.

Grüsse Thomas



Auf



jeden Fall brauchts zwischen der alten Dachschalung mit Pappe und der Dämmebene eine Belüftung, denn die Dachpappe ist dicht und lässt anfallende Feuchtigkeit nicht weg.
Mineralwolle braucht eine Dampfsperre, und die lässt sich im Altbau kaum realisieren. Deshalb würde ich hier Holzweichfaser- oder Hanfdämmung empfehlen. Ein diffusionsoffenes System ist wesentlich einfacher zu installieren und puffert auch mal Fehler weg. Auf der Innenseite kann man dann so ziemlich alles einsetzen.
MfG
dasMaurer



Hobberla!



Das ging ja richtig fix, danke dafür!

@boris: Ja, genau deswegen will ich dämmen. Die Folie deshalb, weil sie praktisch nichts kostet, nichts wiegt, und nochmal einen gewaltigen Dampfwiderstand hat. Das Raumklima sollten die beiden lehmverputzten anderen Wände ausreichend regulieren.

@thomas: Interessenter Ansatz, aber bekomme ich da auch die Dämmwirkung hin? Wie sieht das preislich aus? Wegen dem Hitzeschutz mache ich mir weniger Gedanken, das Dach wird teilweise verschattet, außerdem dürfte sich bei dem Hinterlüftungsquerschnitt ein beachtlicher Kamineffekt einstellen, der immer neue kühle Außenluft nachzieht.
Kann die zusätzliche Dampfbremse negative Folgen haben? Ich bin halt großer Fan von redundanten Systemen..

@dasmaurer: sicher DampfSPERRE? Das heißt Mineralwolle nur mit Alufolie? Das habe ich jetzt noch nirgends gelesen!

Gruß Andreas





Richtig, das hieße nur mit unverletzter Alufolie (µ 1.500) raumseits geschlossen.

Dämmebenen sollten hinterlüftet werden um ggf. eingetretene Feuchtigkeit wieder abführen zu können. Wenn nun raumseits keine tatsächliche Dichtungsebene vorliegt (und die meisten Produkte sind eben Bremsen und keine Sperren) kann Feuchtigkeit aus der Raumluft in die Dämmebene eintreten. Um diese wieder abführen zu können wird die Hinterlüftungsebene benötigt. Im Winter wird allerdings auch kalte Luft in die Hinterlüftungsebene eingebracht und somit der außenliegende Bereich der Dämmlage abgekühlt. Genau hier wird irgendwo der Taupunkt liegen, in dem die Feuchtigkeit aus der Raumluft ausfallen wird.
Da Mineralwolle kapillar nicht aktiv ist kann die Feuchtigkeit nicht an die äußere Lage, an der die trockenere Luft vorbeizieht, befördert werden und verbleibt – nestbildend – in der Dämmung. Die Feuchtigkeit kann den Dämmbereich erst wieder in der Dampfphase verlassen, also vorraussichtlich im Sommer. Nur trockene Dämmung dämmt.

Die OSB-Platten haben herstellerabhängig eine Wasserdampfdiffusionswiderstandszahl zwischen 50 µ und 400 µ. Das bedeutet: nach Deiner Konstruktion muss der Widerstand denn Deine Folie bringen muss darüber liegen, sonst kannst Du diese weglassen.

Ein Aufbau in dieser Art ist komplex und fehleranfällig, ich tendiere zu den von Herrn Warnecke und Herrn Kehle empfohlenen diffusionsoffenen Aufbauten.

Gruß aus Wiesbaden,
Christoph Kornmayer





Hallo Andreas,

bei der Dämmstärke kommt es daruf an, ob Du eine Massnahme mit oder ohne KFW realisieren willst.

was die OSB und die Dampfbremse anbelangt, tendiere ich deshalb zur Dampfbrbemse, weil diese einfacher anzubringen ist. Hier bin ich der Meinung, das du nur eines von beidem machen solltest, denn beides bringt keinen vorteil eher einen bauphysikalischen Nachteil.

Was den sommerlichen hitzeschutz anbelangt, ist folgendes noch zu sagen, da mit der Lehm-Hobelspan-Dämmung Masse eingebaut wird, kommt diese dir im Winter auch wieder zu gute, mehr Masse heisst dass die Wärme geht langsamer verloren.

Grüsse Thomas