Hanf oder Schafswolledämmung

17.06.2012



Hallo,

ich möchte einen Deckeninnendämmung anbringen.


Zum Objekt:

Die Wohnung ist eine Souterrain Wohnung und hat nur eine Seite offen zur Umgebungsluft. Die Luftfeuchte innerhalb der Wohnung ist relativ hoch. Zurzeit ca. 65% was ich darauf zurückführe, dass die meiste Wandfläche im Erdreich ist und nur die Vorderfront Feuchte nach Außen abgeben kann. Die erdwandseitigen Flächen bringen meiner Meinung nach ehr noch zusätzliche Feuchte in den Raum da das Gebäude Bj 1974 ist und ich eine gewisse Durchlässigkeit in der äußeren Feuchtesperrung vermutet.

Zusätzlich kommt hinzu, dass die Decke de Wohnung aus Beton ist und sich über der Wohnung drei Garagen befinden. Somit ist wohl auch von der Decke kein essentiellen Beitrag zur Feuchteregulierung zu erwarten. Da es sich um eine Betondecke handelt ist auch die Wärmedämmung in einem völligen unakzeptablen Bereich. Dies möchte ich nun ändern.

Mein Plan nach langen hin und her überlegen ist nun die Decke von Innen zu Dämmen. Die Dämmung der Nutzseite der Garagendecke erscheint mir mit mehr Nachteilen verbunden als die Dämmung von Innen.

Die Unterkonstruktion der Deckeninnendämmung soll mit C-Profilen 60/27 erfolgen. Die Verschalung mit Rigips Feuchtraumplatten 12,5 mm.

Um in den Raum ein Feuchteregulativ einzubringen möchte ich auf eine Dampfsperre zu Dämmung hin verzichten und einen entsprechenden Dämmstoff einlegen.

In meiner engeren Auswahl stehen entweder Hanf oder Schafswolle. In der Dicke bin ich flexibel. Hatte so an 120 bis 160 mm gedacht.

Da ich mit beiden Baustoffen noch nicht gearbeitet haben wäre ich um Meinungen/Erfahrungen zu der Baustoffeignung für die beschrieben Situation dankbar.


Viele Grüße aus der Pfalz


Oliver



Oliver



"Decke de Wohnung aus Beton", "Um in den Raum ein Feuchteregulativ einzubringen möchte ich auf eine Dampfsperre zu Dämmung hin verzichten und einen entsprechenden Dämmstoff einlegen."


Geht so nicht. Die Feuchte der Wohung zieht in die Konstruktion ein und kondensiert am Beton. Bauschäden sind garantiert. Ich gebe der Konstruktion einen Winter, dann ist Schafwolle oder Hanf so vollgesogen, daß Dir alles zu Boden klatscht.

Selbst mit einer Dampfsperre wirds noch hakelig sein, da die kleinste Udichtigkeit kapitale Schäden verursachen wird.
Beton hat keinen Feuchteausgleich, kleine Feuchteeinträge konnen nicht diffundieren.


Warum kannst Du nicht den Garagenboden dämmen?


Andreas





Hallo Oliver,

erstmal ... Innendämmungen ohne Dampfbremse/-sperre sind physikalische Grenzen in Bezug auf die Dämmstärke gesetzt. mehr als 40mm sollten nicht ohne genaue Feuchteberechnung installiert werden.

Um Deine Frage aber überhaupt annähernd beantworten zu können, wären noch eine Vielzahl von Informationen nötig, die am Besten vor Ort zu klären sind. Z.B.

- Garagen beheizt/unbeheizt?
- genauer Deckenaufbau?
- Anzeichen für feuchte Wände?
- Beschreibung Lüftungssituation (Lüftungsverhalten,
Fenster)
- Hast Du /Ihr viele Grünpflanzen
- Trocknet Ihr Wäsche im Inneren

... und so weiter und so fort...

65% sind je nach Außenklima erstmal nicht sooo ungewöhnlich.
Trenn Dich von der Vorstellung, daß Wände atmen und selbständig den kompletten Feuchtehaushalt eines Gebäudes regeln. Allgemein geht der geringste Teil der Raumluftfeuchte in Form von Dampf durch die Wand. Der überwiegend größere Teil wird und muß über richtiges Lüften abgeführt werden. Vor Einführung von Niedrigenergiestandards, haben hierzu auch vorhandene Undichtigkeiten durch alle möglichen Ritzen und Fugen beigetragen. In modernen Bauten hat man sich dieses nicht zu unterschätzenden Luftaustauschs mit der Außenluft heut meist zugunsten der Energierechnung entledigt. Um so wichtiger werden Pufferflächen für überschüddige Raumfeuchte, was Du ja richtig erkannt hast.

Allerdings verhält es sich so, daß bei falscher Wandbekleidung (Tapeten, Kunststoffvergütete Putze, Dispersionsfarben) auch eine sorbtionsfähige Dämmung nicht wirklich einen Beitrag liefern kann. Wichtig für die Feuchtepufferung sind vor allem die Oberflächen, bis zu einer Tiefe von vielleicht 1cm. Wenn hier kein Feuchteaustausch z.B. über einen offenporigen Putz mit kapilarer Leitfähigkeit für entstehende Taupunktfeuchte vorhanden ist, bekommst Du die zu puffernde Feuchte nicht wirklich in Deinen angedachten Dämmstoffpuffer.
Abgesehen davon wäre es m.E. prinzipiell falsch den Dämmstoff geziehlt als Feuchtepuffer zu mißbrauchen, da er hierdurch zum Einen Dämmfähigkeit verleirt, zum Anderen der Puffer zur Abfederung von in der Dämmebene evl. anfallenden Taufeuchte vermindert (erhöhte Schadensanfälligkeit des Dämmaufbaus). Anders sähe es natürlich aus, wenn Du mit besagtem Dämmstoff einen zusätzlichen Puffer ohne Augenmerk auf die Dämmwirkung schaffen willst. Diese Pufferflächen würde ich dann allerdings so nicht an Außenbauteilen schaffen.

Gruß aus Berlin





@Andreas:
Welchen Aufbau würdest Du den bevorzugen damit die möglichen baulichen Schäden klein bleiben? Die Garagenbodendämmung müsste druckfest hinsichtlich den Lasten der parkenden PKWs ausgeführt werden. Ich hatte da an 60mm 5000er XPS mit 50mm Steinplatten belegt gedacht. Dazu müssten noch Einfahrrampen auf die Aufbauhöhe gefertigt werden. Die Rampen kosten schon was an Kohle und außerdem verliere ich 11 cm Garagenhöhe was die Gehhöhe auf 1,90 einschränkt. Könnte man im Grunde machen aber die Innendämmlösung erscheint mir noch praktikabler.

@Stephan:
Wir würdest Du denn die Pufferfläche an die Außenteile bringen?





Hallo Oliver,

erstmal würde ich prinzipiel das Thema Dämmung vom Thema Feuchtepuffer trennen. Bezüglich Dämmung wäre zu prüfen, ob diese erforderlich ist.

Feuchtepuffer kannst Du am Besten mit einem min. 2cm Verputz aus Kalk/Lehm + Kalk-/Lehmanstrich schaffen. Alles andere (Tapeten, Dispersionsfarben) setzt die Pufferwirkung entscheidend herab.

Weitere Pufferflächen lassen sich mit unversiegelten (nur Ölen oder unbehandelt) Echtholzflächen (Möbel, Verkleidungen) schaffen. Wenn Du vor hast an Innenwände Hand anzulegen, gibt es zu Trockenaufbauten aus Mineralfaser und Gibskarton durchaus Alternativen.

Bekannt sind Trockenaufbauten aus magnesitgebundenen Heraklit oder aber Lehmbauplatten. Für die Schalldämmung dann eine Naturfaser, wobei ich Schafwolle wegen möglichen Schädlingsbefall (insbes. Motten) nicht empfehlen würde. Alternativ hierzu gibt es heute auch Systeme aus Holzfaser, bei denen Beplankung und Rahmenbau praktisch in einem Arbeitsgang erledigt werden. ... Alternativ zum Trockenbau tun es natürlich auch möglichst poröse Massivaufbauten aus Lehm, oder Ziegel.

Gruß aus Berlin,



KWL



Ich würde die Dämmung nur angehen, wenn für eine
verläßliche Belüftung/Entfeuchtung durch eine KWL gesorgt ist.
Wenn die Wände die Feuchtigkeit besser puffern, bedeutet
das auch, daß Du sie nicht so leicht durch Stoßlüften
aus dem Raum bekommst, da ja die Feuchtigkeit z.B.
aus im Schlafzimmer oder aus dem Bad dann über eine
längere Zeit freigesetzt wird.



Dämmung



@ Oliver

....bevorzugen damit die möglichen baulichen Schäden klein bleiben?"
Ist der falsche Ansatz. Eine bauliche Maßnahme sollte immer mit KEINEN Schäden beendet werden. 1,90m Laufhöhhe ist doch auch ok, ich kenne genug Tiefgaragen, in welchen diese Deckenhöhen noch unterschritten werden.
Der Aufbau mit XPS ist schon ok, darauf eine Betonschicht mit Bewehrung und gut isses. Innendämmung bedeutet Kältebrücken an den durchdringenden Bauteilen (Wände, Pfeiler). Zudem sollten Dämmungen eher auf der kalten Seite erfolgen, also außen.
Bei Deinem Aufbau sind Kondensatschäden vorprogrammiert, und wenn das vermeidbar währe, würde ich es vermeiden. So teuer wie Bauschäden werden die Rampen sicher nicht...


Andreas





Hallo Andreas, Stephan und Jens,

vielen Dank für Eure Antworten/Gedanken zu meinem Vorhaben.

Besonderes die Infos zum Feuchtehaushalt waren mir hilfreich. Ich werde die ganze Konstruktion noch mal gründlich überdenken und auch nochmal die Garagenbodenisolierung prüfen.

Vielen Dank!