Thema: Wärmedämmung und richtiger Aufbau in Holzdachterassendecke

11.11.2003



Hallo, ich möchte hier mal ein ganz interessantes Thema ansprechen: Bei uns im Fachwerkhaus befindet sich über dem Schlafzimmer im Dachgeschoß ein Balkon, so daß die Holzdecke (Balken mit Dielen und dicker trittfester Dichtungsfolie auf der Oberseite und einer verputzten Lattung auf der Unterseite) quasi eine Außenwand ist, nur eben waagerecht! Da einige Dielen unter der Dichtunglage durch eine Undichtigkeit verfault sind, wollen wir die gesamte Dachterasse erneuern. Die schadhaften Dielen werden durch neue ausgetauscht! Nun meine Frage: Wie dämme ich die Decke? Gibt es trittfeste Dämmmatten, die auf die Dielen geklebt werden können, so daß wiederum die Dichtungsebene auf die Wärmedämmung gelegt werden kann? Oder muß ich die Dämmung unter die Dielen in den Zwischenraum der Decke (zwischen den Holzbalken) unterbringen? ist Mineralwölle geeignet, oder Styropor? Denn nach außen ist die Decke ja dampfdicht. Vielen Dank im Voraus!!



Dachterrasse



Guten Tag Herr Elferst,
Sie haben eine reichhaltige Auswahl an Dämmmaterialien. Sehr trittfest: Bituminierte Weichfaserplatten der Firma Pavatex (WLG 045), gut und einfach zu verarbeiten.
Ebenfalls: Schaumglasplatten der Deutschen Pittsburg Corning, eher etwas für den gewieften Dachdecker.
Mittelfest: Mneralfaserplatte "Hardrock" oder "Durock" der Rockwool. Hier im Angebot auch Gefälleplatten.
Styrodur, nicht Styropor, geht auch.
Bei allen Materialien gilt: ausreichendes Gefälle von mindestens 1,5 % zum Einlauf hin vorsehen, Schwelle zum Ausgang von 15 cm oder alternative Entwässerung vorsehen. Dämmung ausreichend dick machen, k-Wert (u-Wert) soll bei 0,3 oder kleiner liegen.
Darunter muß unbedingt eine funktionierende Dampfsperre liegen, die auch an allen Anschlußpunkten hochgezogen wird. Geeignet ist bspsw. 0,1 mm Aluminiumfolie, beidseitig bitumenkaschiert, gibt es im Dachdeckerbedarf.
Darunter können Sie für den Dampfdruckausgleich noch eine Lochglasvliesbitumenbahn legen.
Und damit sind wir unten bei den Dielen angelangt. Holz ist der denkbar schlechteste Stoff zur Regulierung des Feuchtigkeitshaushaltes unter Dachterrassen. Es wird vermutlich funktionieren, weil eben kein Tauwasser anfällt (die Dämmung ist ja richtig dimensioniert), mir ist dabei aber nicht wohl. Sie können stattdessen Schwalbenschwanzplatten, das sind Profiltafeln mit 35 mm Aufbauhöhe, auf die Balken nageln und einen 5-6 cm dicken Estrich gießen, Q 188 rein, fertig. Das ist dann feuersicher F 90, statisch o.K., feuchtet nie wieder. Vergessen Sie nicht den Notablauf ! Wasser ist schwer und fehlende Notabläufe haben schon viele Terrassen zum Einsturz gebracht.
Viel Erfolg.



Alternative zum Zementestrich?



Vielen Dank für die sehr hilfreiche und ausführliche Antwort!! Ich habe noch eine Frage zum Estrich. Da es sich ja um eine Holzbalkendecke handelt würde ein starrer Zementestrich doch Risse bekommen, oder? Könnte mann nicht stattdessen soetwas wie Kunststoffplatten bzw. Kunststoffdielen (oder irgendein anderes Material was nicht fault) auf die Deckenbalken schrauben? So hätte man einen geringeren Aufbau als mit einem Zementestrich und auch weniger Arbeit. Oder würden auch gegen Fäule imprägnierte Bretter (ich glaube sie sind grün) funktionieren?



Holzbalkendecke



Guten Tag Herr Elferst,
bringen Sie, außer zum Einschalen, niemals Holz mit Beton in Kontakt ! Selbst bei Fertigteilverwendung nimmt der Konstrukteur noch Zwischenglieder.
Die Rißfreiheit des Estrichs hängt ab von
der Tragfähigkeit der Unterkonstruktion (ggf. durch Verstärkung sicherstellen), von seiner Dicke (möglichst dick also > 5 cm) und von der Bewehrung (1 Lage Q 188 sollte es schon sein). Ein Balkenabstand von 55 cm darf mit den Schwalbenschwanztafeln nicht überschritten werden (bauaufsichtl. Zulassung).
Kunststoffplatten fallen mir nicht ein, gibt es möglicherweise trotzdem. Wir haben beispielsweise mit PP-Balken (Recyclingmaterial), die CNC-gebohrt werden konnten, sehr arbeits- und kostensparend die Grundlage für einen Holzbelag auf einem schwimmenden Bootssteg geschaffen.
Die Ursache für das Faulen Ihres alten belages scheint mir im Fehlen einer dichten Dampfsperre auf der warmen Seite der Konstruktion zu liegen.

Schönen Gruß