Dämmung der Holzbalken-Kellerdecke über offenem Keller mit Naturboden

17.02.2020 Herr Stefan



Hallo zusammen,
wie ich schon herausgefunden habe, beschäftige ich mich gerade mit einer einigermaßen kniffligen Situation bei der Sanierung unseres alten Hauses aus dem Jahr 1922. EFH, nur von uns bewohnt.
Es geht um die Dämmung und den Aufbau der Holzbalken-Decke über dem Keller. Der Raum darüber wird das Wohnzimmer. Hier wird eine Fußbodenheizung (https://www.uponor.de/produkte/fussbodenheizung-und-kuehlung/minitec-niedrigaufbausystem) verlegt. Dazu wird ein Estrich im Verbund mit neu einzubringenden Nut und Feder Rauspund-Brettern auf die bereits mit KVH verstärkten und ausgeglichenen Balken eingebaut.

Die Decke war früher mit einem Blindboden und Schlackeschüttung sowie darüberliegendem Dielenboden aufgebaut. Die Bretter des Blindbodens waren leider komplett wurmig und porös, mussten daher raus. Sowohl diese Bretter als auch die Schüttung waren übrigens ziemlich trocken und staubig. Auch der Erdboden den wir ein wenig begradigt haben war jetzt im Winter staubtrocken. Evtl. ein Indiz für die Feuchte des Kellers? Auf den Boden kommen nur wieder Tonziegel (in eine leichte Schüttung aus Split zum ausgleichen und verlegen). Raum hat 2 Fenster und wird Aufstellort für Teile der Heizung (Luftwärmepumpe + Warmwasserspeicher etc. Nicht Teil der Diskussion ;)...)

Nun muss zwischen die Balken eine Dämmung eingebracht werden. Unser Energieberater und Bauleiter hat bisher folgendes vorgeschlagen, was aber bzgl. des Dämmstoffes nun mehrfach abgeraten wurde.

Von oben nach unten:
Bodenbelag (Korkpakett)
Fußbodenheizung inkl Estrich (siehe oben)
Rauspundbretter (in Berechnung noch OSB, jedoch Rauspund für Estrich im Verbund besser)
Dampfsperre sd=100
Isover Glasfaser Klemmfilz (032) zwischen die Balken
Lattung
Gipskarton-Platte (grün?)

Es geht mir vor allem um den Klemmfilz und ggf. den Gipskarton nach unten hin. Uns wurde von anderen Seiten gesagt, dass die Glaswolle bei Feuchtigkeit in sich zusammen fallen kann und somit ihre Dämmwirkung verliert.
Außerdem herrscht natürlich immer ein wenig die übliche Angst vor schimmelnden Bauteilen durch falsche Materialien.
Wir hatten auch schon angefangen das so auszuführen, bis beim Anblick des Klemmfilz die Warnung kam.
(Siehe Foto)

Was meint die Community zu dem Aufbau? Gibt es eine gute Alternative zum obigen Aufbau?
Am liebsten wäre mir ein anderes Material zum klemmen, damit kein neuer Blindboden eingebaut werden muss und man nur die Glaswolle ersetzt.
Habe schon etliche Sachen gehört: Hanf, Holzfaser (GUTEX Thermoflex) oder Schüttung Schaumglasschotter oder Neptutherm.

Außerdem: Gipskarton okay oder lieber Heraklit (wie hier mehrfach gelesen)?

Bin über weiter fachkundige Einschätzung sehr dankbar!



Anhang



Hier noch ein Ausschnitt aus der Berechnung des Energieberaters bzgl. des Aufbaus.
Statt OSB Rauspund wegen Estrich.
Styrodur ist Platzhalter für FBH in der Berechnung.



Kellerklima



wie lange habt ihr das Haus schon? Gibt es eine Einschätzung, besser noch Meßwerte des Kellerklimas, also Temperaturverlauf übers Jahr, Luftfeuchte, Feuchte im Mauerwerk, Lüftungsmöglichkeiten etc? Auf den Kellerboden würde ich vor dem Einbringen der Tonziegel ein Folie einbringen, Teichfolie oä. um die Verdunstung aus dem Erdreich zu minimieren. GK-Platten im Keller wären nicht meine Wahl, ich würde Heraklith nehmen und putzen bzw. spachteln. Die Verwendung von Mineralwolle ist mittlerweile auch in berechtigten Einsatzbereichen eine ideologische Diskussion geworden, in Deinem Einsatz würde ich sie auch nehmen. Sie fällt nur zusammen, wenn sie naß wird, das sollte aber bei deinem Aufbau nicht geschehen, weil
- der Dampfdruck nicht so groß sein wird ( falls der Keller nicht unter 10grd geht), das es zu Kondensat kommt, zudem ist der Estrich fast dampfdicht.
- durch die FBH ein Trocknungspotential entsteht



Trocknungspotential?



Danke für die Antwort und erste Einschätzung.
Haben das Haus seit einem Jahr, aber noch keine Daten zum Klima gesammelt.
Der Keller verfügte über zwei kleine Holz-Kellerfenster die aber kaputt sind und erneuert werden.

Kannst du kurz etwas zu dem Trocknungspotential durch die FBH sagen? Das ist mir nicht ganz klar.



FBH



na, trotz guter Dämmung nach unten wird die FBH auch den Bereich unter ihr, also Balken und weiter unten dann den Deckenbelag ( Heraklith oder GK grün) erwärmen. Der Wärmedurchgang in Richtung Keller wird also nur verzögert bzw. verringert. Dies minimiert Feuchteschädengefahr an der Kellerdeckenkonstruktion, weil evtl. doch sich bildende Feuchte abtrocknen kann, also das gesamte Bauteil Fußboden EG/Decke Keller erwärmt wird. Daher sind auch Wandheizungen auf Innendämmungen aus Holzfaserplatten bauphysikalisch in Fachwerkhäusern so effektiv, auch zum Bautenschutz.



Im Sommer?



Was mir gerade noch in den Kopf kommt: Sind nicht vor allem die Sommermonate bzgl. Feuchtigkeit problematisch, da hier die Luft auf Grund ihrer Temperatur mehr Wasser aufnimmt? Zu dieser Zeit läuft die FBH ja dann nicht und der Effekt ist da dann in der Zeit der höheren Feuchte nicht unterstützend gegeben. Oder irre ich mich da?



Sommerkondensation



im Sommer kann die Luft mehr Feuchtigkeit aufnehmen, weil sie wärmer ist. Da hast Du Recht. Aber das spielt nur dann eine Rolle, wenn diese feuchte Luft auf eine kalte Oberfläche trifft. Das ist der Bierflaschenbiergarteneffekt, wenn die Kellnerin die kalte Flasche auf den Biertisch unter Kastanienbäumenstellt an einem schwülwarmen Sommerabend stellt, die beschlägt sofort.
Deswegen macht auch der kluge Hausbesitzer im Sommer die Kellerfenster zu bzw. nur auf, wenn die Luft kühler als im Keller selbst ist, damit die Feuchte nicht an der kalten Kellerwand kondensiert (also vielleicht nachts- es gibt auch automatische Kellerlüftungssysteme, die die Arbeit übernehmen können). Nun wird aber auch im Sommer Deine Kellerdecke nicht so kalt werden, dass sie den Taupunkt für die Kondensation erreicht. Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird eher die im Erdreich liegende Kellerwand diesen Taupunkt erreichen. Google mal nach dem Begriff Taupunkt und lies Dich etwas ein, wenn es Dich mehr interessiert. Manchmal hilft auch Faktenwissen im Kampf gegen die eigenen Ängste.



Fußbodenbelag



Ich habe gehört, dass Laminat mit Kork nicht so toll ist, weil es eine Dämmungdastellt und die Fußbodenheizung nicht den nötigen efekt hat. laminat geklebt soll besser sein.



Kein Laminat



Laminat ist nicht geplant, sondern ein reiner Korkboden. Hier war bisher die Aussage immer, dass Kork eigtl. sogar sehr gut zusammen funktionieren.



Kork...



...ist ein Dämmstoff. Bei der Berechnung der FBH muss die Dicke der Korkschicht berücksichtigt werden.

Grüße

Thomas



Ist bereits bedacht.



Danke für den Hinweis. Wir planen mit einem Boden welcher laut Hersteller einen Wärmedurchlasswiderstand von 0,05-0,06 (m²K)/W besitzt und auch nur 7,3 mm dick ist. Heizungsbauer und Vertreter von Uponor hatten da beide bisher keine Einwände. Auch meinen Recherchen nach liegen wir damit noch deutlich unter den Grenzwerten.
Viel wichtiger wären mir weitere Einschätzungen zum Dämmmaterial darunter (zwischen den Balken). Kann sich da noch jemand weiteres äußern?



Letzter Versuch



… das Thema nochmal nach oben zu pushen. Vielleicht hat ja noch jemand eine weitere Meinung dazu oder einen guten Hinweis bzgl. dem besten Dämmstoff für die Situation.
Die Gipskarton-Platten sind schon retourniert und Heraklith wir bestellt.



Der beste Dämmstoff



ist auch vom Preis abhängig, den Du zahlen willst. Ich halte Mineralwolle ( scheinst Du ja schon dazuhaben lt. Foto)für geeignet, es gibt aber auch die Möglichkeit nach Einbau eines Fehlbodens und eines Rieselschutzes wieder eine Schüttung ( Hanfschäben, Perlite,)einzubauen, falls Schwingung ein Problem ist gern auch eine Hanf-Lehm-Schüttung o.ä.