Dämmung der Dachschräge im alten Bruchsteinhaus

11.05.2014 Digger



Hallo zusammen,

wir renovieren grade ein altes Bruchsteinhaus mit Fachwerk und Lehm in den Innenwänden.

Nach einigen harten Renovierungsmonaten, inklusive der üblichen Höhen und Tiefen kommt langsam "Grund ins Haus". Ggf. werde ich hier auch noch einmal ein wenig ausführlicher berichten, sobald wir mehr Zeit haben.

Eine Frage die mich grade bewegt und die ich her gerne in den Raum stellen möchte, ist die passende Dämmung des Daches. Wir haben in unserem zukünftigen Schlafzimmer die alte Holzverkleidung in der Schrägdecke entfernt, darunter war ein Mader aktiv + es hat dort geschimmelt. Jetzt wollen wir die Decke neu dämmen. leider ist zwischen den tragenden Balken und der Dachfolie nur ca. 10 cm Platz. D.h. wenn wir 2cm zur Dachfolie als "Luftkanal" freilassen würden, dann könnten wir nur eine ca. 8cm dicke Dämmschicht anbringen. Alternativ könnte man mit einer Holzunterkonstruktion über die ursprünglichen tragenden Dachbalken mehr Platz für dickere Dämmwoll-Matten gewinnen. Die Frage ist, lohnt der Aufwand? Dämmwolle ist ja standardmäßig dicker als 8 cm. Was meint ihr?

Zur besseren Vorstellung hänge ich ein Foto mit an!

Beste Grüße,

Digger



Die Frage



...lässt sich nicht so ohne weiteres allgemein beantworten.
Auf der einen Seite stehen bauphysikalische Aspekte und auch Vorschriften in Form z.B. der EnEV, auf der anderen Seite der bauliche Aufwand, bzw. auch die Finanzen.
Es hat schon seinen Grund, warum man "Dämmwolle", ich nehme an, dass Euch "gelbe" Mineralwolle vorschwebt, erst ab einer gewissen Stärke als Massenware bekommt.
Ein "Luftkanal" kann auch dann erst funktionieren, wenn er entsprechend be- und entlüftet wird.
Ich schätze mal, Ihr solltet das mit der Dämmung nochmal in Ruhe durchdenken (lassen), das sollte Euch das Haus wert sein.



Danke für die Antwort.



Wie dick muss denn die Mineralwolle laut EnEV sein?

Beste Grüße,

Digger



Die Anforderungen



... gehen aus Anlage 3 zur EnEV hervor...
Im Endeffekt bedeutet das, bei einfacher Lesart, eine Dämmstoffdicke von rund 220mm, aber lies die EnEV noch mal richtig...
Und lies meinen vorigen Beitrag noch mal richtig... "durchdenken (lassen)" stand da...
Das mit dem Luftkanal habt Ihr wohl aufgenommen, aber nicht verstanden...



Re: Wie dick muss denn die Mineralwolle laut EnEV sein?



Nicht die Dicke wird vorgegeben, sondern der Dämmwert und der liegt bei mMn für's Dach bei 0,24 WmK.

Mineralwolle gibt's von WLG-040 bis WLG-032 - je höher die Zahl desto dicker sollte die Dämmung ausfallen.

Ob man sich nun strickt an die EnEV halten sollte, steht dann wieder auf einem anderen Blatt.



Natürlich



... hat man sich an die EnEV zu halten. Sie hat als Verordnung Gesetzescharakter, Verstöße dagegen können als Ordnungswidrigkeit geahndet werden, bei Vorsatz kann es auch richtig teuer werden, von den möglichen doppelten Baumaßnahmen mal ganz zu schweigen.
Ich war so frei, den geforderten u-Wert mal in Dämmdicke für "handelsübliche" MiWo umzurechnen, allein um eine Relation zu den angedachten 80mm zu geben...

Aaaaaber: Die EnEV ist auch mehr als die Auflistung von u-Werten, deshalb mein Hinweis, sie zu lesen...

Und insbesondere sollte die Sinnhaftigkeit des angedachten Aufbaus hinterfragt und durchdacht werden, dazu muss er verstanden werden, bzw. die physikalischen Vorgänge, die dort passieren KÖNNEN...



EnEV einahlten?



Also wenn du nicht vermieten oder verkaufen willst und keine KFW-Förderungen beantragst, kann dir die EneV gestohlen bleiben. Das ist immer noch nur eine Verordnung und kein Gesetz. Wäre ja auch schlimm. Das ist Dein Haus und damit kannst du im Rahmen machen was du willst. Niemand kann dich zwingen Dein Haus kaputt zu sanieren. Und wenn Dein Dach nur 8cm Dämmung hergibt, dann ist alles weitere unbillige Härte. Lass dir nicht von den EneV-Fuzies dein Geld aus der Tasche ziehen.



Erstaunliche Erkenntnis



Die Straßenverkehrsordnung gilt also auch nicht für alle?
Ich bin beileibe kein Paragrafenreiter und schreie wirklich nicht "EnEV über alles" oder so ähnlich, aber das Statement oben ist dann doch erstaunlich...
Auf die Möglichkeiten, von den reinen Tabellenwerten weg zu kommen, habe ich jetzt mehrfach hingewiesen, damit soll es dann auch genug sein...



Sinnhaftigkeit des angedachten Aufbaus



Darüber sollte man tatsächlich eher mal nachdenken, als über EnEV oder nicht.

Ich kenne nur den Standardaufbau mit Hinterlüftungsebene, Unterspannbahn, Dämmung und Dampfsperre. Inwieweit deine Idee funktioniert, kann ich leider nicht sagen, allerdings dürfte schon die Hinterlüftung schwierig werden.



Jetzt



... hab'n wirs doch...



enev



enev ist kein Gesetz, wie schon richtig bemerkt. Der Gesetzgeber kann nicht von einem verlangen, dass man sich über beide Ohren verschuldet. Dämmen wird gefördert, nicht gefordert. Nur bei einem Neubau sieht das anders aus. Der muss Werte einhalten. Bei dem alten Haus gilt ENEV-"Bestand"
Bemühe mal den u-Wert-Rechner im Netz, dann kannst Du sehen, welche Dämmstärke für das Dach infrage kommt. Du kannst auch die Sparren aufdoppeln, um mehr Raum zu gewinnen, außerdem eine Untersparrendämmung zwischen den als Montageebene angebrachten Dachlatten.



Hinterlüftung



Die Hinterlüftung ist doch eigentlich unter der Dachziegelschicht. Wenn Du unter der Unterspannbahn eine Hinterlüftung machen willst, dann muss die doch Verbindung zur Außenluft haben. Wie soll das geschehen? Das ist auch nicht sinnvoll, denke ich. Es mindert den Dämmwert, denn durch die Zugluft entsteht Verdunstungskälte in der Dämmung.



Und genau das



... steht auch mehr oder weniger so in der EnEV... nicht das mit der Hinterlüftung, sondern das mit der Wirtschaftlichkeit, oder auch den baulichen Gegebenheiten...
Und deswegen kann ich das ganze grundsätzliche Gejabbel gegen die EnEV nicht kapieren... man muss sie lesen, verstehen, anwenden... mehr nicht!



Danke für die zahlreichen Antworten. Die wesentlichen, praktischen Hinweise habe ich jetzt hier gefunden:



http://www.youtube.com/watch?v=UgDGZDpZSVo

Viele Grüße,

Digger



Ich vermag



... nur wenig Relevanz zu Eurem Vorhaben zu erkennen... aber foliert und klebt und dichtet mal schön...
Es gibt einige neuralgische Punkte, die nicht so einfach via Youtube-Video erklärbar sind:
Was passiert mit dem Drempel?
Bekommt er auch die "empfohlenen" 160-180mm MiWo? Von Innen? Was passiert am Fußpunkt? Was am Pfettenbereich? Bitte mal darüber nachdenken (LASSEN)...



Drempel/Pfettenbereich



Hallo Herr Hausleithner,

das sind zwei "wunde Punke". Danke für den Hinweis. Das werden wir mit einer Fachkraft besprechen.

Viele Grüße,

Digger



MiWo.....



....ist für mich kein Diskussionsgrund.
Ich würde hier mit Einblasdämmung aus Holzfasern. u.U. arbeiten.
Innenseitig eine Baupapierebene schaffen und eine dämmstärke von min. 22 mm wählen.
Dazu müßte eine Sparrenaufdopplung oder Andopplung geschaffen werden und nachher wird eingeblasen.
Somit könnte man eine Vollsparrendämmung wählen, ohne jetzt die Gesamtkonstruktion zu kennen.

Grüße



Schimmel



Wie willst Du dem Schimmel begegnen? Wir haben für unsere Restaurierung mit Lehm und Kalk gearbeitet. Dampfbremse und Unterspannbahn sind diffusionsoffen. Wandheizung wäre sicher auch nicht schlecht.



EnEv 2014



Ich komme gerade von einem Vortrag über Dämmung sensibler Baubestände (Baudenkmale und Gebäude von schützenswertendem Charakter oder so ähnlich). Endlich werden unsere Altbaubestände von den Zwangsmaßnahmen der KFW befreit. Seit dem 1. Mai gilt die neue EnEV. Hier sind alle Maßnahmen förderungswürdig mit dem Ziel ein KFW-Haus 160 zu erzeugen. Wenns die Bausubstanz nicht hergibt gibt es trotzdem Förderungen (dafür muss man allerdings betimmte Nachweise erbringen). Was dort auch mal wieder sehr deutlich geworden ist, ist mit dampfdiffusionoffenen (im Dachbereich) und kapillar zugänglichen Systemen (im Wandbereich) zu arbeiten, da diese bei leichten Fehlerquellen in der Durchführung Mängel akzeptieren. Gerade im Dachbereich sind Systeme die mit Dampfsperren auf der Innenseite arbeiten nur theoretisch dauerhaft dicht (Trockenrisse in Holzbauteilen, der Glaube an die dauerhafte Anbindung von Klebebändern oder Dichtmassen etc. an den Bestand).

Gruß
Emzet



Betrachten Sie



das Gesamtsystem und vergessen Sie die Märchen über die "Dämmwirkung" und lassen Sie sich nicht auf Köderungen ein: Wenn du das machst … bekommst du einen günstigen Kredit … !

Sie sind doch nicht "blöd"!

Florian Kurz



Nochmals vielen Dank für die Antworten!



Der Hinweis "dampfdiffusionoffenen" scheint mir wichtig.
@ Emzet: Besteht eine Möglichkeit ggf. die Vortragsfolien zu bekommen? Oder haben Sie zu den von Ihnen angesprochenen Schlagwörtern "Dämmung sensibler Baubestände" + "kapillar zugängliche Systeme" einen Literaturtip oder Internetlink zum ersten Einlesen in die Thematik?

Letztendlich handelt es sich schließlich bei unserem Haus nach meiner laienhaften Einschätzung um genausoeinen Fall...

Beste Grüße,

Digger



Dein Foto....



... ist der Ist-Stand?
Da habe ich bereits am Dachfenster die ersten problematiken entdeckt.
Zusätzlich generell diese Unterspannbahn.
Und und und.

Lange Gesprächsthemen eigentlich, die am besten auf der Baustelle selbst Stück für Stück abgearbeitet bzw. erarbeitet werden sollten.



Styropor



Da ist ja Styropor drin. Mach nur nicht nochmal so einen Müll da rein. Ich würde auch keine Glaswolle reintun. Das Zeug zu Verarbeiten ist der Hass. Und schon wenn Du es einbaust, gilt es als Sondermüll. Wir haben uns nach langem Hin- und Her für Holzweichfasermatten entschieden. Ist etwas teurer, aber schau mal z.B. bei bausep.de.
Und: Der Raum verspricht doch wirklich hübsch zu werden! Wie groß?
Im übrigen kenne ich jemanden, der weder Unterspannbahn noch Dampfbremse verwenden will... Aber dafür wäre ich nicht mutig genug.



Moin Digger



Ein Handout gabs leider nicht.

WTA-Merkblätter sind eine Hilfreiche Sache. Die Versuchen die Lücken zwischen den DIN-Normen (Neubau) und den Altbaubestände (die weichen in der Regel ja stark von DIN-Normen ab) zu schließen. Allerdings weis ich nicht genau ob es da auch was zu Dachdämmungen gibt.

Hier ein denkbarer Aufbau (von Außen nach innen)

Dachhaut
Lattung
Konterlattung
Holzweichfaserplatte
Zwischensparrendämmung aus Zelluloseflocken im Einblasverfahren
Plattenwerkstoffe z.B. Rigips/Fermacell...wer auf Schadstoffe steht, Lehmbauplatten usw. Keine OSB, die sind zu dicht.
Dampfbremstapete (auf die Wandanschlüsse geführt)

Es gibt auch noch Kompromisslösungen, die ein abdecken der Dachhaut vermeiden. Aber in einem solch tollen Bauzustand würde ich persönlich keine Kompromisse eingehen. Aber auf jeden Fall muss die Folie raus.

Mit so einem Aufbau kannst du ohne Aufdoppelungen schon recht gute Werte erzeugen. Bei 8cm Flocken und 4cm Holzweichfaserplatte ist das schon was. Wenn du dann noch mit z.B. Lehmbauplatten mit Dämmeigenschaften arbeitest, kommst du auf auf min ca. 16cm Dämmung. Lass da aber mal ne Statik rechnen.

Gruß
Emzet



Entweder oder



Holzfaserplatte und Einblasdämmung halte ich für überflüssig. Wenn man schon jemanden holt, der Zellulose reinpustet, dann kann er auch die ganze Dämmebense verarbeiten. Wichtig: richtige Unterspannbahn verwenden!