Holzdeckendämmung einer Kirche - Besteht die Gefahr von Tauwasserausfall?

12.11.2010



Eine ehemalige kleine Kirche/Kapelle (ca. 140 m²) wird mittlerweile von einem Kulturverein genutzt. Die verzierte Holzpaneeldecke in ca. 6m Höhe steht unter Denkmalschutz und ist von oben zwischen den Tragbalken mit 100mm alter Glaswolle gedämmt. Der darüberliegende Dachboden ist absolut ungedämmt, es ist nicht einmal eine Unterspannbahn unter den Dachpfannen vorhanden. Die Kirche wird nur einmal wöchentlich für vereinsinterne Veranstaltungen von ca. 40 Personen genutzt und dementsprechend auch nur an einem Tag richtig geheizt(sonst Frostwächter). Um die Heizkosten zu senken und die Aufheizzeit zu verkürzen (z.Z.ca. 12 Std.) soll die Dämmung von oben Verstärkt werden. Ist beim Auflegen von 240mm Klemmfilz mit Tauwasserbildung im Dämmstoff und somit einer Durchfeuchtung zu rechnen? Zur einfacheren Begehung sollen auf die Balken OSB-Platten gelegt werden, sollten diese als Dampfbremse dicht verlegt werden oder ist das kontraproduktiv und es sollten nur unbedingt nötige Stege gelegt werden?



schwierig zu beantworten



Wenn die Kirche nur sporadisch genutzt wird, ist der Feuchteeintrag wohl auch eher gering, vor allem wenn man von max. 40 Personen und einem Luftvolumen von 140m²x6m= 840 m³ ausgehen kann.
Wichtig wäre vorab mal die Luftfeuchte in der Kirche über einen längeren Zeitraum zu beobachten (mit und ohne Veranstaltungen). Entsteht die Luftfeuchte eher über die Nutzung oder auch aus Feuchte aus dem Boden, Wänden, etc.. Wie und wie oft wird gelüftet?
Wie ist die alte Dämmwolle zu beurteilen (gesundheitsschädlich? lungengängig?)? Es gibt für diesen Bereich bessere Materialien als Stein- oder Glaswolle, die auch ohne Dampfbremse eine gewisse Feuchte kompensieren können.
Zur OSB Lage gibt es grundsätzlich zu sagen, dass sie an der falschen Stelle liegen würde. Auf der Dämmung behindert sie nur das Austrocknen der Dämmung. Auf der kalten Seite von Dämmungen gehören grundsätzlich offene Schalungen (Rauhspund) oder auch nur ein Laufsteg (wenn es keine Probleme mit Mäusen und Mardern gibt).



Dämmung Kirche



Ich würde die Decke nicht anfassen, wenn es keine gesundheitsgefährdenden Emissionen gibt.
Dämmung wäre teuer, problematisch beim Einbau und ineffizient. Die Aufheizzeit dürfte sich kaum verändern, selbst mit doppelter Dämmstärke.
Änderen Sie das Heizsystem, z.B. mit einer Fußbbodenheizung. Die Aufheizzeit verkürzt sich, Sie brauchen nicht den ganzen Raum und die riesigen Steinmassen aufzuwärmen.

Viele Grüße



Sehe das gleiche Problem mit einer zusätzlichen Dämmung...



... wie sieht die Heizung denn derzeit aus?

Die Idee mit den OSB-Platten ist nicht sinnvoll wegen möglicher Kondensatbildung.

Ein wenig wundere ich mich, dass eine Decke unter Denkmalschutz steht, aber anscheinend in der Konstruktion und Dämmung alles gemacht werden kann, was einem so einfällt.

Müsste da nicht auch eine Begutachtung vor Ort mit sinnvollen Vorschlägen für eine Optimierung möglich sein?

Grüße aus Frangn

Frank von Natural-Farben.de



Weitere Details



Danke für die schnellen Antworten, also die Feuchtigkeit würde hauptsächlich durch die Personen eingebracht, die Wände und der Boden kann man als trocken bezeichnen. Gelüftet wird im Winter hauptsächlich durch öffnen und schließen der Türen und durch bauliche Undichtigkeiten. Die existierende Wolle ist mit Sicherheit als KMF-Belastet zu beurteilen. Die OSB-Lage würde ja quasi als Zwischenlage eingebaut, darauf käme dann die neue Dämmung. Die Frage ist ja ob sich dort auf der Unterseite Kondenswasser bilden könnte, da die Hauptisolierung ja oberhalb wäre. Bei einer Schrägdachdämmung ordnet man ja auch die dampfdichte Ebene direkt auf der Innenseite der Sparren an und dämmt zusätzlich noch zwischen den inneren Latten (UK der Innenverkleidung) auf der warmen Seite, aber meines Wissens nur max. 20% der übrigen Dämmung ohne Kondensprobleme.
Die Heizung läßt sich wahrscheinlich kaum ändern, da es sich um eine Warmluftheizung handelt deren Auslässe im Kirchenboden festgelegt sind und die Luftkanäle auch nicht reversibel unterirdisch verlegt sind.
Das die aufheizzeiten auf Grund der Deckenhöhe sehr Lang sind und bleiben hab ich mir auch schon gedacht, aber durch eine verdrei- bis vervierfachung der Dämmung müßte der Wärmeabfluß doch merklich gebremst werden, oder?





Ich würde der Empfehlung von Herr Böttcher folgen und sogar noch einen drauf setzen.
Ich würde nämlich die bereits vorhandene Dämmung raus hauen.

Da Sie das Objekt nur einmal wöchentlich heizen werden alle Bauteile auf das gleiche Maß auskühlen, während der Heizphasen sind dann alle Bauteile extrem Kondensatanfällig.
Am kritischsten ist das immer dort wo es am wärmsten wird und das ist nun mal genau unter der Decke.

Wirtschaftlich gesehen dürfte Ihr vorhaben ohne hin floppen.

Grüße aus Schönebeck



Wärmedämmung



Hallo Herr Bäumer,

ich halte eine Dämmung der Decke mit Zellulose für absolut unproblematisch. Wir setzen dieses Verfahren auf Kirchengewölben seit Jahren ein. Offen aufgeblasen auf die vorhandene Decke. Anschließend mit Wasser die Oberfläche benetzen, um sie zu stabilisieren. Somit entsteht eine Dämmung die mit Feuchtigkeit egal ob durch die Pfannen hindurch oder durch von unten eindringender Feuchtigkeit keine Probleme hat, da sie diffusionsoffen ist.(Mineralwolle würde ich bei dieser Variante entfernen)
Eine Frage die ich eher stelle ist: Warum begehbar, oder besser gesagt: Vollflächig?
Einer teilweise begehbare Fläche ist möglich wenn mit Brettern ohne Nut und Feder gearbeitet wird.Gerne können sie mich diesbezüglich näher befragen.