Wohin mit der Dampfbremse?

27.05.2008


Es scheint heute ja nicht mehr ohne Dampfbremse zu gehn. Ich weiß zwar nicht welche Folien vor 500 Jahren verwendet wurden, aber egal...
Die Dampfbremse soll ja auf die warme Seite der Wand/Decke, da in der warmen Luft mehr Feuchtigkeit ist als in kalter. Im Winter ist es im Garten kälter als im Haus. Im Sommer ist es im Haus kälter als im Garten. Muß ich jetzt im Frühjahr die Dampfbremse von innen nach außen Verlegen damit nicht die schwüle Gewitterluft in die Dämmung eintritt und an der angenehm kühlen Raumwand kondensiert und die Dämmung zerstört?
Je mehr ich mich über das dämmen und Dampfbremsen und Sperren informiere, um so verunsicherter werde ich.





Natürlich müssen Sie mit der Dampfsperre nicht umziehen.
Maßgeblich für die Bemessung ist der Winterfall.
Wenn nämlich draußen 38 Grad sind und drinnen "nur" 35, säuft Ihnen die Konstruktion nicht ab.
Sie können sich auf www.wetteronline.de jederzeit die aktuelle Taupunkttemperatur anzeigen lassen. Bei dieser Temperatur entsteht dann Tauwasser. Es ist unwahrscheinlich, daß der Fall eintritt und noch unwahrscheinlicher, daß dieser Zustand lange dauert.
Beispiel:
Für Düsseldorf-Flughafen, also in der Nähe meines Büros werden um 12:30 Uhr 80 Prozent Luftfeuchtigkeit bei 21°C angegeben, der Taupunkt wird mit 17 Grad C angegeben.
Im Büro habe ich aber 23,8°C bei 39% Feuchtigkeit.
Folge: Nirgendwo Gefahr von Kondensatbildung.

In gelüfteten Kellern mit nicht isolierten Wasserleitungen kann aber jetzt das Wasser von der Leitung tropfen oder auf ungedämmten Fliesenböden schlägt sich jetzt Tauwasser nieder.

Grüße vom warmen Niederrhein



Gute Info



dazu gibt es unter www.proclima.de im Service -> Downloadcenter.
Wer baut, lebt und heizt wie vor 500 Jahren braucht keine Dampfbremse. Wenn du aber alte Häuser "modernisierst", kann eine Fehleinschätzung oder Pfusch zum Schaden führen. Wer er nicht versteht, ist gut beraten, den Fachmann zu Rate zu ziehen.
Schöne Grüsse aus dem ebenfalls warmen Lörrach
Jürgen Maier



Eine



Dampfbremse ist nicht zwingend in jeder Konstruktion notwendig!

Eine Windichtigkeit ist wichtig und kann je nachdem auch über die Putzschale erstellt werden.

Grüße



Dampfbremse nicht immer erforderlich.



Herr Meurer hat recht.
Die Dampfbremse ist meist nur erforderlich, wenn die Wärmedämmeigenschaften der verwendeten Baustoffe in der Schichtenfolge stark unterschiedlich sind, z.B. bei aufgesetzten Dämmplatten auf Massivwänden/Gefachen geringerer Dämmwirkung.

Das Problem der Aussendämmung im Sommer wird tatsächlich kaum beachtet. Manchmal kann es hier auch zu hohen Differenzen kommen (Südwand mit Sonneneinstrahlung = 60°C auf der Oberfläche / Innen 28°, ist genau wie im Winter innen 20°/Aussen -12°, nur umgekehrt) Nur ist im Sommer die Verdunstung des Tauwassers besser.

Bei homogenen Wandaufbauten mit kapillarwirksamen Materialien (Massivwand, Fachwerk ohne Dämmung etc.) braucht man keine Dampfbremse.

Muss eine Dämmplatte eingesetzt werden, sollte diese kapillarwirksam sein, dann wird das auftretende Kondensat dorthin verteilt, wo es wieder verdunsten kann.



Das ist absolout richtig,



Gerd Meurer, aber wenn der Kunde absolout die Zusammenhänge nicht versteht, sollte er einen Fachmann hinzuziehen. Wir wissen ja noch gar nichts vom Haus. Vielleicht ist es ein Backsteinhaus. Vielleicht ein altes Fertighaus. Geht es ums Dach, geht es um die Wände? Eine Dampfbremse ist nicht immer zwingend notwendig, aber Information schon.
Schöne Grüße
Jürgen Maier



Warum



ich mich überhaupt damit beschäftige: Ich möchte ein Badezimmer in einen alten Scheunenbereich bauen. Bei Folien habe ich Bedenken, daß ich es nicht ganz dicht bekomme. Was mache ich z.B. an einem gerissenem Balken, oder wenn irgendwann mal ein Nagel in die Wand geschlagen wird.
Ich dachte daher an folgende Konstruktion:
Wände aus OSB herstellen und diese mit Gipskarton oder anderem Putz verkleiden. Die Decke und 2m Dachschräge aus Fichte Profilholz herstellen. Auf diese Decken und Wände dann Glaswolle oder lieber Hanfdämmung wegen der größeren Masse(Wärmeschutz im Sommer) in einer Stärke von etwa 20cm. Der Abstand von der Dämmung zum Dach in der Dachschrägen wären etwa 10 cm. An der Traufe ist auch ein 10 cm Spalt wo ich ins freie schauen kann. Über der Decke ist noch mal 1,5 m Platz bis zum First. Bei der Wanddämmung habe ich 6 m Luft bis zur Außenwand. Eine Wand grenzt an das beheizte Wohnhaus und muß nicht gedämmt werden. Das Dämmmaterial wäre also gut belüftet, sozusagen ein Raum im Raum.
Ich habe schon nicht begehbare Dachböden gesehen, wo auf Profilbretter oder Gipskarton einfach Glaswolle drauf gelegt wurde. Schimmel oder Feuchtigkeit habe ich nicht gesehen. In den 70ern wurde wohl öfters so gedämmt, ohne Damfbremse.
Würde solch ein Aufbau funktionieren? Ist Hanf oder Glaswolle diffusionsoffen genug um eintretende Feuchtigkeit an die Umgebugsluft in der Scheune abzugeben?
Bevor ich zu einem Fachmann gehe möchte ich mir doch ein gewisses Grundwissen aneignen um dann die Fachkompetenz des Fachmanns ein wenig eischätzen zu können. Wenn mir hinterher ein Schadessachverständiger sagt, daß mein Fachmann nicht so gut war, habe ich auch nichts davon.
Vorerst schon mal vielen Dank für die Antworten.



Dampfbremse



Hallo Carsten,
Einfache Erklärung : In den 70ern war die Dämmung nicht 20 cm stark.
Ich beschreibe jetzt mal einen Wandaufbau einer Holzständerbauweise:
von Innen : Fliesen oä , Gipskarton 6/4 Lattung, dazwischen Weichfaserplatten = Installationsebene,dann :OSB -Platte,Fugen luftdicht verkebt= Dampfbremse.
Holzkonstruktion (zb 8/16 KVH), dazwischen Dämmung (MIWO o. Hanf) 4 cm Weichfaserplatte als Putzträger , Aussenputz.
Viele Grüße



Taupunkt



Das heißt also, bei 20 cm Dämmung liegt der Taupunkt in der Dämmung. Eintretende Feuchtigkeit kondensiert in der Dämmung und kann nicht nach außen abgegeben werden, da MIWO oder Hanf nicht kapilar sind. Bei 5 cm Dämmung kondensiert die Feuchtigkeit erst an der Oberfläche und kann abtrocknen. Habe ich das so richtig verstanden?
Damit Schimmel entsteht brauche ich mindestens 20 Grad Celsius und eine relative Luftfeuchte von 45% (hab ich aus diesem pdf: http://www.bbr.bund.de/nn_21784/DE/Forschungsprogramme/FoerderungBauforschung/BaukonstruktionenBaustoffe/Downloads/DL__2445,templateId=raw,property=publicationFile.pdf/DL_2445.pdf.
Diese Gegebenheit könnte in einer 20 cm Dämmung eintreten. Dazu kommt noch, daß ein feuchter Dämmstoff nicht so gut dämmt. Bei massiven Materialien wie Lehm und Holz wird eintretende Feuchtigkeit nach außen transportiert, bzw. wieder an die Raumluft abgegeben. Nur ist der Dämmwert von diesen Materialien nicht so gut. Also den Raum in eine Plastiktüte verwandeln und das Fenster aufmachen damit ich keine 20 Grad und 45% Luftfeuchte hab. Oder etwas schlechter dämmen. Damit nichts schief geht muß ich mein Heizverhalten exakt auf die eingebaute Dämmung abstimmen.