Holzdach mit Teerpappe einfach dämmen - Wie?

23.09.2012



Hallo, ich muss mit leider relativ bescheidenen Geldmitteln ein Holzdach mit geringer Neigung (ca 20°) über Dachboden dämmen. Aufbau jetzt: Sparren (Abstand 80cm, Stärke 12cm), Holzschalung, Teerpappe.
Es gibt also keine Unterdachbahn. An den Sparren sind Feuchteränder zu sehen, wobei unklar ist, ob diese aktuell sind. In den vergangenen Wintern sind zumindest keine nassen Stellen auf dem Dachboden aufgefallen.
Ich wollte eine Zwischensparrendämmung Mineralwolle Wlg32 anbringen und eine Dampfbremse. Aber es bleiben Bauchschmerzen, falls Feuchtigkeit von außen eindringt. Man könnte eine Unterdachbahn Sub-Top einbringen, aber dann liegen die Sparren im (evtl. nassen) Aussenbereich.

Wäre dankbar für Erfahrungsberichte!
Gruß, Sebastian



Alternative:...



... den Boden dämmen... bei 20° Dachneigung scheint es ja auch keinen Hang zum Ausbau zu geben...
Wenn es keine Anzeichen für akuten Schlagregen gibt...

LG & Gutes Gelingen,
Sebastian Hausleithner



Wenn sich der Boden ...



... des Dachraumes nicht dämmen lassen sollte, was m. E. die sinnvollere Lösung wäre (denn was nützt einem ein gedämmtes Dach, wenn die Seitenwände des Dachraumes gar nicht oder nicht ausreichend gedämmt sind), würde ich zu einer Aufsparrendämmung raten. Damit hätte man auch die Möglichkeit, die doch wohl recht einfache und mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit schadanfällige Dachhaut zu ersetzen.

Mit einer 12 cm starken Miwo-Dämmung zwischen den Sparren errreicht man ohnehin nicht die von der EnEv geforderten 0,24 W/m²K.

Nach einer Berechnung mit einen Feldanteil von 85 % ergibt sich bei folgendem, von der Dachunterseite her beschriebenen Aufbau
Dampfbremse PE-Folie + 120 mm Miwo WLG 032 + 24 mm Holzschalung + Glasvlies-Bitumendachbahn V 13
ein U-Wert von 0,335 W/m²K (U-Wert Feld = 0,245 W/m²K / U-Wert Balken = 0,793 W/m²K).
Der Tauwasserausfall im Feldbereich liegt nach der Berechnung bei 0,041 kg/m², im Balkenbereich bei 0,032 kg/m².
Die möglichen Verdunstungsmengen liegen bei 0,048 kg/m² im Feld- und bei 0,051 kg/m² im Balkenbereich.

Mit persönlich liegen die potentiellen Tauwasser- und Verdunstungsmengen viel zu dicht beieinander, als dass ich die Konstruktion als sicher ansehen würde.
Selbst beim Einsatz einer dampfsperrenden PE-Folie würde immer noch Tauwasser ausfallen!
Wenn man dann noch auf die Idee käme, eine Untersparrendämmung anzubringen - etwa eine 100 mm starke Heraklith BM-Platte - um damit einen EnEV-konformen U-Wert von 0,237 W/m²K zu erreichen, würde im Balkenbereich eine viel zu große Tauwassermenge entstehen (1,513 kg/m² !!!), womit der Aufbau fehlerhaft wäre.

Von daher noch mal mein Tipp:
1. Bitumendachbahn abnehmen und entsorgen,
2. Dachschalung auf Schäden kontrollieren und ggf. ausbessern oder erneuern,
3. Luftdichtheitsflies aufbringen (z. B. PAVATEX LDB 0.02),
4. Aufsparrendämmung Verlegen (z. B. PAVATHERM-PLUS - mit integrierter Unterdeckplatte in Kombination mit PAVATHERM-COMBI als untere Ergänzungsdämmung),
5. hinterlüftete Dachhaut herstellen.



@ Annelie Meisinger



Hallo, Sie sprechen mir absolut aus dem Herzen. Aber die Aufsparrendämmung, zumal mit Naturmaterialien, kann ich finanziell auf absehbare Zeit nicht stemmen...

Eine Frage noch: "mögliche Verdunstungsmengen" bei Bitumenbelag? Ich dachte der wäre dampfdicht?
Lieben Gruß
Sebastian



Bitumendachbahnen ...



.. sind nicht "absolut" dampfdicht wie z. B. Metallfolien oder Bleche.

Nackte Bitumendachbahnen haben z. B. einen µ1-Wert von "lediglich" 2.000 und einen µ2-Wert von 20.000.
Bei den weit verbreiteten Glasvlies-Bitumendachbahnen werden die v. g. µ-Werte mit 20.000 / 60.000 angesetzt, Aluminiumfolie hingegen mit 999.999 (µ-Wert = Wasserdampfdiffusionswiderstandszahl; dimensionslos).

Wenn Ihr Budget keine bauphysikalisch einwandfreie Dachsanierung hergibt, sollten Sie sich m. E. eher der Dämmung der oberen Geschossdecke zuwenden, da dies i. d. R. vom Aufwand und von den Kosten her nicht so aufwändig ist. Allerdings ist hierbei auch Einiges zu beachten.
Näheres hierzu ist z. B auf unserer Website zu erfahren unter:
http://www.meisinger-ingenieurleistungen.de/index.php/bauberatung/78-daemmung-oberster-geschossdecken-gegen-unbeheizte-dachraeume