Kaltdach dämmen / teildämmen ?

01.01.2011



Hallo zusammen,
durch die sehr kalten letzten Wochen mussten wir unsere Heizkörper im Dachgeschoss des öfteren auf Vollast laufen lassen. Dadurch kam die Überlegung auf ob und wie eine Dachdämmung am besten zu realisieren ist.

Es handelt sich um ein Einfamilienhaus Bj. 1959. Am Haus wurden vor 6 Jahren sämtliche Fenster erneuert. Im Obergeschoss befinden sich zwei Kinderzimmer und ein kleines Bad.

Soweit wir wissen wurden die Dachziegel bisher noch nie erneuert, was wiederrum die Frage aufwirft ob diese in den nächsten Jahren auch ersetzt werden müßten. Ich denke das wäre dann vor Ort zu klären.....

Meine Fragen wären:

Wie auf den Bildern zu sehen sind keinerlei Dämmung (bis auf die vom Vorbesitzer angebrachte Kunststoffolie) vorhanden.
Ist es sinnvoll im unteren erreichbaren senkrechten Bereich zur Zimmerwand hin (um die Kälte zu verringern da die Betten zu Wand hin stehen. Bild 1 + 2) mit 120mm Klemmfilz zu Isolieren (es wären 7 Rollen + Arbeitskraft vorhanden). Wenn ja was für eine Folie sollte über dem Klemmfilz angebracht werden ?

Wie auf Bild 3 zu sehen, ist nach oben hin keine Isolierung vorhanden, gibt es Möglichkeiten den Zwischenraum zu Isolieren ohne das Dach abzudecken, evtl. Klemmfilz nach oben schieben ?

Was meint ihr, ist es eine sinnvoll Teildämmung oder sollte ich mir die Arbeit sparen und das Dach die nächsten Jahre komplett neu decken und isolieren lassen ?

Vielen Dank im voraus

Gruß Alexander



Moin Alexander,



laut EnEv bist du ohnehin verpflichtet bis Ende 2011 entweder dein Dach oder die oberste Geschossdecke zu dämmen. Mir konnte bisher nur noch niemand sagen wer das kontrolliert...also muss man den Termin nicht so verbissen sehen, denke ich.

Wenn du hier mal unter "Dachdämmung" etwas rumschmökerst, kannst du viel erfahren über den ganzen Murks der mit Teildämmung und Klemmfilz machbar ist....eine vollständige Dachdämmung ist da immer die bessere Wahl.

Solltest du die Hauswand auch dämmen wollen, gleich an den ausreichenden Dachüberstand denken.

Gruss, Boris



...



Hallo Alexander,

damit wir die gleiche Sprache sprechen: ... Du möchtest Dämmen, nicht Isolieren! ...

Einfach etwas Klemmfilz in den Zwischenraum (Dachschräge Bild 3) schieben erzeugt noch keine dauerhaft funktionstüchtige Dämmung! Für eine Dämmung mit Klemmfilz bräuchtest Du eine Dampfsperre an der Innenwand und eine Unterspannbahn oder sonstige Unterdeckungnach außen (unter den Ziegeln) um zum Einen die durch die Ziegel trotzdem eindringende Feuchtigkeit von der Dämmung fern zu halten und zum Anderen eine Hinterlüftung zwecks Rücktrocknung ohne direkte durchströmung des Dämmstoffes zu gewährleisten. Auch die ( ... wie Du schreibst ) vom Vorbesitzer angebrachte Folie (Bild 4) scheint diese Funktion hier eher nicht zu erfüllen. Weiterhin könntest Du auf diese Weise kaum garantieren daß sich im Bereich der Stöße größere Holräume bilden, da Du durch "Einschieben" nicht kontrollieren kannst, wie das Filze am Ende zu liegen kommt. Es heißt dabei auch nicht ohne Grund KLEMMFilz.

Weiß nun nicht, wie groß der zu dämmende Bereich wäre (evl. nur Teilfläche ?? ), und ob Du das Dach notfalls auch selbst angehen würdest. Auf Grundlage Deiner Infos würde ich erstmal sagen geh die Sache von Außen an (Alternativ innen), denn alles Andere ist Bastellei. Dein Dachdecker kann Dir sicher auch wichtige Tips zu möglichen Dämmaufbauten geben.
Für deine Entscheidung, jetzt oder später dämmen, wirst Du aber verscheidene Parameter mit einbeziehen müssen ( wie lange hält das alte Dach noch, wieviel kostet mich ein Neues, welche Einsparungen habe ich mit neuer Dämmung, ist eine Umgestaltung Grundriss im Dachbereich möglich o. sinnvoll, etc. ...)


Abschließend zum Drempel und Deiner überlegten Teildämmung. ... Auf Bild 1,2 und 4 sieht es fast so aus, als ob da im Drempel eigentlich schon eine Dämmung aus Glas- oder Mineralwolle drinnen ist. Richtig!? ... Wenn ja, könntest Du hier freilich weiter aufdicken. Eine extra Folie brauchst Du dort nicht unbedingt. Wenn, dann aber auf jeden Fall dampfoffener als die Rauminnenseite der Wand.

Vom Wohngefühl her bliebe es damit wohl aber trotzdem eher kalt, sofern die Dachschrägen wirklich nicht gedämmt sind. Kann es evl. sein, daß Du trotzdem eine Dämmung hast und der Hohlraum aus Bild 3 lediglich als Hinterlüftung dient!?

Versuch das doch mal zu analysieren woher die Kälte eigentlich kommt! Eine weitere Möglichkeit wäre noch, daß der vorhandene Aufbau bisher nicht wirklich winddicht ist, was mir realistisch scheint.





Gruß aus Berlin,
Stephan


PS:

Nochmal zur ENEV: ... Die Bestimmung ist nicht daß Du bis 2011 gezwungen bist, eine Dämmung zu haben, wie Boris schrieb! Ab diesem Jahr besteht aber eine Nachrüstverpflichtung für die begehbare obere Geschossdecken (alternativ Dach) bei baulichen Änderungen auch für Einfamilienhäuser. Trotzdem gibt es hierzu noch genügend Ausnahmen. ... Wie ich Dich verstanden habe geht es Dir schon irgendwie um die Heizkosten und das Wohnklima. Als dämmen, aber richtig! ...



Kaltdach dämmen / teildämmen ?



Vielen Dank für die Antworten.

den gedanken das Dach ohne es abzudecken zu dämmen habe ich verworfen da es nicht sinnvoll machbar ist.

In den nächsten Wochen werde ich die möglichkeit haben das Dach einem Ortsansässigen Dachdecker zu zeigen. Mir wäre wichtig zu wissen wie es um die Ziegel steht.....

Wenn die Ziegel von der Substanz in Ordnung wären, würde ich mit der Teildämmung des Drempels beginnen. Zwischen zwei Sparren habe ich zur Probe bereits gedämmt und konnte ohne Probleme noch ca.60cm in die Dachschräge hinein den Klemmfilz sauber anbringen.
Desweiteren konnte ich noch einige Wind undichte Stellen ausmachen die noch bearbeitet werden müssen.

Zur evtl. vorhandenen Dämmung habe ich ein Foto hochgeladen. Das Foto habe ich aus dem Drempel heraus zur Innenwand hin geschossen. Die Zimmerwand/-decke ist ist ca. 15cm dick und nach aussen hin liegt überall diese schwarze ca.0,5cm dicke Filzmatte auf. Denke das das nicht als Dämmung durchgeht ?

Mir ist klar das ich mit dieser Maßnahme keine tiefgreifende Änderung herbeiführen werde, da ich den Großteil der Materialien ( Restbestände einer Renovierung von 1998) bereits habe ist es sicherlich eine schnelle und preiswerte Zwischenlösung bis es zu einer kompletten Modernisierung des Daches kommt.

Gruß
Alexander



Was ist drunter ...



Hallo Alexander,

auf Deinem Bild sind Heraklit Platten (Holzschnitzel mit Zement gebunden) zu sehen, die durchaus einen gewissen (wenn auch nicht hohen) Dämmwert besitzen. Du schriebst auch, daß die Wand etwa 15cm dick ist. Weißt Du was hinter den Platten ist? Denke mal, daß dort evl. bereits eine Dämmung sitzt, die aber möglicherweise nicht ganz in Ordnung ist (z.b. in sich zusammengesackte Glasfaserdämmung).

Das was auf Deinem ersten Bild nach Dämmung aussah, und was Du nun als 5mm dicke Filzmatte beschreibst ist wahrlich keine Dämmung. Möglicherweise sollte diese mal als Winddichtung dienen. Sieht aber recht schwarz aus! Kannst Du sagen ob das evl. Schimmel ist? Wenn ja, solltest Du dann grundlegend etwas am Wandaufbau ändern (Dampfbremse/-sperre), da offensichtlich warme Luft von Innen auf die kalte Seite strömen kann und dort Feuchtigkeit durch Kondensation entsteht!

Gruß,
Stephan