Was ist effektiver: Dämmung obere Geschoßdecke oder Dach?

15.05.2007



Grüß Gott zusammen,
habe mit großem Interesse schon etliche Beiträge gelesen,
habe nun aber doch eine Frage:
Ich möchte das oberste Geschoß eines alten Gasthofes (Bj. 1840, Grundfläche ca 300 qm , Deckenhöhe ca. 2,80 m) nach
oben hin Wärmedämmen. Es handelt sich um eine Holzbalkendecke,
auf der Oberseite mit 3-4 cm dicken Fichtendielen belegt, auf der Unterseite teils mit Rigips, teils mit noch alten dünnen Platten ? verkleidet. Der Zwischenraum zwischen den Balken ist leer.
Jetzt gibt es Leute, die sagen, die Dämmung der Decke reicht aus, andere sagen, das bringt gar nichts, es muß das Dach
gedämmt werden. Oder sollte man beides machen?
Gibt es irgendwelche Erfahrungen diesbezüglich?
Vielen Dank vorab!



Welche Nutzung?



Es kommt darauf an, was du mit dem Dachboden anfangen willst.
Wenn er nicht ausgebaut wird ist eine Dämmung der Decke das Mittel der Wahl. Ich meine damit, dass der Fussboden des Dachboden mit Dämmung versehen wird. Eine Dämmung der Zimmerdecke von innen wird auf jeden Fall nicht so effektiv sein wie von oben den Fußboden zu dämmen.

Einen Dämmung des Daches würde bewirken, dass der Dachraum auch temperiert wird. Ich weiß nicht ob du das willst.

Also, wie sieht die Nutzung aus?



Die Alten erhalten!



Hallo Sven,

die erste und wirksamste Dämmmaßnahme ist im Haus die ausreichende Dämmung der Dachbodendecke (vorausgesetzt du willst den Dachboden nicht gleich ausbauen) und zwar noch vor Fenstern und Wänden. Ich würde auch eine Dämmung auf den Balken bevorzugen, da diese einfacher und wahrscheinlich auch billiger aufzubringen sein wird.

Gruß J. Simon



Wenn



Du die Möglichkeit und die Mittel hast, ist eine Dämmung beider Bauteile mit der Option auf einen Dachausbau, die effektivste Lösung und steigert natürlich auch den Wert des Hauses!
Gruß aus Dortmund
Harald VIdrik



langfristiger Ausbau geplant



Vielen Dank für die prompten Antworten!

Das wichtigste ist, daß das oberste Geschoß vor dem nächsten Winter vernünftig bewohnbar ist.

Der Dachboden ist langfristig als Ausstellungsraum geplant.Da es irgendwann auch neu eingedeckt werden muß, wäre wahrscheinlich dann auch eine Dachdämmung anzudenken.

Meine Überlegung war jetzt einfach: erstmal (relativ kostengünstig) die Decke zu dämmen und in 3 bis 5 Jahren das Dach oder gleich in ein neues Dach, eventuell mit Dämmung auf den Sparren, investieren und sich die Deckendämmung sparen?



Doppelt gemoppelt ist nicht immer besser



Hallo Sven,
wenn der Ausbau tatsächlich in schon 3 Jahren realisiert werden soll und das Dach sowieso fällig ist, dann wäre mein Rat, gleich das Dach zu machen und ordentlich zu dämmen. Es wird dann vorübergehend der Speicher mittemperiert (oder gar mitgeheizt), aber langfristig macht die Kombination von Decke und Dach m. E. nicht viel Sinn, wenn beide Etagen in etwa gleich beheizt werden und außerdem verliert man ja für den Dachausbau jede Menge Höhe.
Viel Erfolg so oder so!



Dach



Wärmedämmung, Decke Schallschutz!
Gruß aus Dortmund
Harald VIdrik



Verschiedene Sichtweiten



Für's erste würde ich nur die letzte Decke dämmen!
Der spätere Ausbau bringt unweigerlich neue betrachtungen mit sich und wird dann erst dementsprechend betrachtet.
Jetzt eine Einblasdämmung ausführen lassen und später weiterbetrachten.

Grüße

Udo



Werde mal...



von beiden Varianten Angebote einholen und ´ne Nacht drüber schlafen. Werde vermutlich erstmal eine kostengünstige Deckendämmung durchführen.
Danke für die Stellungnahmen!
Grüße,
Sven



Decke



Hallo

ich kann ihnen auch die Dämmung der Decke empfehlen. Es ist weniger Fläche als das Dach, und daher a) effektiver und b)deutlich billiger. Dämmung der obersten Geschossdecke ist eine Massnahme, die sich innerhalb weniger Jahre (2-3 Jahre) bereits amortisiert, nach dem was ich gelesen habe ist es die effektivste Wärmedämm-Massnahme von allen. Es lohnt sich also auch dann, wenn sie in 3-5 Jahren das Dach ausbauen. Unter Umständen kann man in die Decke Zellulose einblasen (Isofloc), das ist sehr einfach (Kosten etwa 600 Euro je 100 m2 Fläche). Ich habe das bei mir gemacht und bin sehr zufrieden.

Viel Erfolg
stt



Hallo Herr Trapp



muß wahrscheinlich gut abgedichtet werden, damit das kein Paradies für Mäuse etc. wird? Nach unten sind es jetzt teilweise Rigipsplatten, auf jeden Fall dicht; zum Dachboden hin nur lose Dielen verlegt...

Haben Sie auch eine Dampfsperre eingebracht; wenn ja, in welcher Ebene?

Danke und schöne Grüße,
Sven Clormann



keine Mäuse



Lieber Herr Clormann

ich habe Mäuse schon im 8. Stock eines Hochhauses gehabt, im Gartenhaus, im Kompost, im nagelneuen Reihenhaus - aber in meinem jetzigen Haus mit der gedämmten Geschossdecke sind noch keine aufgetaucht. Das liegt vermutlich nicht an der Katze, sondern daran, dass es nichts zu futtern gibt.

Die Zellulose ist eigentlich ganz gut "eingepackt", unten die vor Urzeiten üblichen Schilfmatten als Putzträger, darauf Putz, oben 2.4 cm starke Holzdielen. Ich glaube nicht, dass es für Mäuse einen Unterschied macht, ob da Hohlraum ist oder Zellulose (die ist ja auch mit Borsalz; ist nichts zum Essen für Mäuse, denk ich). Aber was weiss ich, was Mäuse mögen.


Dampfsperre habe ich keine. Es gab ein paar wenige nasse Stellen in der Zellulose, teilweise aufgrund Feuchte von oben, zwei Stellen vermute ich aber aufgrund von Feuchte von unten (Tauwasser). Das hat mich zwar im Winter etwas beunruhigt, es ist inzwischen aber gut abgetrocknet. Nach Aussage meines "Isofloc-Fachmanns" ist das auch in Ordnung, Zellulose verträgt kurzfristige Feuchte, wenn sie nur wieder gut trocknet. Der Dämmstoff ist jetzt aber erst 1 1/2 Jahre drin, insofern kann ich keine Aussagen zum Langzeitverhalten machen. Ich bin jedoch zuversichtlich, dass es gut geht. Ansonsten kann man auch Dampfbremsen-Tapeten von unten aufbringen, das ist nicht sehr aufwendig.

Von der Dämmwirkung her sind 18 cm Zellulose in der obersten Geschossdecke eine feine Sache, man sieht's am Dach wenn Schnee liegt, und es bleibt auch gut warm in den oberen Räumen. Die Kosten waren mit 600 Euro so niedrig, dass ich nicht lange darüber gegrübelt habe.

Soweit meine Erfahrungen.

Grüsse
stt (Herr Trapp)



Lohnt sich das wirklich ...?



Ich denke, wenn man sicher ist, dass das Dachgeschoss ausgebaut wird, kann man das mit der Dämmung evtl. anders handhaben.

@ Herr Trapp: Sie sagen es amortisiert sich innerhalb von 2-3 Jahren. Das ist gut für das Portemonaie ... aber vielleicht doch etwas pauschal, weil es doch von so vielen Faktoren abhängt ...
Aber einen Punkt sprechen sie dabei gar nicht an. Sie verbrauchen viel mehr Dämmstoff wenn sie beides dämmen als bei einer Dachdämmung (ohne Deckendämmung). Wie sieht da wohl die Ökobilanz aus. Mehr Dämmstoff mehr Energieverbrauch. Zwar nicht bei Ihnen, aber bei der Herstellung.

@ Herr Clormann:
Wenn ich das richtig heraushöre, könnten Sie auch sofort das Dach machen ..!? Wenn dem so ist, würde ich nur die Dachdämmung empfehlen und den Speicher für die Zeit bis zum Ausbau dadurch leicht "mitheizen".
Als alternative fällt mir sonst noch ein einen Dämmstoff, der später im Dach weiterverwendet werden kann, (Holzweichfaserplatten z.B.) auf dem Boden des Speichers auszulegen. Damit hätten sie jetzt die Geschossdecke gedämmt und könnten den Dämmstoff resoucenschonend später weiterverwenden.
Doppelte Dämmung macht aus meiner Sicht keinen Sinn, es sei denn Sie wollten auch einen Schallschutz zwischen dem Speicher und dem darunter liegenden Stockwerk erreichen. das ließe sich dann evtl. sinnvoll mit einer Deckendämmung verbinden.

Ich wünsche fröhliches knobeln. Leider gibt es bei so etwas keine Patentrezepte. ;-(



@Henning



na ja, Isofloc ist doch Altpapier - da ist der Ressourcenverbrauch eigentlich gleich null, oder? Und ich glaube immer noch, dass die oberste Geschossdecke viel effektiver gedämmt werden kann als das Dach (weniger Fläche, keine Balken, keine Wärmebrücken).

Also ich find's gut.

wieder Grüsse
stt



Und ...



wie kommt das Altpapier zum Isoflocwerk?
wie wird es zu Isofloc verarbeitet?
wie kommt es zu dir?

Wenn man das Dach umdeckt. (Was ja angedacht ist.) Gibt es auch nicht mehr Wärmebrücken. -> Aufdachdämmung. Da merke ich das mein Tip bzgl. Holzweichfaser vielleicht doch nicht so gut war. Läßt sich als Aufsparrendämmung nur bedingt verwerten. Evtl. gleich Platten kaufen, die als Aufsparrendämmung zugelassen sind.

Was hilft die Dämmung der oberen Geschossdecke dem Ausstellungsraum? Da muss dann zusätzlich gedämmt werden.

...



ganz schön schnelle Antwort



Herr Henning, da haben sie zweifellos recht.

Ich würde dennoch raten: bevor man nichts macht, sollte man auf alle Fälle die oberste Geschossdecke dämmen. Das lohnt praktisch immer und ist nicht sehr aufwändig. Und wenn man viel Geld hat, und einen grossen Umbau machen will, dann kann man das vielleicht auch anders machen.

Schönen Restfeiertag noch und gute Nacht
stt





Zitat:
Ich würde dennoch raten: bevor man nichts macht, sollte man auf alle Fälle die oberste Geschossdecke dämmen.


Dagegen sage ich ja nichts. Nur ist es besser, wenn man es dann später nach oben bewegen kann. Das ist dann noch besser für das Portemonaie. ;-)



Isofloc hört sich gut an.



Hallo nochmal,

Isofloc ist nun glaube ich mein Mittel der Wahl, mal schauen,
was das hier (Raum Landsberg am Lech) so kostet.
600 EUR / 100qm ist ja wirklich ok.

Nur aus Interesse: HAt jemand gute Erfahrungen gemacht, einfach die klassische Isover Glaswolle Zwischensparrendämmung zwischen die Deckenbalken zu packen?

Die Weiterverwendung einer Aufdachdämmung, die man vorübergehend erstmal auf die Decke legt ist auch eine gute Idee. Allerdings müsste sie begehbar sein, das heisst ich muß erstmal irgendwelche Platten drauflegen. (Kosten)



Nochmals schönen Dank für die rege Beteiligung und allen ein schönes WE,

Sven Clormann



Glaswolle



Hallo Sven
Bezüglich Glaswolle kann ich dir nur positives berichten. Ist die heute gängige Methode ein Dach zu dämmen. Egal ob zwischen Deckenbalken oder Sparren. Habe ein ungefähr gleichgroßes Haus und bei mir im Dachgeschoß die Dachschrägen in den Wohnräumen und die oberen Geschoßdecken damit gedämmt. Komme bei 300 m2 WF mit 1000€ Gas/Jahr aus. Aus meiner Sicht, macht es keinen Sinn diese Häuser bis in die Sparrenspitzen zu dämmen, es sei den du baust die drei Etagen Wohnraum in dein Haus. Generell sollte nur Wohnraum gedämmt werden, sonst wir Energie in ungenutzte Räume vergeudet.
Gruß Juergen



Glaswolle



Mit Glaswolle hat mein Vater gedämmt. Die Dämmwirkung ist wirklich gut. Nachteil: es juckt. Zumindest beim Verarbeiten. Und ehrlich gesagt, ich bilde mir ein, dass der Staub dort auch juckt.

Grüsse
stt



Begehbare Dämmung ...



das hattest du vorher nicht erwähnt - also begehbar. Wenn das bedeutet, dass du da ab und zu etwas lagern willst. Also normale Dachbodennutzung, könntest Du mit folgenden Platten evtl. etwas werden.
STEICO canaroof
STEICO roof
oder vergleichbare Produkte: Gutex, Doser, Homatherm, Pavatex, Hofatex ... etc.

Die sollten für diese Art Belastung ausreichen. Da die Dachfläche ja größer ist als der Boden, kannst du evtl. doppelt verlegen.

Ich würde diese Variante (wie du merkst) immer noch der Isofloc Variante vorziehen. Doppelt dämmen ist doch nicht nötig und wie ist das mit der Feuchtigkeit im Isolfloc ohne Dampfbremse ...? Ich wäre da sehr skeptisch. Das stellt man dann erst nach einigen Jahren fest ob die Entscheidung richtig war! So ist das halt.

Wie auch immer viel Glück!!!!!



Preis pro m²?????



@:) Sven Clormann

Da scheint aber bei Deiner Preisangabe einiges nicht stimmig zu sein!
Der Preis richtet sich eigentlich nach kg/m² eingeblasener bzw. verarbeiteter Menge!
Also wieviel Zellulose pro m².
Dies wiederum hängt von der Konstruktionsneigung und der Einblasstärke ab!
Wir verarbeiten Climacell und kommen da bei einer waagerechten Einblasebene unter einen bestehende Holzkonstruktion (Dielenboden) auf wesentlich höhere Werte (Preise). Und bei Isofloc liegen die Preise nocht etwas höher.

Rückmeldung wäre dazu sinnvoll, auch über persönliche E-mail mnöglich.

Grüße

Udo



Kommt auf die Dicke an



Udo, Jens

ihr habt Recht. Es kommt bei den Preisen wirklich auf die Menge an - und damit auf die Dicke der Schicht ebenso wie die Fläche.

Grüsse
stt



Rauminhalt Decke



Die Hütte hat eine Grundfläche von ca. 300 qm (Aussenmauer)
Die Balkendicke in der Decke beträgt schätzungsweise 20 cm.
Nach Abzug der Fläche, die die Balken ausfüllen, und der Fläche des Treppenaufgangs bleibt eine zu befüllende Fläche von ca. 200 qm (Rauminhalt von ca. 40 Kubikmeter). Macht man die Füllung komplett dicht oder nur in einer bestimmten Dicke?

Reicht das als Angabe für eine Preisangabe?

Grüße,
Sven Clormann



Preisvergleich



Lieber Herr Clormann

ich mache keine Preise, ich bin nur Kunde. Mein Kubikmeterpreis war 57 Euro (ohne MWST). Isofloc Fachbetrieb, Neustadt in Holstein, komplett mit Einblasen. Etwas billiger (50 Euro) wurde es noch dadurch, dass ich mitgeholfen habe (Säcke schleppen und Einfüllen). Bei Ihnen ist das Volumen doch erheblich höher, so dass der Preis vermutlich auch deutlich höher wird.

Mir wurde gesagt, man solle bis oben auffüllen. Dies deswegen, weil das Tauwasser an der Oberfläche der Isolierung anfällt. Bleibt ein Hohlraum, kann es nicht kapillar abgeführt werden.

Weiteres kann Ihnen vielleicht Herr Udo Mühle mitteilen?

Beste Grüsse
stt



Alter Gasthof



Hallo Herr Clormann,


haben Sie das Haus in Apfeldorfhausen gekauft?

Hab ein altes Bauernhaus ganz in der Nähe, vielleicht kann man sich mal austauschen....bei mir steht auch noch ne größere Renovierung bevor.

Herzlich, Klaus Mergel



Apfeldorf



Hallo Herr Mergel,

es handelt sich um ein Anwesen in Apfeldorf.
Ein Erfahrungsaustausch wäre prima!
Wo sind Sie denn?
Bitte melden unter info@clormanndesign.de

Grüße, Sven Clormann