Dachisolierung

27.09.2005



Hallo!
Ich habe ein Fachwerkhaus (ca. 250J .) erworben das ich vermiete. Der Mieter beklagt sich, dass es in der Dachwohnung zieht. Ich habe nun feststellen müssen, dass das 2 stöckige Dachgeschoss überhaupt nicht isoliert ist. Das will ich ändern.
Unter den Ziegeln ist weder eine Folie, noch Isoliermaterial.
Mein Gedanke ist nun, eine Firma zu beauftragen, die das Dach abdeckt, Dämmwolle einlegt und (wenn möglich) mit den alten Ziegeln neu deckt - um die Kosten im Zaum zu halten. Gerade bei den heutigen Energiepreisen möchte ich meinem Mieter so helfen. Ich weiss, es ist si nicht einfach, aber haben Sie einen Vorschlag?
Gibt es da möglicherweise Zuschüsse (sehr kurzfristig)?
Vielen Dank und Gruß

Reiner Hanika



Dämmung mit Hanf



Hallo Herr Hanika,
wenn Sie wie beschrieben dämmen wollen, würde ich Hanf empfehlen+ eine Luftstromdichtigkeitsebene. Das könnte eine
Holzfaser- Unterdachplatte sein mit Nut und Feder.Von außen auf die eingebrachte Hanfdämmung statt Unterspannbahn Verlegen und die Stöße mit geeignetem Klebematerial verkleben.Dann den normalen Dachaufbau.
Rückfragen i.o.!
MfG Andreas Breuer
Ökologische Baustoffe



Aufsparrendämmung



Bei uns wurde auch das Dach abgedeckt. verlandert mit Brettern. Dampfbremsfolie. Dann Sparren aufgedoppelt.18 cm Glasfaser, darauf 2 cm Holzfaserdämmplatte, Unterspannbahn, Lattung und Ziegel.

Ist eine super Isolierung und neue Ziegel, wenn es nicht grad 500 qm sind, sind auch nicht so teuer, Betondachpfannen tun es ja auch wenn alles stabil genug ist.



Aufbau



In die Gefache ist zuerst eine Luftdichtigkeitsschicht in Form eines verstärkten Papiers (z.B. BI-Moll) einzubringen. Dann von außen Holzweichfaserplatten, evtl. mit Aufdopplung der Sparren. Wenn Sie eine wasserabweisende Weichfaserplatte nehmen brauchen Sie keine Unterspannbahn mehr. Eine Abklebung der Stöße ist auch nicht nötig, außerdem kaum dauerhaft haltbar. Der Hohlraum kann dann mit Zellulose ausgeblasen werden. Vorteile: kaum teurer als eine gute Mineralwolle, keinerlei Fehlstellen, guter somerlicher Wärmeschutz.
Dann Konterlattung, Lattung, Wiedereindeckung.

Die Bestimmungen der EnEv für den Wärmeschutz sind einzuhalten.

Für Dämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen, wie z.B. Flachs oder Hanf können Sie einen Zuschuss von bis zu 35 Euro/ cbm erhalten (www.fnr.de).



Dachisolierung



Bei soviel gleichermaßen zutreffenden wie für den Laien verwirrenden Rezepten (jedes schmeckt anders) der Versuch einer Systematisierung.
Das Dach braucht
1. eine Dachhaut;
die sollte in jedem Fall aus guten Tonziegeln bestehen, möglichst alten, vielleicht auch gemischt, wenn die alten zu schadhaft sind. Einfach die schlechten aussortieren und durch neue ersetzen.
Betondachsteine (die heißen nicht "Ziegel") gehören nicht auf einen Altbau !
Ziegel gehören auf Lattung und Konterlattung, damit das Wasser ablaufen kann und eine gute Unterlüftung gewährleistet ist.
Das Unterdach gehört zur Dachhaut. Im billigsten Fall besteht es aus einer Folie, die oft genug nicht richtig an durchstoßende Bauteile, Gauben und Fenster angeschlossen wird. Alternative kann
a) eine bituminierte Weichfaserplatte sein, Dicke abhängig vom Sparrenabstand
b) eine Rauhspundschalung
Persönlich bevorzuge ich letztere, weil sie dem Dach mehr Festigkeit gibt.

2. eine Dämmschicht
Hier haben Sie die Qual der Wahl:
Nachwachsende Rohstoffe = gut und teuer, auch mit Zuschuß
Aufsparrendämmung = meist aus PU, ersetzt gleichzeitig Unterdach, gute Wirkung + schlechte Ökobilanz, Anschlußprobleme am Giebel
Zwischensparrendämmung = Regelausführung, Material hierbei
entweder Steinwolle, Glaswolle oder nachwachsende, oder Zellulose.
Meine Wahl: Steinwolle, brennt nicht (schmilzt erst oberhalb 1200 °C), selbst einbringbar (Atemschutz), kostengünstig.
Zellulose: Einblasen klingt zunächst bestechend, bei Feuchtigkeitseinwirkung entsteht leider Pappmachee´, der Einbringvorgang ist weder standardisiert noch zertifiziert, sodaß der Wärmeleit-Rechenwert leider Rechenwert bleibt und niemand weiß, wie es dahinter wirklich aussieht.
Die "Ausrüstung" mit Flammschutzmitteln ist m.E. (andere sehen das anders) auch nicht aus der Öko-Bibel abgeschrieben.
Aber es gibt eben Freunde dieser Methode.

3. eine Innenschale
die aus einer Dampfbremse und der innenraumbekleidung besteht.
Auch hier gibt es Anhänger "wechselfeuchter" Dächer, die meinen, ein nasses Dach trockne auch wieder aus, wenn es nur aus natürlichen Baustoffen bestehe. Nicht ganz falsch, aber die Dämmung ist eben in der feuchten Zeit auch zum Teufel.
Stand der Technik ist bei Verwendung von Mineralfaser und Zellulose eine Dampfbremse.
Geatmet wird mit Frischluft aus dem Fenster.

Gutes gelingen !



Ergänzung



Unterdach:
Eine Rauhspundschalung alleine erfüllt nicht die Anforderungen an ein Unterdach.
Bituminierte Weichfaserplatten gehören auf kein Dach. Bitumen enthält krebserregende Stoffe, die zwar nicht in den Innenraum gelangen, aber sie sind vermeidbar. Heutzutage werden Weichfaserplatten mit einer Latex- oer Paraffinschicht verwendet.



Dachziegeln



Hallo Herr Hanika,
bei einem 250 Jahre alten Fachwerkhaus ist es sehr gut möglich das es unter Denkmalschutz steht. Wenn dem so ist, sollten Sie auf alle Fälle vor Beginn der Massnahme Kontakt mit der unteren Denkmalschutzbehörde in Eschwege aufnehmen. Denn ein Ersatz der alten Ziegel durch Betondachsteine würde dann wahrscheinlich in´s Wasser fallen. Auch eine Aufdachdämmung wäre mit Sicherheit genehmigungspflichtig. Mit etwas Glück bekommen Sie dort auch Zuschüsse (allerdings dauert es ein wenig).

Grüße aus dem Werra-Meißner Kreis
Martin Wittwar