Altes Scheuendach dämmen, aber wie ?

21.10.2011



Hallo,
ich plane nächstes Jahr eine alte Scheune umzubauen, dabei muss auch das alte Dach gedämmt werden. Ich habe schon verschiedene Lösungen für das Dach, allerdings bin ich nicht sicher, welche die sinnvollste ist.
Situation: Das Dach wurde vor ~11 Jahren mit damals neuen Ziegeln eingedeckt, weil sie aber noch als Scheune genutzt wurde, wurde auf die Folie unter den Dachziegeln verzichtet (siehe Foto).
Nun habe ich folgende Möglichkeiten:

1)Dachziegel runter, Aufsparren-Dämmung drauf, Dachziegel wieder hoch (Bild 2a)
2)Dachziegel drauf lassen und von Innen dämmen (Bild 2b)
3)Dachziegel drauflassen und Untersparren-Dämmung (Bild 2c)

Ich habe schon mit 2 Dachdeckern kurz gesprochen, der eine sagt „Auf jeden Fall die 1. Lösung“, der andere „auf jeden Fall die 2. Lösung“. Mir ist bewusst, dass die 1. Lösung die bauphysikalisch Beste ist, aber ist sie mit Blick auf die Kosten auch die Sinnvollste.
Ich bin für jede Argumentation zu den Lösungen dankbar.

Beste Grüße



Zellulosedämmung



4)Dachziegel lassen, Hartfaserplatte ("Schrankrückwand") auf Leisten unter die Ziegel (Lüftungsebene), Zelluloseflocken (eingeblasen), OSB/Span-Platte auf die Balken (evtl. aufgestockt).

- - - wie sähe diese Lösung aus (mein laienhafter Vorschlag)



Wenn ich das Bild richtig deute,



dann sind das nur 12er oder 14er Sparren. Damit bekommt man eh keine vernünftige Zwischensparrendämmung hin, zumal, wenn man noch eine Latte und eine Platte einbaut. Man müßte also so oder so noch zusätzlich Aufdoppeln und zusätzlich dämmen.
Ich bin bei dieser Lösung mit den Latten und den Platten eh immer etwas skeptisch...wie genau will man denn diese Platten dicht bekommen ? Für den Fall, daß sich eine der Dachziegeln verabschiedet oder nur nen Riß bekommt, läuft einem das Regenwasser doch zumindest am Sparren runter und sucht sich irgendwo den Weg in die Dämmung.
MMn. ist die Aufdachdämmung hier wirklich sinnvoll und macht sich auf Dauer ganz sicher auch bezahlt. Und wenn man das Dach ordentlich einlattet und dabei ein Lattmaß um die 34 cm einhält, dann muß man in 15 - 20 Jahren (dann sind vermutlich Ihre Dachziegel auch hinüber) nur noch die alten Dachziegel runternehmen und die neuen Dachziegel drauflegen.
Also ich bin eindeutig für Lösung 1 - auch, wenn es dem Geldbeutel wehtut.

Gruß Andreas



Keine Hartfaserplatte



als Außenbegrenzung der Dämmung!!! Die ist physikalisch zu dicht!!!
Wenn Du statt dessen Weichfaserplatten nimmst funktioniert das. Damit hast Du aber nur eine funktionierende Dämmung und kein Regensicheres Unterdach. Das kriegst Du nur, wenn Du bereit bist Deckung und Lattung abzunehmen und die Weichfaserplatten auf den Sparren montierst. In diesem Aufwasch kannst Du dann auch das Dach mit ca. 20er Bohlen ausgleichen ( seitlich an die Sparren genagelt. Wenn Du von innen OSB-Platten dranmachst kannst Du 20cm ausflocken und hast mit den Weichfaserplatten 22cm Dämmung.
Gruß
Ralph



Vielen Dank für die Antworten



Erstmal danke für alle Antworten. Ich denke, dass ich um das Abdecken des Daches nicht drumrumkommen werde. Zum Glück gibt es hier auf dem Hof genügend Leute und Maschinen, sodass ich das Pfannen runternehmen wahrscheinlich selber vorbereiten kann.

Grüße Nississippi





Hallo Nississippi,

die Geschichte mit der Spanplatte solltest Du so nicht ausführen. Dämmung heißt – wie Herr Schneidewind bereits geschrieben hat – regensicheres Unterdach, das eben die Dämmung vor Regen, Flugschnee etc. schützt.

Bevor Du das Dach anfasst, solltest Du aber einmal durchrechnen lassen, welches Gewicht Deine Sparren überhaupt tragen können und welche Dämmung somit möglich sein kann, bzw. ob die Sparren ertüchtigt werden müssen. Dies musst Du aber ohnehin machen lassen, da der Umbau / die Umnutzung der Scheune in Wohnraum genehmigungspflichtig ist.

Die Aufsparrendämmung ist im Übrigen auch nicht immer der Weisheit letzter Schluss, da spätestens die Dachgeometrie eines Altbaudaches dem starren Polysterol-Material die Grenzen weisen kann.
Eine Spaltbildung zwischen den Platten führt zu Temperaturunterschieden im Gefüge oder gar zu Hinterströmungen der Platten.
Die Hersteller verlangen in der Regel einen planen Untergrund und eine normgerechte Luftdichtheit nach DIN 4108 des Unterbaues. Von den "Systemschaum"-Orgien einmal ganz zu schweigen.

Konzeption & Planung => Genehmigung => Ausführung

Gruß aus Wiesbaden,
Christoph Kornmayer