Dachdämmung-Dachsanierung: Welcher Aufbau?

03.08.2010



Hallo zusammen,
ich bin neu im Forum und suche Hilfe bei folgendem Problem:

Ich habe ein Fachwerkhaus geerbt; Bj. 18.Jhdt. . Das Dach ist ausgebaut, aber nicht oder in den Abseiten höchst schlampig gedämmt.

Im Zuge einer vorausschauenden Werterhaltung trage ich mich mit dem Gadanken, das Dach neu eindecken zu lassen nebst einer Aufdachdämmung.
Das Dach hat folgenden Aufbau: Auf den Sparren sind Bretter angebracht. Darüber möglicherweise eine Dichtfolie/Dachpappe und darauf Schieferdeckung.

Wie wäre nach Eurer Meinung ein wirtschaflticher und bautechnisch solider Dachaufbau?

Ich habe am Donnerstag einen ersten Termin mit dem Dachdecker; ferner möchte ich einen befreundeten Architekten zu Rate ziehen.

Gleichwohl wäre ich für Tips von "Fachwerkern" dankbar.
Realisierung Frühjahr/Sommer 2011 (vorher denkmalschutzrechtlicher Genehmigungs- und Förderungsantrag, KfW-Antrag)

Ich weiß: Suche bemühen, aber ich bin nicht recht fündig geworden-jeder Fall liegt halt ein wenig anders.
Außerdem bin ich im Forum noch ein wenig desorientiert:)

Viele Grüße

Howie





Hallo Howie,

Sie sollten trotzdem die Suche bemühen.
Das Forum ist voll von derartigen Beiträgen.

So wie die Frage gestellt ist, ist es erstmal eine hier tausendfach diskutierte Dachdämmung, nichts außergewöhnliches also.

Grüße aus Schönebeck



Erst mal abwarten



was Ihr Bekannter so vorschlägt.
Dann könnte man auch was dazu schreiben.



Ergänzung



Ergänzend sei hinzugefügt:
Ich komme von innen nicht ans Dach ran; daher kommt nur eine Dämmung von außen in Betracht.

Nach dem Termin Morgen werde ich weiter berichten.

Viele Grüße

Howie



Wenn von Innen kein Zugang möglich ist und ...



.. von außen eine Aufdachdämmung angedacht ist, dann würde ich vorher mit dem Amt für Denkmalschutz reden. Die könnten sonst Dein Konzept noch mal kräftig durcheinanderbringen.

Grüße aus Frangn

Frank von Natural-Farben.de



Grobkonzept steht



Hallo zusammen,
nach Begang mit Dachdecker und Architekt ein übereinstimmendes Ergebns:
Es soll eine Aufsparrendämmung geben, bei der auf die Bretterschalung Verbundelemente vom Typ ThermoSklent oder Linitherm o.ä. draufkommt. Dann ggf. diffusionsoffene Vordeckung und abschließend Schieferdeckung. Ich werde das entsprechend auch mit dem Denkmalschutz besprechen.

Wie seht Ihr das Konzept; insbesondere: Soll man noch die diffusionsoffene Vordeckung einplanen (auf der Produktseite von ThermoSklent wird das als nicht zwingend erforderlich betrachtet)?

In den nächsten zwei Wochen kommt das Angebot - mal schauen, ob ich Herztropfen brauche:)

Herzlichen Dank vorab.

Howie



Herztropfen



oder besser ein Schnaps!!
Erste Wahl das Material! Nicht billig, aber beste Wärmedämmeigenschaften.
Jetzt kommen natürlich wieder die Fraktion mit Lehmhobelzeug und Schafwolle und und und.
Haben aber alle nicht die Eigenschaften wie Sklent.
Man kann es nicht jedem Recht machen.



Fachwerkhaus Bj. 18.Jhdt...



..."Im Zuge einer vorausschauenden Werterhaltung trage ich mich mit dem Gedanken, das Dach neu eindecken zu lassen nebst einer Aufdachdämmung"

@Howie
Mit dem EPS-Aufdachschaum wird das keine Werterhaltung und ein Haus mit Baujahr 17XX wird in der Dachlandschaft erbarmungslos verstümmelt oder verschandelt.

Die Anschlussfragen in Sachen Luftdichtigkeit bei einem alten Dachstuhl mit solchen EPS-Platten überlasse ich mal den Experten - aber nachfragen werde ich, wie das ordentlich gelingen soll.

Ohne Knagge kein ThermoSklent

... und wenns mal zu große Fugen gibt, dann mit Ortschaum nachhelfen ...

Eigentum verpflichtet - historische Bausubstanz fordert von dem Eigentümer ein umsichtiges "Werterhalten". Eine Aufsparrendämmung in dieser Art risikiert die alte Bausubstanz.

Grüße aus Frangn

Frank von Natural-Farben.de



Alternative?



Tja, wie es nicht geht, wissen viele....

1. Knagge: Logisch mit Knagge oder Traufbohle
2. Luftdichtheit: Die Frage der Luftdichtheit ist doch keine Frage des Dämmstoffs, sondern der gesamten handwerklichen Ausführung. Die verwendeten baustoffe haben höchstens Einfluß auf die Diffusion. Und hier haben derartige Systeme offenbar Befürworter.
3. Warum soll das Dach nacher verschandelt aussehen im Vergleich zu vorher.
4. Warum wird die Bausubstanz gefährdet? Hier fehlt mir eine Begründung.

Generell kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, daß Sie dogmatisch im Sinne des Denkmalschutzes und der "Natürlichkeit" von Baustoffen argumentieren. In meiner Situation würden die meisten Eigentümer dem Mieter ein paar Euro an Miete nachlassen und das Dach ungedämmt lassen wie es ist und warten,. bis das Dach auseinanderfällt. Das ist im Übrigen wahrscheinlich die wirtschaftlichste Variante. Ich nehme jetzt Geld in die Hand, um ein intaktes Dach zu sanieren. Die ist ökologisch sinnvoll, weil viel CO² gespart wird und außerdem das Objekt im (abstrakten) Wert gesteigert wird. Daß man noch ökologischer (im Sinne von ökologischen Baumaterialien) handeln kann, mag sein. Aber ist das eine Alternative und warum?

Ihre Auslegung von Art. 14 GG lasse ich mal unkommentiert, wiel das den Rahmen sprengen würde.

Generell die Frage an Si: Welche Alternative empfehlen Sie? Prämisse: Dämmung des Daches und: Von innen kommen Sie nicht dran.

Viele Grüße

Howie



Eine Aufsparrendämmung in dieser Art risikiert die alte Bausubstanz



... hier habe ich sehr bewusst nicht das Material, sondern die Ausführung angesprochen.

Wie soll denn die Luftdichtung im Traufbereich bei so einem alten Dach 100%ig erledigt werden? Der Handwerker führt auch nur aus, was der Planer ihm vorgibt.

Wenn es funktionieren soll, dann müsste man die Sparren auf der Mauerbank kappen, hinterdämmen und einen Blindsparren aufsetzen.

Da finde ich Ihre Idee gar nicht schlecht: Runter mit den Mietpreisen und gar nichts machen. Über die Ökobilanzdiskussion Schaum mit weniger CO² gegen nichtsmachen mit mehr CO² werden sich bestimmt noch ein paar äußern.

Wie sieht es den zwischen den Sparren aus? Diese Ebene würde ich z.B. unbedingt mit einbeziehen.

Grüße aus Frangn

Frank von Natural-Farben.de



Bausubstanz



Also geht es nicht um den Dämmstoff, gut.

Luftdichtheit: Die Luftdichtheit ist nach dem Umbau nicht schlechter als davor, oder?
Eine nicht 100%ige Luftdichtheit hat doch höchstens Einfluss auf Wärmeverluste, doch nicnt auf die Bausubstanz, oder sehe ich das falsch?
Im Übrigen werde ich das mal mit Architekt und Dachdekcer besprechen.

Ich kann immer nocht nicht erkennen, inwiefern die Buasubstanz geschädigt wird.

Zwischen die Sparren komme ich nicht; es sei denn ich reiße die Verschalung ab. Das ist aber doch nicht ernstahft sinnvoll?

Viele Grüße

Howie





Hallo Howie,

Sie haben das Problem selbst genannt, die Diffusion.
Wenn die Dachdämmung mit dem genannten Material ausgeführt wird entsteht ein diffusionsdichtes Dachgeschoss.
Wenn im Dachgeschoss eine KWL geplant ist, wie das im heutigem Neubau schon fast die Regel ist, kann man das auch so machen, ohne diese würde ich davon aber tunlichst die Finger von lassen.

Wenn es mein Haus wäre würde das Dach bis auf die Sparren entkernen, eine Aufsparrendämmung aus Holzweichfaserplatten aufbringen, zwischen die Sparren entweder eine Hanfdämmung oder eine Zellulosedämmung einbringen. Auf die HWP Konterlatten zur Hinterlüftung und oben Rauspund drauf und dann den Schiefer.

So haben sie eine diffusionsoffenen und kapillaraktiven Dämmung mit gutem sommerlichen Hitzeschutz und guten Schallschutz der auch, wenn er mal feucht wird, wieder trocknen kann.

Die Verwendung von EPS mit CO² Einsparung zu begründen ist etwas hanebüchend.


Grüße aus Schönebeck



Aufdachdämmung bei einem historischem Fachwerkhaus...



@Howie

Wäre es möglich, mal ein Bild von dem Haus hier einzustellen?

Das würde manches Detail schon klären. Auch die Frage, wieweit die Aufdachdämmung die Ansicht von dem Haus verändern würde.

Grüße aus Frangn

Frank von Natural-Farben.de


P.S.: ... ich würde immer noch nicht mit Bauschaum ESP-Platten auf so einem Dach verbinden... aber das ist meine persönliche "Dogmatik"



Diffusionsoffenes Dach



Das System Thermosklent ist laut Beschreibung disffusionsoffen und erfüllt die Anforderungen hinsichtlich Feuchtetransfer der DIN 4108 Teil 3.
Das Sytem Linitherm (oder so ähnlich) übrigens bei Hartschaumkern auch.
Ich bleibe da mal am Ball und werde das auch mit meinem Archi besprechen.
Ich möchte auch den Stundenaufwand begrenzen; der ist ja auch nciht zu verachten. da haben die Verbundplatten schon Vorteile.

Andere Frage: Ist denn ein Dach mit Schalbrettern (Holz oder Rauhspunt) plus Schiefer diffusionsoffen?

Ich könnte mir noch folgendes Konstrukt vorstellen: Verschalung bleibt, darauf Mineralfaserplatten, dann Lattung, dann Holzfaserplatte, dann Schiefer.

Viele Grüße

Howie



Dampdiffusion



Hallo zusammen,
hier die Aussage von Rathscheck zu ihrem Dämmsystem ThermoSklent bezüglich der Dampfdiffusion:

"Bezüglich des klimabedingten Feuchteschutzes (Dampfdiffusionsverhalten) bei direkter Eindeckung des Dämmelementes mit Schiefer, genügt der geprüfte Dachaufbau den gestellten Anforderungen der DIN 4108, Teil 3. Als zusätzliche Maßnahme empfehlen wir eine Vordeckung mit einer diffusionsoffenen Bahn (sd=0,5m)."

Bestehen immer noch Bedenken hinsichtlich des Feuchteschutzes für das Gebälk?

Viele Grüße
Howie



Bestehen Bedenken...



... ja, denn gerade dort sind jede Menge Fugen, die sich nicht Abdichten lassen. Kondenswasser entsteht dann dort.

Grüße aus Frangn

Frank von Natural-Farben.de



Diffusion



Sorry für die Hartnäckigkeit, aber ich habe halt ein Verständnisproblem.

Wenn der neue Dachaufbau diffusionsoffen ist - davon gehen wir mal aus, habe gerade das Fraunhofer-Gutachten diesbezüglich übersandt bekommen, aber noch nicht gelesen - dann dürfte es doch keinen Unterschied zur jetzigen Situation geben.

Also: Wenn sich Kondenswasser bildet und bis jetzt diffundiert ist (durch Verschalung und Schiefer - dann dürfte sich bei einem diffusionsoffenen (zusätzlichen) Aufbau doch kein Kondenswasserproblem ergeben.

Es sei denn, die Diffusionsoffenheit ist nihct gegeben (entgegen der Aussage und dem Gutachten nach Regelwerk)

Sind meine Überlegungen unlogisch oder habe ich was übersehen?
Ferner: Wäre mein Alternativaufbau in Ordnung und warum (oder warum nicht?)

Viele Grüße

Howie



Diffussionsoffener Aufbau



z.B.
von innen nach aussen
- Schalung
- Dachschalungsbahn (ggf erneuert)
- Pavatherm plus von Pavatex
- Hinterlüftungsebene
- Schiefereindeckung

Vorteil dieses Aufbaus ist zum einen die Diffussionsoffenheit und zum anderen ein guter sommerlicher Hitzeschutz durch die Masse der Holzweichfaserplatten (ca.180kg/m³).

Grüsse



Die Situation bei den Sparren zur Traufe hin ändert sicht nicht...



... sie gehen von der Warmseite zur Kaltseite durch und solche alten Sparren lassen sich kaum "luftdichten".

Wenn nun das Dach völlig gedämmt ist, dann pfeift es bei diesen Fugen noch mehr als vorher - auch wenn die Dachfläche angeblich "dampfoffen" sei.

Vielleicht kann ja mal ein Physiker sich hier zu Wort melden und was über Dampfdruck etc. erzählen.

Grüße aus Frangn

Frank von Natural-Farben.de