Dämmung bei zweischaligem Mauerwerk

10.10.2019 Steffi1930



Hallo Ihr Lieben,

die Planung unserer Renovierung schreitet voran...
Nach unserem gestrigen Gespräch mit dem Energieberater stellen sich nun weitere Fragen/Probleme:

Unser Haus (Hamburg) Baujahr 1930 hat ein zweischaliges Mauerwerk (ca.8-8,5m hoch). Der Energieberater meint, in diesem Baujahr, wurden die Vormauerschale und das Hintermauerwerk nicht (richtig) miteinander verankert. Somit müssten wir bei einer Fassadendämmung (Holzfaser) die Vormauerschale Nachverankern lassen. Alternativ gibt es wohl ein Dämmsystem auf einem Wandwinkel im unteren Bereich und einer Verbindung oben mit dem Dachstuhl (Dach wird auch gemacht). Eine Kerndämmung kommt auf Grund der geringen Luftschicht (2-4cm) nicht in Frage.
Nach EnEv würden wir 18cm Dämmung benötigen, das geht auf keinen Fall da uns die Wände dann zu dick werden. Wir werden wohl 8-12cm machen (Rechnet der Berater mal durch).

Die Fassade, inkl. Putz muss schon aus optischen gründen unbedingt renoviert werden.
Das Haus hat keine richtigen Stürze, diese müssten im Zuge der Sanierung auch noch eingesetzt werden, damit die Fenster in die Dämmebene rutschen können.

Mein laienhafter Gedanke was: dann reißen wir die Vormauerschale ab und ersetzten diese durch eine Holzkonstruktion mit Einblasdämmung und einer Putzträgerplatte, dann wären auch 18cm Dämmung möglich - Mein Mann hat mich für verrückt erklärt....

Was meint ihr dazu?

Ich hatte bei meinen Recherchen öfter mal gelesen, dass es wegen der Luftschicht zu Feuchtigkeitsproblemen in dieser kommen kann. Der Energieberater sieht da aber wohl kein Problem - wenn ich das richtig verstanden habe, da das Haus wie ein Paket eingepackt wird und keine Hinterlüftung mehr stattfindet??? Ist das richtig so?

Ich freue mich wenn Ihr eure Meinung dazu mit mir teilt.

Liebe Grüße



Keine Wirkung



wird ihre Dämmung haben, wenn Sie Den Hohlraum zwischen der vorderen und hinteren Wand nicht ausblasen. Alte Häuser zu dämmen, ist immer mit dem Risiko verbunden, dass Feuchtigkeit eingeschlossen wird. Das zweischalige Maarweg einfach abzureisen, würde höchstwahrscheinlich zur Zerstörung des Hauses führen. Wichtig ist also, dass sie erst eine Kerndämmung vornehmen. Aus rationalen Gründen sollte dann noch mal durchgerechnet werden, ob überhaupt eine zweite Dämmung außen notwendig ist.

Insgesamt sollten Sie aber bedenken, dass aus ihrem alten Haus kein Energiesparhaus werden wird. Häufig sind die Kosten für die Dämmung wesentlich höher, als die meist sehr geringe Energieeinsparung. Ganz im Gegenteil: eine nicht 100 % ausgeführt die Dämmung, für zwangsläufig zur Bauschäden.



Kurzer Nachtrag...



die Luftschicht zwischen der vorderen und hinteren Mauerschale ist deswegen kontraproduktiv, da durch die Luftzirkulation nicht nur die Dämmwirkung verringert wird. Es besteht, wie Sie auch schon vermutet haben, dann die Gefahr, dass warme Raumluft von der Innenschale Richtung Außenschale diffundieren kann. Diese Schale ist natürlich wesentlich kälter, es kommt zum Kondensatausfall.

Lassen Sie also bei ihrem Vorhaben noch mal einen Experten drüber schauen. Rechnen Sie am besten auch mal durch, ob es in ihrem Fall nicht sogar ratsamer wäre, eine etwas kräftigere Heizung und damit etwas höre Heizkosten in Kauf zu nehmen, statt zweifelhafter Dämmmethoden.



Dämmung



Ich würde nur das Dach dämmen und eventuell noch, wenn vorhanden, die Kellerdecke.
Kann man beides u.u. sogar selber machen. Dazu noch Flächenheizung einbauen und dann mit Pellets oder Wärmepumpe heizen. Bei Pellets mit solarthermie, bei Wärmepumpe Photovoltaik aufs Dach. So kann man auch bei einem alten Haus günstig heizen ohne das das ganze Haus eingepackt werden muss. Im übrigen rechnet sich so ein WDVS oder ähnliches meistens nicht und man kann sich davon befreien lassen.



Innen



Wie wäre es lediglich (unter Absprache mit erf. Experten) eine 4cm starke Innendämmung aus Holzfaser aufzubringen und mit Lehm zu verputzen? Innendämmung ist zwar grundsätzlich kritisch, aber würde in diesem Fall bei richtiger Ausführung bestimmt zu einer deutlich größeren Behaglichkeit führen.



Energieberater für ein altes Haus?



Ich finde es an sich nicht schlecht, dass man sich informiert, wie man Energie einsparen kann. Doch eine moderne Dämmung an alten Häusern bringt selten war (es funktioniert sicherlich bei einigen) In meinen Augen stimmt dann das Nutzen-Kosten-Verhältnis nicht. Zumal bei einer brennbaren Dämmung (Styropor) die Gebäudeversicherung ( Siehe Fachartikel auf https://gebaeudeversicherungen-fp.de/was-ist-versichert/ )das auch Wissen will. Das bedeutet dann ebenfalls eine höhere Brenngefahrenstufe...das bedeutet mehr Geld. Das mit den Styropor ist eh so eine Sache. Es wird bei Neubauten vorgeschrieben, da sie angeblich bis 80 Prozent Energie einsparen können. Doch Tests durch Institute haben gezeigt, dass es noch nicht mal 12 Prozent sind.



Hinterlüftung und Feuchtigkeitsproblem im 2-schaligen Mauerwerk trotz Dämmung verhindern?



Wir haben bereits eine Pelletheizung, mit Solar und ein komplett erneuertes Heizsystem
Das Dach, die Bodenplatte in den Kellerräumen und die Fenster müssen aus diversen Gründen komplett erneuert werden - und werden daher nach Enev gedämmt/isoliert. Da haben wir mit Energieberater und Handwerkern schon ein für uns stimmigen Plan.

Die Fassade muss auf jeden Fall neu verputzt werden. Und wir hätten gerne eine Dämmung, da die Wände richtig Kälte abstrahlen - Ein Bett oder ein Sofa an der Außenwand ist derzeit deswegen unmöglich.
Styropor ist keine Option für die Fassade, wahrscheinlich wird es Holzfaser oder eine Einblasdämmung.

Nach meinem Kenntnisstand ist eine Kerndämmung bei 2-4cm gar nicht machbar - oder bin ich da falsch informiert? Eine Dämmung an Innenwänden kommt aus diversen Gründen nicht in Frage.

Wir möchten die Fassade dämmen, nicht hauptsächlich aus energiespargründen, sondern auch wegen der Behaglichkeit und weil die Fassade sowieso gemacht werden muss. Deshalb in abgespeckter Version, also nicht 18cm nach Enev, sondern voraussichtlich zwischen 8-12cm.

Die Frage ist nur wie machen wir das richtig? Wie verhindern wir eine Belüftung der Luftschicht im 2-schaligen Mauerwerk und vermeiden ein Feuchtigkeitsproblem? Und wie bekommen wir eine Dämmung auf die Fassade, trotz fehlender Verankerung der Schalen?



Gibt es Bild?



Also ich kenne es so, dass die Schalenwände mittels eingemauerter Drähte stabilisiert werden. Manchmal haben die Maurer auch einfach jede zweite Reihe mit und jeden zweiten Stein mit mehr Mörtel vermauert wodurch dann die Kleckse zwischen den beiden Wänden den Zusammenhalt sichern. Hat jemand mal die Wand aufgemacht und reingesehen?

Wenn Wände kalt erscheinen, gibt es entweder Feuchtigkeit (Verdunstungskälte) oder Luftzug zwischen den Schalen (geringere Strahlungswärme - und damit schnelleres Auskühlen der Haut) oder gar einen Luftzug durch die Fugen (Stichwort: es zieht durch die Steckdosen!).

Das muss erst einmal alles geklärt werden, bevor man nun Ratschläge gibt.

Kaufen Sie sich mal ein berührungsloses Thermometer mit Laserstrahl (für 15 Euro im Baumarkt) und ein Feuchtigkeitsmessgerät (ebenfalls 15 Euro).

Dann messen Sie an der Wand Temperatur Profile und Feuchteprofile. Draus können Sie sehr gut sehen, was da eigentlich los ist und warum es eigentlich kalt ist im Haus.

Wieso ist der Außenputz defekt? Gibt es dort Feuchtigkeit durch Regen etc.?

Es macht keinen Sinn, aktionistisch irgendein Material nun zusätzlich auf - oder einzubringen, wenn die o.g. Punkte nicht geklärt sind.



Hallo Herr Zelner, danke für die Antwort



Die Wand hat noch keiner geöffnet, bisher beruht alles auf den Erfahrungswerten des Energieberaters.
Mein Mann wird die Tage mal mit der Kamera an mehreren Stellen Luftschicht und Verankerung prüfen.

Unser Feuchtigkeitsmessgerät ist gerade verliehen, aber ich glaube nicht dass das das Problem ist (wir kennen unsere Feuchten stellen). Die Wände im Obergeschoss haben eine Stärke von 28cm - eigentlich klar dass die kalt sind. Im EG sind es etwa 40cm, da ist es eindeutig wärmer. Im Sommer ist es im EG angenehm im OG "glühen" die Wände.

Ich habe gerade mal mit den Oberflächenthermometer an der Westseite gemessen, es gibt keinene großen Temperaturunterschiede, zum Boden hin (Holzbalkendecke) ist es ein halbes Grad weniger. Ich wiederhol das nochmal wenn wider kälter ist, heute haben wir 18 Grad in Hamburg.

Der Vorbesitzer hat Fenster verkleinert und selbst angeputzt, außerdem bröckelt der Putz an manchen stellen und teilweise gibt es Risse. Der Putz gefällt uns auch optisch nicht, daher soll die Fassade im Zuge des Fensteraustausches auch gemacht werden.



Holzfaser



Vielleicht sollten Sie doch die Option Innendämmung mit Holzweichfaser und Lehmputz nicht direkt verwerfen. Unabhängig der möglichen Feuchteproblematik, die zu beseitigen wäre, macht diese Option bei 2-schaligem Mauerwerk Sinn. Die Behaglichkeit wird extrem gesteigert, der Energieverbrauch wird sinken und Ihr Raumklima dank des Lehmputzes sich verbessern. Es genügt nicht der ENEv, aber davon kann man befreit werden, Stichwort Wirtschaftlichkeit! Die Option Außendämmung wird durch die Luftschicht immer konterkariert werden und so nicht den gewünschten Effekt haben.



Hallo Peter



da wir in dem Haus wohnen (mit 2 Kindern und bald Baby) sind die meisten Innenräume schon fertig renoviert und ich möchte wegen der Kinder innen auch keine neue Baustelle anfangen.
Außerdem haben wir teilweise sehr schmale (und lange) Räume, bei 2,75cm da tut jeder cm weh der fehlt.
Außerdem könnte dann der Stuck und Einbauschränke nicht erhalten bleiben.
Wäre es nicht so dass bei einer Innendämmung die Wände zwar keine Kälte mehr abstrahlen, es dann aber über die Holzbalkendecke und die Dielen (die fassen wir nicht an) kalt ziehen würde?

Da wir das Haus doch komplett einpacken würden (inkl Perimeterdämmung)
worüber findet dann noch eine Belüftung der Luftschicht im Mauerwerk statt?



also...



wenn das Haus trocken ist (!) und die Kälte durch die Zwischenwandbelüftungen in Form von kaltem Wind kommt, würde ich erst einmal klären, ob die Belüftungsschlitze normale Größe haben oder irgendwann vergrößert wurden oder die Luft an anderer Stelle eintritt.
Man kann die Belüftung so ausführen, dass im Sommer die Schlitze ganz offen sind und in der Kalten Jahreszeit (Luftfeuchtigkeit ist dann niedrig) werden sie fast völlig zu geschoben werden (das kann man sogar automatisieren). Hierdurch würde dann die Zwischenwandluft nicht durch Konvektion wieder kalt werden, sondern es wäre ein richtiger Isolationspuffer.
Wenn man die Wand also unten öffnet (von innen) müsste sich bei zu großen Öffnungen ein regelrechter Kamineffekt zeigen (eine Feuerzeugflamme würde zwischen die Wände gezogen). Früher gab es Belüftungsschlitze an Häusern regulär in etwa 80 cm Höhe über dem Boden. Die Auslässe waren irgendwo im Dachkastenbereich.

Es lohnt sich also diese zu suchen und gezielt mit (motorischen) Schiebern auszustatten.

Wenn dann die Außenwand gedämmt werden soll, kann man das auch mit Mineralfasern machen. Selbst geringere Dicken haben einen sehr günstigen Effekt auf die Isolationseigenschaften.

Aber auch dann dürfen die Luftschlitze nicht einfach zugeklebt werden. Im Sommer sollten sie zu öffnen sein.

Letztlich bestimmt der Dachüberstand, die Lage der Fenster und nicht zuletzt der Geldbeutel, wie dick man die Isolationsschicht ausführt.



Zweischalige Wand dämmen



Zuerst einmal den genauen Bestand feststellen-
wenn die Fassade ohnehin saniert werden muß diese an einigen Stellen öffnen, d.h. Steine außen vorsichtig entfernen und mit Lampe und Spiegel feststellen wieweit eine Verankerung beider Schalen besteht- vermutlich durch Bindersteine.
desweiteren dabei die tatsächliche Stärke des Hohlraumes feststellen.
Nach Möglichkeit würde ich diesen ausfüllen, zB mit hydrophobierter Perlite. (EPS-Perlen sind nicht sehr ökologisch- füllen aber viel kleinere Hohlräume aus. Arbeit läßt sich selber ausführen.

Bei evt statisch zweifelhafter Fassade sind Stegträger am besten- allerdings erst ab 16 cm erhältlich (zumindest die von Steico).
Bei Stegträgern können Fenster und Türen ganz außen in der Dämmebene montiert werden,
wobei sich innen gut nutzbare, tiefe Fensterbretter ergeben.
Die Kosten und der Aufwand für dickere Dämmungen sind bei Stegträgern fast gleich mit dünner Dämmung.
Ausblasen am besten mit Zellulose.
Ggf nachfragen- ich habe solche Ausführungen öfters geplant bzw ausgeführt.



Hallo Herr Zellner, Hallo Herr Teich,



Vielen Dank für Ihre Antworten.
Als nächstest wollen wir tatsächlich mit einer Kamera an mehreren Stellen die Dicke des Hohlraums und die Verankerung überprüfen. Das dauert aber wohl noch ein paar Tage...

Lüftungsschlitze konnten wir bisher keine Finden- was aber ja nicht heißt dass sie nicht mal da waren.

Wenn ich sie richtig verstehe beschreiben sie gegensätzliche Vorgehensweisen. Herr Zellner ist für eine weitere Belüftung der Luftschicht durch außen, allerdings regelbar. Und Herr Teich würde den evtl. nur 2cm dicken Hohlraum zusätzlich zur Außendämmung dämmen. Verstehe ich sie richtig?



Anmerkungen



Wie meine Vorredner schon sagten, sollten Sie keine vorschnellen Schlüsse ziehen. Prüfen Sie ganz exakt den Aufbau Ihrer Wand und lassen Sie von einem altbauerfahrenen Sanierer, ggf. Architekten, ein Konzept aufstellen.

Um es vorsichtig auszudrücken: der Energieberater, meist von den Stadtwerken, muss sich strikt an die gesetzlichen Vorgaben halten. Egal welches Haus er vor sich hat, er wird immer die gleichen Dämmmaßnahmen empfehlen. Die Gesetzestexte sehen keinerlei Differenzierung entsprechend der Bauweisen alter Häuser vor.

Die aktuellen Maßnahmen sind für ihr Haus nicht geeignet. Alte Häuser sind nie luftdicht, dürfen es auch nicht werden. Die Gefahr, dass sich durch die von Ihnen beschriebene und nicht auf das Haus abgestimmten energetischen Sanierungsmaßnahmen, Feuchtigkeitsschäden bis hin zur Pilzsporenbelastungen in der Raumluft bilden, ist hoch. Des Weiteren werden die WDVS von Nagetieren, Ameisen etc. als beliebte Nistplätze genutzt.

Weniger ist oft mehr.