Dämmung bei diffusionsdichtem Dach

29.06.2014 Westerwälder


Dämmung bei diffusionsdichtem Dach

Hallo,
das Thema kehrt wiederholt zurück. Ich bringe es aber trotzdem nochmal auf (weil, "Jeder Jeck ist anders", wie man im Rheinland sagt...):
Wir beabsichtigen, einen Dachraum als Bad einzurichten. Dafür ist dachseitig eine Zwischensparrendämmung vorgesehen.
Nach Lektüre einschlägiger Hinweise auch in diesem Forum erbit sich für mich Folgendes:
Das Dach besteht aus Schindeln auf einer Unterlage aus Holzplanken. Zwischen Unterdach und Schindeln liegt eine vermutlich diffusionsdichte, augenscheinlich auch intakte Bitumenschweißbahn.
Die Frage ist nun, ob es ausreicht, innen auf die Planken Leisten aufzunageln, als Abstandshalter (2-4cm) für den Klemmfilz und zur Hinterlüftung. (Eine Hinterlüftung, die nach Lage der Dinge aber jeweils auf den oben und unten geschlossenen Raum zwischen zwei Sparren begrenzt wäre.) Der Klemmfilz soll zum Bad hin mit einer variablen Dampfbremse bedeckt, darauf Rigips für Feuchträume angebracht werden.
Ich frage mich weiter, ob diese Anordnung (bei entsprechender Lüftung durch die Fenster nach Badbenutzung) praktikabel ist oder ob andere Konstruktionen/Materialien besser wären.
Danke.



Hallo,



Erstmal eine andere Frage.
Wie alt ist ihre Dacheindeckung und was sind das für Flecken an der Schalung auf ihrem Bild(Dach undicht?

Mit Grüßen
Danilo





... das Dach ist offensichtlich nicht so alt, daß man es erneuern müßte. Jedenfalls hat unser Dachdecker - der normalerweise eher zu Erneuerung rät - gemeint, es könne durchaus noch einige Jahre halten.
Die Wasserflecken auf dem Holz müssen von früherer Feuchtigkeit herrühren. Der Raum ist jedenfalls absolut trocken und frei von Schimmel uä.



Dachdämmung



Da bleibt zunächst mal zu überprüfen, woher die Trocknungsränder kommen und ob die Unterdeckbahn aus bes. Dachpappe wirklich noch überall intakt ist. Ein vergleichbares Schadensbild habe ich vor kurzem in einem Dachstuhl mit Schieferdeckung gesehen. Da gab´s etliche Undichtigkeiten und zudem morsche und holzwurmbefallene Schalungsbretter. Woraus besteht denn die EIndeckung? Schindeln für den Westerwald wären ungewöhnlich. Nicht doch Schiefer?

Klemmfilz zwischen die Sparren zu bringen ohne Luftdichtungsbahn (auch in Form von Holzfaserweichplatten) ist nicht zulässig und auch nicht anzuraten. Es muß eine zweite, wasserführende Ebene geben, die als Notentwässerung fungiert. Die Belüftung funktioniert auch nur, wenn sie an Traufe und First ausreichend bemessen ist und wirklich über Zu- und abluftöffnungen verfügt.

Abgesehen davon sind Sie bei Ihren Dämmüberlegungen an die EnEv gebunden und die sieht ein Dämmpaket von mindestens 18-20cm vor, das dann für Sie nach innen angebracht werden muß. Das müssen die Sparren und auch die Mittelpfette mit der gesamten Unterkonstruktion tragen. Und die sehen mir mit ca. 10/12 nicht gerade üppig bemessen aus. Da sollte sich ein Statiker mit beschäftigen. Auch mit der Deckenbalkenlage über OG, die nicht unbedingt dafür ausgelegt sein muß, eine Wohnnutzung zu tragen.

Auch andere Punkte zum Dachausbau gehören bedacht: er ist bauantragspflichtig (Umnutzung), Brandschutz und Fluchtwege spielen eine Rolle (2. Rettungsweg), die Anforderungen an Wohnraum nach BauO NRW müssen erfüllt sein (ausreichende Stehhöhe, Belichtung etc), eventuell noch der Schallschutz (gibt´s einen Nachbarn mit gemeinsamer Giebelwand)

Also, es gibt etliches mehr zu bedenken, als nur die reine Dachdämmung.





Guten morgen,
vielen Dank für die fachlichen Hinweise. Wir werden hinsichtlich der Statik den Dachdecker zu Rate ziehen.

NB. Sie erwähnen den Querschnitt der Balken. Ebenso wichtig sind indes Sparrenabstand und Stärke der Auflage, die hier aus massivem Mauerwerk besteht. Die Pfette ruht übrigens in der Mitte auf einem Ständer, der den Druck auf eine tragende Zwischenwand im EG abführt. Durch zusätzliche Ständer läßt sich die Last über die neugelegten Bodenbretter auf die intakten Deckenbalken verteilen.
Um das Lüftungsproblem zu lösen ohne das Dach zu öffnen, schlägt man mir vor, die Luft unter der - feuchtigkeitisolierten - Dämmung zwischen den Sparren nach oben durch den Hohlraum, den man durch das Abhängen der Decke erhält, nach außen oder ins Haus abzuführen.
(Wenn die Schalung, wie es aussieht, einmal feucht gewesen war, so ist sie es jetzt jedenfalls nicht und trotz Wasserflecken völlig in Ordnung, was umgekehrt darauf deutet, daß das Dach hier dicht ist - übrigens ein Grund für den Dachdecker, anläßlich der Reparatur einer vegetationsbedingten schadhaften Stelle im darüberliegenden Söller von einer Neueindeckung abzuraten. (Hat man ja auch nicht oft.)
R.R.
PS. Ungeachtet aller zu beherzigenden bautechnischen Einwände reizen die rechtlichen Vorschriften bei der Renovierung (denkmalsungeschützter freistehender) Einfamilienhäuser doch immer wieder zum Widerspruch...