Dämmung Außenfassade

11.03.2020 Alex



Guten Tag zusammen,
wir haben letztes Jahr ein Oberpfälzer Putzbänderhaus (Bauzeit Ende 18.Jhd) erworben und nun begonnen dieses zu sanieren.
Bei den Außenwänden stellt sich für uns die Frage wie und ob wir diese dämmen sollen (Dämmung Dach und EG Boden ist geplant).
Es handelt sich im EG um ca. 50 bis 60 cm dicke Bruchsteinwände aus Oberpfälzer Sandstein (teilweise auch Ziegel), im Dachgeschoss sind die Wände nur ca 30 cm dick. Die Außenfassade wollen wir wieder in den Zustand Ende des 19.Jahrhunderts zurückversetzen, d.h. breite weiße Putzfaschen um die Fenster und weiße Putzbänder auf Höhe der Geschossdecke und entlang des Ortgangs. Wir wollen bei der Sanierung möglichst natürliche Materialien verwenden und stehen generell Styrodur und Gipskarton sehr kritisch gegenüber. Als Heizung ist eine Wandheizung angedacht.
Gibt es mit der gewünschten Putzgliederung eine sinnvolle Außendämmung oder bleibt uns nur die Innendämmung bei diesem Sachverhalt übrig? Welche Art der Innendämmung würde sich anbieten? Man muss noch anmerken, dass der Innenputz im EG teilweise sehr versalzen war und daher schon teilweise von mir entfernt wurde. Das Mauerwerk ist sehr uneben (was uns aber generell nicht stört). Könnte man mit Dämmputzen sinnvoll arbeiten (ggf. Innen und außen als Unterputz)? Wenn ja mit welcher Art von Dämmputz und größenordnungsmäßig mit welchen Stärken? Oder gibt es andere sinnvolle Möglichkeiten?
Vorab vielen Dank.
Grüße Alexander Stark



Innendämmung



Bei schönen Fassaden schließt sich Außendämmung ohnehin aus.
EPS, Mineralwolle etc wird hier von den Fachleuten wohl ohnehin kaum empfohlen.

bei unebenem Mauerwerk ist es am einfachsten und gleichzeitig gegen Schimmel etc vorteilhaft, Zellulose hinter einer Ständerwand zB mit Lehmbau- oder zementgebundenen Platten (keine Berührung der Ständer mit der Außenwand) einzublasen. Durchstoßende Schlagregenbelastung sollte ausgeschlossen sein.
Die Dämmstärke kann auch 8-10 cm betragen- abhängig vom möglichen Raumverlust, gewünschtem Dämmwert etc.

Dämmputze sind natürlich auch möglich, aber nur bei wesentlich größerem Aufwand, höheren Kosten und niedrigerem Dämmwert.

Oberste Geschossdecke ebenso, ggf Boden darüber konstruieren, falls Lagerfläche benötigt wird.
Die Kellerdecke kann unterseits mit angesetzten Mineralschaumplatten, zB Multipor gedämmt werden.



Wandheizung



bei einer Wandheizung ist die thermische Entkopplung mittels einer Innendämmung sinnvoll. Nun kann ich mir unter " sehr uneben" nicht viel vorstellen. Bei Bruchsteinwänden ist ein mehrlagiger materialintensiver Putzauftrag durchaus üblich. Verputzt Ihr selber oder macht es eine Firma ? Gibt es mal ein Foto von der Außenfassade?



Fassadengestaltung



hallo
ich meine mit uneben, dass im Bestand teilweise 0,5 und teilweise 5cm Putz drauf ist.
Ich möchte, wenn möglich schon einen Teil der Putzarbeiten selbst machen, wenns nicht zu kompliziert wird,
Ich habe auch mal ein Bild der ursprünglichen Fassadengestaltung angehängt. Das aktuelle erspar ich euch, ist mit der Eternitverkleidung und den verschandelten Fensteröffnungen im EG (die wir wieder in den Ursprungszustand zurückversetzen lassen) keine Augenweide.



Dämmung



auch bei einer dämmung der Außenfassade ist die historische Nachgestaltung der Putzbänder durchaus möglich. Vor längerer Zeit berichtete ein Forumsmitglied ( Olaf aus Sachsen glaub ich wars) das er ein WDVS -System ( Mit Holzfaserplatten) mit Kalkputz verputzt hat, allerdings war es nötig, das Armierungsgewebe mit in die Befestigungsstrategie der Dämmdübel einzubinden. Du kannst ja mal oben in der Lupe den Namen eingeben und Dich mit ihm in Verbindung setzen, er hat glaub ich richtig was drauf in Sachen Putzgestaltung.
Olaf hat glaub ich auch außendämmungen bei dickeren Bruchsteinwänden gemacht und da Erfahrungen.
Beim Egalisieren des Innenputzes wäre zu überlegen, Teile des Bestandputzes, die nicht salzbelastet sind,zu belassen und nur die Fehlstellen nachzuputzen, da kann man bereits durch das Auswerfen tieferer Stellen mit Kalk-Zementputz einige Vorarbeit leisten. Dann die gesamte Fläche zur Vorbereitung der Innendämmung bzw. der Wandheizung nur mit einem Dünnputz finishen.



Dämmung Außenfassade



Genauso wie Holzfaserplatten lassen sich Dämmplatten aus Schilfrohr als WDVS einsetzen und eine gute Befestigung vorausgesetzt ebenso mit Kalkputz in den für Aussenputz üblichen Stärken versehen. So könnte die bauzeitliche Putzgliederung auch nachgestellt werden.

Wurf- oder Spritzputz mit Zuschlag grober Körnung, Putzfaschen und Bänder werden mit feinkörnigen Mörteln angetragen und glattgestrichen.

Für Anpassung von Dachüberstand und Fensterbänke wird ein entsprechender Aufwand anfallen.

Eine Innendämmung wäre auch eine Möglichkeit und für den Einsatz von Flächenheizung an den Aussenwänden wohl auch zweckmäßig vorzusehen.

Da wäre in Adaption zu traditionellen Kalktechniken und konsequenter Vermeidung von Kunststoffen, selbstbaufreundlich die Herstellung von Vorsatzschalen aus Hanfkalk denkbar.

Hanfkalk wird aus Hanfschäben (gebrochenes Stängelmark der Hanfpflanze) und einem natürlichen Kalkbindemittel bauseitig gemischt und in Gleitschalungen lagenweise eingebracht und verdichtet. Egalisierungslagen an unebenen Mauerwerk sind demzufolge nicht erfoderich. Die üblichen Einbaustärken betragen 80 bis 150 mm. Hierauf können die Heizleitungen installiert werden.