Dämmung auf Press mit Unterspannbahn

09.03.2021 Frasi


Hallo liebe Forumsmitglieder,
ich bin neu hier und hoffe hier ein wenig Erfahrungen, Ratschläge und Tipps zu bekommen. Bei mir geht es direkt mit einem Problem los.
Wir bewohnen bereits seit kurzem unser Haus (Bj. 1913) Wir haben unser Mansardendach vor ca. 1 Jahr neu dämmen lassen. Hier war eine Firma tätig, die ich nun leider nicht mehr erreiche. Vermutlich insolvent oder sonst etwas.

Da ich mich seit dem Kauf unseres Hauses viel belese und schaue, was ich selbst machen könnte, habe ich gestern erfahren, dass zwischen Unterspannbahn und Dämmung ein Luftspalt? sein muss.

Unser Dach wurde wohl Anfang der 80er neu gemacht und die Unterspannbahn war weiß mit einer Netzstruktur. Das weiß ich, da ich den Abriss der alten Dämmung selbst übernommen habe.

Ich bin mir nun aber ganz sicher, dass ohne diese Lüftung gearbeitet wurde. Gedämmt wurde mit Holzfaser, die einfach zwischen die Sparren gepresst wurde. Dampfbremse und dann Trockenbau.

Was kann ich nun tun? Oder ist das alles halb so wild? Meine finanziellen Mittel reichen nicht aus um alles wieder abzureißen, ganz zu schweigen davon, dass wir mit drei kleinen Kindern bereits das Haus bewohnen.

Alles was ich gelesen habe, hat mir schon eine schlaflose Nacht bereitet. Vielleicht gibt es einen Hoffnungsschimmer.

Gruß
Frasi



Dachdämmung



ich vermute, dass Dach ist mit Pfannen eingedeckt? Die Frage ist, welche Dampfbremse jetzt beim frischen Ausbau verwendet wurde, kannst du das irgendwie raus kriegen? Normalerweise sollte die Unterspannbahn unter den Ziegeln von außen wasserdicht, von innen aber diffusionsoffen sein. Nun ist ungewiß, ob diese verwendeten Bahnen in den 80-igern dies schon waren.



Danke für die Antwort



Das Dach ist mit Pfannen gedeckt. Die Dampfbremse ist von Isover. Reicht das als Information? Für eine genauere Bezeichnung müsste ich nachschauen. Bin aber unsicher, ob ich dazu mehr Infos hab.



isover Dampfbremse



eine genaue Bezeichnung wäre gut, es gibt von Isover sowohl variable Folien, die eine Rücktrocknung ermöglichen als auch feste mit einem sd um die 100. Zu hoffen bleibt auch, dass die Firma sauber gearbeitet hat und wirklich alle Anschlüsse und Bauteildurchgänge dicht abgeklebt hat.
Hast du mal versucht, die Firma direkt unter der Rechnungsadresse vor Ort zu erreichen?



Dämmung auf Press mit Unterspannbahn.....



.....ist grundsätzlich und erst einmal kein Problem.
Z. B. wenn ein Dach mit Einblasdämmung gedämmt wird, liegt die auch an der Unterspannbahn an. (sollte man zwar in dieser Kombination nicht machen, kommt aber vor)
Das Dach muss nur ÜBER der Unterspannbahn, also unter den Ziegeln hinterlüftet sein.

Die wichtigere Frage ist die die Pope gestellt hat: Ist die Unterspannbahn diffuionsoffen?
Falls nicht, kann/wird sich unter ihr Kondenswasser bilden, dass durch Luftfeuchtigkeit von innen in die Dämmung eingetragen wird, wenn die Dampfsperre auf der Innenseite nicht überall 100%ig dicht ist.



PE - Gitternetzfolie ist nicht wirklich UV-beständig



Hallo Frasi

nach deiner Beschreibung dürfte eine damals übliche Unterspannbahn, wie sie in dem nachfolgenden Textauszug i.V.m. Zwischensparrendämmung behandelt wird verbaut worden sein.

Anbei ein Textauzug von der website :

https://www.bauschaden-analyse.de/bausch%C3%A4den/bausch%C3%A4den-2012/
Bausachverständigenbüro Dipl.-Ing. Arch. Rüdiger Beer, Berlin

"Dachkonstruktion mit Unterspannbahn aus gewebeverstärkter PE-Gitterfolie (nicht diffusionsoffen) benötigen nach den Dachdeckerrichtlinien eine Belüftung zwischen Unterspannbahn und Dämmung von mindestens 2 cm um die Trockenhaltung der Wärmedämmung zu gewährleisten. Der belüftete Zwischenraum muss sich über die ganze Fläche erstrecken und über Be- und Entlüftungsöffnungen mit der Außenluft in Verbindung stehen. Eine entsprechend Be- und Entlüftung ist an der Traufe bzw. am First vorzusehen. Die vorhandene Hinterlüftung zwischen Unterspannung und Dachdeckung ist hierfür nicht ausreichend.

Ist die Belüftung nicht ausreichend oder fehlt eine Belüftung, so ist durch eine innenliegende, luftdicht angeschlossene Dampfsperre zu verhindern, dass Feuchte Raumluft in die Dachkonstuktion gelangen kann.

Für die Herstellung einer Luftdichtigkeitsschicht muss die Dampfbremse an den Stößen und Nähten, sowie an den Wandanschlüssen und Durchdringungen entsprechend verklebt werden. Durch Fugen bzw. Fehlstellen in der Dampfsperre kann erheblich mehr Feuchtigkeit in ein Bauteil gelangen, als dies bei Diffusion der Fall ist. Gelangt warme Raumluft durch Fehlstellen in äußere, kühlere Bauteilschichten, so kühlt sich diese auf dem Weg nach draußen bis zum Taupunkt ab bzw. kondensiert an den kühleren Bauteilen, so dass die Dachkonstruktion befeuchtet wird. Aufgrund der unbelüfteten Konstruktion und der diffusionsdichten Unterdeckung kann die dadurch entstehende Feuchtigkeit nicht mehr abtrocknen, was zu Schäden an der Dachkonstruktion (Risiko von Schimmel- und Pilzbefall) führen kann."

Sollte bei dir z.b. die Isover Vario verbaut worden sein sollte es passen, Eine echte Dampfsperre ist schwierig
einzubauen und deshalb selten wirklich dampfdicht.
Die o.g. alten Gitternetzfolien sind zwar dampfdicht, aber meist nicht mehr nach 30 Jahren. PE wird mit der Zeit brüchig und zerbröselt mindestens partiell.
Habt ihr Tonziegel oder Betonpfannen?

Gruß
Detlef



Ich habe nachgeschaut...



erstmal sorry für die verspätete Rückmeldung und Danke für die vielen Antworten.
Die Dampfbremse ist die Isover flex xtra safe.
Hoffe, das hilft weiter.
Kann mir irgendwie kaum vorstellen, dass die Unterspannbahn diffusionsoffen ist. Möglicherweise ist die Firma davon einfach ausgegangen? Ich mache mich gerade ziemlich verrückt deswegen.
Die Firma hat in Übrigen Insolvenz angemeldet. Da ist nun erstmal nix zu machen.



Entspannung



diese Dampfsperre ist feuchtevariabel, d.h. sie läßt auch eine Rücktrocknung in den Raum zu, falls die Dämmung mal feucht wird. Daher ist es unkritisch, dass die Dachunterspannbahn unter der Dacheindeckung nicht diffusionsoffen ist.



@Andreas Teich: Rücktrocknung in den Raum ???



Zum vorherigen Beitrag von Pope:
Davon ausgehend dass die Unterspannbahn tatsächlich dicht ist, glaube ich erst mal nicht, dass eine Rücktrocknung in den Raum stattfindet, da die Kondensation auf der kalten Seite der Dämmung (eben an der dichten Unterspannbahn) stattfindet.
Das würde bedeuten, dass die Feuchtigkeit, an der Stelle in flüssiger Form, wieder verdampfen und durch die Dämmung hindurch diffundieren muss.
Das Verdampfen kann schon mal nur dann stattfinden, wenn es außen wärmer ist, als innen.
Sprich, nur im Sommer, bzw. wenn das Dach von der Sonne so aufgeheizt wird, dass es nach innen, zur Dämmung hin, so viel Wärme abstrahlt, dass das Wasser verdampft und die Dämmung in sich warm genug ist, dass der Dampf darin nicht gleich wieder kondensiert.
Ohne es genau zu wissen, denke ich, eine variable Dampfbremse auf der warmen Innenseite einer Dämmung läßt übers Jahr gesehen immer mehr Feuchtigkeit in die Dämmebene rein als raus.
Es gibt ja nicht umsonst die Faustregel, dass der Dampfdruck innen höher ist als außen.

Ich lasse mich aber gerne eines Besseren belehren.
Vielleicht kann Andreas Teich dazu etwas genaueres schreiben?



Rücktrocknung



angesichts der Dämmung mit Holzfaser wird es einen kapillaren Effekt geben. Ja, ich gehe davon aus, dass die Rücktrocknung im Sommer stattfinden wird. Die feuchtevariablen Dampfbremsen können, und das wurde hier im Forum schon verschiedentlich diskutiert, selbst bei dampfdichten Dachbelägen wie z.B. Schweißbahnen eine Rücktrocknung ermöglichen. Bestärkt in meiner Annahme hat mich auch jetzt das Webinar mit Herrn Unger von Unger Diffutherm zum Thema " Hysterese", in welchem die enge Spreizung von Holzfaserwerkstoffen beschrieben wird.
Allerdings kann auch meine Vermutung vollkommen falsch sein, auch ich habe noch nicht in so einer Dämmung gesessen und die Vorgänge beobachten können, aber zumindest erscheint es mir logisch. Ich vermute auch, das variabel heißt, dass bei einem hohem Dampfdruckgefälle winters eben der sd-Wert der Folie steigt und bei der Umkehrung sinkt.
Sicherlich wäre eine Überprüfung der Theorie mit einem anderen Modulationsprogramm als Ubakus, z.B. mit WUFI, in der Lage diese zu realisieren.
Übrigens habe ich "Press" des TE auf die Pressung zwischen die Sparren und nicht gegen die Unterspannbahn interpretiert, aber vielleicht schon das falsch verstanden.
Vielleicht kann hier wirklich noch jemand für Erhellung sorgen.



Sorge spielt mit...



so wie ich es mitbekommen habe wurde die Holzfaser in die Gefache gepresst ohne Luft zwischen Unterspannbahn.

Bin nun immer nich ratlos, welchen Handlungsspielraum ich habe. Einfach so lassen? Kann ich von außen etwas ausbessern?

Gruß
Frasi



Risikoabschätzung



was sind es denn für Räume da im Dachgeschoß. Für die Gefahr der Durchfeuchtung und Kondensation an der alten Unterspannbahn ist ja auch die Größe des Dampfdruckgefälles maßgebend. Das wird in einem warmen Bad oder einer häufig zum Kochen von mehrgängigen Menüs genutzter Küche eine andere sein als in einem Büro oder einem Schlafzimmer, wo auf gute Durchlüftung geachtet wird.
Ist das Dach sommers besonnt oder durch hohe Bäume oder Nordausrichtung eher schattig?
Was meinst Du mit von außen etwas tun ? Dazu müsste das Dach abgedeckt werden.



Also



das größte Stück ist der obere Flur. Dort ist auch ein Dachfenster verbaut.
In zwei Schlafräumen handelt es sich um ca. 2 Meter Dachschräge und eigentlich sollte in einem kleinen Raum oben noch ein Bad entstehen. Hier sind zwei Seiten Dachschräge mit Fenster.



Rückdiffusion bei dichter Unterspannbahn.



Da deine Dampfbremse feuchtevariabel ist und kapillare Dämmstoffe wie Holzfaserdämmungen eingebaut wurden kann ich mir nur dann Schadensmöglichkeiten wegen höherem Sd-Wert deiner Unterspannbahn (Gitterfolie möglicherweise 2,5- 3 m Sd-Wert) )vorstellen, wenn es zB
- Konvektion- also Undichtigkeiten in der Luftdichtungsebene (Dampfbremse) geben sollte,
- innen eine hohe Feuchtebelastung vorliegt und
- die Dachneigung gen Norden zeigt oder weitestgehend beschattet ist.

Da das in Kombination relativ unwahrscheinlich ist sollte eigentlich kein Grund zu Panik bestehen-
die tatsächlich vorliegenden Verhältnisse können natürlich nur vor Ort beurteilt werden,
bzw ggf Undichtigkeiten zB durch einen Blower-Door Test nachgewiesen werden.

Dass die Dämmplatten press gegen die USB verlegt wurde kann sich auch positiv auswirken,
da dadurch frei abtropfendes Kondensat verhindert und dieses aufgenommen und verteilt wird.

Wenn Kondensat unter Umständen nur an einem Punkt abtropft kann hier die Feuchtigkeit stark erhöht sein und eher zu Schäden führen als bei gleichmäßiger Verteilung.

Die Dachfläche im Bad sollte sorgfältig abgedichtet sein, dazu regelmäßig Lüften oder besser eine kleine, dezentrale Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung wie von Bayernluft o.ä. verwenden-
dann sollten auch hier keine Schäden auftreten.

Da alte Gitterfolien oft uv-geschädigt reduziert dies natürlich den Sd-Wert, was diffusionstechnisch positiv ist, allerdings erfüllt sie dann nicht mehr die Funktion als Winddichtung und wasserführende Ebene bei Undichtigkeiten der Dachhaut.

Wenn das Dach von außen gut zugänglich ist kannst du an kritischen Stellen die Holzfeuchtigkeit der Sparren direkt unterhalb der Unterspannbahn überprüfen- über 18 % sollte diese nicht dauerhaft betragen.