Dämmen und Heizen

10.05.2015



Hallo,

ich spiele mit dem Gedanken ein gut 200 Jahre altes Fachwerkhaus zu erwerben. Dieses ist noch ohne Heizung, Dämmung etc. Mir wurde geraten, dass ich es auf ein Passivhausniveau bringen kann indem ich es innen mit Lu.Po.Therm dämme, eine Wandheizung (Wärmeerzeugung durch eine Wärmepumpe) verwende und davor Gipskartonplatten verbaue.
Ich frage mich, wie dies funktionieren kann, da Fachwerk unterschiedlich reagiert. Daher habe ich Bedenken, dass dies zu Schäden führt. Gibt es hier diesbezüglich Erfahrungen?
vielen Dank



Fachwerkinnendämmung



So unterschiedlich kann die Welt sein.
Ich rate Ihnen nicht dazu, jedenfalls ist das der Schluß den ich aus den mageren Informationen über das Produkt im Internet gefunden habe.
Ihre Bedenken halte ich für begründet- aber warum fragen Sie nicht den Menschen der Ihnen das Dämmkonzept geraten hat?
Er sollte in der Lage sein, seine Empfehlung zu erläutern und Ihre Bedenken auszuräumen.



Fachwerkinnendämmung



Ich habe die Antwort bekommen, auch ein Ziegel saugt kein Wasser und Lehm wurde verwendet weil es früher nichts besseres gab. Darum fühle ich mich bei der Aussage nicht so ganz wohl. Vor allem weil er weder alles was altes an der Wand ist sauber entfernen würde, noch den alten Putz von der Decke (ist guter Schallschutz).
Ich hätte in einem derart alten Haus mit Lehm gearbeitet, sofern es nicht zu dick wird und idealerweise eine Wand oder Fußbodenheizung genommen



Innendämmung



Aha.
Soso.
Ich weiß jetzt nicht ob Sie mit dieser Erklärung was anfangen können.
Ich jedenfalls nicht.
Hat Ihnen denn der nette junge Werktätige den Unterschied und die Wirkungsweisen einer kapillaraktiven und einer diffusionsdichten Innendämmung erwähnt?
Welcher U- Wert wird denn nach Fertigstellung der Innendämmung herauskommen?



Fachwerkinnendämmung



Nein, das kann ich eben nicht, sonst würde ich auch nicht im Forum fragen, ob mir jemand einen Rat geben kann.



Wie mache ich aus einem Oldtimer einen F1-Boliden?



Aus einem etwa 200 Jahre altem Fachwerkhaus ein Passivhaus zu machen, ist nicht nur extrem aufwändig, sondern geht auch mit dem Verlust all dessen einher, was den Charakter und auch Charme eines solchen Kulturgutes ausmacht.
Wenn Sie ein Passivhaus haben möchten, sollten Sie im Übrigen auch unter finanziellen Aspekten eher an einen Neubau denken.

Wir haben im eigenen Büro und auch anderweitig sehr gute Erfahrungen mit Heizleisten gemacht, die preiswert, einfach zu montieren und bestens mit alter Bausubstanz kombinierbar sind.
Von Wandheizungen können wir aus bauphysikalischen Gründen i. d. R. nur abraten. Wer mehr hierzu wissen möchte, findet auf unserer Website einen Beitrag "Wandheizung - bauphysikalische Besonderheiten".

Viele Grüße

Dirk Meisinger



Fachwerkinnendämmung



Nein, das kann ich eben nicht, sonst würde ich auch nicht im Forum fragen, ob mir jemand einen Rat geben kann.

Es würde laut Verpackungszettel bei dem Material ein U äqi von 0,10 W^2/k raus kommen. Das WLZ =0,003 W/mK
Und nein, den Unterschied hat er mir auch nicht erklärt.



Fachwerkinnendämmung



Vielen Dank für die Antwort.
Ich habe auch nicht vor, den Charakter des Hauses zu zerstören und will auch nicht Wände begradigen oder bestehe auf diese Art der Dämmung. Ich wollte nur vor dem Kauf abklären, mit welchen Aufwand das zu sanieren sei (also die Frage ging an den Makler) und was für eine Heizung das beste wäre. Die Wärmepumpe gefällt mir vom Prinzip recht gut, nur ob das in einen so alten Haus praktikabel ist kann ich nicht beurteilen.



Fachwerkinnendämmung



ok Danke, er sprach davon und dass mit der Dämmung es Vergleichsobjekte nur um die 8-10 kWh/(m²a) verbrauchen.

Wenn diese Art der Heizung also schlecht ist, was ist dann empfehlenswert?



Innendämmung



Ich habe das Gefühl das Sie von einem Verkäufer "beraten" wurden. Dafür werden bevorzugt (von manchen Firmen) Leute genommen die weder Ahnung von Bauphysik noch vom Bauen an sich haben.
Vergessen Sie das System.
In der Ausführung bei einer Fachwerksanierung viel zu kompliziert, in Verbindung mit einer Wandheizung Gaga.
Was Sie brauchen ist jemand der Ihnen ein ordentliches Sanierungskonzept erstellt und nicht versucht Kissenfolie zu verkaufen.



Fachwerkinnendämmung



Beraten wurde ich vom Makler der irgendwie noch mit eigner Firma mit der Dämmung und Baudienstleistung beschäftigt ist.
Vielen Dank für die Hilfe.



Erheiternd!



Ein Makler auf Abwegen...das ist nicht ganz makellos.

Sie werden hier viele kontroverse Meinungen finden, aber Ihr gesundes Mißtrauen hat ja schon einen Erfolg gezeigt.

Sie brauchen ein Sanierungskonzept, nicht nur eine Heizung, dennoch: Von Heizleisten halte ich überhaupt nichts (ich hab's im eigenen Haus getestet), und der Beitrag von Dirk oder Annelie lässt, liest man ihn mit knapper Baukasse, gar den Schluß zu, man bräuchte gar keine Dämmung. Über Heizleisten sind viele Märchen im Umlauf.

Eine bewährte (moderate) Innendämmung mit WH sähe so aus: Innenputz entfernen oder, wenn fest, mit Sanierfräse von der Farbe befreien, 5cm Holzweichfaserplatte (z.B. von DOSER) vollflächig in Lehm ansetzen, mit einliegenden Montageleisten im Stufenfalz. Kammschienen und darauf die WH-Rohre montieren, in Lehm zuputzen.

FBH geht auch, sogar mit massiven Dielen. Jedoch wird der Verlust an Aufbauhöhe wohl schwerer wiegen als die um ca. 9cm Wandstärke verringerte Wohnfläche.

WH und FBH haben zudem den Vorteil, mit Niedertemperatur betrieben zu werden. Das ganze ist somit zukunftsfähiger (Wärmepumpe!) als die mit weitaus höheren Temperaturen betriebenen Heizleisten. Diese sind, jenseits der fantastischen Storys von Verkäuferseite, nix weiter als besonders flache und deshalb leistungsarme Kleinheizkörper und Staubsammler. Viele Fachbetriebe fassen so etwas nur sehr widerwillig an.

Grüße

Thomas



FwH als Passivhaus?



Aus einem historischen Fachwerkhaus ein Passivhaus machen zu wollen ist – mit Verlaub – Schwachsinn.
Ohne das fragliche Objekt zu kennen, empfehle ich eine moderate Innendämmung mit Holzweichfaserplatten und darauf eine Wandheizung im Lehmputz.
Flächenheizungen werden mit niedrigen Temperaturen betrieben und sind somit im Verbrauch kostengünstiger als z.B. Fußleistenheizungen (sogenannte Heizleisten) die mit hohen Temperaturen betrieben werden müssen.
Eine Wärmepumpe kann nur im niedrigen Temperaturbereich effizient betrieben werden.
Es ist sinnvoll das ganze von einem Planer, der unabhängig vom Verkauf irgendwelcher Produkte ist, ausarbeiten zu lassen. Am besten einen kompetenten Fachmann zur Hausbesichtigung vor dem Kauf zu Rate ziehen.
Viel Erfolg



Und:



Strahlungswärme bekommen Sie nur mit Flächenheizungen. Dazu zählt die Heizleiste mit denkbar kleiner Fläche nicht.

Grüße

Thomas



Fachwerkhaus auf Passivhausniveau ?



Grundsätzlich können natürlich zumindest die Wände von außen mit einer entsprechenden Dämmschicht versehen werden, sodaß diese dann den Vorgaben an Passivhäuser entsprechen
U-Wert 0,15 Wm²K, jedoch ist dann allenfalls noch innen sichtbar, daß es ein Fachwerkhaus ist.

Laß dir doch einmal ein Angebot von diesem Berater geben, der die U-Werte und Heizwärmebedarf angibt sowie Passivhausniveau garantiert.

Die erwähnten Folien wurden mehrfach von div Herstellern auf der Letzten Baumesse in München angeboten-

die kannst du dir auch versuchsweise selber bauen, indem du Alu-Reflektionsdecken aus dem Erste-Hilfe-Bereich nimmst und dann immer eine Luftpolsterfolie dazwischenlegst bis zur gewünschten Stärke.
Damit dann etwas herumexperimentieren.

Ein Problem wird bei der Bauanwendung sein, daß du eine 100% Dampfsperre bekommst (auch wenn die äußerste etws diffusionsoffenenr ist)
Wie sich das dann mit Wasserdampf bzw überhaupt Luftfeuchtigkeit verhält müßte dann untersucht werden.

Die Anwendung wäre zumindest im Fachwerkhaus ein interessantes Experiment- wenn jemand das Geld und gerade ein abbruchreifes Objekt zur Verfügung hat, bei dem auch mal etwas mißlingen darf.

Andreas Teich



Solch wirre Kommentare...



bekommen Sie hier hat auch: "Die Anwendung wäre zumindest im Fachwerkhaus ein interessantes Experiment- wenn jemand das Geld und gerade ein abbruchreifes Objekt zur Verfügung hat, bei dem auch mal etwas mißlingen darf."

Vermutlich wollen Sie aber lieber risikoarm bauen.

Grüße

Thomas



Unglaube und Nichtwissen



Hallo

die beschriebenen Aufbauten sind fragwürdig.
Zu so einem Bau brauchts keinen Makler mit fadenscheinigem Halb-, Viertel- oder Nixwissen, sondern wie es Georg schon gesagt hat, einen Fachmann und ein Konzept.

dann noch @TWB
Nomen est omen

Zitat:
"Strahlungswärme bekommen Sie nur mit Flächenheizungen. Dazu zählt die Heizleiste mit denkbar kleiner Fläche nicht."

Stimmt halt einfach nicht.

Auch wenn du ein "Heizleistentrauma" hast … 

Bleib halt einfach beim Boden, da bist du gut … und lass das andere einfach!

Florian Kurz



FLH als "Strahlungsheizung" u.a.



Eine Fußleistenheizung (beschönigend auch als Heizleiste bezeichnet) war ein Konvektor, ist ein Konvektor, bleibt ein Konvektor!
Und aus einem Fachwerkhaus ein Passivhaus machen zu wollen… Naja…
Man muss nicht über alles diskutieren.



Nun,



daß eine Heizleiste die Wand NICHT erwärmt, habe ich vor Augen. Die Märchen vom Sancal-Opa im Ohr.

Im Zweifelsfall für die Praxis.

Grüße

Thomas



Ich mache das normalerweise nicht aber:



"Von Wandheizungen können wir aus bauphysikalischen Gründen i. d. R. nur abraten."

Das wäre als würde ich sagen Ingenieurleistungen sind unnötig und verweise auf einen link der NIX aussagt.

Ich kann aus meiner Sicht nur von Heisleisten abraten, aber das tut auch NIX zur Sache.

Also Wärmepumpe lohnt sich nur in Kombination mit einem sehr gut gedämmten Haus! Das läßt sich wie schon gesagt machen aber der Aufwand steht in keinem Verhältnis.

Für die Dämmung gibt es bewährte und weniger bewährt Aufbauten.
Die Schlagworte sind hier: Diffusionsoffen, kapillarer Aufbau, hohes Trocknungspotential und keine Dampfsperre.

Grüße