Dämmen oder nicht? - das ist hier die Frage

23.01.2017 Herr Mario



Hallo zusammen

Ja richtig. Die Frage ist nicht neu.
Aber ich werde einfach aus allem was bisher darüber geschrieben wurde nicht schlau. Vermutlich bin ich zu doof.

Der Grund für die Frage ist, dass ich bis vor kurzem in einer modernen Mietwohnung (nach Minergiestandard) gelebt habe und es dort recht warm hatte (bei geringen Heizkosten).

Nun wohne ich im eigenen Haus, was an sich ein tolles Gefühl ist. Jedoch muss ich sagen, dass es einfach nicht richtig warm ist und der Ölverbrauch bei einer Fläche von ca. 200 qm voraussichtlich bei ca. 5000 - 6000 Liter pro Jahr liegen wird.

Das Haus ist aus dem Jahr 1941, zweischaliges Mauerwerk, Dachgeschoss mit Mineralwolle gedämmt, Dampfsperre innen, Rauspund, Ölzentralheizung Heizkörper Typ 10 und 20 gemischt.

Im EG und 1. Stock ist es aufgrund der kalten Aussenwände ziemlich ungemütlich (es fühlt sich zugig an) und im gedämmten Dach ist es soweit ok (könnte besser sein).

Ich habe geplant im ganzen Haus eine Fussbodenheizung zu installieren und möchte eigentlich gerne auch eine Wandheizung, um die kalten Aussenwände warm zu kriegen. Da sowieso neu verputzt werden muss, sind mir die Mehraufwände egal. Ich habe mir vorgestellt, dass ich an die Aussenwände entweder eine Lage Hanfdämmung oder einen Leichtlehm, dann die Rohre, dann einen Wärmeleitlehmputz aufbringe.

Da die Mineralwolle im Dach nicht mehr so frisch aussieht und es zudem schalltechnisch nicht optimal ist (man hört Strassenlärm), soll auch dort später mal was gemacht werden. Meine bevorzugten Materialien hierfür sind Hanf und Lehm. Aufbau könnte von mir aus z.B. so aussehen (Rauspund als Unterdeckung von innen also zwischen den Sparren, Hanf-Zwischensparrendämmung, Rauspund, Heraklith, Lehmputz)

Ich habe mich schon ausgiebig informiert, muss aber feststellen, dass ich nicht in der Lage bin, mir eine abschliessende Meinung zu bilden, weil ich all die kontroversen Aussagen einfach nicht prüfen kann.
Ausserdem habe ich auch keine Lust darauf, mit den von mir angestrebten Massnahmen alles noch zu verschlimmbessern.

Wenn ich mir mein Haus so wie es ist anschaue, stelle ich aber fest:
- ungedämmte Aussenwände -> kalt, ungemütlich
- gedämmtes Dach -> einigermassen warm, jedoch kein gutes Gefühl wegen verschimmelter Minerallwolle.

Aber im Endeffekt ist doch alles Mist. Egal ob man sich selber was Tolles ausdenkt oder sich von einem Experten was ausdenken lässt. Es kommt immer jemand der irgendwelche Argumente bringt, die dann alles wieder in Frage stellen, gerade weil man sie nicht nicht prüfen kann und dann steh ich wieder am Anfang.

Was also tun? Kann mir jemand einen Tipp geben, wie ich aus diesem Gedanken Wirrwarr rauskomme?

Schöne Grüss
Mario



Energieberater fragen



wäre ein guter bzw der richtige Ansatz.
Es ist völlig egal, was du machen willst, du musst zuerst wissen wo sind die Schwachstellen.
Danach kannst du nach einer Lösung suchen und mit Daten dann auch finden.

Klaus



Dämmung



Es hilft nichts,
Sie müssen sich bemühen die Grundproblematik selber zu verstehen. Dazu brauchen Sie etwas Hintergrundwissen. Ich vermute das vom Physikunterricht nicht mehr viel hängen geblieben ist. Schade, dafür war er eigentlich gedacht.

Lesen Sie die Artikel:

http://ingenieurbüro-böttcher-asl.de/daemmung.html

Ich habe sie so einfach wie möglich gehalten.
Danach können Sie hoffentlich selber (unter Zuhilfenahme eines Fachmanns) verstehen worum es geht und stehen nicht mehr völlig unwissend da.



Dämmung sinnvoll?



Hallo Mario

Erst einmal den Bestand genau feststellen inkl techn Werten wie U-Werten ua.Oberflächentemperaturen, Luftfeuchtigkeit messen.

Wie groß ist der Hohlraum der Außenwand? Ist er durchgehend, teilweise mit Mörtel verfüllt, Wärmebrücken etc?
Wie ist der genaue Wand-,Boden-,Deckenaufbau?

Wenn die jetzige Situation aufgrund von Kältegefühl und hohen Heizkosten unbefriedigend ist soll diese doch wahrscheinlich geändert werden?

Wenn Sie geändert werden soll bleibt nur die Frage, welche Möglichkeiten es gibt, welche ist am effektivsten, wirtschaftlichsten, welche Baubestimmungen müssen ggf eingehalten werden, wenn keine Außendämmung möglich ist geht ohnehin nur Innendämmung.
Dazu gibt's div Systeme- die meisten hier früher dargestellt.

Wenn zB aufgrund der Wärmeerzeugung (Wärmepumpe, Brennwert) niedrige Vorlauftemperaturen sinnvoll sind bleiben nur Flächenheizungen
und/ oder entsprechend große Heizflächen.

Bei kalten Wänden sind Wandheizungen sinnvoll.

Kombinationen mit Fußbodenheizungen sollten vermieden werden, da unnötig teuer und separate Regelung notwendig ist.

Daneben muß Zugluft und unnötige Thermik im Gebäude vermieden oder reduziert werden.

Was nun in deinem Fall sinnvoll ist müßte vor Ort entschieden werden oder bedarf viel mehr Informationen. Du könntest hier noch Bilder einstellen
(-oder auch mir Infos mailen, dann kann ich weitere Möglichkeiten darstellen)
Was manche Ziegelfans bevorzugen- gar nicht dämmen- wäre für mich in deinem Fall keine Option. Ich habe in Schottland hinter sehr dicken Steinwänden gewohnt (nicht im Knast!) das war nicht unbedingt immer angenehm.

Andreas Teich



Dämmung



Als ergänzung zu dem Artikel von Herr Böttcher, wird unter www.temperierung.net eine einfache Wandtemeperierung behandelt, die ich auch bei mir, bei zweischaligem Mauerwerk, eingebaut habe.





Kerndämmung,die innenwandtemperatur steigt und das Haus hält die Wärme länger,das Gefühl von kalter Zugluft verschwindet.Muss natürlich vor Ort entschieden werden ob bei diesem Haus möglich.



Ich bin nun einen Schritt weiter



Hallo zusammen

Erst mal herzlichen Dank für eure Antworten.

Ich habe nun den Rat von Herrn Böttcher befolgt und die Grundlagen der Dämmung und Wärmeübertragung studiert.

Nachdem ich nun begriffen habe, dass es verschiedene Arten der Wärmeübertragung gibt, habe ich einmal versucht herauszufinden, welches Heiz- bzw. Wärmeübertragungssystem (FBH, Wandheizung, Konvektionsheizung) denn nun welche Vor- und Nachteile hat und vor allem wie die verschiedenen Systeme in puncto Effizienz aussehen.

Wenn ich jetzt noch die Aspekte Aufwand, Ertrag und Risiken (Bauschäden, keine oder zu geringe Energie-Einsparungen) miteinbeziehe, dann stelle ich fest, dass sich meine ursprüngliche Ratlosigkeit bereits etwas aufgelöst hat. Hier kurz die Gründe dafür:
- Eine Aussendämmung kommt aufgrund der Kosten nicht in Frage. Die Fassade benötigt zwar in naher Zukunft einmal einen neuen Anstrich aber das war es auch schon.
- Innendämmung: Würde ich nur in Kombination mit einer Unterputz-Wandheizung machen, damit die hinter der Dämmung liegende Wand nicht völlig auskühlt.
- Heizung: Ich bevorzuge nach allem was ich nun darüber weiss eine auf dem Prinzip der Wärmestrahlung basierende Heizung.

So und jetzt muss ich nur noch herausfinden, was es nun wirklich mit der Wandheizung, Heizleiste, Sockelleistenheizung auf sich hat. Dazu werde ich mir als nächstes dieses Dokument reinziehen:
http://www.radia-therm.de/tl_files/egg%202/produktdokumente/Temperierung.pdf

Ich melde mich wieder, sobald ich mehr weiss.

In der Zwischenzeit ist weiteres Feedback willkommen.

Mario



Heizung



Hallo Mario,
wohnen Sie in einem Museum?
einem Depot?
einer mittelalterlichen Burg?
wollen Sie im Winter mit Temperaturen zwischen 15 und 18 C leben?



Wärmeträger



Hallo Georg

Der Untertitel des von mir angegebenen Dokuments (http://www.radia-therm.de/tl_files/egg%202/produktdokumente/Temperierung.pdf) könnte dies auf den ersten Blick vermuten lassen. Ist aber nicht der Fall.

Also im Winter hätte ich schon gerne mindestens 18 Grad. Das ist klar.

Ob sich das mit der Temperierungslösung realisieren lässt, weiss ich zum heutigen Zeitpunkt noch nicht. Jedenfalls habe ich festgestellt, dass in vielen Forumsdiskussionen zum Thema Temperierung wichtige Details bezüglich der Bauweise der Systeme ausser Acht gelassen werden.

Z.B. habe ich kürzlich eine Diskussion zum Thema Strahlungsheizung/Heizleisten verfolgt (http://www.fachwerk.de/fachwerkhaus/wissen/groesser-heizung-198082.html) wo es darum ging, für ein Sandsteinmauerwerk Heizleisten zur Temperierung zu nutzen. Nachdem was ich nun weiss, würde dies (wenn überhaupt) nur mit Systemen funktionieren, welche Wärme mittels Wärmeleitung an die Aussenwände übertragen. Systeme die sich primär Konvektion zunutze machen seien hingegen nur für Leichtbauweise geeignet.

Übrigens geht es auch bei der Temperier Methode nicht ohne Dämmung (erdberührte Flächen, Dach).
Ausserdem hat auch niemand gesagt, dass man zur Ergänzung keine weiteren Wärmequellen integrieren darf.

Und allen Interessierten würde ich empfehlen, sich das Dokument einmal durchzulesen. Es gilt nämlich auch für "andere Gebäude".

Sehr interessant ist die dort klar beschriebene Wirkungsweise, die entgegen der hier vielfach vertretenen Meinung (Coanda Effekt) hauptsächlich daran liegt, dass durch die Erwärmung des Mauerwerk eine Reduzierung dessen Feuchtegehaltes eintritt, was wiederum dessen Wärmeleitfähigkeit herabsetzt. Die Massivwand wird somit dann anscheinend zu einem speicher-fähigen Dämmstoff.

So und bevor ich mit noch weiteren Nachforschungen zum Thema Temperierung viel Zeit verliere, werde ich mir so ein System mal aus der Nähe anschauen.

@alle: Weiss jemand, ob man irgendwo im Raum Bern, Jura, Basel ein (Hüllflächen) Temperierungs System besichtigen kann?

Gruss aus dem Berner Jura
Mario



Hüllflächentemperierung



Mich wundert es nur weil Sie sich bereits für eine Wandheizung entschieden haben.
Die hat all die Effekte die so begeistert beworben werden, außer vielleicht den Coandaeffekt aber den werden Sie kaum an einer Außenwand finden.
Die energetische Austrocknung von Mauerwerk funktioniert so wie jeder Handtuchheizkörper. Wenn ich a) eine trockene Wand habe oder b) sie von selber austrocknen lasse weil die Wand c) von Feuchtequellen abgeschnitten ist (Abdichtung) dann brauche ich keine energetische Trocknung. Keine Energie- weniger Heizkosten.
Inn einem Museum kann das also durchaus von Nutzen sein, dieses Modell ist aber nicht so ohne weiteres auf Wohnhäuser übertragbar.