alter Bahnhof heizen und dämmen

30.01.2010



Hallo liebe Mitglieder,
ich habe gestern einen alten Bahnhof von 1879 gekauft, mein zweites Denkmal. Er hat im EG ca. 180m² Wohnfläche, im aufgesetzten Türmchen nochmal ca. 72 m². Er ist eine Fachwerk-Konstruktion mit Ziegel-Gefachen, gemauert vermutlich mit Kalk-Mörtel. Die Außenwände sind lediglich 16cm stark, von außen mit Holz voll verschalt und verschiefert (sind noch die originalen und werden nicht angetastet). Zur Straßenseite originale Kastenfenster, hinten leider Einscheiben- Thermopane-Fenster, die demnächst wieder rausfliegen. Ich möchte wieder die alten einfachverglasten Holzfenster einsetzen, am liebsten historische, die bei "Altbausanierung" ausgebaut wurden. Ich spiele mit dem Gedanken zur Wärmedämmung ein einflügeliges Vorsatzfenster mit Doppelverglasung auf die Wand zu setzen. Der Höhenunterschied soll mit 40mm Holzweichfaserplatte und Wandheizung und Lehmputz ausgeglichen werden.
Diese Wandheizung habe ich in identischer Form mit meinem Kumpel in dessen Fachwerkhaus installiert (hab Gas-Wasser-Inst. gelernt), das ist der Hammer! Die Wände von ihm sind fast identisch mit meinen. Vorlauftemperatur über Gas-Brennwert-Therme bei 35 Grad! Die Bude ist lecker warm. Abstand 15cm. Das werde ich bei mir genau so machen. Zusätzlich zur Gas-Therme werde ich aber noch einen wasserführenden Kamineinsatz montieren der über einen Schichtladespeicher als Puffer zusätzliche Energie bringt.

Nun meine Fragen:
a)
Ich möchte die Zimmerdecken von innen Dämmen, die darüber liegenden Speicher bleiben ungeheizt und ungedämmt. Bei einer Raumhöhe von ca. 3m beabsichtige ich die Decken ca. 20cm abzuhängen. Wie bekomme ich das am preisgünstigsten hin? Meine Idee: Aus Holzlatten ein Gerüst abhängen und die Decke mit Lehmbauplatten oder Rigips schließen. Wie soll ich den Zwischenraum ausfüllen? Steinwolle als Matte? Ausblasen mit Zellulose? (Dabei hab ich Bedenken wenn ich mal die Decke aufmachen müsste, oder???) Brauche ich da eine Dampfsperre? (ich hab hierzu schon einiges hier gelesen, mich irritieren die teilweise konträren Meinungen) Deckenaufbau von unten: Rauhfaser, Spalier, Balken, Bretter.
b)
Ich habe auf den Innenwänden einen Kalk-Sandputz. Ich möchte die HWPl. mit Lehmputz vollflächig aufkleben und zusätzlich mit Kunststoffdübeln befestigen. Gibt es zum Kleben mit Lehm eine Alternative? Sollte ich hier was anderes verwenden?

Vielen Dank im voraus.
Dieter



alter Bahnhof heizen und dämmen



Hab noch was vergessen...:
Im unteren Wandbereich möchten wir gern eine Holzvertäfelung
anbringen. Ich möchte die HWPl mit der Wandheizung installieren und den Lehmputz in diesem Bereich am liebsten weglassen. Zwischen die Heizungsrohre sollen dann 2-3 horizontale Dachlatten kommen auf die ich eine Echtholzpaneele direkt über die Heizungsrohre aufbringen möchte. Ist das möglich? Geht die Wärme durchs Holz? Müssen die Rohre im Lehm liegen? Muß ich in das Holz Lüftungslöcher (oben und unten) bohren?



Für die Decke



kann ich von Mineralwolle nur abraten, das würde eine Dampfsperre erforderlich machen.
Lehmbauplatte, Holzweichfaser- oder Hanfdämmung, vorhandene Decke(Rauhfaser bitte vorher entfernen).
Für die Wanddämmung ist ein vollflächiges, hohlraumfreies Anbringen erforderlich, in Kalk- oder Lehmmörtel. Lehm bietet hier ein etwas grösseres Zeitfenster bei der Verarbeitung.
Und Wand- und Fussbodenheizungen holen ihrer Effektivität aus der Ummantelung der Leitungen mit massiven, schweren Baustoffen, die zum einen die Energie speichern und grossflächig abgeben. Wenn die Leitungen von leichter Luft umgeben sind, ist die Effizienz zum Teufel.
Die Wandheizung installieren, die Unterkonstruktion für die Holzvertäfelung bauen und bis zur Vorderkante bündig aufputzen. Dann wird das Holz die Wandheizung nur geringfügig beeinträchtigen.
MfG
dasMaurer



Deckendämmung



@ Dieter


Hanfplatten von unten, Dampfbremse und dann sichtbare Decke aus Rigips oder was Du willst.


Ohne Dampfsperre oder -bremse würde ich keinen Deckenaufbau machen, egal welches Dämmmaterial... sonst gibt es Schäden durch Kondenswasser.


Andreas



effiziente Massen



"Und Wand- und Fussbodenheizungen holen ihrer Effektivität aus der Ummantelung der Leitungen mit massiven, schweren Baustoffen, die zum einen die Energie speichern und grossflächig abgeben. Wenn die Leitungen von leichter Luft umgeben sind, ist die Effizienz zum Teufel"

Das mag eine persönliche Meinung sein, eine bauphysikalische Begründung gibt es leider nicht.

So ist eine in Trittschalldämmung gebettete FBH abgedeckt mit Alublech und Estrichziegeln unschlagbar in Aufheizzeiten, die Rücklauftemperaturen, die ja verantwortlich für effiziente Solar und Brennwertnutzung sind, sind ebenfalls optimal. Masse ist in diesem Zusammenhang also ein Nachteil.



Vielen



Dank für die Antworten. Auch hier wieder mal: mehrere verschiedene Ansichten. Aber ich werde die Decke mit Hanf dämmen und ne Dampfsperre drunterpacken, da gehe ich kein Risiko ein. Mit der offenen Verrohrung der Wandheizung auf HWPl und direkt darüber eine dünne Echtholzpaneele bin ich mir noch nicht ganz sicher.



alten Bahnhof heizen und dämmen



Hallo,

einige Vorschläge habe ich noch:
1. Statt des Lattenverschlages können Sie eine abgehängte Metallkonstruktion (z.B. eine Systemdecke von KNAUF o.vglb.) verwenden, die ist leichter zu handhaben.
2. Hanf ist gut aber unnötig teuer, entgegen sonstigen Anschauungen würde ich dann doch auf MIWO zurückkommen, einzig wegen der Kosten
3. Die Dampfsperre können Sie sich schenken, wenn der Speicher gut durchlüftet ist, es gibt dann nämlich keine Kondensationsebene.
4. Widmen Sie den Anschlüssen an die Wand große Aufmerksamkeit: Manche Menschen wundern sich über den konvektiven Wärme- und Feuchtetransport durch eine eventuelle Anschlußfuge.

Der Rest geht so.

Grüße vom Niederrhein