Dachstuhl und Wechsel

22.07.2021 chantor


Hallo zusammen,
im Internet habe ich keine Antwort auf meine Frage gefunden, ob bei einem liegenden Dachstuhl ein Wechsel auf die gleiche Weise eingebaut wird wie bei einem stehenden. Und kann man Aufschieblinge, wenn sie vom Ausschnitt betroffen sind, mit beidseitig aufgeschraubten Plattenmaterial sichern oder wären da noch andere Maßnahmen vorzunehmen?
Ich meine ja, der Einbau unterscheidet sich nicht; aber ich will sicher gehen und hätte gerne eine fachmännische Aussage dazu.
Kann mir jemand behilflich sein?



Zeichnung?



"....ob bei einem liegenden Dachstuhl ein Wechsel auf die gleiche Weise eingebaut wird wie bei einem stehenden."
Wo, bzw. wozu soll denn ein Wechsel eingebaut werden?

"Und kann man Aufschieblinge, wenn sie vom Ausschnitt betroffen sind, mit beidseitig aufgeschraubten Plattenmaterial sichern..."
Was heißt "vom Ausschnitt betroffen sind"???

Kannst du eine aussagekräftige Zeichnung hier einstellen? Aus der das "Vorher/Nachher" ersichtlich ist?
Damit man versteht, was du konkret willst.



Skizze


Skizze

Karl-Heinz, danke für deine Bereitschaft zur Hilfe. Mittlerweile konnte ich mir meine Frage selber beantworten; ich habe meinem eigenen Urteilsvermögen zu wenig zugetraut aber nachdem ich realisiert hatte, daß die Anforderungen an den Wechsel gleich bleiben, egal ob liegender oder stehender Stuhl, wirds einfach und logisch: es interessieren nämlich nur die Sparren, und die haben unabhängig vom Dachtyp die gleichen baulichen Merkmale. Ein Wechsel wird also bei einem Kehlbalkendach genauso hergestellt wie bei einem Pfettendach.
Die Skizze hat auch bei der Überlegung geholfen, wie ein Aufschiebling zu fixieren ist, wenn er von dem durch den Wechsel hergestellten Dach-Ausschnitt angeschnitten wird (s. Skizze): es muß nur eine neue Auflage weiter unten für ihn geschaffen werden, wenn die ursprüngliche wegfällt. Das kann durch eine keilförmige Aufdoppelung auf den Sparren geschehen oder auch durch seitlich verschraubtes Plattenmaterial.



Wechsel



Ein Bild sagt mehr als tausend Worte...... jetzt wirds klarer.... ;-)
Deine grundsätzliche Frage zum Wechsel hast du selbst schon richtig beantwortet.
Und richtig, zwischen den Aufschiebling und den Sparren schiebst du einfach einen passend geschnittenen Keil. Die drei Teile (Aufschiebling, Keil, Sparren) verschraubst du einfach mit 1-2 langen Holzbauschrauben miteinander, fertig. Den zusätzlichen seitlichen Halt für den Aufschiebling bringen die Dachlatten. Alternativ kannst du auch statt einem Balkenstück eine breite Bohle als Wechsel einbauen, die von Unterkante Sparren bis Oberkante Aufschiebling reicht. Dann hast du Beide strinseitig fixiert.
Setzte die beiden Wechsel so weit auseinander dass du noch genug Platz für die Unterkonstruktion und Beplankung der Leibung ist. Damit vom Fensterrahmen aus die obere Leibung waagrecht nach innen und die untere senkrecht nach unten gebaut werden kann. Das gibt einen wesentlich größeren Lichteinfall und besseren Zutritt zum Fenster (oben mehr Kopffreiheit, unten keine schräge "Fensterbank", auf der sich sowieso nur Staub absetzt).



Einbau-Empfehlungen


Einbau-Empfehlungen

Ich bin jetzt wirklich sehr erleichtert, Karl-Heinz, daß ich von dir diese Bestätigung bekomme, denn diese bange Frage geht mir schon etliche Jahre nach. Es ist nämlich so: ich bin am Ausbauen des ehemaligen Speichers, des restlichen, denn ein Teil ist schon ausgebaut; und dort habe ich auch schon Wechsel eingebaut, war mir aber nie sicher gewesen, ob ich nicht zu leichtfertig in die Statik des Dachstuhls eingegriffen hätte. Deshalb wollte ich jetzt für das neuerliche Einbauen auf Nummer Sicher gehen. Meine irrige Annahme, daß dieser durch das "Liegen" die Eigenschaften der Sparren beeinflußt, ist jetzt ja gottseidank berichtigt.
Ich habe sogar schon deine guten Tips, gewissermaßen vorauswissend, beherzigt: nach Durchsicht meiner Ausbau-Dokumentation habe ich entdeckt, daß ich, wie du empfiehlst, auch eine Bohle zum Einbeziehen des Aufschieblings verwendet habe (wußte ich gar nicht mehr).
Und Laibungen bekommen bei mir grundsätzlich eine Schielung; aber bei dem ersten Ausbau war es mir bei den Dachfenstern durch die Dachstuhlkonstruktion teilweise nicht möglich, jeder Laibung eine deutlich sichtbare zu geben.
Anfangs wollte ich den unteren Fensterabschluß auch senkrecht ausbilden, was ich aber verworfen habe, weil der Kniestock für Ablagefächer ausgebaut werden sollte. Im anderen Speicher will ich aber die senkrechte Variante realisieren, weil dort ein Kniestockausbau stellenweise nicht möglich ist.
Ich schicke zu Verdeutlichung zwei Fotos aus meiner Doku mit.
Gruß
P. H.



Dachfenster


Dachfenster

Schade, daß man immer nur ein Bild hochladen kann.
Hier die Fertig-Ansicht.
Beim Putz (Gips) war der Anspruch, daß er nicht richtscheit-plan ist, aber auch nicht zu wellig; die "Handschrift" soll durchaus sichtbar sein, aber auf keine Fall gewollt erscheinen. Die Art der Ausführung bezeichne ich gerne als Edel-Bestich ;-) Auf anderen Fotos sieht man das besser.



noch zu Dachfenster


noch zu Dachfenster

Da ich gerade in meinem Archiv geblättert habe, will ich doch allen Lesern gerne einen kleinen Besucher vorstellen, der sich bei mir während einer Arbeitspause eingefunden hatte. Daß er nur zum Essen gekommen war, hat mich nicht gestört; und ihn offenbar auch nicht, daß ich daneben saß: die Kasein-Farbe hat wohl derart gemundet, daß ich mich sachte bewegen und fotografieren konnte, ohne ihn zu verscheuchen.



Re: Dachfenster



Wow, das sieht toll aus!
Gefällt mir gut. Auch die Lösung mit den schrägen oberen Ecken.
Die ergaben sich wohl weil die Streben des Stuhls in den Ausschnitt rein ragten?
Das gibt dem Ganzen eine besondere Note.

Der "Mitesser" vom anderen Foto war hoffentlich nur ein Besucher und kein Untermieter.... ;-)

Weiterhin frohes Werkeln!
Gruß,
KH



kleine Plauderei


kleine Plauderei

Dein Lob freut mich sehr, Karl-Heinz, dankeschön.
Die Streben vom Stuhl sind tatsächlich für die abgeschrägten Ecken verantwortlich; das Fenster konnte ich nicht weiter nach unten setzen, und die Asymmetrie am rechten Fenster ließ sich auch nicht vermeiden.
Das Mäuschen war nicht lange zu Gast: am nächsten Tag fand ich es im Eimer daneben (der, auf dem eine Spachtel und ein Pinsel liegen) – tot, leider. Auch merkwürdig, weil der Kalkspachtel oder ein Feinputz (?) darin (war auch von Kreidezeit, hatte mir ein Freund zum Ausprobieren gegeben) die Maus gar nicht verschlungen hat wie ein Sumpf; sie lag eher darauf, war auch nicht putzverschmiert. Sollte sie erstickt sein? Hatte der Putz etwa CO produziert? Auf alle Fälle wäre das Herauskrabbeln für die Maus wegen der Putz-Verkrustungen leicht möglich gewesen. Schade.
Ich erlaube mir, dir einen Freigabe-Link für Google-Drive an deine Email-Adresse zu schicken, mit dem dir weitere Fotos meiner Bau-Dokumentation (SpeicherZimmer) zugänglich werden (sofern es dich Interessiert). Wenn ich dir damit vielleicht eine Inspiration für deine berufliche Tätigkeit liefern könnte, würde ich mich für deine Hilfe revanchieren können; aber, ich bin auch stolz auf meine Arbeit, weshalb ich sie auch gerne zeige :-) Falls du reinschaust: Tür, Lamberie, Drempel-Fächer usw. = Kirschbaum; Boden = Lärche, Buche; sichtbare Bauschrauben werden noch durch andere Schrauben ersetzt.
Wie ist es bei dir beim Lehmbau, hat es da Raum für Kreativität? Denn dein Lob und deine Tips lassen mich vermuten, daß du einen Sinn für Ästhetik hast, ein künstlerisches Auge. Es ist ja immer bedauerlich, wenn man seine Fähigkeiten nicht anwenden kann.
Frohes Werkeln kann ich gut gebrauchen, denn ich bin ja auch schon älter, und ich merke es auch das Alter!
Gruß
PH

P.S. zum Bild: hier sieht man eines der vier verschieden farbigen Deckenfelder beim Trocknen; Gips mit beigemischtem ockerfarbenen Sand (aus Roussillon, FR), geglättet; getrocknet ergibt sich eine "wolkige" Ansicht.




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