Dachpappe von Innen ausbessern überhaupt möglich?

20.05.2021 Stefan87


Hallo zusammen,

ich habe die Dachschräge in einem meiner Räume freigelegt, um diese neu zu dämmen. Nun kann ich vom Raum aus auf die Dachpappe schauen. Das Problem ist, dass stellenweise die Dachpappe stark beschädigt ist (Ein Loch an einer Stelle 30x40cm! ..da kann ich von unten direkt auf die Ziegel blicken). Reinregnen tut es zum Glück allerdings nicht!

Ich weiss, die saubere Lösung wäre es, das Dach abzudecken und die Konstruktion neu zu machen, aber dazu fehlt mir aktuell leider Gottes das Geld. Nun lautet die Frage, ob ich nicht auch an den besagten Stellen eine Unterspannbahn von Innen zwischen den Balken direkt unter die Dachpappe anbringen kann?

Auf lange Sicht werde ich das Dach etwa in ~10 Jahren neu eindecken wollen und würde dann in diesem Kontext die Konstruktion von außen erneuern.

Der restliche Aufbau soll so ausschauen, dass zwischen die Sparren Holzfaserdämmwolle kommen soll und intello plus als Dampfbremse. Darauf dann eine Lattung und Rigipsplatten. Dieser Aufbau wurde mir hier einmal im Forum empfohlen und so auch vom Zimmermann bestätigt.



Ach ja: das liebe Geld...



....fehlt uns bei alten Häusern Allen mal hier und da! :-)

Ich verstehe richtig: die Dachpappe ist als Unterspannbahnersatz unter den Ziegeln auf die Lattung montiert? Nun wenn es nicht durch das Loch durchregnet, würde ich eigentlich gar nichts machen! Wozu? Notfalls einen Eimer drunterstellen.

Natürlich sind vorübergehende Provisorien von unten denkbar,- nur: wenn Du unter das Loch etwas (egal ob Dachpappe oder USB) von unten befestigst, wird das vielleicht doch eindringende Wasser zwangsläufig irgendwann seinen Weg durch das Loch finden. Besser wäre dieser Logik nach also,- 2-4 Ziegel entfernen und das Loch von Außen überkleben und wieder Ziegel drauf.

Wie gesagt: da Du aber sagst,- es kommt sowieso nichts durch,- wieso jetzt etwas daran machen? Ich würde regelmäßig kontrollieren, ob es auch bei Starkregen dicht bleibt und gar nichts tun. Fertig!



Eimer drunter und kontrollieren ?



Zitat vom TE: " ... ich habe die Dachschräge in einem meiner Räume freigelegt, um diese neu zu dämmen."
Sollte dann schwierig sein. Ziegel weg und reparieren, Ziegel wieder drauf ist die eindeutig bessere Variante.



Eimer geht leider nicht



wie mein Vorposter schon geschrieben hat, fällt die Option leider aus, da die Dachschräge einen Wohnraum betrifft und ich sie somit auch dämmen und verkleiden muss. Mir ist die Gefahr zu groß, dass ggfs. doch mal Wasser eindringen könnte und sich dann die Dämmung vollsaugt, auch wenn das bislang selbst bei Starkregen und Sturm dicht bleibt.

Aufs Dach zu gehen ist mir selbst zu heikel. Ein Dachdecker, den ich einmal wegen einer anderen Thematik zum Dach befragt hatte, sagte mir, dass man auf den Ziegeln voraussichtlich nicht laufen könnte, ohne einen Teil davon zu zerstören. Er hatte mir eher davon abgeraten. Die Dacheindeckung (Betonziegel) als solche sei aber in einem verhältnismäßig guten Zustand und könne noch seine ~15 Jahre Lebenszeit haben. Also wäre das teilweise abdecken ggfs. ebenfalls problematisch.

Was haltet ihr von der Idee, zwischen den Balken eine Unterspannbahn ganzflächig zu ziehen? Also jeweils an den Innenseiten der benachbarten Balken, dicht an der Dachpappe entlang die Folien tackern und mit Band die Tackerlöcher abdichten. Somit würde dann eventuell eindringendes Wasser lediglich zwischen Dachpappe und "Unterspannbahn" landen, aber nicht tiefer in die Schräge eindringen.

Bin derzeit etwas überfragt...



Notlösung



wichtig wäre dann der Abschluss der USB am unteren Ende, sodass das Wasser schadlos abfließen kann ohne in die Fußpfette o.ä. zu gelangen.
Unser Dachdecker hat einen Kran, an den er einen Personenkorb anbringen kann. So kann er ans Dach, ohne darauf zu müssen. Landwirte benutzen dazu gern ihre Steiger, auch Manitu genannt.



Gerüst/Kran geht aufgrund fehlender Aufstellmöglichkeiten nicht :-/



Aber ich habe nun noch etwas recherchiert und bin dabei auf eine Konstruktion zwischen den Sparren gestoßen, die zwar nicht nach ZVDH komplett konform wäre, aber als "Übergangslösung" wohl schonmal so gemacht wird.

Ich weiß nicht, ob ich hier Produktnamen nennen darf..hoffe, das verstößt nicht gegen irgendwelche Forenregeln...Aber das macht es mir leichter, zu fragen, ob meine Konstellation kompatibel wäre...

Dabei sind die hingegangen und haben eine diffusionsoffene Unterspannbahn (Integra ZUB light; SD von 0,03m) genommen. An die Balken haben die von der Innenseite aus Isover Antispike geklebt..damit braucht man dann wohl angeblich kein Klebeband mehr für die Tackerlöcher. Haben dort die Folie links und rechts an die Balken getackert und mit einer Konterlatte verschraubt. Mittig (parallel) zu den Sparren haben die vorher noch eine Latte angebracht, damit sich in der gespannten Folie später eine Art "Abflussrinne" bildet.

Den Abschluss zum unteren Ende hin haben die lediglich so gemacht, dass sie die untere Reihe der Ziegel angehoben und die Folien dann dazwischen geklemmt haben.

Ergibt diese Konstellation Sinn? Die diffusionsoffene Unterspannbahn zu nehmen? Oder will ich die nach Möglichkeit NICHT diffusionsoffen haben?

Und am wichtigsten: muss ich vorher die noch vorhandene Dachpappe bündig an den Balken abschneiden oder sollte ich sie lieber drauf lassen und die neue Spannbahn einfach darunter entlang ziehen?

Mein restlicher Aufbaue würde dann aus 18cm Holzdämmwolle von Steico bestehen und Intello Plus Folie als Dampfbremse. Zu guter letzt dann einfach eine Konterlattung und Rigips.



Re: Gerüst/Kran geht aufgrund fehlender Aufstellmöglichkeiten nicht



"Ergibt diese Konstellation Sinn? Die diffusionsoffene Unterspannbahn zu nehmen? Oder will ich die nach Möglichkeit NICHT diffusionsoffen haben?"
Sorry, wenn ich es so hart ausdrücke, aber offensichtlich hast du trotz viel Lesens immer noch nicht verstanden wie eine Dachdämmung aufgebaut sein muss, damit sie schadlos funktioniert. Sonst würdest du diese Frage nicht stellen.
Deshalb nochmal eine Erklärung in Kurzform:
Grundsätzlich gilt: Eine Dämmung muss von innen nach außen hin immer dampfdurchlässiger (diffusionsoffener) werden. Deswegen müssen alle verwendeten Materialien dem entsprechend aufeinander abgestimmt sein.

Von innen kann eine Dämmung diffusionsoffen sein, sofern die Dampfdiffusionswiderstandszahl (µ) höher ist als die der äußeren Bauteile (Dämmstoffe und z. B. Unterspannbahn).

Ist außen eine dampfdichte Ebene (Dachpappe) muss innen auch alles dicht sein. D. h., es muss eine Dampfsperre eingebaut werden. Die 100% dicht ist und 100% dicht abgeklebt wird. Da sonst durch Undichtigkeiten eindringende Feuchtigkeit nach außen hin nicht weg trockenen /verdunsten kann.

Wenn du eine zweite diffuionsoffene Unterspannbahn unter die erste dampfdichte (Dachpappe) spannen willst, musst du zwischen den Beiden eine Hinterlüftung lassen, die an Traufe und First be-/entlüftet ist.
Je nach Dachhöhe muss diese Hinterlüftung 3 - 6 cm hoch sein, damit genug Luft zirkulieren kann, die die Feuchtigkeit an der dampfdichten Ebene "mitnimmt".
Machst du die Hinterlüftung nicht, kannst du die diffuionsoffene USB auch weg lassen. Die kondensierte Feuchtigkeit läuft dann eh an dieser runter, auf der Innenseite, in die Dämmung und ins Holz, weil sie nach außen nicht weg kann.......

Wenn das Ganze nur ein Provisorium sein soll und in dem Dach ein Fenster, oder eine Ausstiegsluke ist, beschaffe dir eine PSA/Absturzsicherung mit entsprechend langen Seil, klettere aus dem Fenster schiebe ein paar Ziegel hoch, dass du auf den Dachlatten stehen kannst, flicke das Loch in der Dachpappe von aussen und gut ist.

Siehe: https://www.bghm.de/fileadmin/user_upload/Arbeitsschuetzer/Gesetze_Vorschriften/Regeln/112-198.pdf



Vielen Dank



für ihre Erklärung! Mir stellte sich die Frage, da der ursprünglich geplante Aufbau (vom Zimmermann und hier im Forum empfohlen) eine Dampfbremse (Intello Plus), Holzwolle und zu guter Letzt die (vorhandene) Dachpappe vorsah.

Der Aufbau mit der Unterspannbahn ist bei der Recherche immer als diffusionsoffen beschrieben, daher kam die Verwirrung bei mir Zustande, weil sich das mit der Dachpappe gedanklich gebissen hat.

Ausstiegsluke gibt es auf der betroffenen Seite leider keine.

Wenn ich das also zusammenfasse, wäre die beste Herangehensweise, die Dachpappe bündig mit den Balken von innen herauszutrennen und dann mit der diffusionsoffenen Unterspannbahn zu ersetzen. Somit würde eindringende Feuchtigkeit wieder abtrocknen können. Oder hat die noch vorhandene Dachpappe irgendeinen Mehrwert, weswegen ich sie besser erhalten sollte, sofern möglich?

Alternativ Dachpappe dran lassen, aber dann müsste ich eine Lüftungsebene zwischen Dachpappe und USB lassen, die mich einiges an Dämmstärke kosten würde.

Ich hoffe, ich habe das so nun korrekt aufgefasst.



Richtig



"Wenn ich das also zusammenfasse, wäre die beste Herangehensweise, die Dachpappe bündig mit den Balken von innen herauszutrennen und dann mit der diffusionsoffenen Unterspannbahn zu ersetzen. Somit würde eindringende Feuchtigkeit wieder abtrocknen können."
Richtig, genau so ist es. Alle anderen Überlegungen kannst du jetzt vergessen.

Nur noch ein Verbesserungsvorschlag: Wenn du die USB von innen an die Sparen tackerst, wird die nicht wirklich dicht. Auch wenn du sie zusätzlich an den Sparren verklebst. Die Risse in den Sparren kriegst du eher nicht zu. Lasse von der Dachpappe einfach jeweils rechts und links neben den Sparren ca. 10 cm überstehen, so dass die Dachpappe die USB um diese 10 cm überdeckt. Wenns geht verklebe die beiden noch miteinander, dann wird das Ganze dichter. Eindringendes Wasser (od. im Winter reingewehter Flugschnee) kann so über die Dachpappstreifen in die "Abflussrinne" der USB abfließen.
Zitat: "Mittig (parallel) zu den Sparren haben die vorher noch eine Latte angebracht, damit sich in der gespannten Folie später eine Art "Abflussrinne" bildet."

Und wenn du statt einer USB 20mm-Holzweichfaserplatten zwischen die Sparren schneidest, kannst du eine stabilerer Rinne bauen, die nicht von der Dämmung gegen die Dachlatten gedrückt wird.



Gute Idee mit dem Überstand der Dachpappe!



Das klingt sinnvoll, Reste der Dachpappe als Schutz noch etwas überragen zu lassen!

D.h. ich muss nun nur noch darauf achten, dass die µ bzw SD-Werte von Innen nach Außen immer geringer werden.

Die Produkte, die ich herausgesucht habe, würden bei SD ~7,5 (variabel von 0,25-25m) innen mit der Dampfbremse beginnen. Bei der Dämmwolle finde ich gerade auf Anhieb keine Angaben (habe ein µ von 2 im Kopf bei einer Stärke von 18cm). Die Unterspannbahn hat letztlich einen SD von 0,03. Damit ist das Gedankenwirrwarr zumindest jetzt etwas entknotet und der Feuchtetransport SOLLTE eigentlich funktionieren.

Edit: Den Gesamt U-Wert meines Aufbaus habe ich nun einmal berechnet und müsste lediglich noch 3cm Untersparrendämmung hinzufügen, dann komme ich auf ein U= 0,232 W/m²K

Damit erfülle ich dann zumindest die EnEv Vorgaben