Leichte Raumtrennwand mit Wandheizung + Lehmputz im Dachgeschoss

27.03.2008 nickname



Wir sanieren unser ca. 150 Jahre altes Fachwerkhaus. Zurzeit bauen wir das Dachgeschoss aus. Da die Statik dieser alten Bauernhäuser nicht für ein bewohntes Dachgeschoss ausgelegt wurde, ist hierbei natürlich Fingerspitzengefühl angeraten. Um die künftigen Räume von einander abzutrennen, benötigen wir Raumtrennwände mit einer möglichst geringen Masse bei möglichst hoher Stabilität und einem möglichst hohem schallakustischem Widerstand. Dass sich diese einzelnen Aspekte für gewöhnlich gegenseitig ausschließen ist mir durchaus bewusst.

Nun suchen wir nach einem gesunden Mittelweg. Mein Lösungsansatz ist dieser:

* leichte Holzständerwand ca. 100mm
(Konstruktionsvollholz oder gar 2,5mm Bretter mit Riegel)
* Gefache mit Hanfstopfwolle verfüllt (ca. 50 -60 kg/m³)
* 25mm Heraklith BM Magnesitgebundene Holzwolleplatte als Putzträgerplatte und Schalung in Einem
* 14mm Wandheizung (beidseitig)
* ca. 25mm Unterputz mit Armierungsgewebe
* ca. 1-2mm Oberputz

Meine Frage ist nun, hat jemand von Ihnen Erfahrung mit diesen Heraklith BM Magnesitgebundenen Holzwolleplatten? Bieten diese genug Stabilität? Sind die Platten ein geeigneter Haftgrund für einen beheizten Lehmputz und wie verhält es sich mit der Diffusion (unser Haus ist komplett diffusionsoffen)?

Für Ihre Anregungen, Hinweise oder alternativen Vorschläge bedanke ich mich bereits im Voraus.

Mit freundlichen Grüßen

Ingo Udich



Leichte Raumtrennwand mit Wandheizung



Guten Morgen,
wo soll denn nun der Schwerpunkt liegen:
- auf der Gewichtseinsparung
- beim Schallschutz
- bei der Beheizbarkeit.

Vorschlag:
Stabilität ist selbstverständlich.
Gewicht muß minimiert werden (Gesamtkonstruktion 55 dB haben.
Gegen welche Außentemperatur soll gedämmt werden ?

Sie sehen: Ohne genaue Anforderung ist die Auslegung des Bauteiles nicht möglich.

Bei der Beheizbarkeit muß sicher nicht die gesamte Fläche mit Heizschlangen belegt werden, geht es auch wo anders ?

Grüße vom Niederrhein





Sehr geehrter Herr Beckmann,

vielen Dank für Ihre Reaktion. Es darf in diesem Fall eben keinen Schwerpunkt geben ;-)

Natürlich ist es mir wichtig so leicht wie möglich zu bauen, jedoch sollte man durch die Wand nicht die Mäuse husten hören.

Da es sich um "Raumtrennwände" handelt spielen die wärmedämmenden Eigenschaften hier eine untergeordnete Rolle.

Der zentrale Punkt meiner Frage ist der Haftgrund (möglichst stabil und mit möglichst geringem Eigengewicht) für den beheizten Lehmputz und die Erfahrungen mit der o.g. Heraklith Platte.

MfG

Ingo Udich





Die theoretische Berechnung von Tafeln in dieser Bauweise scheint bisher nicht gelungen zu sein: DIN 1052:2004-08 ist im allgemeinen maßgebend, basiert auf Eurocode 5 und hat insofern Ähnlichkeit mit dem Bemessungskonzept nach Eurocode 3.
Das funktioniert aber nur bei einigemaßen leistungsfähiger Beplankung, zu der man Heraklith-Platten nicht zählen kann.

Zur Gewichtseinsparung würde ich zunächst einmal die Holzständer durch Leichtbau-Stahlprofile C100*50*10*1,5
ersetzen (Ständer), Gewicht 173 g / Meter. Abstand 62,5 cm.
Sollten Sie auf einen besonders hohen Schallschutz Wert legen, sind MW-Profile von Knauf (Akustikprofile) zu empfehlen. Die Holzunterkonstruktion ist im akustischen Sinn zu steif.
Für Boden und Rähm nehmen Sie dazu passende U-Profile, die auf dem Boden verschraubt oder genagelt oder geklammert werden, darunter eine Lage geschlossenzelligen PE-Schaum in Streifen zur Schallentkoppelung.
Sie können akustische Eigenschaften verbessern und die möglichen Horizontallasten auf 8 kN steigern, wenn Sie einen Ständerabstand von 1,25 m wählen. das hat mit der dann größeren Tafelbreite zu tun. Hier müssen Sie zwischen Handlichkeit und Statik / Akustik abwägen.
Die Dämmung nur locker stopfen, nicht pressen.
Als Untertafel beidseitig 15 mm OSB-Platte.
Dann würde ich Betocontakt rollen, damit daraus ein Putzträger wird. Auf das ganze wie von Ihnen beabsichtigt Heizung und Putze, aber lieber einen Leichtlehmputz, wegen des Gewichts.
Gesamtgewicht: < 21 kg / m² + Leichtlehmputz und wasserführende Heizung.
Ein extrem leichtes und dennoch schalldämmendes Bauteil von sehr hoher Steifigkeit. Wenn ich Zeit hab, rechne ich Ihnen auch noch den Schallschutz aus.
Sollte Ihnen die 15er Platte als Putzträger als nicht beulsteif genug erscheinen und in der Deckenstatik noch Platz sein, würde ich auf die 22er OSB-Platte übergehen.
Statt der Plempe (Betocontakt) können Sie dann auch noch irgendwelche Putzträgerplatten darauf befestigen.

Grüße vom Niederrhein



Leichte Raumtrennwand mit Wandheizung



Sehr geehrter Herr Beckmann,

für Ihre umfangreichen Ausführungen vielen Dank. Dank auch dafür, dass Sie mich noch einmal zu Überlegungen veranlasst haben, die geplanten bzw. schon vorhanden Lasten genauer zu betrachten. Die Tatsache, dass allein schon der Lehmputz mit ca. 50kg/m² zu Buche schlägt, hat mich überzeugt nun doch den Rat eines Baustatikers einzuholen. Denn ich verspüre keine Lust, eines Tages unerverhofft mit samt meiner Badewanne eine Etage tiefer zu sitzen :-o

Vielen Dank bis hierher und vielleicht bis zum nächsten Mal.

MfG

Ingo Udich



Holzweichfasertrennwand



Die Fa. DHD hat ein leichtes Trennwandsystem aus Holzweichfaserplatten entworfen und patentiert.
Grundgerüst ist ein Ständerraster aus Hölzern 5x5cm, die in einem Schienensystem gehalten werden.
Diese werden beidseitig mit der DHD 50N Holzweichfaserplatte mit Stufenfalz beplankt. Somit ergibt sich eine 10cm starke Trennwand die beidseitig sofort mit Lehm verputzt werden kann.
Der Schallschutz ist laut Hersteller mit einer 24er Ziegelwand vergleichbar. Zeitersparnis und geringes Gewicht spricht auch für das System. Bei Interesse an weiteren Infos oder einem Angebot für das System einfach Kontakt über meine Profildaten aufnehmen.
Gruß vom Edersee



Raumtrennwand.......



Die Holzwolleplatten gibt es auch in weiteren Stärken.
Wie wäre denn folgender Wandaufbau:
30mm Heraklid-Platte (Beplankung)
40mm Dachlatte (Ständer)
30mm Heraklid-Platte (Beplankung)
Ständerabstand 62,5cm
Beplankung auf den Ständern verschraubt.
Nach meinem Wissen braucht die Holzwolleplatte keine weitere Behandlung um Putz zu tragen.
Allerdings sollten sämtliche Fugen mit Fugendraht bewehrt werden.



Ist die Hütte einsturzgefährdet...



...oder warum macht ihr so ein Faß auf wegen dem Gewicht? Im Vergleich zum Putzaufbau spielt die Unterkonstruktion gewichtsmäßig eine untergeordnete Rolle. Bevor du mit diesen MickeyMouse-Blechprofilen rummachst, nimm dir ein paar Bälkchen, mach eine gescheite Unterkonstruktion und befestige das Heraklith (dazwischen die Wolle), armieren tust du doch ohnehin. Ich halte von den Blechprofilen in einer Holzbude nicht viel...

Gruß Patrick.



Heraklith 100



Um allen Lösungserfindungen zu entgehen, kann man sofort eine 100 mm starke Heraklith BM Wand erstellen.
In Österreich kennengelernt und nach Deutschland mitgebracht.
Die ersten Wände gestellt und wirklich begeistert!!

Schnell, innovativ, und gerade für Dachgeschosse eine hervorragende Alternative zur GK-Ständerwand.

Für Fachinformationen stehen wir Ihnen gern zur Verfügung.

Handwerklicher Gruß

Udo Mühle



Nachtrag



Schauen Sie sich doch einmal die Bildabfolge von Haraklith 100 in dieser Plattform mit an.

Grüße Udo Mühle



Heraklith -Wand als Raumtrennwand mit Lehmputz und Wandheizung



Hallo Herr Mühle,

vielen Dank für Ihre Antwort. Ich werde den Dachbodenausbau wie vorgeschlagen mit Heraklith M bzw. BM ausführen. Scheint mir auch eine recht gute Lösung zu sein. Gibt es zu diesem Produkt bzw. zur Verarbeitung noch etwas spezielles zu sagen? Gesehen habe ich bereits, dass Sie vor dem Stellen der Wände zunächst einen schmalen Streifen der Heraklithplatte auf die angrenzenden Bauteile befestigt haben. Ich nehme an, dass dies mit Schrauben bzw. Nägel (je nach Untergrund) geschiet?! Was für ein Kleber ist das, den Sie da verwenden? Mir ist, als hätte ich etwas von "... auf Zementbasis" gelesesen. Oder kann man auch einen Kleber verwenden, der bei Fermacel Trockenestrich Verwendung findet? Kann ich 25er Heraklithplatten auch mit entsprechend langen Klammern auftackern um Sie dann mit Lehm zu verputzen? Doch noch einige Fragen, die sich da ergeben.

Bis hierher schon einmal vielen Dank für die Antworten und vielleicht bis zum nächsten Mal.

Mit freudlichen Grüßen

Ingo Udich



@ I.U.



Wir sollte uns dazu einmal tiefgründiger sprechen.
Es gibt dazu viele kleinere Details, die das Ergebnis perfektionieren.
Vieles steht nicht in den Anwendungsblättern, sondern muß man sich auch an den jeweiligen Objekten erarbeiten.
Prinzipiell:
An Dachschrägen und Decken ist stets zu schrauben!!!
Auch die Tragwerksunterkonstruktionen!

Geklebt werden eigentlich nur die Platten 75 bzw. 100 mm.
Es handelt sich hierbei um einen speziell dazu entwickelten PU-Kleber.

Ich würde Sie auch gern in diese Arbeit einweisen und partiell dazu begleiten.

Handwerklicher Gruß

Udo Mühle