Dachgeschoss nachträglich dämmen - Lehmdecke

23.06.2015 Ironosos



Hallo liebe Community,

Und zwar möchte ich über den Sommer/Herbst meinen Dachboden nachträglich Dämmen.

Der Aufbau der Decke ist wie folg: im Innenraum ca. 5cm Lehmdecke, darüber eine Bretterdecke welche an den Balken festgemacht ist.... zwischen den Balken Spreu und etwas loser Lehm.
Das Dachgeschoss steht leer, ist unbeheizt und nicht luftdicht (alte Biberschwanzeindeckung).

Ein Kumpel von mir (Dachdecker) meinte, dass man bei diffusionsoffenen Decken z.B. Intello Klimamembran als Dampfsperre aufbringen kann, die Balken aufdoppelt und 200er Stein- oder Glaswolledämmung einbringt. Oben drauf dann OSB-Platten.

Was haltet ihr davon? Ich habe ein Bild vom Aufbau meiner Dachgeschossdecke angehängt.

Kann man das so machen ohne dass es Schimmel gibt? Ist Stein-/ Glaswolle geeignet? Oder doch besser Holzfaserplatten?

Bitte um euren Rat. :)



...



Würde ich nicht so machen, denn:

1. Die warme Seite ist Diffusionsoffen bzw. in solchen alten Dachböden kaum selbst mit Folie 100% dicht zu bekommen, die kalte Seite hingegen ist recht diffusionsdicht (OSB-Platten sind fast dampfdicht aufgrund des Klebstoffanteiles). Tauwasser sammelt sich also unter ungünstigen Umständen an und führt zu Schimmel.

2. OSB-Platten sind nicht ganz winddicht (Randbereiche, Fugen...), die Glaswolle ist noch weniger winddicht, wenn es also etwas Luftzug gibt, wirkt die Dämmung nicht mehr voll. Außerdem hilft die Glaswolle gegen Hitze so gut wie nicht.

3. Die Klimamembran ist da unnötig und zu teuer.

Holzfaserplatten halte ich auch für nicht geeignet, alle Arten von Platten bekommt man in ein altes schiefes Haus nicht sauber eingepasst.

Tu dir selbst einen Gefallen und verwende eine Schüttung. Ich würde Zellulose verwenden, denn leicht verdichtet wirkt diese recht gut auch gegen Luftzug und ist von den diffusionsoffenen Schüttungen mit am günstigsten. Außerdem kann sie Feuchtigkeit puffern ohne gleich zu faulen und liegt LÜCKENLOS überall in JEDER Ritze.

Ich würde eine einfache gitternetzverstärkte Dachfolie (SD-Wert 2 Meter) auf dem Boden ausrollen, darüber 200 mm Zellulosedämmung (verdichtet), darüber eine einfache Holzdielung oder Rauhspund (mit Nut und Feder), hauptsache irgendwas diffusionsoffenes.

Holzdielen passen besser zu einem alten Haus und lassen Feuchtigkeit auch wieder raus.

Sofern deine Dachdeckung keine Unterspannbahn hat, regnet es eh immer mal ein wenig in's Dach, spätestens bei Schlagregen. Eine Feuchtigkeitstolerante (Feuchtigkeit aufnehmen und wieder abgeben!) Konstruktion ist da ein Muss.



Ah..



Hi und danke für die Antwort.

Dachte mir fast, dass die von mir beschriebene Lösung nicht so gut ist.

Deine Lösung mit der Zelluloseschüttung klingt da besser und leuchtet mir auch ein.

Nur noch eine Frage wegen der Dampfsperre... du sagtest Dachfolie... ist die nicht "zu dicht", also die Lässt nach oben hin ja dann gar nichts mehr durch oder? Kann sich an derer Unterseite nicht auch Kondenswasser sammeln?



....



Heute baut kein Mensch mehr "dicht", sondern man versucht, den Eintrag von Feuchtigkeit soweit zu begrenzen (denn der lässt sich selbst bei 100% dichter Alufolie nicht verhindern -> Flankendiffusion) dass alles unschädlich im Sommer zurücktrocknen kann.

Falls es dir Spaß macht, kannst du das schön bei u-wert.net nachrechnen und graphisch ansehen wo das Tauwasser ausfällt.

Ein bisschen Feuchtigkeit darf im Winter ruhig rein WENN es im Sommer wieder raus kann (deswegen unbedingt Oberseite diffusionsoffen!).

Mal eine perfekte Verlegung ohne Löcher der Dachfolie SD=2m angenommen, würde unter der Folie kein Kondenswasser anfallen weil dort, wo das Wasser auf die Folie trifft, die Folie warm ist - die Dämmung liegt ja darüber. Die Luftfeuchtigkeit fällt nur als Tauwasser aus, wenn sie auf eine kalte Oberfläche (je nach Sättigung und Temperatur) trifft.

Je weiter du in der Dämmschicht nach oben gehst, desto kälter wird es bis irgendwann der Taupunkt unterschritten ist. Da fällt dann (IN der Dämmung) Tauwasser aus. Aber nicht viel, denn die Menge wird durch die Folie begrenzt. Je höher der Sperrwert der Folie, desto weniger Wasser. (Ein höherer Sperrwert ist aber NICHT besser, sondern führt zu anderen Problemstellen.) Die Zelluse speichert das im Material und gibt es im Sommer wieder ab. Glaswolle kann das übrigens nicht, die säuft schnell ab.

Damit dies funktioniert, muss einerseits der Feuchteeintrag begrenzt werden und andererseits die Feuchte auch wieder hinaus können.

Den Feuchteeintrag kannst du am einfachsten begrenzen mit einer Dampfbremse (maximal SD = 10), eine Dachfolie mit Sperrwert von SD = 2 Meter passt auf jeden Fall wenn die Oberseite absolut diffusionsoffen ist (d.h. Holz mit Fugen).

Dachfolien sind eigentlich nie dicht, die gibt es ab "offen wie ein Scheunentor" (SD = 0,0x) bis üblicherweise 2,5 Meter so rum. Mit der ganz offenen kannst du nichts anfangen, du brauchst einen SD-Wert zwischen 2 und 10 Meter. 2 Meter sind üblich und daher sehr günstig zu bekommen.

Die dampfdichten Baufolien (SD = 100 = DampfSPERRE), würde ich auf keinen Fall nehmen denn der Aufbau mit einer leichten Dampfbremse ist erheblich Fehlertoleranter (Rücktrocknung ist da auch nach Innen / in den Wohnraum möglich).

Bei der Berechnung der Bestellmenge für Zellulose musst du ca. 1,5-2,0 mal so viel bestellen wie der Hersteller für Fußbodenschüttungen angibt - die werden nämlich maschinell aufgelockert und setzen sich später, bei manueller Einbringung und Verdichtung brauchst du ERHEBLICH mehr von dem Zeug.

Je mehr du reinkippst und verdichtest, desto besser ist der Schall- und Hitzeschutz und auch die Winddichtigkeit. Lose aufgeblasen hast du fast keine Winddichtigkeit. Sparen macht hier also keinen Sinn.



Oberste Geschossdecke



Das ist ein KALTDACH!
Der von Ironosos geplante Aufbau ist mangelhaft.
5 cm Lehmputz an eine Deckenunterseite ist zu viel. Der Einbau ist teuer und gefährlich, wer will schon einen Fladen mit trockenem Lehmputz auf den Kopf kriegen. Bei der Stärke ist die Haftzugfestigkeit von Lehmputz an der Grenze. Die Traglattung (Bretter?) wird durch den schweren Lehmputz UND die Schüttung belastet.
Warum zum Teufel versucht Ihr immer das Fahrrad neu zu erfinden statt seit Jahrhunderten optimierte und bewährte Konstruktionen wie die Einschubdecke zu verwenden?
Mein Vorschlag:
Decke so lassen wie sie ist, falls keine schwerwiegenden Schäden vorliegen die ein Skellettieren erfordern.
Füllung und Einschub verbleiben in der Decke.
Falls ein Ausbau erforderlich ist, wieder Einschub mit Rieselschutz (Unterspannbahn) einbauen, darauf flexible Dämmmatten. Darauf Rauhspund als Montageebene und Belag.
Oben auf den Belag mit einer Dämmlage nachrüsten. Dafür gibt es Holzfaserplatten (bei Bedarf begehbar) der Markenhersteller die sich trocken Verlegen lassen.
An der Unterseite den Putz nachbessern oder bei Bedarf eine Unterhangdecke im Trockenbau nachrüsten (Direktabhänger, Traglattung einschließlich Randprofile, Gipskarton).
Nix OSB!



...



@Guy:

Danke für die ausführliche Beschreibung, hat mir sehr geholfen das Ganze zu verstehen. :)

@zweiten Poster:

Danke auch dir. Der aktuelle Aufbau meiner Dachgeschossdecke ist auf dem Bild zu sehen (ist nicht meine Planung). In diesem Zustand beheize ich meinen Kaltboden mit.^^
Die 5cm Lehmputz (wenn nicht noch mehr) hängen im gesammten Obergeschoss da schon ca. 100 Jahre dran. Ich vermute dass es gestampfter Lehm ist (bin mir nicht sicher, hab die Decke nicht aufreißen wollen).
Außerdem ist die Decke soweit sehr gut intakt. Wie gesagt, nur die Dämmung fehlt. Früher war da mal ein Heuboden obendrüber, womit sich für die Bauern das dämmen erübrigt hat.

Guys Vorschlag klingt ganz gut und so in der Art werd ich es auch machen.



Dachgeschossdecke



Dann sollten Sie sich Ihre vorhandene Decke mal genauer ansehen. Der von Ihnen genannte Aufbau stimmt so nicht. Wahrscheinlich handelt es sich um eine Windelbodendecke.
Mein Vorschlag bleibt davon unberührt.



Danke



Ja auf meinem Bild ist es nicht optimal dargestellt. Also korrigiere ich: Es ist gestampfter Lehm der bis ca. zur Mitte der Balken geht, darüber ist dann eine 5cm Spreuschicht.

Deswegen muss ich aufdoppeln, sonst passt da keine 200er Dämmung rein.


Nach der Dämmung werd ich dann wie von euch beiden beschrieben Rauhspund draufpacken.

Ist bei 200er oder 220er Dämmung noch eine Schicht begehbare Holzfaserplatten notwendig? Oder reicht dann meine Dämmung?



Dachgeschossdämmung



Anscheinend haben Sie auch nicht verstanden was ich meine.
Schade.
Sie sollten mal auf die Internetseiten der Markenhersteller wie Homatherm, Steico, DHD Doser, Unger Diffutherm schauen. Vielleicht kommt da so etwas wie Erleuchtung.



...



Für mich ist die Frage geklärt.

Werd es dann in der Art und Weise machen wie Guy es gepostet hat. Klingt für mich am einleuchtendsten. ;) Warum kompliziert wenn es auch einfach geht.



Deckenaufbau



Das soll der einfache Aufbau sein?
Ist das jetzt ironisch gemeint?



Oberste Geschoßdecke dämmen- Zellulose



Muß die Decke nach erfolgter Dämmung auf der kompletten Fläche begehbar sein?
ZB zum Lagern von Gegenständen oder genügt Begehbarkeit in Teilbereichen wie zB für den Kaminkehrer?

Bei Isocell wird ein (allerdings relativ teures) System angeboten
(Woodyfix), bei dem solche Dämmungen mit einer Dampfbremse auf dem Rohboden vorgestellt werden:
Holzständer mit eingelegten Latten (4/5 oder 4/6 cm)lo
Zellulosedämmung
Oben Abdeckung mit 18 mm OSB 3-Platten.
Bei relativ dampfdichten Unterböden kann die Dampfbremse entfallen.

Ähnliche Systeme mit Pappröhren als Ständer werden von Isofloc angeboten.

Wenn keine Begehbarkeit der Dämmung notwendig ist, wäre das preisgünstigste und schnellste nur Zellulosedämmung offen aufzublasen,
ca 30 kg/m3
Am Rand und beim Treppenaufgang muß in Höhe der Dämmung eine Wand, Holzbrett, Folie etc angebracht werden.

Die Zellulose kann zur Bindung oberflächlich mit etwas Wasser besprüht werden oder mit einer diffusionsoffenen Folie abgedeckt werden.

Die günstigste Folie ist mit ca 1,-€/qm Geotextil,
welches in großen Breiten erhältlich ist.
Bei einem späteren Dachausbau kann die Zellulose zur Dachdämmung eingeblasen und so wiederverwertet werden-

dann werden etwa 55kg/m3 benötigt.

Ich habe 24 cm hohe Holzstegträger als Unterkonstruktion für die Dachbodendämmung verwendet, da die wegen großer Länge und Stabilität bei unebener Decke leichter in der Höhe zu nivellieren sind, gleichzeitig geschlossene Gefache bilden zum Einblasen von höher verdichteter Zellulose und darüber dann 18 mm OSB-Platten geschraubt, weil der Dachboden komplett begehbar sein sollte.

Es können natürlich auch Hanf-, Zellulose-, Holzfaserplatten ausgelegt werden- diese gibt es auch mit direkt begehbarer Oberfläche.

Ggf gerne nachfragen unter der angegebenen Emailadresse.

Andreas Teich



...



Weil hier die Frage kam, ob ich das schonmal so umgesetzt habe:

Ich habe mein Büro seit 10 Jahren unter genau dieser Konstruktion (ca. 100 Jahre alte Holzbalkendecke mit Einschubbrettern und Lehmfüllung, darauf eine Gitterfolie SD=2, darüber 200 mm Zellulose, mit Kantholzaufdoppelung und dem billigsten Rauhspund den es gab (Raumhöhe eh nur 1,5 Meter). Funktioniert erstklassig (wärmer im Winter, kühler im Sommer) und ist alles staubtrocken.

Falls du da Stromkabel hast (Dacheinspeisung o.ä.), sollten diese nicht in der Dämmung liegen da dies die Strombelastbarkeit verringert (Temperaturstau). Die sollten frei in der Luft hängen.

Eine 220 mm Dämmung ist bei so einem alten Haus nicht nötig. Die Wirtschaftlichkeit sinkt ab einem bestimmten Punkt mit der Dämmstärke wieder - willst Du Heizkosten sparen und das Geld stattdessen für Dämmung ausgeben oder willst Du Geld sparen?

Zellulose hat nen U-Wert bei 200 mm von ca. 0,193 W/m²K

...und dann haste ne Aussenwand aus z.B. Vollziegel 240 mm mit U-Wert 1,92 W/m²K. Und nun überleg mal - ist die Außenwand größer oder die Dachfläche? Sobald Du den Dachboden gedämmt hast, gehen rechnerisch 90% der Energie dann eh woanders raus.

Die EnEv schreibt einen U-Wert von 0.24 W/m²K im Bestand vor, daran würde ich mich halten. Das sollte bei deinem Dachaufbau bei ca. 140-160 mm Zellulose erreicht sein. Wenn Du die Raumhöhe hast, mach ruhig etwas mehr. Aber über 200 mm macht keinen Sinn wenn Du nicht auch Wände und Fenster mit erneuerst...



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@ Andreas Teich

Vielen Dank auch für den Beitrag. :)
Die Fläche sollte schon begehbar sein, aber mit Rauhspund ist sie das am Ende ja.

@Guy

Ja so werd ich es machen.

Und danke für den Tip mit den Stromkabeln. Da liegen einige oben drin in Schutzrohren. Es müsste doch klappen wenn ich diese ganz oben auf die Dämmung lege oder? Also zwischen Rauhspund und Dämmung sozusagen.



...



Die dickeren Kabel sollten schon luftumspült liegen wie bisher auch. Ansonsten ändert sich die Verlegeart und damit die erlaubte Strombelastbarkeit. Wenn die Kabel zu warm werden, altern sie schnell.

Direkt unter dem Rauhspund macht es keinen Sinn wenn du bis oben hin mit Dämmung auffüllst - die Wärme staut sich genau da!

Optimal hängen Kabel immer im Schatten zu allen Seiten luftumspült.